Historisch korrekt dargestellte Spielfilme und Serien gesucht

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Bonni, 24. Mai 2021.

  1. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Ich frage mich immer: will man als heutiger Zuschauer überhaupt so genau wissen, wie es historisch korrekt damals aussah oder (noch schlimmer) roch und schmeckte...
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Durch so was zB:

    Gibt ja genug Versuche, anhand archäologischer, historischer und kunsthistorischer Quellen Rekonstruktionen von so ziemlich allem herzustellen. Daran kann man sich als Filmproduzent orientieren; oder es seien lassen, wir genug Produktionen beweisen. Dass dabei je nach Fall mehr oder minder große Lücken via Phantasie geschlossen werden müssen, liegt in der Natur der Sache "visuelles Medium".
     
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  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Als Marcus Junkelmann Ende der 1980er Jahre mit einigen Freunden die Ausrüstung römischer Legionäre nachbauen ließ und mit seiner "Truppe" von Verona nach Augsburg marschierte, wurde die experimentelle Archäologie noch von manchen belächelt. Inzwischen ist experimentelle Archäologie längst anerkannt, und durch die praktische Erprobung von Militär- und Gladiatorenausrüstungen, durch den Nachbau antiker Fahrzeuge konnten Erkenntnisse gewonnen werden, die eine Rekonstruktion antiker Ausrüstung ermöglichte, die man vor 50 Jahren für unglaublich gehalten hätte.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Flop ist ein bisschen übertrieben. Er hat seine Kosten eingespielt und etwas Gewinn gemacht. Die Kosten lagen bei 150 Mio. Dollar und die Einnahmen bei 210 Millionen weltweit. Im 20.Jh. hätte man das wohl als einen Erfolg bezeichnet. Man kann hier natürlich auch fragen wiederum, warum der Film so teuer wurde. Im 20.Jh. wäre man sicher mit weitaus weniger Geld ausgekommen. Polanskis "Pirates" von 1986 hat "nur" 40 Millionen gekostet und war dann aber wirklich ein Flop an den Kinokassen.

    Zum Thema Seekrieg in der Segelschiffära waren "Master and Commander" und "Pirates" sicherlich die am besten ausgestatteten Filme der letzten 50 Jahre.
    Bei "Master and Commander" gibt es eher inhaltliche Mängel, die aber auch von der Vorlage herrühren könnten. Ich habe bisher nicht verstanden, warum dieses Konstrukt mit dem für die Franzosen gebauten amerikanischen Schiff eingeschoben wurde.

    Es gibt zahlreiche gut gemachte Filme. Ich fand "Emma" von D. Lawrence (Regie) z.B. sehr gut ausgestattet und die Gepflogenheiten der Epoche wie auch den Roman von Jane Austen reflektierend.

    Zur Antike fällt mir kein wirklich guter Film ein. Die erste Staffel der Spartacus-Serie fand ich unterhaltsam mit Lucy Lawless in einer der Hauptrollen.
     
  5. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Hätten sich die Filmemacher an das Buch gehalten und statt der Acheron die USS Norfolk genommen, wäre aus der schönen Szene mit: "Wollt ihr, dass eure Kinder die Marseillaise singen?" nie etwas geworden.

    Dass dann am Schluss die gekaperte Acheron ins gegnerische Valparaiso geschickt wird, ist historisch gesehen zwar bedenklich, schmälert aber die Freude an diesem Film-Kunstwerk nicht.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es ging mir eher darum, dass optisch das französische Schiff einfach aussieht wie ein französisches Schiff und dieses Motiv mit dem Bau in einem amerikanischen Hafen doch irgendwie sinnlos ist. Französische Schiffe galten ja auch persé schon als gut. Im historischen Kontext ergibt es einfach keinen Sinn. Wann soll das Schiff für die Franzosen gebaut worden sein? 1798 während dem Krieg zwischen den USA und Frankreich? Wurde es 1803 überstellt als Louisiana an die USA kam?

    Der Film ist ja trotzdem ein Meisterwerk.

    Alternativ wäre ja denkbar gewesen, dass die britischen Matrosen als Gefangene in einem franz. Hafen waren oder bspw. während der ganz kurzen Friedensperiode 1802/03. Tut dem Film ansonsten ja auch keinen Abbruch.

    Die beeindruckendste Seeschlacht für die Segelschiffära hat zweifelshohne "Old Ironsides" von 1926 geliefert. Ich frage mich immernoch wie der Regisseur vermocht hat diese Actionszenen, Statisten und Schiffe überhaupt zu koordinieren. Sicher ein Meisterwerk.

    Zu "Alexander" haben wir hier im Forum schon endlose Diskussionen. Ich war nicht allzu begeistert. Entsprechend bin ich auch nur einmal reingegangen. Was die historischen Aspekte anbelangt bewegt sich Oliver Stone doch recht frei. Dankbarerweise hat man von den meisten Schlachten ohnehin nur Hinweise, welche ein großes Fragezeichen darüber aufkommen lassen, ob es denn so gewesen sein kann (wie das persische Riesenheer bei Gaugamela, das Dellbrück argumentativ geschickt verworfen hat). Es hätte auch durchaus spannendere Momente in Alexanders Leben wie seine Gefahr am Fluss Granikos gegeben in der er, der Überlieferung nach, geschwebt sein soll...

    Die Frage ist ein bisschen, ob es um Historienfilme in dem Sinne oder auch um Literaturverfilmungen gehen soll.
     
  7. Bonni

    Bonni Neues Mitglied

    Mir ging es um Folgendes: wenn ich einen Eindruck in irgendeine Epoche gewinnen möchte, was kann ich da gucken?

    Also, ein plattes Beispiel zur Veranschaulichung: wenn ich etwas über das Leben im Jahr 1963 lernen möchte, schaue ich nicht Dirty Dancing, sondern Mad Men.

    Hintergrund der Frage ist, dass ich dabei bin, eine Jugendbuch-Reihe zu planen, die in verschiedenen Epochen spielt. Ich habe mich gefragt, welche Filme oder Serien ich zwecks Recherche gucken kann.

    Parallel zu der sehr guten Diskussion hier habe ich mich auch selber ein bisschen schlau gemacht. Ich dachte zum Beispiel, dass "To The Ends of The World" authentisch sei. Musste dann aber in verschiedenen Artikeln lesen, dass das gar nicht stimmt.
     
  8. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Für die russische Revolution von 1905 wäre dann wahrscheinlich Sergei Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" von 1926 sehenswert - oder auch als Beispiel für einen frühen sowjetischen Propagandafilm.
     
  9. Bonni

    Bonni Neues Mitglied

    Oh ja, den haben wir Mal in Auszügen in einem Geschichtsseminar gesehen.
     
  10. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Ich fand Gladiator ganz gut, noch besser aber den Medicus, weil in diesem Film das Alltagsleben im mittelalterlichen Europa des 11. Jahrhunderts als auch das im Orient gut dargestellt wurde – jedenfalls fern der Filme wie z.B. Robin Hood, egal welcher Version.

    Dass im Medicus auch einige historischen Ungenauigkeiten vorkamen – siehe wikipedia – fallen mMn nicht ins Gewicht.
     
  11. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Die Vorlage ist unschuldig. Der Plot basiert großzügig auf "The Far Side of the World", dem zehnten Band von Patrick O' Brians Aubrey/ Maturin Serie. Dessen Plot wiederum basiert auf der Kaperfahrt der USN "Essex" im Stillen Ozean, der im Gefecht von Valparaiso durch HMS "Phoebe" ein Ende bereitet wurde. (Beide Plots übrigens exzellent.) Da man aber nun dem US Kinopublikum nicht zumuten zu können meinte, dass ihre boys im Film die Bösen wären, wurden sie schlicht zu Franzosen gemacht. Um dann noch was klassisch 1812erisches beizubehalten, musste es denn doch ein schwimmbarer Untersatz sein, der ähnliche Charakteristika wie die US-amerikanische Superfregatte "Constitution" aufwies, an deren Bordwand die Geschosse ihrer britisken Gegner wirkungslos abgeprallt sein sollen.

    Die Story war tatsächlich der schwächste Teil des Filmes, aber die geniale Besetzung
    (Killick there!), die grandiose Ausstattung, die liebevollen Szenen eines Bordlebens (und die rausgeschnittenen waren noch besser)... schwärm.
     
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  12. Korbi

    Korbi Aktives Mitglied

    Den Medicus hatte ich völlig vergessen. Aber klar, ja, der ist da sehr zu empfehlen.
    Gladiator allerdings weniger - einer meiner Lieblingsfilme, aber die Ungenauigkeiten oder sogar grobe Fehler aus historischer Sicht durchziehen den ganzen Film stark. Für Recherche oder Details zum Alltagsleben kann ich ihn nicht empfehlen.
    Am Ende wird bei Filmen immer ab einem gewissen Punkt die Historizität Handlung und Spannung geopfert. Du wirst nicht daran vorbeikommen, die eigentliche Recherche mit Büchern zu betreiben.
     
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  13. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Master and Commander ist im November 2003 im Kino veröffentlicht worden. Also ist 2002/2003 der Film gedreht worden. Da sollte es klingeln.
    Am 11.09.2001 ist in NY der verheerendste Terroranschlag, Twin Towers, passiert.
    Deshalb hat man das Drehbuch mit der heißen Nadel umgeschrieben, um nicht noch mehr Salz in die verwundete Seele der amerikanischen Bevölkerung zu reiben.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die waren z.T. schon ziemlich krass. Das Buch Der Medicus ist im Übrigen eines der wenigen Bücher, dass ich schon nach wenigen Seiten zur Seite gelegt habe, weil es schon gleich zu Beginn erhebliche historische Mängel aufwies. Daher kann ich das Buch im weiteren Verlauf nicht beurteilen. Wenn sich aber der Film einigermaßen an die Buchvorlage hält, dann transportiert er Konflikte aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (insbesondere der islamischen Revolution) ins 11. Jhdt. Noah Gordon hatte wohl beim Schreiben Reza Pahlavi und Ayatollah Khomenei vor Augen.
     
  15. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das Buch kenne ich nicht, nur den Film. Da habe ich mir auch alsbald überlegt, ob ich mir diese Anhäufung von Klischees und Anachronismen weiter antun soll. Aber: Sobald man sich damit abgefunden hat, dass nicht mehr historische Authentizität zu erwarten ist als bei den Rittern der Kokosnuss, ist es eigentlich auch wieder egal, und man kann das Spektakel genießen.
    Ich fühlte mich auch stark an 1979 erinnert.
     

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