Marxistische Lehre

Warum hat dann deiner Meinung nach Marx den erneuten Umstutz der Eigentumsverhältnisse ("Negation der Negation"), was de facto den Eintritt der sozialen Revolution meint, wörtlich mit der "Notwendigkeit eines Naturprozesses" umschrieben, wenn er hier keinen Determinismus ausdrücken wollte?
Möglicherweise missverstehst du da was? "Negation der Negation" ist laut Engels und Marx eines der "Gesetze" (oder Regeln) der materialistischen Dialektik:
Das Gesetz der Negation der Negation ist ein allgemeines Grundgesetz der materialistischen Dialektik. Es geht auf Hegel zurück, der es als ein Entwicklungsgesetz der absoluten Idee formulierte. Der dialektische Materialismus betont den universellen Charakter dieses Gesetzes als in Natur, Gesellschaft und Denken wirkend. Diesem Gesetz zufolge besteht eine Entwicklung nicht nur in einer Veränderung von Zuständen und Eigenschaften eines Systems; durch das Entstehen einer neuen Qualität (siehe die anderen beiden Grundgesetze) wird eine alte Qualität ersetzt (Negation); im Falle einer Entwicklung im Sinne der materialistischen Dialektik wird im nächsten Schritt auch die "neue Qualität" negiert, und zwar in der Weise, dass die erste Qualität auf höherer Stufe wieder hergestellt wird (Negation der Negation). Ein Beispiel dafür findet man in Marx' Analyse der Wertformen: die einfache Wertform wird durch die totale Wertform ersetzt; durch die Herausbildung einer Allgemeinen Wertform wird die Einfachheit der ersten Wertform wieder hergestellt, aber auf "höherer Stufe", d. h. ohne die der einfachen Wertform anhaftende Zufälligkeit.
Ob die Gesetze/Regeln der Dialektik nur müßige sophistische Gedankenspiele sind, ist freilich eine philosophische erkenntnistheoretische Frage, keine historische. Nebenbei: auch die "ideale Prognose" von Marx (#222) ist ein Beispiel für die Negation der Negation. Innerhalb (!) der dialektischen Denkweise sind Marx´ Ausführungen nicht widersprüchlich.
 
Möglicherweise missverstehst du da was?
Ich wüsste nicht was ich da missverstehen sollte.

"Negation der Negation" ist laut Engels und Marx eines der "Gesetze" (oder Regeln) der materialistischen Dialektik
Richtig und Marx wendet es in der zitierten Passage auf die Eigentumsverhältnisse an: (#263)

"[...] Die aus der kapitalistischen Produktionsweise hervorgehende kapitalistische Aneignungsweise, daher das kapitalistische Privateigentum ist die erste Negation des individuellen auf eigene Arbeit gegründeten Privateigentums. Aber die kapitalistische Prdouktion erzeugt mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses* ihre eigene Negation. Es ist die Negation der Negation. Diese stellt nicht das Privateigentum wieder her, wohl aber das individuelle Eigentum auf Grundlage der Errungenschaften der kapitalistischen Ära: der Kooperation und des Gemeinbesitzes der Erde und der durch die Arbeit selbst produzierten Produktionsmittel.
Die Verwandlung des auf eigener Arbeit der Individuen beruhenden, zersplitterten Privateigentums in kapitalistisches ist natürlich ein Prozeß, ungleich mehr langwierig, hart und schwierig, als die Verwandlung des tatsächlich bereits auf gesellschaftlichem Produktionsbetrieb beruhenden kapitalistischen Eigentums in gesellschaftliches. Dort handelte es sich um Expropriation der Volksmasse durch wenige Usurpatoren, hier handelt es sich um die Expropriation weniger Usurpatoren durch die Volksmasse."

Die Expropriation der Volksmasse durch wenige Usurpatoren, wie es Marx ausdrückt, stellt also in diesem Fall die erste Negation (bzw. deren Folge) des individuellen auf eigener Arbeit gegründeten Privateigentums und sein Ersetzung durch das kapitalistische Privateigentum dar, wohingegen die Expropriation der Usurpatoren, was im Klartext die soziale Revolution und die Abschaffung des kapitalistischen Privateigentums und Überführung in Gemeinbesitz etc. (also Beginn der kommunistischen Gesellchaft) meint, in diesem Fall die Negation der Negation (bzw. deren logische Folge) dartellt.

Insofern ist für Marx die soziale Revolution im dialektischen Sinne, notwendige, gesetzmäßige Konsequenz der qualitativen Veränderung der materiellen Grundlagen, in diesem Fall des "kapitalistischen Privateigentums", die zu seiner Aufhebung führen und nicht Produkt von Bewustseinsbildung.
 
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Warum das? Man muss ja nicht notwendigerweise die Vorstellungen der eigenen Umgebung teilen.
Warum ich baff war? Weil mein Vater die vorgeblich kommunistischen Regime Osteuropas vor 1990 alle als rechts einordnet, hätte ich von einem Konservativen nicht erwartet.

da würde ich sagen kann man schon recht schnell zu dem Schluss kommen, dass die meisten sich als sozialistisch bezeichnenden Regimes am Ende Hybridformen waren/sind, die man auf der wirtschaftlichen Ebene sicherlich auf der linken Seite sehen kann
Reicht Staatswirtschaft dafür aus? Es gab keine klassenlose Gesellschaft, lediglich ein würden die Eliten ausgetauscht und es gab Absätze dazu, eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen aber sowohl auf Kosten des Individuums als auch des gesellschaftlichen Nutzens, etwa wenn man verhinderte, dass Akademikerkinder studierten, weil sie Akademikerkinder waren. Was aber nichts daran ändert, dass im Prinzip schon ab Lenin eine neue Klasse, nämlich die der Parteifunktionäre geschaffen wurde, welche über dem Rest der Bevölkerung stand.
 
Es gab keine klassenlose Gesellschaft, lediglich ein würden die Eliten ausgetauscht und es gab Absätze dazu, eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen aber sowohl auf Kosten des Individuums als auch des gesellschaftlichen Nutzens, etwa wenn man verhinderte, dass Akademikerkinder studierten, weil sie Akademikerkinder waren. Was aber nichts daran ändert, dass im Prinzip schon ab Lenin eine neue Klasse, nämlich die der Parteifunktionäre geschaffen wurde, welche über dem Rest der Bevölkerung stand.
Schon alles richtig, aber die materielle Ungleiheit war wohl deutlich niedriger als im Westen. Man denke nur an den bescheidenen Luxus, den die SED-Führung in Wandlitz genoss.
 
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