Große Depression 1929/1930, wer kam gut durch?

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von postmann, 26. Januar 2010.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ganz genau, die Golddeckung war im Prinzip schon während des Krieges verloren gegangen bzw. trickreich umgangen worden.

    Sonst hätte man 1923 die gesamten Reparationen auf einen Schlag mit einem umgestempelten RM-Schein bezahlen können. Da hätte Paris aber gestaunt :D
     
  2. NichtdieMama

    NichtdieMama Neues Mitglied

    Dabei darf man nicht verkennen, dass es in der Landwirtschaft immer Hoch und Tiefs gibt. Siehe auch den sogenannten "Schweinezyklus". Da mein Großvater Rittergutsbesitzer (in einer Erbengemeinschaft) war, habe ich Quellen aus erster Hand, betreffend einer finanziellen Krise der Gutsbesitzer. Unter solchen Krisen leiden nämlich meist eher die kleineren Bauern, die sich knapp über Wasser halten müssen. Gutsbesitzer dagegen können solche Schwankungen leichter abfangen. Mal ein Beispiel: Das Rittergut meines Großvaters war 936 ha groß. In den Jahren 1931 und 1937 wurden durch Großbrände große Teile der Wirtschaftsgebäude zerstört. Dazu sollte man sagen, dass die Wirtschaftsgebäude aus massivem Backstein gebaut waren. Diese wurden komplett wiederaufgebaut, dazu kamen die neuesten Arten von Zugmaschinen und in dieser Zeit der Zukauf von 500 Schafen. Also schlecht scheint es um die Gutsesitzer nicht gerade schlecht gestanden zu haben, jedenfalls in diesem Beispiel.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Februar 2010
  3. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    MMh, wieso wurde dann die Geldmenge so krass ausgeweitet, die haben doch dauernd gedruckt. War das einfach noch aus dem Krieg heraus und der Angebotsknappheit?


    Wer hat dann eigentlich wann die Rentenmark zurückgenommen?
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    jetzt sind wir aber langsam OT ;)

    Noch 1921 gelang es der Reichsbank, Schatzanweisungen zur Reichsfinanzierung im Markt unterzubringen - eine Frage des Vertrauens, der mangelnden Information und des Drucks auf die Geschäftsbanken.

    1922 gelang das nicht ansatzweise. Die Schatzanweisungen wurden dann auch nicht mit Druck in den Markt gepreßt, weswegen die Reichsfinanzierung in Gefahr geriet. Die laufenden Ausgaben mußten gedeckt werden, also lief die Notenpresse schneller.

    [Die Wirkungen der Geldmengenausweitungen durch Einlagen bei den Banken wurden damals als solche nicht erkannt bzw. waren nicht theoretisch durchdacht.]

    kurz und knapp dazu (zum Verhalten der Reichsbank):
    Deutsche Bundesbank, Währung und Wirtschaft in Deutschland 1875 -1976
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Osthilfe:
    Historisches Lexikon Bayerns - Osthilfe, 1926-1937

    Das war kein zyklisches Angebot/Nachfrage-Problem. Die Agrarkrise war durch schlechtere Rentabilitäten, geringere Erträge und größere Verschuldung der Landwirtschaft bedingt (im Vergleich 1928 zum Vorkriegsstand 1913).
     
  6. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Ach so, das Reich wurde vom Markt also als nicht mehr kreditwürdig erachtet, also hat man gedruckt.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Natürlich kombiniert mit erheblichen Haushaltsdefiziten, die eine Finanzierung erforderten.

    Irgendwo im Forum hab ich mal die Defizite 1914-1919 aus den Statistischen Jahrbüchern gepostet, so um die 100 Mrd. Reichsmark. Einnahmenausfälle nach dem Krieg, Kriegsfolgelasten im Reich und Zinsen dürften die Hauptgründe für die Lücken darstellen.

    Habs gefunden:
    http://www.geschichtsforum.de/f63/die-reparationsfrage-der-weimarer-republik-22500/#post341010
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Februar 2010
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    noch einen Nachtrag:

    Wie die Verschuldung zeigt, waren bereits die Kriegslasten nicht zu stemmen, die Inflation programmiert.

    Die ersten Reparationszahlungen deckten diese Schwäche (der Geldbeschaffung des Deutschen Reichs, natürlich auch für Staatsausgaben) am Kapitalmarkt auf.

    Nach der Londoner Konferenz war ein Zahlungsplan aufgestellt worden, die erste Milliarde GM sollte im August 1921 fließen. Bereits die Beschaffung dieser ersten Mrd. bereitete erhebliche Schwierigkeiten: man leistete 570 Mio. in Devisen; für den Rest von 430. Mio. beschaffte man sich kurzfristige Kredite bzw. griff den Gold- und Silberbestand der Reichsbank an. Der Dollarkurs rauschte daraufhin in den Keller (1.12.1921: 1 $ = 190 RM).

    Die erste reguläre Rate von 500 Mio. GM im Januar 1922 war dann bereits nicht mehr beschaffbar, weder über kurzfristige Kredite noch über einen Auslandskredit. Am 13.1.1922 gewährte daraufhin die Rep.Komm. einen Zahlungsaufschub, dekadenweise sollten nun 31 Mio. bezahlt werden.

    etc. etc.

    Im Sommer 1922 konnte man das Reich als offensichtlich nicht mehr kreditwürdig ansehen.
     
  9. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    danke, schöne ausführung!
     

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