Historisch korrekt dargestellte Spielfilme und Serien gesucht

Der Seewolf“ mit z.B. Raimund Harmsdorf, um mal wenigsten einen Schauspieler zu nennen.

Der Seewolf war Harmsdorfs bekannteste Rolle, sie machte ihn bekannt, aber sie wurde für Harmsdorf in gewisser Weise auch zum Fluch.

Er war fortan auf die Rolle des muskulösen Naturburschen festgelegt. Man fand Harmsdorfs Stimme zu jugendlich, und so wurde er synchronisiert.

Die deutsche Presse schrieb teilweise sehr herabwürdigend über Harmsdorf, ein Journalist nannte ihn den "Kartoffelquetscher". Harmsdorf hatte nach dem Seewolf noch eine Rolle als "Kurier des Zaren", aber er konnte nie mehr an den Erfolg des Seewolf anknüpfen.

Dabei hatte Harmstorf durchaus Potenzial als Charakterdarsteller, und er spielte Theater, auch klassische Rollen wie den Götz von Berlichingen.

Harmstorf hatte geschäftlich und persönlich viel Pech und später auch zunehmende gesundheitliche Probleme. Er übernahm viele Stunts selbst und hatte im Alter unter Nachwirkungen von Verletzungen zu leiden. Ein Fischrestaurant "Zum Seewolf" musste Konkurs anmelden.

Harmstorf erkrankte an Parkinson und ließ sich deswegen in einer Klinik behandeln. Die Story verkaufte allerdings jemand an die Bild-Zeitung.

Die titelte: "SEEWOLF HARMSTORF JETZT IN PSYCHIATRIE.

Damit kam Harmstorf nicht zurecht, und er nahm sich 1998 das Leben. Der Enthüllungsjournalist Günther Wallraff und andere, die Harmstorf kannten, sehen bei der Bild-Zeitung die Hauptverantwortung für dessen Suizid.
 
Da niemand von uns mit absoluter Gewissheit sagen kann, ja, das ist authentisch oder, ja, das ist historisch korrekt, gibt es so etwas wie "historisch korrekt dargestellte Serien und Filme" nicht.

Es kann höchstens Filme und Serien geben, die das Gefühl vermitteln, korrekt zu sein. Dabei würde ich mehrere Kategorien unterscheiden (mit noch unerwähnten Beispielen).

1. Wird ein historisches Ereignis dargestellt oder eine historische Person porträtiert? In dem Fall sollte die Handlung nahe an den überlieferten Fakten bleiben.
"Tora! Tora! Tora!" ist für mich immer noch ein Paradebeispiel dafür, gerade weil beim Dreh noch längst nicht alle Dokumente freigegeben waren.
Aktuelles Beispiel "Oppenheimer", der es aber einfach hatte, sich an Fakten zu halten, da ein Gutteil des Films den Anhörungen gewidmet ist und quasi die Protokolle verwendet wurden.
Als herausragende Serie fällt mir in dem Zusammenhang die BBC-Serie "Die Reise von Charles Darwin" aus 1978 ein. Und natürlich "Band of Brothers"

2. Basiert das Ganze auf einer literarischen Vorlage, entweder ein Roman aus der Zeit oder ein aktueller historisches Buch, dann lege ich mehr Wert auf authentische Ausstattung und Nähe zum Original. Wobei ich, sowohl im Buch als auch im Film, grobe (historische) Schnitzer kaum verzeihen kann.
Richtig gut finde ich da "Krieg und Frieden", die BBC-Serie mit dem jungen Anthony Hopkins.

3. "Zeitreisen", wie ich sie mal nennen will, Filme und Serien, die vor allem das Gefühl für eine Periode vermitteln und nicht in erster Linie Action o.ä. transportieren wollen.
Mein Favorit ist hier "Boardwalk Empire" mit Steve Buscemi in der Hauptrolle (eigentlich passt es auch in Kategorie 1)
Mit Abstrichen, weil dann doch relativ viel Action, das "Yellowstone"-Prequel "1883" (die Darstellung der Emigranten passt auch nicht und wäre ein Beispiel für "groben Schnitzer").
 
Die mehrteilige deutsche Verfilmung der Dostojewski Dämonen aus den 70er Jahren hält sich sehr genau an den Roman, Interieur/Kostüme/"Kulisse" sind ebenfalls nicht zu beanstanden. Spielt um 1870 in der russ. Provinz.

Mir kam die berühmte Berlin Alexanderplatz (20er Jahre) Verfilmung von Fassbinder in der gefragten Hinsicht ebenfalls sehr gelungen vor.

Schlöndorffs Verfilmung der Blechtrommel (30er Jahre, Zweiter Weltkrieg) und Geißendörfers Zauberberg (1907-14) fand ich ebenfalls nicht zu beanstanden.

Freilich sind Stoffe/Schauplätze des späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jhs. bzgl. "Authentizität" nicht so problematisch wie Stoffe weitaus älterer Zeiten...
 
Bernard Gui wird in Buch und Film als ziemlich blutrünstig dargestellt. Wer einmal in seine Fänge gerät, kommt da nicht mehr raus. Beim historischen Bernard Gui war das etwas anders, der war bei weitem nicht so fanatisch. Also nicht, dass ich in seine Fänge geraten sein wollte, aber bei seinen 900 erhaltenen Urteilen sind nur ein Bruchteil Todesstrafen. Ca. 40/900.
Zumindest bei der spanischen Inquisition verhielt es sich ähnlich, die weitaus häufigste Strafe war der Einzug des Vermögens, nicht der Tod.

Aber ob es nun der überzeichnete Fanatismus ist, die anachronistische Kostümierung und Requisite oder das unsägliche Casting – diese Hitparade der schwärenbedeckten, schmutzigen Freaks –: An diesem Film ist so gut wie nichts "authentisch" oder gar "historisch absolut stimmig".

'Der Name der Rose' ist typisch für die Historienfilme, die dem Genre-Revival der frühen 2000er vorausgingen, als man die unreflektiert kitschige Ritterromantik der Laurence Olivier-Zeit mit vermeintlichen Realismus kontrastieren wollte.

Und dementsprechend das Mittelalter so schwarz und widerwärtig wie nur irgend möglich zeichnete.

Schade, dass viele Europäer aus solchen Filmen ihr "Wissen" über die Vergangenheit des Kontinents bezogen haben. Kein Wunder, dass das Klischee des "finsteren Mittelalters" nicht totzukriegen ist.
 
Mein Favorit ist hier "Boardwalk Empire" mit Steve Buscemi in der Hauptrolle (eigentlich passt es auch in Kategorie 1)
Mit Abstrichen, weil dann doch relativ viel Action, das "Yellowstone"-Prequel "1883" (die Darstellung der Emigranten passt auch nicht und wäre ein Beispiel für "groben Schnitzer").

Boadwalk-Empire ist auch mein absoluter Favorit. Man merkt der Serie an, dass da Leute am Werk waren, die mit großer Detailverliebtheit und Detail-Genauigkeit gearbeitet haben. Auch bei Nebenfiguren wie Al Capone und Bugsy Siegel hat man sich große Mühe gegeben, deren Biographie möglichst exakt abzubilden.
 
Zumindest bei der spanischen Inquisition verhielt es sich ähnlich, die weitaus häufigste Strafe war der Einzug des Vermögens, nicht der Tod.

Aber ob es nun der überzeichnete Fanatismus ist, die anachronistische Kostümierung und Requisite oder das unsägliche Casting – diese Hitparade der schwärenbedeckten, schmutzigen Freaks –: An diesem Film ist so gut wie nichts "authentisch" oder gar "historisch absolut stimmig".

'Der Name der Rose' ist typisch für die Historienfilme, die dem Genre-Revival der frühen 2000er vorausgingen, als man die unreflektiert kitschige Ritterromantik der Laurence Olivier-Zeit mit vermeintlichen Realismus kontrastieren wollte.

Und dementsprechend das Mittelalter so schwarz und widerwärtig wie nur irgend möglich zeichnete.

Schade, dass viele Europäer aus solchen Filmen ihr "Wissen" über die Vergangenheit des Kontinents bezogen haben. Kein Wunder, dass das Klischee des "finsteren Mittelalters" nicht totzukriegen ist.
Ich habe mal auf Amazon Prime die 2019er-Serienumsetzung von 'Der Name der Rose' angefangen. Ohne auf die vielen Unstimmigkeiten eingehen zu wollen, die die Serie halt aus der Buchvorlage übernimmt, muss ich sagen, dass sie mir bisher besser gefällt als der Film.

Die Umsetzung leidet zwar auch unter dem krampfhaften Versuch der Drehbuchautoren, einen Stoff für "modernes" Publikum "zugänglicher" zu machen, es gibt z.B. eine wichtige Protagonistin, die im Buch nicht vorkommt; Adson von Melk ist ein junger Knappe, der Novize wird, um seinem brutalen Vater zu entgehen, und in der Anfangsszene sogar in einer Schlacht kämpft; und viele der Personen kennen sich schon vorher, sind durch überflüssige Hintergrundgeschichten verbunden.

Es ist auch deutlich zu merken, welcher Teil des Drehbuchs von Umberto Eco stammt, und welcher nicht.

Allerdings sind die Schauspieler gut, allen voran John Turturro, der den Scharfsinn, die Menschlichkeit und auch die unterschwellige Selbstgefälligkeit William von Baskervilles viel besser vermittelt als einst Sean Connery. Richard Sammel als Malachias von Hildesheim und Michael Emerson als Abt haben mich ebenfalls beeindruckt. James Cosmo (Jorge von Burgos) und Rupert Everett (Bernard Gui) spielen ihre Charaktere zumindest nicht als Karikaturen. Eine große Schwäche der Serie ist leider Damian Hardung als Adson. Zugegeben, zumindest in den Folgen, die sich bisher gesehen habe, hat er nicht viel zu tun, aber der Rest des Ensembles stellt ihn deutlich in den Schatten.

Die Ausstattung ist in vielen Punkten ahistorisch, wie man es leider gewohnt ist, aber dennoch gut: Das Kloster ist keine Ruine, sondern verfügt über eine prächtige romanische Kirche, die Leute laufen nicht in Lumpen umher, die Waffenknechte tragen ansehnliche Rüstungen, die Edelleute schmücken sich mit Heraldik, und so weiter.

Schade ist noch, dass einige der besten Dialoge des Buches dem Schnitt zum Opfer gefallen sind.
 
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