Große Depression 1929/1930, wer kam gut durch?

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von postmann, 26. Januar 2010.

  1. postmann

    postmann Neues Mitglied

    Also ich frage mich ob zur Zeit der großen Depression, wirklich alle unter den wirtschaftlichen Folgen gelitten haben. Von Beamten zum Bankensektor(der auch damals eine Krise durchlief und vom Staat gestützt werden mußte) zur Industrie und Versicherungsbranche.
    Da wir uns zurzeit in einer ähnlichen Lage befinden und die jetzige Krise von unserer Kanzlerin als die schlimmste seit 1929 betitelt wurde, denke ich es ist interessant welche Branchen von der Krise profitiert, oder zummindest, diese recht gut überstanden haben.
    Spontan würde ich annehmen, dass die gesamte Industrie samt Handel stark gelitten haben, durch wegfallende Kreditmöglichkeiten und somit Investitionsmöglichkeiten. Das Beamtentum überstand die Krise relativ gut, da der Staat als Machthaber auf ihm aufbaut und ihn somit besonders schützt. Mit am besten kommt durch die heutige Krise der Versicherungssektor, da in solch unsicheren Zeiten ein Zuwachs am Sicherheitsbedürfnis bei den Leuten eintritt.
    Doch wie war es in der Weltwirtschaftskrise 1929? Ich habe sehr viele Parallelen entdeckt(Platzen von Blasen, erst Deflation dann Inflation, Bankenrettung, politische Radikalisierung etc.), doch wer kann mir sagen welche Branchen/Gruppen relativ gut/schlecht mit der Großen Depression fertig geworden sind? Oder zumindest Literaturhinweise?

    ...posti
     
  2. Alexander4:)

    Alexander4:) Neues Mitglied

    Hi postmann,

    du hast jetzt schon den Bezug auf heute angesprochen. Ich will erst mal die, die gut aus der Krise gekommen sind nennen:

    Bauern ( sie hatten die Lebensmittel und konnten die Preise nach oben schrauben)

    Glaubst du das es wirklich dem Staat so schlecht ging?
    Er macht einfach eine Inflation und schon ist er seine Schulden los.
    Also:

    Gespartes wurde zu wörtlich zu "Altpapier".
    Damit hatten die diejenigen, die viele Waren besassen einen großen Trumpf in der Tasche.
    Sie konnten ihre Ware teuer gegen viele Scheine wieder eintauschen.

    Die Beamten dürften wirklich gut weggekommen sein, denn sie hatten sichere Jobs.

    Die Arbeitnehmer haben oft Pech gehabt. Wegen der hohen Arbeitslosenquote und dem durch die Krise entstandenen "Überlebenskampf", wurden die Arbeiter mit dem Druckmittel "Entlassung" bei Niedrigstlöhnen weiterhin beschäftigt-
    Wenn einer entlassen wurden, standen sofort 10 neue bereit, die diesen Job für weniger Geld erfüllen würden.
    Das Problem haben wir auch heute, allerdings aus anderem Grunde, ich darf nur Schlecker aufführen.

    Ich hoffe ich habe einen kleinen Rundumschlag machen können...
    Gruß Alex
     
  3. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Dazu empfehle ich das Werk von Fritz Blaich, "Der schwarze Freitag", einmal durchzuarbeiten.
     
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  4. postmann

    postmann Neues Mitglied

    Danke für deine Ausführungen und ich stimme dir zu, dass diejenigen welche Waren zur Befriedigung von Grundbedürfnissen hatten am meisten profitiert haben. Also Geschäftsmodelle im hinblick auf die Bedienung von Luxus/hochpreis Bedürfnissen, haben wahrscheinlich mit am stärksten gelitten.
    Was denkst du haben Akademiker durchgemacht? Ich denke diese kamen besser weg als die "billige" und austauschbare Masse von Arbeitern, wurden aber doch hart getroffen, da viele Positionen im Wirtschaftsbereich ebenfalls wegfielen. Zweitens, stimmst du mir zu das es der Versicherungsbranche doch recht gut ging, da das Bedürfnis nach Sicherheit gestiegen ist?

    P.S. Ist echt schwer Daten zu diesem Thema zu finden ohne 500 Seiten Schmöker lesen zu müssen!;)
     
  5. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Postmann & Alex

    Die Buchempfehlung von Turgot ist sehr hifreich.

    Während der Großen Depression (Weltwirtschaftskrise) 1929 bis ca. 1932/33* gab es keine Inflation. Vielmehr wurde den führenden Politikern der Vorwurf gemacht, eine deflationäre Wirtschaftspolitik betrieben zu haben.

    Heinrich Brüning – Wikipedia

    Diese Artikel sind ein guter Einstieg:

    Weltwirtschaftskrise – Wikipedia

    Die Weltwirtschaftskrise

    Alle Bereiche der Volkswirtschaft waren von dieser Krise betroffen, zur Illustration:

    Abteilung I

    Landvolkbewegung – Wikipedia

    Abteilung II

    BMWi - Historischer Vergleich

    Bruttosozialprodukt/ Industrieproduktion (Deutschland)

    [​IMG]


    Quelle:

    Die Weltwirtschaftskrise

    Abteilung III

    Deutsche Bankenkrise – Wikipedia

    Als Deutschlands Banker Demut lernten - einestages

    Darmstädter und Nationalbank – Wikipedia

    Wie gesagt, diese links dienen der Illustration und sind bei weitem nicht "erschöpfend".

    Noch ein Tip, manchmal hilft Literatur um eine Zeit zu verstehen, ich empfehle hierzu Hans Fallada: "Bauern, Bomben, Bonzen" und "Kleiner Mann - was nun".


    M.


    * Diese Wirtschaftskrise endete in den verschiedenen Volkswirtschaften unterschiedlich, darüber hinaus gab es Sondereffekte (z.B. Deutschland, Frankreich).
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Januar 2010
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  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ganz richtig! Zu der Brüningschen Politik wäre noch anzumerken, dass sie zugleich die Beseitigung der Reparationen im Blick hatte. OT: Ansonsten ist das etwas mehr umstritten, als Wikipedia den Eindruck erweckt.

    Die Weltwirtschaftskrise - unabhängig von ihren Ursachen und dem Ausgangspunkt von Bewegungen auf den Geldmärkten - schlug als weltweite Nachfragekrise durch.

    Ein gutes Abziehbild der Krise bietet die weltweite Schifffahrt, bei der es zu Stilllegungen von rd. einem Viertel der Gesamttonnage kam. Die beförderte Tonnage, also der weltweite Güteraustausch, sank um 30%. Ähnliche Bilder bieten sich, wenn man zB den innerdeutschen Transportverkehr auf Schiffe und Wasserstraßen betrachtet. Wie Melchior ausgeführt hat, schlug die Krise dann auf alle Bereiche durch.

    Wenn man in die wirtschaftlichen Auswirkungen einsteigen möchte, bieten sich zB Unternehmenshistorien an, aber auch regionale Studien. Interessant ist, wenn man beides kombiniert, zB
    Meyhoff: Blohm&Voß im "Dritten Reich" - mit Darstellung auch zur Unternehmensgeschichte in der Weltwirtschaftskrise.
    Büttner/Jochmann: Hamburg auf dem Weg ins Dritte Reich - Entwicklungsjahre 1931-1933.
    Büttner, Ursula: Hamburg in der Staats- und Wirtschaftskrise 1928-1931.
    usw.
    Zum Beispiel Hamburg:
    Da die Schlüsselindustrien der Stadt rund um die Schifffahrt völlig einbrachen, mit bis zu 60%igen Beschäftigungsrückgängen auch im Zuliefererbereich, kann man sich leicht die Ausstrahlungen auf Dienstleistungsbereiche, Handwerk, etc. des städtischen Lebens vorstellen. Bei der Bauindustrie betrug der Rückgang fast 60% von 1928 auf 1931 (Neubauten Wohnungen).
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Noch ein Nachsatz zur Deflation, die die Auswirkungen der Politik von Brüning relativieren soll.

    Großhandelspreise nach Ländern 1924-1933. Jahresdurchschnitte unter Zugrundelegung des Goldwertes der Währungen, Basis 1913 = 100%

    1924-1928-1931-1932

    Deutschland: 137 - 140 - 111 - 97
    Frankreich: 489 - 621 - 453 - 380
    Großbritannien: 164 - 142 - 98 - 95
    USA: 140 - 139 - 105 - 93

    Das zeigt, dass Deflation kein spezifisch deutsches Problem in der Weltwirtschaftskrise war. Die Maßnahmen der Regierungen waren ähnlich.

    Schiemann: Die deutsche Währung in der Weltwirtschaftskrise 1929/1933. Währungspolitik und Abwertungskontroverse unter den Bedingungen der Reparationen, 1980, Sozioökonomische Forschungen 12.
     
  8. Alexander4:)

    Alexander4:) Neues Mitglied

    Du scheinst dich für einen wirtschaftlichen´Zusammenhang , vllt. sogar für das WirtschaftsLK zu interessieren.
    1) Luxus Produkte waren denke ich schwer an den Mann zu bringen, da man in einer Krise durch stark schwankende Preise (Deflation/Inflation) nicht genau urteilen kann.
    Wenn der Preis von einem Billiganbieter früher angezogen wird, als der von einer Edelmarke, kann der Billiganbieter beispielsweise genauso viel verlangen und das geht auch umgekehrt.

    2) Ich denke dass es Ärzten in dieser Zeit sehr gut gehen musste, da sie nicht "ersetzbar" waren. Außerdem konnten sie sehr gut Preise regulieren.

    3) Versicherungen ging es danach vielleicht besser ABER

    1930 gab es noch kein so "großes" System, wie heute.
    Und während der Krise müssten die Versicherungen stark gelitten, aber auch stark gewonnen haben.

    Gewonnen haben zB Lebensversicherungen,
    Verloren haben aber Krankenversicherungen etc, da diese den Betrag erst am Ende eines Quartals einziehen. Wenn sie nun eine durch die Krise doppelt so teure Behandlung durchführen müssen, aber das Geld der Versicherten erst am Quartalsende bekommen, entsteht ein "LOCH" im Etat.

    Ich habe mich jetzt nicht auf einen festen Punkt zB 1930 bezogen, sondern auch verschiedene "Fälle".

    Gruß Alex
     
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  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Hallo Alex,

    würdest Du bitte mal in deiner groooooßen Bibliothek nachschauen, ob das stimmen kann, was da so in #8 alles behauptet wird. :still: ;)

    Zur Deflation/Weltwirtschaftskrise gab es oben schon mehrere Hinweise.
     
  10. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Weder Preisschwankungen noch Inflation und Deflation machen eine Krise – ganz im Gegenteil. Und ein Absatzproblem bei Luxusgütern ist noch lange kein Indiz für eine Krise, klar haben sie sich in der Zeit der Weltwirtschaftskrise schlechter verkauft, das liegt aber nicht an möglichen Preisschwankungen oder Auswirkungen von inflationären oder deflationären Effekten, sondern schlicht und ergreifend daran, dass Max Mustermann kein Geld für Luxusprodukte hatte, weil er froh sein musste, wenn er den täglichen Bedarf an Grundprodukten decken konnte. Selbstverständlich gab und gibt es auch Leute, die sich trotz Krise Luxus leisten können, in aller Regel sogar zu sehr erschwinglichen Preisen. „Teuer lebt der arme Mann“ trifft den Nagel hier auf den Kopf, sobald sich wieder mehr Leute Luxusgüter leisten können, steigen die Preise (Zusammenhang von Angebot und Nachfrage bei gleichbleibendem Angebot: Angebot x und steigende Nachfrage = steigende Preise)

    Nicht ein einzelner Marktteilnehmer reguliert die Preise, der Markt reguliert die Preise. Ein „Billiganbieter“ wird seine Produkte zum Preis der des Luxusgutes nicht losbekommen (freie Käuferentscheidung). Wenn ich für 1000,- € Plastikschuhe bei Deichmann oder Louboutins bekomme, welche werde ich dann wohl kaufen? Und umgekehrt: gäbe es Louboutins für 20,- € gäbe es auch einen unheimlichen run auf diese Schuhe, nur leider würde das verfügbare Angebot nicht ausreichen um die Nachfrage zu befriedigen. Ergo, es wird Käufer geben, die bereit sind mehr zu bezahlen um etwas von dem knappen Gut zu erhalten. Was wird also der Anbieter der Louboutinschuhe wohl machen?

    Auch Ärzte können ihre Preise nicht selbst regulieren. Hier ziehen zur Zeit der Weltwirtschaftskrise noch nicht mal die Gesetzmäßigkeiten des freien Marktes, weil hier die Reichsversicherungsordnung von 1911 Anwendung findet und damit die Ärzte auch an feste Abrechnungspreise durch die gesetzlichen KVen gebunden waren.

    Warum?

    Ich nehme mal an, du meinst die Sozialversicherungen, oder? Abgesehen von der Pflegeversicherung, doch, gab es:
    Krankenversicherung seit 1883 (durch die Reichsversicherungsordnung 1911 sogar umfassender als heute)
    Unfallversicherung seit 1884
    Rentenversicherung seit 1889
    Arbeitslosenversicherung gerade noch rechtzeitig seit 1927

    Was nun? Gelitten oder gewonnen?

    Lebensversicherungen sind und waren private Vorsorge und haben nichts aber auch rein gar nichts mit Sozialversicherungen zu tun. Und wie bitteschön sollen Lebensversicherungen durch die Weltwirtschaftskrise gewonnen haben?

    Wo hast du das denn her?

    Durch den Wertverlust des Geldes sowie die festgeschriebene Gebührenordnung für Ärzte wurden die Behandlungen für die KVen billiger…
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Januar 2010
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  11. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Ich glaube, da ist es zu Verwechslungen mit der Inflation gekommen. Da profitiert der Bauer, weil Derivate wie Geld oder sonstige immaterielle Vermögensbestände massiv entwertet werden und seine Lebensmittel immer teurer werden, ja er sogar darauf warten kann, sie zu verkaufen, den mit jedem Tag werden sie teurer.

    Zusammenfassend, Besitzer von materiellen Vermögen und Leute, die sich vorher in der immer weiter abwertenden Währung verschuldet haben, profitieren.

    Bei der Deflation ist das anders. Da profitiert erst einmal der Konsument, denn er kann jeden Tag abwarten, bis der Preis weitersinkt. Das Unternehmen leidet, es wird seine Produkte nur zu immer schlechteren Preisen los.

    Daher kürzt der Unternehmer seine Kosten, entlässt seine konsumierenden Arbeiter, die können nicht mehr konsumieren, die Preise sinken weiter, usw.

    Daraus entwickelte sich 29/30 ein Teufelskreis, Brüning tat kaum etwas gegen die ARbeitslosigkeit, wollte vielmehr geradezu die Wirtschaft vor die Wand fahren, um eine Zahlungsunfähigkeit zwecks Reparationserlass zu erreichen.

    Aus diesem Grund ist der Keynesianismus ja erst zu seinem Erfolg gekommen. Er wurde und wir noch heute mit einer forcierten staatlichen, Investionspolitk als Lösung dieser genannten Probleme angesehen.

    Morgen mehr dazu.
     
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  12. postmann

    postmann Neues Mitglied

    Schonmal danke für die vielen posts!
    Zu Anfang hatte ich gedacht, dass die große Depression durch Inflation ausgelöst wurde, nun weiß ich aber das der Grund eine zunächst starke Ausweitung der Geldmenge war. So wie seit 2001 auch in Amerika. Dann platzte die Vermögenspreisblase und sehr viel kreditbasiertes Geld wurde vom Markt genommen und übrig blieben die Güter, welche dank des Geldschwundes, immer billiger wurden. Also eine Deflation.

    Anscheinend sind alle Branchen ähnlich katastrophal in die Krise geschlittert, oder kamen einige doch recht gut durch. Also Wikipedia schreibt, das auch die Bauern sehr stark gelitten haben, da viele von Ihnen Pachtverträge etc. hatten, welche sie durch die härtere Kreditvergabe nicht mehr bedienen konnten!
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  14. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Mir scheint, hier ist mal eine grundsätzliche Abgrenzung der Begriffe Inflation und Deflation erforderlich. Zwar wurde bereits versucht Erklärungen zu liefern, ich fürchte aber die sind nicht wirklich angekommen.

    Inflation: im Grunde eine Entwertung des Geldes, da es für 1,- € weniger an Gütern gibt -> ergo Güter werden teurer.

    Deflation: das exakte Gegenteil zur Inflation, also eine Aufwertung des Geldes, für 1,- € bekommt man mehr an Gütern -> ergo Güter werden billiger (klingt gut, ist es aber nicht, Stichwort Deflationsspirale, wie bereits 1930 geschehen)
     
  15. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Nun ja, je nach "Schule". ;)

    Ich tendiere in diesem Fall eher zu Galbraith und der Wertblase seit 1925 sowie den institutionellen Mängeln des US-Kapitalmarktes. Ein wesentlicher Aspekt sind für die Initialzündung (die ja auch strenggenommen über mehrere Monate ablief) war der Zusammenbruch der fremdfinanzierten AG-Gründungen in den USA, die über den leverage-Effekt des Verschuldungsgrades arbeiteten und zT unter Kaskadeneffekten ausreichend Anleger fanden. Bei einer simplen Betrachtung sind eben 12% Verzinsung irrelevant, sofern 30% Rendite rausspringen (wodurch die Zinspolitik wirkungslos wird, und die Steuerung über die Geldmenge gefesselt war).

    Das funktioniert nur so lange, bis die "Gewinne" (Überraschung:) Volatilitäten aufweisen (Rendite ist eben teilweise eine Gegenleistung für Verlustrisiken) und der Markt im run kalte Füße bekommt bzw. Deckung für herausgelegte Kredite verlangt. Da wird die vorherige Kreditschöpfung zum Problem (die riesige Steigerungsraten parallel zum Preisniveau entwickelte). Nicht zuletzt ist das ein Grund, warum manche Volkswirte älterer Schule eine Mindestreservepolitik nicht an der Passivseite, sondern an der Aktivseite der Kreditinstitute anknüpfend forderten.

    Wie meinte Hoover beim Amtsantritt im Frühjahr 1929: "der Wirtschaft geht es gut, und die Aktienkurse sind zur Zeit niedrig" (es hatte gerade die ersten warnenden, nervösen, kurzen Rückschläge gegeben). 50% sind halt Psychologie, 90% davon Suggestion.
     
  17. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Darf ich jetzt auch ein: "Je nach Schule entgegnen"? Den Keynesianern folgend ja, betrachtet man aber den monetaristischen Standpunkt zum fehlerhaften Umgang mit der Finanzblase auf den Kapitalmärkten ab 25 sieht es halt wieder anders aus, welche Handlungen/Nichthandlungen schlussendlich zum Crash geführt haben. Wobei sich bei diesem "Streit der Schulen" wohl noch lange keine Klärung abzeichnet.
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wobei sich die Monetaristen problemlos mit der oben dargestellten Wirkungskette anfreunden dürften. :winke:

    Die Zinspolitik versagte (Hochzins zur Eindämmung der Spekulation, allerdings unterhalb der Spekulationsrenditen), der Mengenpolitik waren wegen der Golddeckung die Hände gebunden, und die Musik spielte unkontrolliert auf der Aktivseite der Bankbilanzen. In dem Zusammenhang ist der Emergency Banking Act 1933 zu verstehen, der die Kreditschöpfung einer Kontrolle unterwarf.
     
  19. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Nicht solange der Name Galbraith genannt wird ;)

    Was unweigerlich Wasser auf den Mühlen von Monetaristen gewesen wäre, hätte es sie schon gegeben, was aber nicht die Gründe erklärt. Wobei wir für meinen Geschmack sowieso zu spät ansetzen. Zunächst müsste man doch eher die Blasenbildung auf den Kapitalmärkten hinterfragen um zu den wirklichen Ursachen durchdringen zu können. Alles andere sind doch nur noch Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, die die eine Schule so, die andere eben anders erklärt.
     
  20. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich bin da ganz schmerzfrei zwischen den Lagern. Warum nicht guten Analysen folgen? Wir können aber auch den Namen aus der Datenlage streichen.


    Die Blase bestand nicht nur auf den Kapital-, sondern auch auf den Realgütermärkten (Grundstückspreise, zB Florida).

    Die Ursache der Blase würde ich an die Anthropologen überweisen: Gier und Phantasie. Nach meiner mikroökonomischen Erfahrung sind gezahlte Preise am wenigsten von Geldmengenausdehnungen abhängig.
     

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