Kreisgrabenanlagen

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Rovere, 5. Oktober 2004.

  1. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Richtig, wenn ich auch durch Goseck (bandkeramische Nachbarn) die Ausbreitungsrichtung und zeitliche Abfolge noch nicht übersehe. Da wäre eine Tabelle nützlich, bei der alle Anlagen mit ihren Entstehungszeiten aufgelistet sind. Sowas habe ich noch nicht gesehen.

    Dafür habe ich einen interessanten Blog gefunden Studium generale: Die weltgeschichtliche Bedeutung der bandkeramischen Kultur , man kann sich auf den Links im 3. Absatz noch weiter durchklicken.
    Wäre schön, wenn frühgeschichtlich Interessierte dazu mal ihre Meinung sagen könnten.
    Ich fand darin spekulative Antworten auf einige meiner Fragen, was meine Neugierde wachhält, mehr über die Bandkeramiker zu erfahren.
    Eigentlich wollte ich nur noch die Ausrichtung der Langhäuser nachlesen, Nordwest, Südost, wobei die Nordwestschmalseite oft mit Palisaden verstärkt wurde, der Rest der Wände wurde mit lehmverputzten Flechtwerkwänden zwischen den Pfosten ausgeführt. Also eine Bauweise nach den klimatischen Erfordernissen, die Wetterseite ist am stabilsten ausgeführt. Und da die Ansiedlungen oft nur aus einem oder einigen Langhäusern bestanden, findet man keine Sondergebäude. In den anatolischen Dörfern des beginnenden Neolithikums Nevali Cori – Wikipedia und Çayönü – Wikipedia gibt es solche.
    Das könnte bedeuten, das die Gebäude, die zum beginnenden Neolithikum in Europa gehören, sich später auf dem Weg nach Westen entwickelt haben und das "neolithische Paket" bei der Wohn- und Sonderarchtektur abgewandelt wurde.
    Ausserdem werden im Blog interessante Aussagen über die Besiedlungsdichte gemacht, die Abstände und Häufigkeit der Dörfer mit der, des späten Mittelalters verglichen, nicht überall, aber auf den guten Lößböden. Für Hessen ist ein Beispiel genannt. Besiedlungsdichte heißt ja nicht absolute Bevölkerungszahl, trotzdem macht dieser Punkt die Bandkeramik für mich noch spannender.

    In dem Blog werden Untersuchungen an Skeletten von Schwidetzky erwähnt, mit sehr uneinheitlichem Ergebnis, was immer das heissen mag.
    Ich muß das noch suchen, erstmal fällt mir nur der Gegensatz auf zwischen dem einheitlichen Kulturausdruck der Bandkeramik und den uneinheitlichen Menschen, die diesen Kulturausdruck schufen. Das könnte wiederum ein Hinweis auf die Ideenübernahme sein und in dem Zusammenhang gefällt mir dein, vor die Hütte tretender Priester, Häuptling, Schamane oder sonstige Führungsperson besonders gut, Zaphod.
    Einer gut eingearbeiteten Gruppe mit langjähriger Erfahrung in der Landwirtschaft braucht nicht mal einer zu sagen: "Jetzt geht´s los", den kribbelt es im Frühling in den Fingern.
    Aber eine bunt gemischte Truppe aus hungrigen Jägern- und Sammlern mit Jagdwaffen und ein paar zugewanderten Bauern brauchte wahrscheinlich viel mehr, Anrufung höherer Mächte, Ahnen was auch immer, um sich auf das schweißtreibende Experiment einzulassen und nicht die einzige Kuh oder den besten Bullen auf den Bratspiess zu stecken. Vielleicht hat man sie schlicht vertröstet: Heute geht die Sonne in dem Tor auf und wenn die Sonne in dem andern Tor aufgeht (Wintersonnenwende) können wir den Bullen rösten und obendrein gibt´s Fladenbrot und ein großes Fest aber bis dahin müßt ihr arbeiten.


    Wo, von wann genau, ich weiß nur von 2 Funden in den Anlagen, habe ich ober weiter ausgeführt.

    Das ist zeitlich absolut diffus.
    Ich finde Mutterkulte auch faszinierend, die passen auch ganz wunderbar in mein Weltbild :winke: und Jeder neigt dazu, sich in die Vorstellungswelt früherer Kulturen hineinzudenken. Allerdings sollte man versuchen, das auf Grundlage von Fakten zu tun und die Zeitleiste ist die Grundlage zur Einordnung von Funden.

    OT: Ich weiß auch nicht genau, warum mich aktuell die Bandkeramiker so faszinieren, wahrscheinlich empfinde ich im Frühling nach diesem Winter ihre Probleme als zeitlos relevant.:fs:
     
  2. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Das wäre jetzt nicht die erste Interpretation, die sich mir beim Zeichen einer Doppelaxt aufdrängen würde. Ich glaube nicht, dass die damaligen Menschen kollektiv an Kastrationsängsten litten.
     
  3. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Der Artikel ist schon gut. Nicht so ganz teilen bzw. widersprüchlich finde ich die Ansicht, in der Bandkeramik hätte die höchste Siedlungsdichte vor dem Mittelalter geherrscht.
    Da möchte ich dann doch folgendes entgegenhalten:
    - Es wird ja doch betont, dass die bandkeramischen Siedlungen eher klein waren, dass heißt, oft aus 1-3 Höfen bestanden.
    - In den benannten Gebieten herrschte über die Jahrhunderte und gerade noch mal in der modernen Zeit durch die Intensivlandwirdschaft gepusht, eine enorme Bodenerosion. Dies wurde auch mal bei einer Grabung in der Wetterau mit dem im Artikel benannten Jens Lüning ausgesprochen. So liegt auch eine gewisse Tragik darin, dass man so viele bandkeramische Fundorte kennt - es bedeutet auch, dass die Spuren jüngerer Siedlungen darüber oft abgetragen sind.
    - Ich glaube nicht - wie doch teils angedeutet, dass es im Frühmittelalter weniger Siedlungen gab. Einerseits gibt es hier eindeutige Forschungslücken, andererseits sind die Spuren solcher Dörfer unter den heutigen verschwunden.
    - Unterschätzt werden auch die bisher geringen Kenntnisse über Siedlungen in den Randlagen und damit verbundene Forschungslücken. Bronzezeitliche Hügelgräber finden sich auch in den höheren Lagen der Mittelgebirge. Unweigerlich muss es dazu auch Siedlungen gegeben haben, die aber bisher kaum bekannt und erforscht sind.
     
    1 Person gefällt das.
  4. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Es ist ganz wichtig, dass du auf die Fundlage hinweist. Wo man nicht sucht oder nicht suchen kann, kann man auch nichts finden und das verzerrt das Bild.
    Aus der bandkeramischen Periode hat man sogar Brunnen ausgegraben, deren Reste liegen im unteren Bereich der Siedlungsschichten und wenn ich mir überlege, wie sich allein die Bearbeitungstiefe und -weise im Ackerbau im Laufe der Jahrtausende verändert hat.
    Die meisten Kreisgrabenanlagen wurden erst in jüngster Zeit durch Luftbildarchäologie entdeckt. Wer weiß, ob man durch verbesserte Methoden nicht noch flächendeckende Aussagen aus jüngeren Zeiten machen kann.
    Besiedlungsdichte und vor allem absolute Bevölkerungszahlen für weit zurückliegende Perioden können doch nur grobe Schätzungen sein.
     
  5. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Für die Diskussion um Besiedlungsdichte in der Bandkeramik ein kleiner Literaturtipp:

    A. Zimmermann, Landschaftsarchäologie I: Die Bandkeramik auf der Aldenhovener Platte, Berichte RGK 83, 2002, 17-31

    A. Zimmermann/J. Richter/Th. Frank/K. P. Wendt, Landschaftsarchäologie II – Überlegungen zu Prinzipien einer Landschaftsarchäologie. Ber. RGK 85, 2004 (2005), 37–95.

    Der zweite Aufsatz beschäftigt sich u.A. auch mit der Schätzung von Bevölkerungsdichten in der Vor- und Frühgeschichte.

    Für die Überlieferungsbedingungen von Befunden und Funden gibt es ebenfalls eine recht große Auswahl an Literatur u.A. empfehlenswert wäre dort:
    Methodische Aspekte zur Rekonstruktion prähistorischer Siedlungsmuster.

    Landschaftsgenese vom Ende des Neolithikums bis zur Eisenzeit im Gebiet des südlichen Oberrheins.
    Doris Mischka

    Was man immer im Auge haben sollte wenn man Fundstellendichten etc. betrachtet sind die vielen Faktoren die auf die Funde und Befunde einwirken, also geogene Einflüsse (Erosion z.B.) und anthropogene Einflüsse (Flächennutzung z.B.).
    Daneben spielt vor allem der Grad der Erforschung einer Region eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung der Fundstellendichte. Faktoren die hier zu nennen sind wären u.A. die Begehungsdichte, die Anzahl der ausgegrabenen Fundstellen.

    Um solche Lücken schließen zu können, natürlich mit gewissen Unsicherheiten, bedient man sich dem sog. Predictive modelling.



     
    1 Person gefällt das.
  6. Haetius

    Haetius Neues Mitglied

    Ja denn einige Forscher, wie Göttner-Abendroth gehen von einer Konstanz der Religion von der Steinzeit bis zum Christentum aus, natürlich mit Veränderungen und regionalen Unterschieden.
     
  7. Japhet

    Japhet Neues Mitglied

    Ich möchte mal drauf hinweisen, dass die Wikingerburgen des 9. Jahrhunderts genauso ausgesehen haben, und dass selbst noch einige Burganlagen des Mittelalters aus kreisrunden Wall-Graben-Konstruktionen hervorgegangen sind.
    Es müssen nicht immer gleich Tempel oder Kultplätze gewesen sein. Ein astronomischer Bezug ist ebenfalls oft fragwürdig.

    Japhet
     
  8. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ich weiß nicht, ob du den ganzen Thread gelesen hast, es handelt sich, bei den Kreisgrabenanlagen, um die chronologisch ersten Sonderbauwerke in Mitteleuropa.
    Aus der Zeit davor hat man mW nur Überreste von Wohngebäuden gefunden.
    Ob man aus dem Mittelalter oder der Antike runde oder eckige Wall-Grabenanlagen findet, sagt nichts über die ursprüngliche Idee, die erste Ursache aus. Man kann aus der späteren Nutzung nur rückschließen, wenn man eine ungebrochene Traditionslinie unterstellt.
    Und da habe ich bei Bauwerken so meine Zweifel.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was die Geisteswissenschaften von den Naturwissenschaften unterscheidet ist die
    unbedingte Notwendigkeit zur Ideologiekritik, da in den Geisteswissenschaften stärker als in den Naturwissenschaften ideologische Prämissen eine Rolle spielen. Ideologiekritik heißt aber auch ständige, kritische Selbstreflexion. Frau Göttner-Abendroth ist als Feministin bekannt - wogegen nichts einzuwenden ist. Politische Einstellungen haben aber in der Wissenschaft nichts zu suchen. Da wir Menschen aber dazu neigen, politisch zu denken, ist die selbstreflektive Ideologiekritik ein Muss, und das weiß auch Frau Göttner-Abendroth.
    Ich will hierfür ein Beispiel bringen. Im Zuge des Aufkommens des Feminismus nach 1968 wurden Frauen, insbesondere von Frauen verstärkt in den Fokus der Geschichtswissenschaft gerückt. Z.B. bei der Betrachtung des Nationalsozialismus. Hierbei wurde im historischen Diskurs der 70er und 80er Jahre die Frau als unterdrücktes Opfer der Nationalsozialisten wahrgenommen. Täterinnen, wie etwa Ruth Neudeck, wurden in diesem Zusammenhang als Mannweiber wahrgenommen, also als Frauen, die zwar von den äußeren Geschlechtmerkmalen Frauen seien, aber eigentlich nichts Weibliches an sich hätten. Nach wie vor ist die Frauenforschung vor allem in den Händen von Frauen (das liegt wohl auch an geschlechtsspezifischer Identifikation und Lebensweltbezug), aber inzwischen ist der Feminismus nicht mehr das bestimmende Element. Resultat: Die Ergebnisse sind differenzierter. Frauen sind eben nicht nur Opfer in einer männlich dominierten Geschichte, sondern Akteurinnen. Um im Beispiel zu bleiben: Es gab frühzeitig völkische Frauenorganisationen, welche schnell zu den Nationalsozialisten stießen und in der "Kampfzeit" ihren Beitrag leisteten. So waren z.B. bei Straßenschlachten immer Frauen anwesend, welche die Waffen für die SA-Männer schmuggelten, die sich als Krankenschwestern für verletzte SA-Männer betätigten oder Instand-Näharbeiten verrichteten.
    Abgesehen davon ist Göttner-Abendroth Philosophin und Frauenforscherin, keine Archäologin.
     
  10. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Was wäre eigentlich gegen die Psychoanalyse einzuwenden ...
    Spaß beiseite, ich fand es tatsächlich interessant, daß anscheinend Gordon Child (Vorgeschichte der europäischen Kultur. Hamburg: Rowohlt, 1960) die Auffassung einer megalitischen Religion vertritt, auf sich Haetius stützen kann. Ob Child sich dabei auch auf die hier in Frage stehenden Kreisgrabanlagen bezieht ist mir nicht ganz klar, aber unwahrscheinlich, wenn deren Entdeckung eher erst kürzlich erfolgt. Andererseits deutet seine Beschreibung schon durchaus auf so etwas hin (s. unten Hervorhebung).

    Child spricht jedenfalls von "ägäische[r] Aktivität im zentralen und westlichen Mittelmeer schon sehr bald nach 2000 v. Chr." (S.93), vielleicht auch schon etwas früher - nun das ist nichts besonderes; die aufgezählten archäologischen Ortschaften oder namentlich genannten Bestattungsplätze sind eigentlich später zu datieren - und der Autor ist sich der Schwäche seiner Thesen auch durchaus bewußt;* nichts desto weniger kommt er auf eine Auffälligkeit zu sprechen, und zwar an der westlichen Mittelmeerküste, wo man im anthropologischen Befund eine gewisse "rundschädelige Rasse (plano-occipitale Steilköpfe), die wir auch aus Zypern und den Ostmittelmeerländern und als eingedrungene Element auch im gemäßigten Europa kennen" (S.94) - damit meint Child die sog. Becher-Leute. Wie dem auch sei, die von ihm in Augenschein genommenen "Begräbnisse waren überall kollektiv, und die Gräber waren wie am östlichen Mittelmeer zu kleinen Friedhöfen zusammengelegt. Die Beinhäuser haben, von den natürlichen Höhlen abgesehen, ein leicht ostmittelmeerisches Aussehen. In Sizilien, Südostspanien und Portugal und zum Teil auch in Italien haben die Grabkammern einen kreisrunden Grundriß und sind in Almeria und Algarve oberhalb der Erde bienenkorbförmig übermauert und mit einem Steinhügel bedeckt [...]" (S.95 f) - naja, die weitere Beschreibungen weichen dann doch davon ab... Interessant wird es dann aber noch bezüglich der Beigaben, deren bezüglich er vom "leicht ostmittelmeerischen Gepräge" (S.95) spricht: Die Ritzung weiblicher Brüste auf einer Steinplatte aus Südsizilien, Stelen aus Südfrankreich mit ähnlicher Stilisierung wie Troia I; sardinische Kalksteinstatuetten "wie lokale Kopien kykladischer Idole usw., wobei die Deutung relevant ist: "Es scheint fast, als ob im Westen die alte Fruchtbarkeitsgöttin zu einer Todesgöttin wurde." (S.95) Und Gräber könnten dabei zu Heiligtümern geworden, so die Spekulation Gordon Childs; mehr noch, diese "Muttergottheit, die die megalithischen Missionare wohl als Göttin des Todes verehrten" (S.105) konnte leicht zu einer Kriegsgöttin werden und hätte "in der Tat zuweilen kriegerische Attribute" (ebd.) angenommen. In den Gräbern aus Spanien und Portugal sei "ihr nur roh angedeutetes Bild mit einem Dolch verbunden" (S.105) und "die skulpierten Stelen in Südrankreich stellen eine weibliche Figur dar, die eine Axt, gewiß eine Streitaxt, trägt. Dieselbe Figur, summarischer dargestellt - nur die kriegerische Bedeutung ihrer Axt ist deutlich zu erkennen -, ist auch auf den Wänden einiger Kreidefelsen-Grabkammern der Champagne (Dep. Marne) eingraviert oder gemalt gefunden worden." (S.105)

    Wie dem auch sei, so wird ein Zusammenhang zwischen Symbol (Axt) und Muttergottheit zumindest verständlich, wenn dieser denn damit auch nicht als bewiesen gelten kann.
    ___________

    * explizit angesichts der Datierung von "Los Milares nicht früher als 1500 [...]: In diesem Fall aber würde die [...] Darstellung einer megalithischen Religion als eine ideologisch verfälschende Deutung der früh-ägäischen Suche nach Zinn, Bernstein und Gold unhaltbar sein." (S.99)

    Angesichts dieser operationalisierten Hypothese mag denn interessant sein, daß Los Millares heute anscheinend in Childs Überlegungen paßt:

    Google-Ergebnis für http://www.casaangustias.es/Los_Millares_Reconstruction%5B1%5D.jpg

    Google-Ergebnis für http://www.artehistoria.jcyl.es/histesp/jpg/AUL19321.jpg
    Google-Ergebnis für http://4.bp.blogspot.com/_OEnByPBtK3I/Swhdqr9nxGI/AAAAAAAAAF0/kwmRtJQFdQ0/s1600/los+millares,+santa+fe+de+modujar,+almeria.jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. März 2010
    1 Person gefällt das.
  11. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Langsam werde ich vergeßlich, die Arbeit hatte ich selber vor längerer Zeit in http://www.geschichtsforum.de/370262-post41.html verlinkt und den anatolischen Teil auch gelesen.
    Die Bandkeramiker habe ich damals wohl ausgelassen oder die Bestattungsbeschreibungen haben mich ermüdet.
    Ich hoffe, das geht mir mit Jens Lünings Neolithischer Agrargeschichte nicht genauso, das kommt demnächst aus der Fernleihe.
     
  12. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Eine Antwort bin ich schuldig, von daher nehme ich eine Aufforderung war.

    Ich sehe das Buch ein wenig zwiespältig auf der einen Seite ist es eine gut Zusammenfassung und Aufarbeitung der religiösen Phänomene der Jungsteinzeit.
    Mir gefällt ihr Theoretischer Teil ganz gut. S.10-43
    Auch das sie Ansätze aus der Religionswissenschaft diskutiert empfinde ich als einen sehr guten Ansatz.
    Über den archäologischen Teil kann ich jetzt nicht viel sagen, da ich im Moment keine Zeit habe das Buch zu lesen.
    Was man bei Ina Wunn immer mit einrechnen muss ist, dass sie dem feministischen Lager zugehörig ist und das leider ab zu und zu auch ihre Argumentationen ein wenig subjektiv werden lässt.

    Dank dem Link von rena, hier die Diss. zum Selbststudium:
    http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=958530386&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=958530386.pdf
     
  13. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ich ärgere mich immer noch über mich selbst, dass ich mühsam nach Hausausrichtungen, Begräbnissitten und religiösen Vorstellungen der Anlagenbauer google, wo ich die Arbeit von Ina Wunn selbst hier verlinkt habe, damit ich sie nicht aus den Augen verliere.
    Man muss auf jeden Fall anerkennen, dass sie akribisch alle relevanten, archäologischen Funde anführt und belegt.
    Darüberhinaus stellt sie verschiedene Interpretationen der Funde dar, die gegensätzlichen Auffassungen von Mellart/Gimbutas und Krüger.
    Es gibt sogar eine humorvolle Spitze, als sie feststellt, das sich Unterschiede bei der Interpreation der bandkeramischen Funde an der ehem. DDR-Grenze trennen.
    Allerdings ist die Beschreibung der verschiedenen Bestattungsrestfunde etwas ermüdend, deshalb habe ich nach anfänglicher Begeisterung das Weiterlesen vergessen.
    Was ich jetzt zu den Bandkeramikern und Rondellanlagen nachgeholt habe.
    daraus Zitate:
    "Die astronomische Bedeutung
    der Anlage ist demgegenüber sekundär. Wie jedoch bereits die Ausrichtung der Toten in den
    Gräbern der Bandkeramiker zeigte, spielten die Himmelsrichtungen in den Glaubens- und
    Jenseitsvorstellungen der europäischen Neolithiker wie auch im Glauben rezenter
    Naturvölker eine genau definierte Rolle. Himmelsrichtungen sind häufig mit einem
    mythischen Urzeitgeschehen dergestalt verknüpft, daß aus einer bestimmten Richtung ein
    Kulturheros oder eine Dema-Gottheit kam, den Menschen bestimmte Kulturgüter brachte
    und nach einer gewissen Frist in ein in bestimmter Himmelsrichtung liegendes Totenreich

    oder als Himmelskörper an den Himmel verschwand.
    Himmelsrichtung, ein bestimmtes

    (Totem-)Tier oder eines seiner Körperteile werden inhaltlich verknüpft und zu


    Namensbestandteilen eines bestimmten Clans bzw. einer Person in sogenannten primitiven

    Gesellschaften, wodurch ihre Stellung in dieser Gesellschaft und ihr Platz im Weltbild genau
    definiert werden.




    Da sogenannte primitive Gesellschaften keine Trennung eines profanen von einem sakralen Bereich kennen, spiegelt ihr Leben angefangen vom Wohnplatz über die Architektur bis zum Sitzschemel oder Spazierstock das Weltbild und den Urzeitmythos.




    In diesem Weltbild haben auch die Ahnen ihren festen Platz und spielen offensichtlich eine




    große Rolle im Hinblick auf das Wohlergehen ihrer Nachkommen. Die Rondellanlagen und




    Henges sind die numinosen Orte, an denen „die Verbindung mit dem Himmel und der

    Unterwelt, d.h. mit den Göttern, den chthonischen Göttinnen und den Geistern der Toten
    zustande kommt.“




    In regelmäßigen Zeitabständen, wahrscheinlich zur Sommersonnenwende,





    wie die nach dem Sonnenstand ausgerichteten Hauptzugänge zu den Rondellen und

    Henges vermuten lassen, fanden in den Kultanlagen Feierlichkeiten statt, die das mythische





    Urzeitgeschehen kultisch wiederholten und die Ahnen in die Handlung einbezogen."......



    "Auch die Rondellanlagen, die zunächst als Wall- und Palisadenkonstruktionen in

    Mitteleuropa, dann als große, steinerne Kultanlagen in Westeuropa erbaut wurden, haben

    keinerlei Parallelen in Anatolien oder Griechenland, sondern weisen auf andere kulturelle
    Zusammenhänge mit Westeuropa. Daß diese Bauten der Verehrung der Ahnen dienten, darf







    als sicher gelten."



    Die Verehrung der Ahnen leitet sie u.a. aus ihrer Vermutung der Sekundärbestattung ab, die Knochenfunde in der Jungfernhöhle sollen auch aus einer Sekundärbestattung stammen.



    Mich überzeugt das immer noch nicht so richtig.


    OT: warum verschiebt sich das Format bei copy und paste​
     
  14. Haetius

    Haetius Neues Mitglied

    Ja hatte ich auch erst gedacht. Als ich aber dann das Buch "Die Göttin und ihr Heros" gelesen habe, wurde ich doch vom Gegenteil überzeugt. Auch die weiteren Bücher bringen mich doch immer mehr zu der Überzeugung, dass zumindest die Grundpfeiler stimmig sind. Für mich hat es wirklich eine andere Sicht auf unsere Vergangenheit bewirkt. Zur Zeit lese ich gerade "Der einäugige Gott. Odin und die indogermanischen Männerbünde." Auch hier reiht sich vieles nahtlos ein und das Buch hat nichts mit Feminismus zu tun.)) Man muss sich das Bild dieser alten, ich nenne sie mal vorchristlichen Urreligion in Europa aus vielen Teilen zusammenstellen. Deshalb ist auch das Wandern in den verschiedenen Erdteilen und Mythen so wichtig. Natürlich kann sich am Ende nur ein schemenhaftes Bild ergeben.
     
  15. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Was denn nun Konstanz oder Veränderung die beiden Begriffe sind doch Gegensatzpaare.

    Eine Konstanz kann ich bei den Religionen von der Jungsteinzeit bis zur christlichen Mission nicht feststellen.
    Als Bsp. seien hier einfach mal die Bestattungssitten im betrachteten Zeitraum erwähnt. Dort geht es von Kultur zu Kultur munter durcheinander von Körperbestattungen zu Brandbestattungen, von Kollektivbest. zu Individualbestattungen, von Flachgräbern zu Hügelgräbern usw.
    Bestattungssitten gehören für mich auf jeden Fall in die "Religion".

    Über die Werke von Frau Göttner-Abendroth kann man auch vorzüglich streiten, ich habe bisher nur wenig Berührungspunkte mit ihr gehabt.
    Ich sehe aber bei ihr eine gewisse Tendenz überall das Matriarchat finden zu wollen, also eine gewisse subjektive Herangehensweise an die Materie.
     
  16. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    So ,jetzt habe ich endlich das Sonderheft zum Thema Kreisgrabenanlagen wieder gefunden. Wen es also interessiert :
    Archäologie in Deutschland (AiD) /Heft 6/2005 (Nov/Dez.)
    hatte es als zentrales Oberthema mit mehreren umfangreichen Beiträgen,darunter auch dem der astronomischen Ausrichtung behandelt,
     
  17. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Schön, ich hatte auch schon versucht, es in meiner Stadt-bib zu bekommen, ältere Hefte kann man genauso lange ausleihen wie Bücher. Leider haben die mal wieder entrümpelt und der Jahrgang 2005 fiel ins Altpapier.
    Lohnt es ZaphodB, dann versuche ich es per Fernleihe?
     
  18. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    2 Person(en) gefällt das.
  19. Brahmenauer

    Brahmenauer Mitglied

    Hallo,

    ich habe den gesamten Post nicht verfolgen können. Deshalb wiederhole ich möglicherweise schon berichtetes. Im "Atlas der Vorgeschichte", 2009, v. Schnurbein steht etwas ab S. 82 - insbesondere eine Tabelle mit Verbreitungs-gebieten von Kreisgrabenanlagen. Schwerpunkte stellen demnach Lengyel-Kultur und Stichbandkeramik dar.
    Im Link www.mars.geographie.uni-halle.de/for550/index.php/a2 führt die Uni Halle 12 neuere Kreisgrabenwerke (ab 2005 ausgegraben) auf, von der späten Baalberger Kultur bis zur Frühen Eisenzeit. Diese Datierungen beruhen nach meinem Verständnis bisher überwiegend auf C14-Daten. Eine Absicherung mit Keramik steht wohl noch aus. Bei Unterstellung der Richtigkeit dieser Datierung spannt sich zwischen Goseck von -5500 bis Neutz-Lettewitz -920 ein Zeitrahmen der Verwendung von Kreisgraben-werken auf, deren Nutzung wohl nicht nur religiös zu motivieren sein sollte.
     
  20. Brahmenauer

    Brahmenauer Mitglied

    Ich möchte noch einmal zum Problemkreis "Besiedlungsdichte" etwas sagen. Im ostthüringisch- sachsenanhaltinischen Grenzbereich, etwa zwischen A9 und Altenburg wurde mir bekannt, daß dort zwei Kulturen in ihrer Funddichte besonders auffallen. Die Bandkeramiker und die Slawen. Nach Gesprächen mit Bodendenkmalpflegern folgen mit etwas Abstand die Schnurkeramiker, die ja nur aus Gräbern Hinterlassenschaften aufweisen. Glockenbecher, Bronzezeit, Eisenzeit, Röm. Kaiserzeit, Germanen sind ebenfalls gleichmäßig vertreten, doch mit deutlichem Rückstand. Das Modell mit der Bodenabtragung funktioniert hier also nicht, da alle Epochen vertreten sind. So gesehen möchte ich schon von einer höheren Besiedlungsdichte bei den Bandkeramikern sprechen wollen. Alternativ könnte aber auch eine chronologische Forschungslücke existieren, die für die "kurzlebigeren Epochen" zu lange Zeiträume vorgibt. Das wäre aber ein Thema für die Chronologie-Kritik.
     

Diese Seite empfehlen