Fund-Diverses aus römisch-germanischen Kontakten etc.

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Opteryx, 14. Dezember 2018.

  1. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    Das Gebiet um Merseburg mausert sich immer mehr zur Fundgrube. So konnte ich seit den Osterfeiertagen eine weitere Fundstelle lokalisieren. Diese liegt nur 1000 m Luftlinie zum Fundplatz des Thekenbeschlages (Sichtbereich!) und der Schleuderbleie am Saalehochufer. Diesmal fand ich einen abgegriffenen Denar des Trajan, das Fragment eines Ortbandes für einen Pugio vom Typ Künzing (2./3. Jh. n. Chr.), einen Riemenbeschlag (3. Jh. n. Chr.), das Fragment einer Schwertscheidenklemme, eine gebrochene kobaltblaue Glasperle, ein größeres Fragment einer römischen Bronzefigur sowie einen handgeschmiedetene silbernen Fingerring.

    Einen schönen Sonntag noch an alle.
     

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  2. LEG XVII

    LEG XVII Aktives Mitglied

    Hallo Hermundure, gute Arbeit, Respekt. Mich wundert es nur in welch gutem Zustand die Objekte in Merseburg aus dem Boden kommen, restauriert scheinen sie ja nicht zu sein. Wie ist denn die Geologie vor Ort bei der Fundstelle?
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Beiträge aus dem Thema "Römische Lager in Thüringen" ausgegliedert.
     
  4. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    Hallo LEG XVII,

    die Funde sind von mir teilweise nur gereinigt, teilweise aber auch schon restauriert. Bronzemünzen werden je nach Verschmutzung nur mit lauwarmen Wasser Zahnstochern und Skalpell bearbeitet oder bei starker Verkrustung per Elektrolyse. Bei dem römischen Riemenbeschlag musste ich nicht viel mit dem Skalpell arbeiten (siehe Foto). Um Merseburg haben wir Lössböden.

    Grüße
     

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  5. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    @LEG XVII

    ich gehe mittlerweile davon aus, dass die Römer im 3. Jh. n. Chr. reges Recruiting direkt vor Ort betrieben haben. Bei Bemmann steht ein für mich nicht zu unterschätzender Satz, welcher sich vor allem für diese Zeit in den Funden um Merseburg sehr deutlich abzuzeichnen scheint:

    "Der intensive direkte Kontakt konnte zum einen während der 20- bis 25jährigen Dienstzeit im römischen Heer geschehen, worauf zuletzt insbesondere Rausing (1987) aufmerksam machte. Der Germane "might enter the auxilia as a barbarian but he left it, a full Roman citizen, with twenty years experience of literacy and numeracy in Latin and with twenty years vocational training in a very wide range of trades" (Rausing 1987, 130). Er konnte ab der Regierungszeit Septimius Severus und Caracalla die römische Staatsbürgerschaft erlangen und seine Söhne wurden automatisch römische Bürger, auch wenn sie in der Gerrnania magna geboren wurden. Sie konnten dann in den Legionen Dienst tun."

    Cassius Dio schreibt über Soldzahlungen und Herodian sogar von Hilfsvölkern und Leibwächtern Kaiser Caracallas. Da im übrigen Deutschland nicht einmal annähernd so viele Militariafunde gemacht wurden wie in Mitteldeutschland (J. Bemmann 2003) liegt der Fall eindeutig auf der Hand. Das zeigt auch die Verbreitungsschwerpunkt provinzialrömischer Äxte, Schildbuckel, Schnallen, Sporen und Schwertscheidenbeschlägen. Diese Funde fehlen fast gänzlich in der restlichen Germania Magna (J. Bemmann, S. 88 Abb. 3).

    Grüße
     
  6. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

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  7. LEG XVII

    LEG XVII Aktives Mitglied

    Zeigt diese Abbildung eine Gleichverteilung der Funde über Mitteldeutschland, oder sind da Hotspots zu erkennen?
     
  8. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    Hallo LEG XVII,

    die Funde von römischer Militaria des 2./3. Jh. n. Chr. konzentrieren sich zwischen dem Saale-Elster-Raum, Südharz und Thüringer Wald. Die restlichen Funde in der Germania Magna sind Einzelfunde. Die Karte von Bemmann (2003) muss mittlerweile aber gründlich ergänzt werden, da man mittels Detektor viele Neufunde hat. Gestern fand ich einen Riemenverteiler vom Pferdegeschirr (rechtes Bild). Als Vergleich habe ich ein ähnliches Stück mal nebenan gestellt. Die Ärmchen meines Stückes sind unterschiedlich lang und noch komplett genietet. Das Stück ist ungereinigt.

    Grüße
     

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  9. jchatt

    jchatt Aktives Mitglied

    Hallo Hermundure,

    ein vergleichbareres Modell Deines Riemenverteilers scheint auch schon in Ostwestfalen gefunden worden zu sein. (Seite34)
    http://www.gefao.de/bilder/publikation/AIO12-PDF/AiO 12 - Inhalt.pdf

    Gruß
    jchatt
     
  10. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    Hallo jchatt,

    sieht fast so aus - danke für die Info.

    Grüße
     
  11. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    Guten Morgen,


    jetzt wird es richtig interessant. Habe in Merseburg bronzene Fragmente eines Helms vom Typ Niederbieber 3. Jh. n. Chr. gefunden. Einen kegelförmigen Niet und einen Teil von der Kalotte mit Ansatz zum Nacken. Desweiteren fand ich noch einen Doppelknopf, den Rest einer Kasserolle und einen weiteren Riemenbeschlag. Leider kann ich jetzt nicht mehr auf das Feld - schade. Der Mais ist die letzten Tage stark gewachsen. Bis zum Herbst kann ich aber warten.

    https://kelten-roemer-ev.de/museum/militaerische-ausruestungsteile/helmbestandteile.html

    http://www.romancoins.info/MilitaryEquipment-Helmet-niederbieber.html
     

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    LEG XVII, Divico und jchatt gefällt das.
  12. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Gratulation zu diesem außerordentlichen Fund!

    Das könnte ein wenig nach Harzhorn riechen...
     
  13. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    @Divico

    hier Fragmente vom Nackenschutz mit 2 Nietköpfen vom Harzhorn (siehe Anhang aus Wiki Harzhornereignis).
     

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