Mitgliederdatei der NSDAP online - welche Erfahrungen habt Ihr gemacht und Treffer erzielt?

flavius-sterius

Aktives Mitglied
Das US-Nationalarchiv hat aktuell die Mitgliederkartei der NSDAP komplett online gestellt, zumindest die dort bekannten Teile. Schon im Jahr 2025 war der vordere Teil des Alphabetes schon dort veröffentlicht. Dazu kommen noch weitere Dokumente.

Wie kommt Ihr mit der dortigen Technik zurecht?
Habt Ihr Treffer gehabt bei Eurer Suche?
Konntet Ihr dadurch neues über Vorfahren oder andere Euch interessierende Menschen erfahren?

Hier der Link

Waren Oma und Opa Nazis? NSDAP-Akten online durchsuchen

War Ihr Großvater in der NSDAP? Dieses US-Archiv gibt Antworten
 
Ja überraschenderweise ist mein Opa dort aufgetaucht. Keiner wusste bisher davon. Eintrittsdatum 01. September, also wahrscheinlich als Hitlerjugendjahrgang. Zu dem gibt es Akten auf ein Entnazifizierungsverfahren. Habe diese mal angefragt, bin gespannt was dabei raus kommt.

Die Suche war anstrengend, vor allem weil die KArteien nicht transkribiert waren. Wer einen häufigen Namen hat, wie Müller, Schneider, Meier, der wird zum Teil stunden brauchen für die Suche.
 
Ja überraschenderweise ist mein Opa dort aufgetaucht. Keiner wusste bisher davon. Eintrittsdatum 01. September, also wahrscheinlich als Hitlerjugendjahrgang. Zu dem gibt es Akten auf ein Entnazifizierungsverfahren. Habe diese mal angefragt, bin gespannt was dabei raus kommt.

Die Suche war anstrengend, vor allem weil die KArteien nicht transkribiert waren. Wer einen häufigen Namen hat, wie Müller, Schneider, Meier, der wird zum Teil stunden brauchen für die Suche.
Die Entnazifizierungsverfahrensakten liegen je nach Archivordnung deines Bundeslandlandes entweder im zuständigen Kommunalarchiv oder im Staatsarchiv (Landesarchiv). Vermutlich wird dein Opa als minder belastet oder entlastet gelten, vielleicht wusste er selbst nicht einmal etwas von seiner Mitgliedschaft in der Partei. Obwohl ich auch mal den Fall einer BdM-Führerin hatte, die für die Briten als Übersetzerin arbeitete, dann aber eben wg. ihrer Rolle beim BdM die Anstellung bei den Briten verlor, das war ihrer Entnazifizierungsverfahrensakte zu entnehmen.

Das kurioseste was ich mal hatte, war das Argument, dass ein Angestellter beim stätischen Schlachthof doch bitte entlastet werden solle, weil er so gut im Schweineschlachten sei und als Arbeitskraft unverzichtbar (wer nicht entlastet oder minder belastet war, durfte nicht für die Besatzungsmächte bzw. für die Kommunen arbeiten).
 
Bei den ersten beiden Tagen bin ich an der schlechten Erreichbarkeit der Datenbank gescheitert. Am 21.03.2026 bin ich problemlos in die Datenbank gekommen. Ich habe den Großvater mütterlicherseits meiner Ehefrau gefunden. Eintrittsdatum 01.12.1931. Da er bei der SS war, kommt das nicht überraschend. Er und seine Frau haben in einer SS-Siedlung vor dem 2. Weltkrieg ein Siedlungshäuschen gebaut. Er ist 1944 in Rumänien gefallen. Nach der Familienerzählung war er zuvor in einem Konzentrationslager tätig. Er habe aber diese Tätigkeit nicht mehr ausgehalten und sich freiwillig zu einem Waffen-SS-Verband gemeldet.

Äußerst dubios ist dagegen, dass mein Großvater mütterlicherseits nicht zu finden ist. Gebe ich nach dem Schema "Nachname, Vorname" die Daten in das Suchfeld ein, kommt ein Treffer in einem Film der MFOK. Aber an der Stelle, an welcher er alphabetisch sein müsste, taucht er nicht auf. Ich weiß aber sicher, dass er Mitglied der NSDAP war. Es gibt ein Gerichtsurteil aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, aber schon Drittes Reich. Darin wird sein ältester Sohn wegen eines Betrugsdeliktes verurteilt. Mein Opa hatte eine Schwester. Seine Ehefrau mehrere Brüder. Diese Geschwister waren ebenfalls miteinander verheiratet, aber kinderlos. Daher "trat" mein Opa seinen ältesten Sohn an seine Schwester und dem Schwager ab, unter der Vereibarung das dieser der Alleinerbe von deren landwirtschaftlichen Betrieb sein sollte. In dem Urteil wurde darauf verwiesen, dass mein Opa ein verdienter Parteigenosse und für die strenge Erziehung seiner Kinder bekannt sei. Der Schwager und Schwester wären gemäß dem Urteil naiv gutherzige Menschen, die das Kind mit ihrer Nachsicht verdorben hätten. Der Sohn wurde wieder an den Vater überstellt, der eine strenge Aufsicht versprach. Auch im Dorf war mein Opa im Dorfklatsch als übler Nazi verschrieen. Warum er nicht in der Mitgliederdatei ist, dubios.
 
Warum er nicht in der Mitgliederdatei ist, dubios.

Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass die nun online gestellte Mitgliedskartei nicht vollständig sei. Die damals in München gefundene Kartei ist zwar vollständig digitalisiert, aber schon bei Auffindung war sie nicht vollständig. Da müßte noch recherchiert werden, warum diese nicht vollständig ist.

Ich habe noch nicht nachgeschaut, ich weiß aber, dass einer meiner Großväter in der Partei war (angeblich weil er als Lehrer "mußte"). Interessant wäre, wann er beigetreten ist. Je früher, desto freiwilliger. Sobald ich Zeit und Muße finde, werde ich dann suchen.
 
Die Entnazifizierungsverfahrensakten liegen je nach Archivordnung deines Bundeslandlandes entweder im zuständigen Kommunalarchiv oder im Staatsarchiv (Landesarchiv). Vermutlich wird dein Opa als minder belastet oder entlastet gelten, vielleicht wusste er selbst nicht einmal etwas von seiner Mitgliedschaft in der Partei. Obwohl ich auch mal den Fall einer BdM-Führerin hatte, die für die Briten als Übersetzerin arbeitete, dann aber eben wg. ihrer Rolle beim BdM die Anstellung bei den Briten verlor, das war ihrer Entnazifizierungsverfahrensakte zu entnehmen.

Das kurioseste was ich mal hatte, war das Argument, dass ein Angestellter beim stätischen Schlachthof doch bitte entlastet werden solle, weil er so gut im Schweineschlachten sei und als Arbeitskraft unverzichtbar (wer nicht entlastet oder minder belastet war, durfte nicht für die Besatzungsmächte bzw. für die Kommunen arbeiten).
Er wird sicher von der NSDAP Mitgliedschaft gewusst haben, ein guter Freund von ihm hat am selben Tag den Aufnahmeantrag gestellt. Man musste auch bestimmte Familiennachweise bringen und Fragebögen ausfüllen, jedenfalls bis vor 1944. Die Bürokratie funktionierte auch während des Krieges bis zur Schlussphase. Mir wurde gesagt er wurde nicht zur Wehrmacht eingezogen, weil er unter Gicht schon als Kind leidete. Hoffe mal nicht, dass diese Aussage unwahr war und er Teil der SS war. Ich habe keine Kindheitsfotos/Jugendfotos von ihm.
Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass die nun online gestellte Mitgliedskartei nicht vollständig sei. Die damals in München gefundene Kartei ist zwar vollständig digitalisiert, aber schon bei Auffindung war sie nicht vollständig. Da müßte noch recherchiert werden, warum diese nicht vollständig ist.

Ich habe noch nicht nachgeschaut, ich weiß aber, dass einer meiner Großväter in der Partei war (angeblich weil er als Lehrer "mußte"). Interessant wäre, wann er beigetreten ist. Je früher, desto freiwilliger. Sobald ich Zeit und Muße finde, werde ich dann suchen.
80% der Mitgliederkarteien sind erhalten.

Keiner musste der NSDAP beitreten, es war immer freiwillig, natürlich gab es indirekte Zwänge durch Karriereaufstiegsmöglichkeiten und der soziale Zwang durch den Freundeskreis usw.
 
Keiner musste der NSDAP beitreten, es war immer freiwillig, natürlich gab es indirekte Zwänge durch Karriereaufstiegsmöglichkeiten und der soziale Zwang durch den Freundeskreis usw.
es wird folgendermaßen beschrieben:
Zur Absicherung der Karriere, insbesondere für Verbeamtungen und Beförderungen, wurde die Mitgliedschaft im NS-Lehrerbund(NSLB) oder der NSDAP oft erwartet
 
es wird folgendermaßen beschrieben:
Zur Absicherung der Karriere, insbesondere für Verbeamtungen und Beförderungen, wurde die Mitgliedschaft im NS-Lehrerbund(NSLB) oder der NSDAP oft erwartet
Ich hatte ja geschrieben, dass @Monostrons Opa vielleicht selbst nichts von seiner Mitgliedschaft in der Partei wusste. Mir schwebte da etwas vor von wegen, dass - vereinfacht gesagt - ganze HJ-Jahrgänge ohne ihr Wissen als Parteimitglieder geführt wurden. Das ist von den Historikern Wehler und Frey vertreten worden. Dazu hat Wolfgang Benz aber bereits vor 17 Jahren eine Gegenstudie vorgelegt, deren Rezension kann man bei DLF-Kultur nachlesen: NSDAP-Mitglied wider Willen?
 
Hallo, ich habe Ihre Nachrichte gerade gelesen. Ich bin eine französische Journalistin und berichte für die Schweizer Tageszeitung Le Temps über die Amerikanischen Archives. Ihr Forum ist sehr interessant und ich möchte wissen, ob einige von Ihnen mir erzählen könnten, was diese Archiven neues bringen. Es sieht so aus, dass Sie schon sehr viel über Ihre Verwandten wissen. Ich würde gerne einige Fragen stellen und falls Sie Zeit für ein kurzes Gespräch hätten, wäre ich sehr dankbar. Das würde mir sehr helfen. Vielen Dank. Delphine Nerbollier
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo, ich habe Ihre Nachrichte gerade gelesen. Ich bin eine französische Journalistin und berichte für die Schweizer Tageszeitung Le Temps über die Amerikanischen Archives. Ihr Forum ist sehr interessant und ich möchte wissen, ob einige von Ihnen mir erzählen könnten, was diese Archiven neues bringen. Es sieht so aus, dass Sie schon sehr viel über Ihre Verwandten wissen. Ich würde gerne einige Fragen stellen und falls Sie Zeit für ein kurzes Gespräch hätten, wäre ich sehr dankbar. Das würde mir sehr helfen. Vielen Dank. Delphine Nerbollier

Aus der Parteimitgliedschaft in der NSDAP allein lässt sich nicht viel ablesen. Interessanter wird es, wenn Personen vor 1933 in der NSDAP waren, 1934 nicht entwaffnet wurden und später in mehreren Sektionen der Partei tätig waren. Es gab auch Leute, die kein Parteibuch hatten und trotzdem sehr aktiv im Regime mitwirkten. Diese Faktoren haben die Entnazifizierung außerhalb der engeren Führungsgruppe nach 1945 so schwierig gemacht. Allein in der Deutschen Arbeitsfront waren 25 Millionen Mitglieder. Schätzungen gehen davon aus, dass gegen Kriegsende fast zwei Drittel der deutschen Bevölkerung (einschließlich Jugendlicher in der HJ/BDM) in mindestens einer Organisation des NS-Apparates erfasst waren. Es gab zahlreiche Täter und Unterstützer des Regimes, die keine NSDAP-Mitglieder waren. In der Geschichtswissenschaft unterscheidet man oft zwischen der ideologischen Elite (Partei) und der funktionalen Elite (Staat/Militär). Zur funktionalen Elite gehörten Juristen, Richter, die Todesurteile wegen "Rundfunkverbrechen" oder "Wehrkraftzersetzung" fällten, Militärs die den "Kommissarbefehl" ausführten oder die Kooperation mit Einsatzgruppen in den besetzten Gebieten organisierten, Mediziner und Anthropologen, die "Rassenforschung" betrieben oder an Zwangssterilisationen und Euthanasie-Programmen mitwirkten oder Manager, die Zwangsarbeiter anforderten und ausbeuteten, oft ohne tief in der Parteihierarchie verwurzelt zu sein. Globke ist ein sehr prominentes Beispiel für diese Gruppe. Und natürlich gab sogar in der Presse und im Druckgewerbe durchaus Leute, die sich aktiv beteiligten, ohne Parteimitglied zu sein. Entscheidend war nicht das Parteibuch, sondern das aktive "Mitmachen".
 
Aus der Parteimitgliedschaft in der NSDAP allein lässt sich nicht viel ablesen. Interessanter wird es, wenn Personen vor 1933 in der NSDAP waren, 1934 nicht entwaffnet wurden und später in mehreren Sektionen der Partei tätig waren. Es gab auch Leute, die kein Parteibuch hatten und trotzdem sehr aktiv im Regime mitwirkten. Diese Faktoren haben die Entnazifizierung außerhalb der engeren Führungsgruppe nach 1945 so schwierig gemacht. Allein in der Deutschen Arbeitsfront waren 25 Millionen Mitglieder. Schätzungen gehen davon aus, dass gegen Kriegsende fast zwei Drittel der deutschen Bevölkerung (einschließlich Jugendlicher in der HJ/BDM) in mindestens einer Organisation des NS-Apparates erfasst waren. Es gab zahlreiche Täter und Unterstützer des Regimes, die keine NSDAP-Mitglieder waren. In der Geschichtswissenschaft unterscheidet man oft zwischen der ideologischen Elite (Partei) und der funktionalen Elite (Staat/Militär). Zur funktionalen Elite gehörten Juristen, Richter, die Todesurteile wegen "Rundfunkverbrechen" oder "Wehrkraftzersetzung" fällten, Militärs die den "Kommissarbefehl" ausführten oder die Kooperation mit Einsatzgruppen in den besetzten Gebieten organisierten, Mediziner und Anthropologen, die "Rassenforschung" betrieben oder an Zwangssterilisationen und Euthanasie-Programmen mitwirkten oder Manager, die Zwangsarbeiter anforderten und ausbeuteten, oft ohne tief in der Parteihierarchie verwurzelt zu sein. Globke ist ein sehr prominentes Beispiel für diese Gruppe. Und natürlich gab sogar in der Presse und im Druckgewerbe durchaus Leute, die sich aktiv beteiligten, ohne Parteimitglied zu sein. Entscheidend war nicht das Parteibuch, sondern das aktive "Mitmachen".
Mussten nicht sämtliche Nsdap Mitglieder Entnazifizierungsverfahren durchlaufen? Meistens steht dort mehr drinne. Globke hat immer versucht der NSDAP beizutreten. Das eigentliche Neue was man der Veröffentlichung des Archivs gewinnen kann, ist doch das man barrierearm/hürdenarm überprüfen kann, ob es in seiner Familie oder Umfeld NSDAP Mitglieder gab. Vieles davon wurde nie ausgesprochen, oft noch nicht mal direkten Kindern. Es dient wie bei mir als erster Ansatzpunkt der Recherche der eigenen Familiengeschichte. Gerade Familien aus der Unterschicht bzw. nicht aus dem Bürgertum gewinnen neuere Erkenntnisse, wenn wahrscheinlich auch nicht Geschichtsrelevant.
 
Hallo, ... . Ich bin eine französische Journalistin
Vive la France! Bienveneu!


Das Suchen in der Datei ist schon recht mühsam, man muss es schon wirklich wissen wollen. Aber neben der Parteizugehörigkeit gibt es bei einigen ja auch Fotos und Anschriften etc. Das fände ich schon auch interessant. Ich habe auf den Nachnamen eingeengt, bin aber noch nicht fündig.

Im Prinzip besteht aber kein Zweifel bei meinem Großvater mütterlichseits. Ich erinnere mich noch gut an einen Besuch im Pflegeheim als ich 16 war. Ich bin mit miner Mutter allein im Auto zurückgefahren und wollte die Gelegenheit nutzen, um das Gespräch auf die Vergangenheit zu lenken. Also habe ich meine Mutter gefragt, ob Opi denn un der NSDAP gewesen sei. Nein, das könne sie sich nicht vorstellen. Ich entgegne, er sei doch Staatsanwalt gewesen. Da müsse er doch in der Partei gewesen sein. Also meine Mutter wusste gar nichts. Auch interessant. Das wurde mit ihr wohl nie thematisiert und sie hatte auch nicht die notwendige Neugier nachzubohren. Entscheidend wird gewesen sein, dass sie ihren Vater nicht mit ihrm Bild eines Nazis in Deckung bringen konnte. Das war nicht vorstellbar.

Mein Großvater steht übrigens im Braunbuch und war nicht nur Staatsanwalt, sondern Anwalt am Sondergericht in Wien. Was ich von dieser Zeit weiss ist, dass er wohl mal die Todesstrafe für zwei jugoslawische "Saboteure" gefordert hat. Meine Schwester ist da eigentlich besser informiert. Da wären die Entnazifizierungsunterlagen tatsächlich mal interessant. Er hat jedenfalls in der BRD weiterhin als Staatsanwalt gearbeitet.
 
Ich habe meinen Großvater inzwischen in der Datei gefunden. Der Nachname war nur wenige Male vertreten. Intreressant fand ich besonders das beiliegende Foto von 1936.

Ich habe aber im Zug der Recherche eine viel bessere Entdeckung gemacht. Und zwar gibt es die Entnazifizierungsakte meines Großvaters auch online frei zugänglich. Das wird damit zusammenhängen, dass er Jurist im Staaatsdienst der BRD war. Die Archive NRW haben die Entnazifizierungsakten etlicher Juristen zuänglich gemacht. Wer so eine Akte mal exemplarisch anschauen möchte, kann das da tun.


Das verlinken ist nicht so einfach. Eine Akte habe ich m,al exemplarisch rausgesucht. Ausderücklich nicht mein Großvater:


Wenn ihr jetzt bei Google den folgendes eingebt:

Karl Katern Entnazifizierung

Dann ist einer der ersten Einträge einer zum Archiv. Da hat man dann links eine ganze Liste mit Akten.

In diesen Akten sethen viele persönliche Daten, schulicher Lebenslauf, Einkommen, Burschenschaft, Parteiorganisationen etc. Lohnt sehr.
 
Ich habe mich auch sofort auf die Suche gemacht und hatte in den ersten Tagen wegen der Überlastung kein Glück. Mich hat vor allem mein Urgroßvater interessiert, der angeblich schon frühzeitig Mitglied war und auch direkt nach dem Krieg in ein sowjetisches Gefangenenlager kam, wo er nach ein paar Jahren starb. Haftgründe unbekannt.
Die Suche ist natürlich mühsam, aber ich habe ihn gefunden. Ganz unspektakulär ist er am 1.5.33 eingetreten, hat also seinen Aufnahmeantrag kurz nach der Machtergreifung gestellt (der kleine Opportunist). Mehr gab die Kartei nicht her.
Viel interessanter ist aber sein Bruder, über den ich fast nichts wusste und dessen Verbleib nach 1926 bis dahin unklar war. Der ist schon 1931 eingetreten. Auf seiner Karteikarte ist der Stempel "Schwarze Liste" zu finden, dazu ein Aktenzeichen bzgl. des Parteiauschlussverfahrens von 1935-1937. Anhand der Ortsgruppe weiß ich jetzt auch, wohin er nach 1926 gegangen war und außerdem steht da noch was von Thüringen und 1941 + ein zweiter Stempel "Schwarze Liste". Er war Lehrer und wurde evtl. von Sachsen nach Thüringen versetzt, wobei man gleich die Kollegen dort warnte, was er für einer ist.
Im Bundesarchiv sind Akten zu dem Verfahren zu finden, muss ich aber vor Ort einsehen. Ich habe auch gleich mal ans Staatsarchiv Sachsen geschrieben und um Unterstützung gebeten, weil dort ja die ganzen Akten der Schulämter liegen. Bin sehr gespannt.
 
Benutzerfreundlich ist das ganze nicht. Man kann da viel Zeit mit verschwenden, sich durch die Bilder zu klicken, bis man dann endlich mal auf eine Mitgliedskarte kommt, die man sucht. Entweder gibt es keine vernünftige Suchmaske, oder aber die ist so gut versteckt, dass ich sie nicht gefunden habe.
Ich habe mich selbst gefunden. Allerdings 51 Jahre zu früh geboren... Und die Person lebte auch noch in der Stadt, in der ich jetzt wohne....
Eigentlich wusste ich, dass meine Großväter nicht in der Partei waren, aber dennoch habe ich nach ihnen gesucht. Kann ja sein, dass die Familienüberlieferung da nicht so ganz stimmig ist (wobei ich da nie einen Anlass hatte, dies zu vermuten). Dabei bin ich auch über meinen Namen gestolpert. Der Witz ist ja, dass manche Konvolute alphabetisch geordnet sind, andere hingegen rückwärtsalphabetisch. Das muss man erst mal checken. Ich habe mehrere Personen gehabt, die namensgleich mit meinem Großvater waren, aber aufgrund Beruf, Wohnort und Alter als mein Großvater auszuschließen waren. Ich habe aber auch Personen gefunden, die wahrscheinlich mit mir weitläufig verwandt sind (gleiche Herkuftsregion). Da mein Vater allerdings vom Bauernhof kommt und bereits zahlreiche Geschwister hatte, habe ich seine Onkel und Tanten, Cousine und Cousinen nie kennengelernt. Ein Arbeitskollege sprach mich mal an, ob ich mit einem Fußballspieler (3. Liga) verwandt sei, der sehe so aus wie ich und habe denselben Nachnamen. Mir sagte der Typ nix (ich habe auch keine Ahnung von Fußball, kann nicht mal alle Spieler der Nationalmannschaft nennen) aber mein Vater bestätigte auf Nachfrage, dass das der Sohn eines Cousins von ihm sei. So gut kenne ich also die weitläufige Verwandtschaft.

Von meinen Großvätern habe ich also erwartungsgemäß keinen gefunden. Allerdings war mein Großonkel (mütterlicherseits, die Familie ist kleiner und überschaubarer) in der NSDAP und den habe ich auch nicht gefunden! Aber da muss ich nach der gestrigen Erfahrung noch mal genauer schauen! Außerdem will ich die Brüder von meinem Vater überprüfen, die bei der Wehrmacht waren. Von dem einen, den ich nie kennengelernt habe, habe ich die Feldpostbriefe gelesen (er war kein großer Literat, sie sind recht unergiebig und langweilig, die interessantesten Passagen sind noch die, wo er sich nach meinem eben geborenen Vater erkundigt), der lag in Dänemark und war in keine Kampfhandlungen involviert, der zweite war an der Ostfront, da habe ich keine Ahnung, was der erlebt/getan hat. Der ist zwar erst vor 28 Jahren gestorben, aber er hat nach Aussage meines Vaters einmal etwas vom Krieg erzählt (da war mein Vater selber noch recht klein) und danach nie wieder.
Ich erwarte allerdings auch bei den beiden keine Funde.
 
Allerdings war mein Großonkel (mütterlicherseits, die Familie ist kleiner und überschaubarer) in der NSDAP und den habe ich auch nicht gefunden! Aber da muss ich nach der gestrigen Erfahrung noch mal genauer schauen!
Ich habe tatsächlich nur eine einzige Person des Nachnamens meines Großonkels gefunden: falscher Vorname, falsche Stadt, Geburtsjahr weiß ich nicht. Allerdings habe ich mehrere Personen mit exotischeren Nachnamen gefunden, als dem meines Großonkels, das ist schon seltsam, dass da nur dieser eine Vertreter dieses Namens auftaucht.

Außerdem will ich die Brüder von meinem Vater überprüfen, die bei der Wehrmacht waren.
Die sind beide erwartungsgemäß nicht aufgeführt. Zwar wieder etliche gleichen Namens, von denen einige im Umkreis von 30 km geboren sind bzw. gelebt haben, aber Alter und Beruf und eben auch Wohn- und Geburtsort passen nicht.
 
Wie ist Eure Erfahrung?
Herausgelesen habe ich, dass manche Filme alphabetisch oder auch rückwärtsalphaetisch sortiert sind. Aber habt Ihr bisher Karteikarten gesehen, die an falscher Stelle einsortiert sind?

Ich finde meinen Großvater mütterlicherseits nicht. Sein "Nachname, Vorname" wird als Treffer angezeigt und ein Mikrofilm der regionalen Organisation angezeigt. Dort gibt es auch etliche mit dem identischen Nachnamen, aber nicht in Kombination mit dem richtigen Vornamen. Der Familienname ist eher wenig verbreitet. Der Vorname ist auch nicht klassisch (weder biblisch, noch aus einem kirchlichen Kontext). Stellt sich die Frage:

Ist die Anzeige des Treffers falsch?
Oder ist die Karteikarte auf dem Film, aber nicht an der alphabetisch richtigen Stelle?

Machen wir mal ein Beispiel. Ich suche nach "Beer, Raimar" (nicht die Daten meines Großvaters). Es kommt dann ein Treffer. An der passenden Stelle gibt es aber keine Karteikarte eines Raimar Beer. Kann es sein, dass die Technik den Nachnamen Beer findet und irgendwo einen anderen Nachnamen (zum Beispiel Berger) in Kombination mit Raimar und das als Treffer anzeigt?
Oder kann das nicht sein und irgendwo auf dem Film mit 3.000 + Positionen ist der Eintrag meines Großvaters?
 
Ich hatte vor 2 Wochen sehr große Schwierigkeiten, aber dann fand ich heute diese beiden hilfreichen Seiten, die letztere gibt als Web-App eine Suchmaske für den Namen und dann einen Direktlink zu der gefundenen Filmrolle:



Damit ging's dann. Ich suchte einen Verwandten meiner Frau, "Artur Seidel". Ich habe ihn nicht gefunden, aber immerhin funktioniert es grundsätzlich.

Ich hatte zunächst einen Download der PDF-Datei der Filmrolle gemacht (240 MB), und zwar nicht die der Zentralen Mitgliederkartei (MFLK), sondern die der regionalen bzw. Gau-Mitgliederkartei (MFOK): 3000 Seiten erhalten, dann mit einem PDF-Viewer von Microsoft mit Direkteingabe der Seitennummer in 10er-Schritten den Suchbereich eingegrenzt.

Fallstricke:
  • Die Schreibweise der Nachnamen wechselt (Seidel / Seidl)
  • Auch die Schreibweise und die Sortierung der Vornamen variiert: Arthur / Artur / Artus oder Albert / Adalbert
Empfehlung:
  • Beim Durchblättern in erster Linie auf die Entzifferung des Geburtsdatums achten, das ermüdet die Augen weniger.
 
Zuletzt bearbeitet:
Allerdings 51 Jahre zu früh geboren...
Ich habe ja schon von vielen Fällen von Jugendsünden gehört, wo sich jemand ein paar Jahre älter gemacht hat, um irgendwo mitmachen zu dürfen, aber gleich 51 Jahre? Oder ist das ein belegter Fall von Seelenwanderung?^^

Spaß bei Seite, interessanter Zufall.

Ich werd mir die Kartei demnächst auch mal zu gemüte führen. Beim mütterlichen Familienzweig bin ich mir recht sicher, dass da Großvater, dessen Brüder und dessen Vater bei dem braunen Verein mit dabei waren, von der väterlichen Seite her weiß ich was das angeht von einem Familienzweig so gut wie gar nichts.
Der Großvater ist 1940 geboren, dessen Vater irgendwann kurz darauf in der Sowjetunion gefallen. Da würde mich der Hintergrund schon mal näher interessieren.
 
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