Mittelalter: Was machten Frauen während ihrer Periode?

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Unregistriert, 1. April 2004.

  1. Tawabet

    Tawabet Neues Mitglied

    @Cassandra: sehr interessante PDF, danke!

    @Lukrezia: Leider ist es nicht sooo einfach. Es sind tatsächlich häufig die Frauen selbst, die an den "Unterdrückungsmechanismen" festhalten (um noch mehr vom Thema abzuschweifen und ein ganz krasses Beispiel zu wählen: in Ägypten sind die meisten Männer gegen Frauenbeschneidung, die aber von den Frauen an ihren Töchtern bzw. Enkelinnen durchgeführt wird...)

    Warum das so ist? Weiß ich auch nicht.

    Grüße,

    Tawabet
     
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  2. Cassandra

    Cassandra Neues Mitglied

    Die Gründe für eine Beschneidung werden hier noch mal kurz beschrieben:
    WIESO WIRD DIE FGM PRAKTIZIERT?

    Gruß
    Cassandra
     
  3. Tawabet

    Tawabet Neues Mitglied

    Danke, Cassandra, für den weiteren interessanaten Link!

    Nur möchte ich bezweifeln, dass der Initiationsritus bei Babys wirklich eine Rolle spielt ;) - die ägyptischen familien, die ich kenne, beschneiden ihre Töchter kurz nach der Geburt.

    Grüße,

    Tawabet
     
  4. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin


    Natürlich gibt es solche Frauen. Habe ich das bestritten? Die Gründe dafür sind jedoch in der Tradition männlich dominierter Gesellschaften zu suchen, in der sie leben.

    Frauenbeschneidung ist ein heikles Thema. Wenn du dir die angeblichen Gründe dafür anschaust, wirst du feststellen, dass es sicherlich keine Frau war, die sich diese Verstümmelung einfallen hat lassen. Des weiteren wird die Beschneidung in Ländern praktiziert, in denen die Frau dem Manne untergeordnet ist.

    Wenn Großeltern und Mütter die Verstümmelungen ihrer Töchter zulassen und gutheißen zeigt das lediglich, dass sie sich in dieses Schema einordnen wollen. Soweit ich weiß, haben es unbeschnittene Frauen in den entsprechenden Regionen der Erde schwerer, einen Mann zu finden, da die Jungfräulichkeit bis zur Ehe gewährleistet ist. Dies ist sicherlich auch ein Punkt, warum die Beschneidung von Töchtern/Enkelinnen gewollt wird.

    Hast du gesicherte, zuverlässige und auf repräsentativen Umfragen beruhende Quellen dazu, dass die Mehrheit der Männer in Ägypten gegen eine Beschneidung der Frauen ist?
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Februar 2005
  5. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich habe mal eine Doku (ARTE) über Mali gesehen, dort hiess es auch, das die Männer von der Beschneidung der Töchter kaum eine Ahnung hatten. Sie hatten Sozialarbeiterinnen interviewt, die Erfahrungen damit hatten. Die schwerste Überzeugungsarbeit haben sie mit den Frauen. In manchen Gegenden gibt es keine Frauen die nicht unbeschnitten sind und die Frauen können sich nicht vorstellen, wie man eine Frau werden kann ohne beschnitten zu sein.
     
  6. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin


    Und woher kommt diese Weltanschauung bei den Frauen? Ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich, dass ihre Ahninnen sich zusammengesetzt haben und beschlossen haben, sich selbst zu verstümmeln.
     
  7. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    Genauso unwahrscheinlich ist es, das sich Männerrunden gebildet haben, die beschlossen, die Frauen gegen ihren Willen klein zu halten.

    Kulturen werden nicht konstruiert, sie wachsen. Dort (böse) Absichten zu unterstellen will mir nicht in den Sinn.

    Bleiben wir also bei den Fakten. In der Vergangenheit wie der Gegenwart gibt es patriacharlische Kulturen, in denen Frauen kaum Rechte besitzen und oftmals sehr schlecht behandelt behandelt werden, bis hin zur schwersten Körperverletzung und Mord.
    Daran beteiligt sind Männer wie Frauen, die ihre Traditionen "verteidigen" (die Anführungszeichen sollen den heroisierenden Beigeschmack des Wortes mildern).

    Übrigens wäre ein extra Thema dafür ganz nett :)
     
  8. parago

    parago Neues Mitglied

  9. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Darfst Du nicht, dieses Thema wird bitte weiterhin hier diskutiert!
     
  10. parago

    parago Neues Mitglied

    Jesus Christus. :S

    Vor allem weil doch in eben diesen von dir genannten Kreisen der Handkuss noch recht gerne und haeufig zum Einsatz kam, wenn ich mich nicht irre.. mir wird grad ganz anders. :rotwerd:
    Kaffeeee!!
     
  11. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Im Sinne der Sozialgeschichtsschreibung ist es immer hochinteressant, unsere noch lebenden Vorfahren nach ihren Sitten und Gebräuchen zu fragen. Schließlich werden gerade die kleinen Dinge des Lebens nicht aufgezeichnet und bis vor kurzem "ziemte" es sich auch in der Forschung nicht, nach solchen Gebräuchen (wie zum Beispiel bei der Menstruation) zu fragen. Heute ist jedoch keine Demut mehr angebracht... :yes:

    (Flachsprodukte kamen doch an fast jedem Hof vor... wieso bin ich nicht von selbst auf die Idee gekommen...) ;)
     
  12. askan

    askan Neues Mitglied

    Oja, durch "Oral History" weiss ich auch, das es damals für junge Frauen nützlich war, die Adresse von geldbedürftigen Medizinstudenten zu kennen, im Falle das die Menstruation nicht kommt. Aber das ist ein anderes Thema, passt aber zum Kommentar das "Alltagsdinge" kaum überliefert werden.
     
  13. LaLoca

    LaLoca Neues Mitglied

    Würde mal sagen, dass die ärmeren Frauen normal gearbeitet haben aber wenn sie schmerzen hatten sich ins Bett legten.
     
  14. benjohnson

    benjohnson Neues Mitglied

    Schwangerschaft

    Beim Überfliegen des threads scheint mir unerwähnt die ungleich höhere Zahl an Schwangerschaften. Die Periode war wohl für mittelalterliche Frauen kein ständiger "Begleiter" wie das Frauen womöglich heute empfinden. Bei 20 Schwangerschaften käme man schon auf 15 Lebensjahre in denen Frauen gar nichts mit der Monatsblutung zu tun hatten. Womöglich auch relevant obgleich etwas weniger: Hunger oder Krankheit können durchaus auch mal zum Ausbleiben oder zur Verzögerung der Periode führen.
     
  15. snaedis

    snaedis Neues Mitglied

    Zustimmung

    Das ist völlig richtig.
    Erstmal waren die Frauen öfter schwanger als heute, zweitens wurden die Kinder nicht mit industriell gefertigter Babynahrung gefüttert, sondern gestillt und das durchaus bis zum 2. Lebensjahr und länger. Sofern man keine Amme "zur Hand hatte", mußte die Mutter selbst stillen. Dies führt (bei ausschließlicher Ernährung des Säuglings durch Muttermilch) zu einer Unterdrückung der Periode. Das wird Euch jede Hebamme bestätigen.

    Dann starben die Frauen früher (schlechtere Ernährung, med. Versorgung, Kindbettfieber, schwerere Geburten- Sectio war damals nicht üblich, und wenn eine Frau Zwillinge erwartete, war es wahrscheinlicher, daß sie die Geburt nicht überlebte) und daher war der Zeitraum auch kürzer, in dem sie ihre Perioden hatten.

    Hungersnöte und Krankheiten (oder einfacher ausgedrückt: Mangelernährung) führen ebenso zu einem Ausbleiben der Periode.
    Und - schließlich waren die Frauen damals nicht so früh "reif", d.h. sie bekamen ihre 1. Periode sehr viel später als gleichaltrige Frauen/Mädchen heute (hängt auch mit der besseren Versorgung zusammen).

    Gruß, Snaedis
     
  16. Livia

    Livia Neues Mitglied

    Für verheiratete Frauen stimmt das. Aber: es gab auch im Mittelalter eine große Anzahl nichtverheirateter Frauen:
    Das Heiratsalter lag verhältnismäßig hoch, die Zeit zwischen der ersten Periode und der ersten Schwangerschaft war dementsprechend lang.
    Eine Eheschließung setzte ein gewisses Vermögen voraus; oft heiratete nur eine Tochter pro Familie (damit zwei Höfe zusammengelegt werden konnten, wenn es keinen Sohn gab :still: ). "Überzählige" Mädchen wurden in ein Kloster geschickt (was auch eine "Mitgift" vorraussetzte und daher nur für wohlhabende Familien in Betracht kam) oder blieben als Arbeitskraft der Herkunftsfamilie erhalten. In beiden Fällen mussten sie jedoch mit einer monatlichen Blutung leben.
    Es gab im Mittelalter auch jede Menge unehelicher Kinder, aber unverheiratete Frauen bekamen nicht alle ein - zwei Jahre ein Kind, sondern insgesamt (!) vielleicht ein oder zwei Kinder - und hatten dementsprechend oft auch ihre Periode.

    Die Vorstellung von der ständig schwangeren oder stillenden mittelalterlichen Frau stimmt so pauschal nicht. Und das man(n?) die Menstruation durchaus als Problem empfand, zeigen die mit dem Thema zusammenhängenden Vorschriften, Reinigungsrituale - und bis heute überlieferten, abergläubischen Vorstellungen (besonders im Zusammenhang mit der Zubereitung von Lebensmitteln).
     
  17. Galadriel

    Galadriel Neues Mitglied

    Menstruation im MA

    Es ist zu bedenken, daß die Frauen im Mittelalter sehr viel seltener ihre Periode hatten, weil sie häufiger schwanger waren oder Kinder stillten. Bei großem Streß wie Unterernährung setzt die Regel außerdem ebenfalls aus. Das weiß man von Extremsportlern und Magersüchtigen.:)
    Ich glaube nicht, daß es schriftliche Quellen über so ein heikles Thema wie Monatshygiene aus dem MA gibt. Aber im alten Ägypten sollen sie schon Tampons aus Papyrusfaser benutzt haben.
     
  18. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Vielleicht hat man sich nur noch nicht wirklich damit beschäftigt. Im Alten Testament wird dieses Problem in den religiösen Regeln in einem der Bücher Mose (ich weiß jetzt nicht, welches) recht ausgiebig erörtert (zumindest, was Frauen und Männer während, vor und nach der Periode zu tun und vor allem zu lassen haben). Vielleicht ging daraus ja auch was in die theologischen Schriften des Mittelalters ein.
     
  19. Mercy

    Mercy unvergessen

    Drittes Buch Mose (Levitikus), Kapitel 15.
    Gesetz über das Verhalten bei unreinen Ausflüssen
    http://www.bibel-online.net/buch/03.3-mose/15.html

    Allerdings geht es hier um den priesterlichen Dienst.
     
  20. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich habe mir eben mal, aus lange Weile, den Spass gemacht und das Wort "unrein" in diesem Link gezählt.
    30 mal kommt es vor.
    Bei dieser Gestzgebung haben die Menschen sich schon vor Angst gewaschen. Da soll mir noch einer erzählen, die waren früher unsauber.
     

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