Elsaß-Lothringen

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von JANKA, 29. September 2009.

  1. JANKA

    JANKA Neues Mitglied

    hi
    Ich habe ne Frage und zwar würde mich interessieren, warum die Deutschen während des vormärzes ein so großes Verlangen nach Elsaß-Lothrungen hatten?






    danke im Voraus
    Gruß Jan
     
  2. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied


    In Elsaß-Lothringen gab es viele Deutsche bzw. deutschsprachige, da diese Gebiete noch bis zum 17. Jahrhundert Teile des Heiligen Römischen Reichs bzw. Teil der Herrschaften war, die dort bestanden.

    Unter dem französischen König Ludwig der XIV. wurden diese Ländereien und auch Teile der Pfalz annektiert.

    Unter anderem, um "ein Einfallstor nach Deutschland zu schaffen".

    Dies erklärt auch viele der Ressentiments, die in der Folge gegenüber Frankfreich bestanden.
     
  3. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Hatten die das?

    Danke schon jetzt.
     
  4. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Interessante Frage. Möglicherweise spielten auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Es gab dort große Rohstoffvorkommen.

    Vielleicht ging es auch einfach darum, gewisse Gelüste der deutschen Bevölkerung nach Annexionen zu stillen?
     
  5. yaprak

    yaprak Neues Mitglied

    Außerdem ist die Stadt Elsaß- Lothringen die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Die dort lebenden Deutschen wollen ja natürlich, dass diese Stadt ihrer Heimat gehören soll und nicht den Franzosen.
     
  6. Mercy

    Mercy unvergessen

    Das "Reichsland" Elsaß-Lothringen

    Hat mit dem "Vormärz" wenig zu tun.
     
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  7. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    nicht ganz...auch im Vormärz gab es sehr nationalistische , panteutonische und nationalromantische Strömungen, die "alle Menschen deutscher Zunge" vereinen wollten. Und da gehörte Elsaß und Lothringen einfach dazu, insbesondere wenn man vom alten HRR-Reichsverständnis ausging.Und diese Strömungen waren es auch, die das Selbstverständnis des Hohenzollern-Reiches nach 1871 prägten. Möglicherweise war Elsaß-Lothringen auch eine Kompensation für die von der damaligen Realpolitik vereitelten großdeutschen Ambitionen.

    In der Pfalz und im Rheinland gab es übrigens auch lange die gegenläufige Strömung,die einen Anschluß an Frankreich bzw. eine Autonomie unter französischer Hegemonie befürwortete.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. September 2009
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Ja, der Edelzwicker ist trinkbar.=)
    Eisenerz in Lothringen, wobei ich nicht weiß, in wie weit die schon bekannt waren.
    Die Kalivorkommen im Elsass waren noch nicht entdeckt, bzw es gab noch gar keinen Bedarf.

    Würde ich für den Vormärz ausschließen. War eigentlich eher umgekehrt. Stichwort Rheinkrise 1840. Die Großgallier bekamen immer mal wieder Lust auf die Rheingrenze.
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Eisenerz-, Bleiabbau usw. gab es schon lange, das reichte aber kaum für Gelüste. Die große industrielle Bedeutung kann man nach 1871 ansetzen.
    Lothringen ? Wikipedia

    "Das im Jahr 1881 eingeführte Thomas-Verfahren zur Stahlerzeugung, mit dem auch das deutsche phosphorreiche Eisen – wie es in Lothringen zu finden war – zu schmiedbarem Stahl verarbeitet werden konnte, erfüllte die Qualitätserwartungen nicht vollständig, so dass man auch weiterhin auf ausländisches Erz und das Bessemerverfahren angewiesen war. "
    Bochumer Verein ? Wikipedia
     
  10. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    also in Mommsens "Weimarer Republik" wird die Industrie in Lothringen als relevante Konkurrenz dargestellt.
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Damit hat er sicher recht.

    Schau mal oben zum Thema: Vormärz :winke:
     
  12. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Bei der Reichsgründung dürfte das aber schon eine Rolle gespielt.
    Im Vormärz eher nicht, aber wie oben aufgeführt war ja das Thema Sprachraum wichtig.
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das würde ich auch so sehen.

    Ich hatte Repos Einwand allerdings nur auf 1848 bezogen. Im langen Jahrhundert waren solche industriellen Aspekte noch weit weg von 1871ff.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Mir ist im Vormärz, also <1848 eigentlich keine irgendwie relevante Äußerung bekannt, die nach Elsaß-Lothringen verlangte.

    Wie gesagt, der umgekehrte Fall, dass die Großgallier nach der Rheingrenze krähten, ist bis 1870 immer wieder aufgetreten.
    Der Deutsche Bund ist eh lediglich als Defensiv-Bündnis gegen Frankreich zu sehen.

    OT:
    Ob er nicht ohne diese immer neuen Drohungen irgendwann sang- und klanglos auseinander gefallen wäre?

    Das Bismarck-Reich jedenfalls wäre ohne Napoleons Gelüsten nach Luxemburg und Pfalz nicht entstanden! Wage ich einfach mal zu behaupten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. September 2009
  15. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ist bei Heines "Wintermärchen" nix dazu erwähnt?
     
  16. Mercy

    Mercy unvergessen

    Indirekt:
    Ein Wintermärchen Vorwort
    Projekt Gutenberg-DE - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
     
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  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Dazu noch zwei Fundstellen, die beachtliche ökonomische Faktoren für Elsaß-Lothringen 1848 ausschließen müßten:

    Der Kaliabbau begann in Elsaß-Lothringen erst 1908 mit dem Abteufen für die erste Grube der Deutschen Kaliwerke AG
    .
    Der lothringische Erzabbau kam 1872 auf rd. 600.000 JaTo, nach gewaltigen Steigerungen der Industrialisierung 1914 auf über 21 Millionen JaTo. Die geringe Ausgangsbasis von 1871 war wesentlich durch den Ausbau der Verkehrswege (Kanäle, Anschlüsse an das Kanalnetz) in Frankreich aus den 20 Jahren zuvor geprägt, dürfte also um 1848 nur einen Bruchteil betragen haben.
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zu dieser Industrialisierung 1871/13 noch gefunden:

    Roheisen-Produktion in Elsaß-Lothringen 1872 von rd. 214.000 Tonnen (15 Werke, 30 Hochöfen, 1367 Beschäftigte - zum Vergleich "Deutsches Zollgebiet" insgesamt 1,3 Mio. to. Roheisen, also rd. 1/6).

    Roheisen-Produktion in 1913, Elsaß-Lothringen: 3.513.000 to. (12 Werke, 61 Hochöfen).

    Quelle: Jersch-Wenzel/Krengel, Die Produktion der deutschen Hüttenindustrie.
     
  19. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Was hier noch fehlt:

    Die 1870 bereits sehr weit entwickelte Textilindustrie in Mühlhausen, mit ihrer besonderen Bedeutung als Vorreiter bei Arbeitsschutz und sozialer Absicherung.
     
  20. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Unabhängig von der Idee, die "deutschen" Gebiete im Elsaß und Lothringen wieder in den deutschen Staatsverband einzugliedern, war auch ein Gedanke, daß man für einen zukünftigen Konflikt (nach 1870/71) mit Frankreich einen strategischen Vorteil erlangen konnte. Irgendwo habe ich doch noch eine Äußerung Bismarcks zu dem Thema gelesen (ob ich die noch wiederfinde:grübel:).

    Deshalb sind auch Gebiete Lothringens annektiert worden, die nie deutschsprachig waren (z. B. Metz).

    Speziell zur Lage der Bevölkerung im Elsaß gab es vor Jahren im TV eine Familiensaga "Die Elsässer", die die Lage einer Familie zwischen 1870 und 1945 schildert, als mehrfach die Nationalität wechselte und jedes Mal von der Bevölkerung sich anpassen mußte.
     

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