Einfluß durch die Entdeckung Amerikas?

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Entdeckungen (15. - 18. Jhd.)" wurde erstellt von Kassia, 19. Juni 2006.

  1. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Das habe ich in #3 versucht zu definieren.
    Eben. Wenn man die Literatur als Beleg für den Glauben "der Leute" nimmt, dürfte diese wohl nicht die Mwinung der Bevölkerungsmehrheit, sondern eher die einer Elite wiederspiegeln.

    Die Gleichung hat wohl zu viele Unbekannte.
    1. Was glauben "die Leute"
    2. Welcher Glaube kann zu welcher gesellschaftlichen Entwicklung führen.
    Die Bauern bilden in Europa nur noch eine Minderheit. Wenn nicht sie - wer ist dann heute "die Masse" ?

    Fazit : Nach wie vor glaube ich, dass das Denken einer Zeit auch das Handeln bestimmt, nur wer was gedacht hat und welche Handlungen daraus folgten - ich wüsste nicht, wie man das präzise analysieren könnte.
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das Weltbild des Mittelaters ist recht zuverlässig zu definieren. Die Menschen glaubten, dass Gott der Herr sei über die Erde, über die Geschicke der Menschen und über die Zeit. So, wie er die Welt geschaffen hatte, so würde er einst auch ihr Ende bestimmen. Das göttliche Weltgericht am Jüngsten Tag war Endpunkt und Ziel der menschlichen Geschichte und der Mensch musste in seinem Tun darauf vorbereitet sein.

    Nach allseits anerkannter kirchlicher Lehre hatte Gott der Welt eine feste Ordnung gegeben. Jeder Mensch gehörte einem Stand an, als Geistlicher, Adliger oder Bauer. Jeder Stand hatte seine Aufgabe in der Gemeinschaft zu erfüllen durch Gottesdienst, Kampf oder körperliche Arbeit. Die einen standen unten, die anderen oben ... so hatte es Gott gewollt und daran sollte niemand etwas ändern.

    Erst im späten Mittelalter wurde zunehmend Kritik an dieser scheinbar ewigen, gottgewollten Ordnung laut. Auch sah die Wirklichkeit zuweilen anders aus, denn immer wieder durchbrachen Personengruppen die strenge Trennung. Im Prinzip aber hielt sich dieses Weltbild, und erst das Zeitalter der Renaissance und des Humanismus setzte Veränderungen in Gang.

    Zu dieser Vorstellung zählte auch ein geozentrisches Weltbild, d.h. die Vorstellung, dass die Erde fester Mittelpunkt der Welt ist und alle Himmelskörper um sie kreisen. Erst Kopernikus und Galilei wiesen das heliozentrische Weltbild nach, mit der Folge, dass Galilei von der Inquisition angeklagt und 1633 zum Widerruf seiner Lehre gezwungen wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Juni 2006
  3. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Für viele Landstriche Mitteleuropas galt das sicherlich bis ins 19. Jhdt, wenn nicht länger - z.B. hier.
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Du erstaunst mich immer wieder mit solchen Links, Pope. Besten Dank!

    Im übrigen müsste dich dies wesentlich von der Kirche inspirierte Weltbild bestätigen, wenn ich da an unsere Diskussion über Macht oder Ohnmacht der "Heiligen Mutter Kirche" denke.
     
  5. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    ... und was hat nun die Entdeckung Amerikas bewirkt ?
     
  6. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Nehme ich mal kommentarlos zur Kenntnis. :cool:
     
  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Mit der Entdeckung Amerikas begann die "Europäisierung der Welt", die sich in anderen Erdteilen fortsetzte.

    Die unmittelbare Auswirkungen waren vor allem okonomischer und machtpolitischer Natur. Der Handel richtete sich auf den Atlantik aus, die Atlantikhäfen erlebten einen gewaltigen Aufschwung, während das Mittelmeer sowie die Nord- und Ostsee ins Hintertreffen gerieten. Damit hatte auch die Hanse endgültig ausgespielt, Venedig und andere Seerepubliken büßten ihre handelspolitische Vormachtstellung ein.

    Ferner wuchs eine neue Schicht reicher Handelsherren heran, die ihr Geld mit Handelsprodukten aus der Neuen Welt und – nicht zu vergessen – mit dem Sklavenhandel machten.

    Das Geschäft der europäischen Sklavenhändler – keine "Halunken", sondern seriöse Handelsherren – bestand aus dem "Dreieckshandel", an dem afrikanische Sklavenfänger und die spanischen Kolonien in Amerka beteiligt waren: Die europäischen Händler boten den afrkanischen Sklavenfängern billige Stoffe, Alkohol, Waffen und Tand. Die fingen dafür schwarze Sklaven, die auf europäischen Schiffen in die amerikanischen Kolonien gelangten, die ihrerseit die europäischen Händler mit Kaffe, Gewürzen, Zucker, Baumwolle, Tabak, Gold und Silber entlohnten. Ein ungemein einträgliches, wenn auch menschenverachtendes Geschäft! Man schätzt, dass Afrika als Folge des Sklavenhandels zwischen dem 15. und 19. Jh. etwa 40 bis 50 Millionen (!) Menschen verloren hat (nach: A. Cruz-Benedetti, Afroamerika, in: Amerika 1492-1992, Neue Welten – Neue Wirklichkeiten, S. 193).
     
  8. hyokkose

    hyokkose Gast


    Ein bißchen Nachhilfe für den Rotbewerter, der die bisherigen Hinweise und Links überlesen und somit immer noch nicht kapiert hat, daß die Weltumsegelung in keinem Zusammenhang mit dem heliozentrischen Weltbild steht:


    Das geozentrische, ptolemäische Weltbild, das vor Kopernikus & Galilei galt, lautete wie folgt:

    Die Erde ist eine Kugel, die Sonne ist auch eine Kugel, und die Sonne kreist um die Erde drum rum.


    Das heliozentrische Weltbild, das Kopernikus & Galilei verfochten, lautet wie folgt:

    Die Erde ist eine Kugel, die Sonne ist auch eine Kugel, und die Erde kreist um die Sonne drum rum.
     
    El Quijote gefällt das.

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