Galakleidung im 18.Jh.

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Brissotin, 6. Oktober 2011.

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  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Korrektur

    Ein Augenzeuge, der Herzog von Croÿ, welcher bei der Kaiserwahl von Karl VII. anwesend war, beschreibt diese Kleidung bei den kurfürstlichen Gesandten.
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    Möglich wäre, dass die Gesandten die Herren in den goldenen Gewändern sind, welche auf dem Gemälde, vom Kaiser aus bertrachtet, etwas hinter den anderen stehen. Sie haben immerhin auch lange Perücken.

    Die Kurfürsten hatten zuvor übrigens ihre kurfürstlichen Gewänder angelegt, hoben sich also optisch deutlich von den übrigen Anwesenden, v.a. vor den Gesandten ab.

    Die hohen Sessel beim Krönungsmahl wurden wahrscheinlich von den Kurfürsten bzw. ihren Gesandten eingenommen, denn das war bei den Wahlfeierlichkeiten auch der Fall. Die Ersten Gesandten wurden also ganz so wie die Potentaten behandelt, die sie vertraten, abgesehen freilich davon, dass die echten anwesenden Kurfürsten einen Vortritt vor ihnen genossen.
    Auffällig für mich ist, dass sich weder alle kurfürstlichen Verwandten des späteren Kaisers noch seine Verbündeten, ja nichtmal der Kurfürst von Bayern selbst 1742 zur Wahl bemühten.
    Auf der anderen Seite stimmte selbst Kur-Braunschweig-Lüneburg (vertreten durch den Baron von Münchhausen) für Karl Albrecht, obwohl die Hannoveraner später mit der Pragmatischen Armee den Franzosen und ihren Verbündeten zusetzten.

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    Hans Pleschinksi (Hrsg.): "Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ" C.H.Beck, München, 2011
    S. 38
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es handelt sich doch bei der Kleidung des Dauphin auf der Hochzeit um diejenige des Ordre de Saint-Esprit. Mit der Kommunion wurden die Prinzen der königlichen Familie Ritter.
    Der Duc de Croÿ gibt dazu Auskunft:
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    Der Stich gibt das Ereignis eher gedrängt wieder, so betont der Herzog in seinem Tagebuch, dass der König während der Vermählungszeremonie eher weiter weg stand. Im unteren Bereich der Kapelle befanden sich die Amtsträger und die Hofdamen. 35 Damen des Hofes bildeten um das Paar, als es sich am Altar befand, einen Halbkreis.
    Über die Damenroben verliert der Duc de Croÿ leider kein Wort. Er hebt nur die Pracht heraus und die gold- und silberbestickten Kleider un Brillanten an diesem Tag.
    Da der Herzog den Hof ja gewohnt war und auch schon einige große Festlichkeiten erlebt hatte, er aber diese besonders herausstrich, müssen sie wirklich beachtlich glanzvoll gewesen sein.

    (PS: Die Kleidung im "Marie Antoinette"-Film stimmt also auch in dieser Hinsicht nicht. Aber gerade dahingehend wurde sich ja eh nicht viel Mühe gegeben.)

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    Hans Pleschinksi (Hrsg.): "Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ" C.H.Beck, München, 2011
    S. 237
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Preußen und Frankreich

    Ich habe eine interessante Passage für diesen Thread im Tagebuch des Grafen von Lehndorff gefunden.

    15. Juli 1756
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    Bemerkenswert scheint mir hier, wie offenbar die Hofkleidung festgelegt wurde. Die beiden wichtigsten Personen des Hofes, v.a. diejenigen, welchen die Kompetenz über die Damenkleidung zu bestimmen, zugestanden wurde, machten es unter sich aus.
    Ob die Robe ronde auch bei der Gala zu tragen war, erfährt man leider nicht. Jedenfalls scheint sie ehedem unüblich gewesen zu sein bzw. eher auf Kammerfrauen (sowas wie bessere Dienerinnen von adeligen Damen) bei Hofe beschränkt.

    Relativ genau und auf jeden Fall interessant, scheint mir eine andere Passage, die sich auf die Kleidung Lehndorffs selbst bezieht.
    18. Januar 1757
    **

    Was hieran interessant ist, das ist zweierlei.
    Zum einen sprach sich ein Galatag scheinbar nicht so leicht rum. Man muss dazu anmerken, dass die Hoftrauer oftmals auch recht weit entfernte Personen würdigte und nicht nur Kaiser und Kaiserinnen und deutsche Fürsten und Fürstinnen. Eigentlich verkündete an den meisten Höfen ein extra damit betrauter Hofcharge jeweils, ob Gala angesagt war oder was sonst. Das scheint in Preußen nicht so gut funktioniert zu haben. Immerhin lebte der Graf Lehndorff als ihr Kammerherr im direkten Umfeld der Königin.
    Zum anderen erfährt man, dass die Galakleidung dezidiert golden war. Gemeint ist eine Goldstickerei.
    Man sieht hier beispielsweise den Baron von Bartenstein, ein wichtiger Minister unter Karl VI. und Maria Theresia in einer Kleidung mit Goldstickerei: File:Johann Christoph von Bartenstein.jpg - Wikimedia Commons


    Nicht ganz unähnlich ist auch die Stickerei, welche der Duc de Penthièvre auf diesem Gemälde von Charpentier le Vieux aus den 1760ern trägt:
    File:Monsieur de Penthièvre and his daughter, Jean-Baptiste Charpentier le Vieux.jpg - Wikimedia Commons
    Einen Anzug für offizielle Anlässe sieht man in einem Buch, das im letzten Jahr erschienen ist. Ein dreiteiliger Anzug (Habit complet) von blauem Moiré (Seide) wurde mit einer schmalen silbernen Metallstickerei mit Folie und Pailletten verziert. Im Kerzenschein muss dieser Aufzug viel Glanz verstrahlt haben.***

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    Ernst Ahasverus Heinrich Graf von Lehndorff: "Die Tagebücher des Grafen Lehndorff" Berlin Story Verlag, Berlin, 2007
    S. 314
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    ebenda S. 344
    ***
    S.S. Takeda und K.D. Spilker: "Fashioning Fashion - European Dress in Detail 1700-1915" Prestel-Verlag, München, 2010 (zu einer Ausstellung des Los Angeles Museum of Art)
    S. 196
     
  4. Queenie

    Queenie Neues Mitglied

    Hallo Brissotin,

    bin soeben auf folgende Darstellung gestoßen und ein wenig am zweifeln, ob die zeitgenössisch ist:

    http://images.nypl.org/index.php?id=812077&t=w

    Wer, wann zu welchem Anlass abgebildet ist, steht ja unten drunter. Ich finde die Aufmachungen allerdings ein bisschen merkwürdig. Kann es sich um einen Kostümball gehandelt haben? Besonders die Kopfbedeckung des Comte de Provence sieht merkwürdig aus (?)


    Wünsche Dir ein Frohes Neues Jahr! :winke:

    edit: Die Zeichnung ist wohl erst 1843 entstanden, wenn ich das richtig sehe. Und jetzt sehe ich ja auch, dass der Comte d'Artois (im Hintergrund) gänzlich verkleidet ist, also muss es wohl eindeutig ein Kostümball gewesen sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Januar 2012
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  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Deine Fragen hast Du Dir ja selber beantwortet. Ein künstlerisches Vorbild ist leider nicht zu erkennen und es ist leider auch deutlich, dass es sich um einen Anlass handelt, bei welchem Galakleidung nicht getragen wurde.
     

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