Geschichte von NORTHAG: I. BE-Korps u. I. NL-Korps

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von BerndHH, 28. August 2017.

  1. BerndHH

    BerndHH Mitglied

    Dauerregen - Grenadierwetter!

    Wenn man so nach draußen schaut, alles kein Panzerwetter, um starke gepanzerte Verbände von Ost über eine gigantische Forcierung der 250 m breiten Elbe bei HITZACKER zu bewegen.

    Die große Herbstoffensive der 5. NVA-Armee (9. PzDiv, 8. MSD, 19. MSD, 20. MSD, 94. GdMSD und die beiden selbstständigen PzRgt 138 u. 221) aus dem Raum BOIZENBURG - Angriffsachse LÜNEBURG und aus südlicher Richtung die 3. Stoßarmee MAGDEBURG gegen
    UELZEN. Ein Blick auf die Karte zeigt, wie man den WENDLAND-Zipfel, den LÜCHOW-DANNENBERG-Vorsprung von beiden Seiten hätte eindrücken können.

    Das I. NL-Korps mit der unterstellten 3. Panzerdivision und den "kleinen" holländischen Panzeraufklärern ganz vorne also in keiner beneidenswerten Lage.
    Der COMNORTHAG (Kommandeur d. Heeresgruppe Nord) und der Kommandeur des I. NL-Korps mit unterstellten Truppen müssen sich also die existentiellen Fragen stellen:
    - Wo wird der Schwerpunkt (SP) des WAPA liegen? Sind es wirklich LÜNEBURG und das grenznahe UELZEN oder will der Feind möglicherweise ganz woanders durch?
    - Warum soll sich der Feind zangenförmig verzahnen und durch große Waldgebiete (kein Panzergelände! Achtung der Gegner könnte dort starke PzAbw, PzJg, MILAN-Trp, etc. massiert haben!)
    - Lautet das operative Ziel der 5. NVA-Armee nicht vielleicht WITTINGEN - CELLE - BREMEN? Eine großangelegte Luftlandung auf BREMEN-Flughafen u. Hafenanlagen könnte dies unterstützen
    - Wie erkennen wir die gegnerischen Angriffsschwerpunkte möglichst frühzeitig? Möglichst noch in der Phase, in der sich der Feind noch in den Auflockerungsräumen befindet und sich noch nicht im geplanten Durchbruchsabschnitt entfaltet hat
    - Wird der WAPA C-Waffen einsetzen?
    - Wir stark werden die Frontfliegerkräfte ROT (Suchoi Su-24, Hind-Kampfhubschrauber, etc.) und die Artillerieunterstützung im geplanten Durchbruchsabschnitt

    Dazu können vermutlich nur die damaligen COMNORTHAGs General Sir J. Michael Gow, General Sir Nigel T. Bagnall oder General Sir Martin B. Farndale etwas sagen? Auch die ehemaligen Divisionskommandeure der 3. PzDiv Brigadegeneral Klaus Nennecke, Generalmajor Harald Schulz oder vielleicht auch Generalmajor Jörg Schönbohm noch etwas sagen.
    Was hatte man vor? Wollte man den WAPA vielleicht zum Schein durchbrechen lassen, um ihn dann auf dem TrÜbPl MUNSTER zu packen? MUNSTER liegt zwischen UELZEN und SOLTAU. Das Gelände war den in Norddeutschland übenden Truppen bestens bekannt. Man hätte den WAPA mit Leichtigkeit auf pionierverstärktes Gelände auflaufen lassen können.
    Okay, ist zu viel Spinnerei und Spekulation ... ob ich das noch einmal erlebe, dass in den nächsten 25 Jahren die NATO-Archive endlich, endlich mal die GDPs veröffentlichen? Sonst bleibt alles bei Hirngespinsten ...
     
  2. BerndHH

    BerndHH Mitglied

    Einen wichtigen Punkt hatte ich noch vergessen:

    Die regennasse Norddeutsche Tiefebene wird zum "Schicksalsgelände" des WK III.
    Es dauert einfach viel zu lange, bis sich das komplette I. NL-Korps aus Appeldoorn am VRV massiert hat. Bis dahin sind alle eigenen Panzeraufklärer längst vernichtet und die 3. Panzerdivision BUXTEHUDE zerschlagen.

    Der Soforteinsatz einer luftbeweglichen NATO-Alarmeinheit/"NATO-Feuerwehr" (Allied Command Europe Mobile Forces AMF / ACE Mobile Force) wird überlebenswichtig. Dieser AMF-Verband - vielleicht ein britisches Fallschirmjägerregiment oder gar eine ganze Luftlandedivision muss schnellstmöglich in den WAPA-Einbruchsabschnitt hineingeworfen werden.

    Aus der Luft direkt und unmittelbar ins Gefecht hinein. So wie die Fallschirmjäger damals ausgebildet waren. Kleine luftgelandete KraKa-Trupps mit MILAN und dann am besten aus der Flanke direkt in die T-72, T-64 und T-80 Pulks rein!
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das ist eine zutreffende Beurteilung. Die Ursache ist allerdings Deine Art der Aufbereitung des Themas. Seriöse Publikationen werden nicht herangezogen und stattdessen im Stil von Hackett eine Vorstellung des WW 3 ausgebreitet, die die politischen und militärischen Planung von Nato und WP komplett ignoriert. "Cardboard Castle" ? Fehlanzeige und auch weitere substantielle Publikationen werden nicht gekannt.

    Wirft doch mal einen Blick in "Die Streitkräfte der Nato auf dem Territorium der BRD" (Militärverlag der DDR, 1985), da kannst Du spiegelverkehrt Deine einseitige Argumentation erkennen.

    Allerdings muss man auch feststellen, dass es gut ist, dass es das Primat der Politik in Ost und West gab. Die Militärs aus beiden Lagern hätten uns langst in einen neuen Krieg geführt, um Berlin oder Kuba
     
  5. BerndHH

    BerndHH Mitglied

    Hallo Silesia,
    ja natürlich, im Militärarchiv Freiburg mögen noch etliche GDPs liegen, sind aber meines Wissens nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Hatte da mal angefragt, wurde aber abgeschmettert.
    Allein der GDP 33001 des V. US-Korps im Abschnitt CENTAG
    http://www.php.isn.ethz.ch/kms2.isn...f439f-fb45-4696-8039-f083d58b404c/de/us05.pdf
    ist dank der StaSi publik geworden.

    Dabei sind die GDPs die wichtigsten Dokumente überhaupt, da dort minuziös alles festgelegt wird: von der Alarmierung des jeweiligen Korps, Aufmarsch und Dislozierung, Truppeneinteilung - wir verteidigen mit z.B. drei Divisonen nebeneinander, eine Division als Korpsreserve.
    Operationsführung: Verzögerungsgefecht der Deckungskräfte und die Verteidigung der Hauptkräfte am VRV. Die Unterteilung des geplanten Gefechtes in mehrere Phasen, etc.
    Außerdem das Übliche: Sperrplan Pioniere, Feuerplan Artillerie, Luftunterstützung, Einsatz der PAHs (Bölkow Bo-105 Panzerabwehrhubschrauber) an den Einbruchsstellen, Luftverteidigung, ABC-Abwehr, etc., etc.

    Hallo Thanepower,
    die Quellenlage ist äußerst dürftig. Außer der bereits erwähnten Hammerich-Veröffentlichung gibt es so gut wie gar nichts.
    Neuerungen könnte es aus dem Studium zeitgenössischer Zeitschriften wie "Kampftruppen", "Truppenpraxis", "Soldat und Technik", etc. geben. Sobald ich da etwas Interessantes gefunden habe, würde ich mich wieder melden.
    Meine Schilderung entspricht allein meinen persönlichen Vorstellungen, allerdings ausgehend von Lautsch These, dass die 5. NVA-Armee eben nicht über den Elbe-Lübeck-Kanal angreift, sondern nach Forcierung der ELBE in die Nordheide stößt.
    Sie kommen dann ja unweigerlich in den Bereich der großen NATO-Truppenübungsplätze der NORDHEIDE: MUNSTER NORD/SÜD und BERGEN. Dort wo Panzerkompanie für Panzerkompanie der Bundeswehr, der Briten, der Holländer, seit x Jahren schon das Gefecht der
    Verbundenen Waffen geschossen hatte - und genau da will der WAPA durch? Da wo Jägerhauptmann Müller jeden Erika-Strauch kennt und mit den Wildscheinen "per Du" ist ...
    Die Hölle für eine sowjetische T-72 Kompanie, wenn man es einmal von der anderen Seite her betrachtet. Mitten durch Wurfminenfelder (AT-2 PzAbwMi) --- Minenrämung mit Minenleitern, Sprengschnüren, und von der Flanke hauen Panzerjäger und MILAN-Panzerabwehrlenkraketen rein. Keine gute Zeit für die Panzerbesatzungen. Aber okay, das gehört nicht hier her.

    Besten Dank für Deinen Tipp "Die Streitkräfte der Nato auf dem Territorium der BRD"! Ich bezweifle aber, dass das Buch für meine Belange speziell genug ist. Die Waffensysteme beider Seiten etc. sind mehr als hinreichend beschrieben. Die technischen Daten eines Spähpanzer Luchs oder eines BMP-1 kann man überall nachlesen.

    Die Gaps in der militärhistorischen Forschungen sind ganz andere.
    So zum Beispiel die unterschiedlichen Ansichten des I. NL-Korps, I. BR-Korps, I. DE-Korps und I. BE-Korps, wie man seinen Gefechtsabschnitt zu verteidigen hat.
    4 verschiedene Nationen, 4 verschiedene Taktikschulen ... den Schotten ist es doch egal, ob UELZEN bereits gefallen ist, solange das Schlüsselgelände (SGL) SOLTAU noch feindfrei ist.
    Wie lange soll die 3. Panzerdivision im Deckungsabschnitt des I. NL-Korps denn das Verzögerungsgefecht führen. Gefordert waren irgendwas von 12 Stunden, bis die Holländer endlich in ausreichender Zahl ihre GDP-Stellungen
    besetzt haben. Doch viele Praktiker sagten: keine 6 Stunden! Und nur wenn wir in dieser Zeit Luftüberlegenheit haben. Angesichts der modernen Waffenwirkung und der Feuerkraft des WAPA waren 12 Stunden absolut unrealistisch.
    Und da fehlt es an Einschätzungen, taktischen Beurteilungen, Lessons to learn aus den zahlreichen freilaufenden Manövern aus Sicht der damals befehlenden Stabsoffiziere als Zeitzeugen. Und die erzählen halt nix.

    Und so lange das der Fall ist, bleibt es ein GAP und bietet Raum für abenteuerliche Spekulationen.
     

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