Neue archäologische Entdeckungen

Bei Ausgrabungen in der schottischen Region Lochaber ist ein versteckter Münzschatz gefunden worden, der aufgrund des Fundorts und der Datierung mit dem Massaker von Glencoe in Verbindung gebracht wird (am 13.02.1692 wurden 40 Angehörige des Clans MacDonalds, jakobitischen Sympathien verdächtig, von regierungstreuen Truppen des Clans Campbell ermordet). Bemerkenswerterweise fanden sich unter den versteckten Münzen auch französische, niederländische und päpstliche. (Quelle)
 
Eine Präsentation von in trockener Höhlenluft hervorragend erhaltenen Korbwaren (aus der Zeit um 7.500 v. Chr.) und Sandalen (um 4.200 v. Chr.) aus der Cueva de los Murciélagos, nahe Granada in Südspanien:

Archaeologists Uncover 9,500-Year-Old Woven Baskets and Europe's Oldest Sandals | Smart News| Smithsonian Magazine

Das Interessante ist dass hier organische Alltagsprodukte hervorragender mesolithischer Handwerkskunst aus der Zeit der Jäger und Sammler konserviert sind, also kurz vor der neolithischen Agrarrevolution:

"Die prähistorischen Gegenstände wurden aus organischen Materialien wie Holz, Schilf und Esparto (Stipa tenacissima) hergestellt, einem Gras, das zur Herstellung von Schnüren zerkleinert wird."

"Archäologen waren bisher davon ausgegangen, dass die geflochtenen Körbe von Bauern aus der Jungsteinzeit stammen, als die Menschen begannen, eine sesshaftere Lebensweise zu führen, da sie aufwändig mit geometrischen Motiven verziert, mit gefärbten Fasern hergestellt und sogar mit menschlichen Haaren oder Pigmenten verziert waren, so die Studie. Die Kohlenstoff-14-Datierung ergab jedoch, dass sie während des Mesolithikums oder der mittleren Steinzeit hergestellt wurden, als die Lebensweise der Jäger und Sammler noch vorherrschte."
 
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Und wieder im Nahen Osten, aber zur Römerzeit, gibt es neues zum Limes orientalis:

Spionagesatelliten: Alte Fotos enthüllen ein neues Bild der Römer
Zitat aus dem verlinkten Artikel:

Bislang gingen Historiker davon aus, dass diese Festungen Teil einer Grenz-Verteidigungslinie waren, die zum Schutz der östlichen Provinz des Reiches vor arabischen und persischen Überfällen und vor nomadischen Plündererstämmen errichtet wurde, die Gefangene und Sklaven machen wollten.
Doch aufgrund der neuen Analyse muss dieses Bild wohl abgeändert werden. Sie deutet eher darauf hin, dass die Grenze fließend war - und ein lebendiger Ort des grenzüberschreitenden Handels und nicht des ständigen gewaltsamen Konflikts, so die Forscher in ihrem Paper, das im Fachjournal Antiquity veröffentlicht wurde. Die Positionierung und Verteilung der Anlagen deutet darauf hin, dass die Festungen ein System des karawanenbasierten interregionalen Handels waren, die Kommunikation und militärische Transporte unterstützten.


Muss nun die Geschichte des römischen Reiches in diesem Punkt umgeschrieben werden? Ich meine, wenn diese Hypothese für den Limes im Orient stimmen sollte, dann vielleicht auch für den bei uns?
 
Muss nun die Geschichte des römischen Reiches in diesem Punkt umgeschrieben werden? Ich meine, wenn diese Hypothese für den Limes im Orient stimmen sollte, dann vielleicht auch für den bei uns?
Das möchte ich bezweifeln, da hier nur alter Wein in neuen Schläuchen serviert wird. Selbst der relativ stabile Hadrianswall wird seit längerem nicht mehr als rein militärisches Bollwerk gesehen, sondern eher als durchaus durchlässiges Instrument der Grenzkontrolle, selbiges gilt für „unseren“ Limes. Militärisch ja, aber nie als völlig undurchlässige Grenze gedacht.
 
Neues aus Haltern am See.

Dort wurden Pfostenspuren von zwei kleinen Gebäuden gefunden, welche innerhalb des Standlagers ausgegraben wurden. Die Archäologen interpretieren diese als zwei kleine Tempel, eventuell für Mars und Victoria. Bisher wird in der Literatur wohl keine Tempel in römischen Legionslagern erwähnt. Die Landesarchäologie geht nun der Frage nach, ob dies eine singuläre Ausstattung ausschließlich in Haltern war oder ob man bisher solche Tempel in anderen Legionslager übersehen hat.

https://www.welt.de/regionales/nrw/...wurden-Reste-einer-Tempelanlage-gefunden.html
 
Danke an Carolus! Da gibt's ja einiges zu sehen, aber schwer zu identifizieren:
Ein Ort mit wechselvoller Geschichte: Der Fürstenberg bei Xanten

Ein neu entdeckter römischer Palast auf dem Fürstenberg

TIM-online
Dort angeben: blauer Pfeil nach rechts - Kartenauswahl - Höhenmodelle - Geländeschummerung

Für mich ist dass so als ob meine Mama mich im Spielzeuggeschäft gelassen hätte. Am Südrand ist gut das Amphitheater zu erkennen. Ansonsten Unmengen an Wällen der Legionslager, Windrädern und Sportplätzen im archäologischen Bestand, Schützengräben und Geschützstellungen, Sandgruben und nicht-archäologische Buddeleien.
 
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Leider hinter Paywall (zu der ich auch keinen Zugang habe): „Sensationelle Entdeckung“: Archäologen finden römischen Palast auf Xantens Fürstenberg

Nur die ersten paar Zeilen sind lesbar, aber vielleicht findet sich noch etwas in anderen Presseartikeln. Beim LVR habe ich leider keine Pressemitteilung auf der Homepage gefunden.

Und hier ein Artikel ohne Paywall, dafür im Stil des Boulevardmediums gehalten:

Archäologen graben in NRW-Stadt – und können nicht fassen, was sie finden

Kurzum: die gefundene Palastanlage könnte für den Statthalter errichtet worden sein. (Es gibt eine vergleichbare Anlage im römischen Kempten, die so benutzt wurde.)

Falls diese Zuschreibung als Palast des Statthalters richtig sein sollte, hätte man den Amtssitz von Varus gefunden. Leider steht in dem Artikel, ob dieses Gebäude genauer datiert werden konnte (Zitat aus dem o. g. Link: "Aus dem ersten Jahrhundert nach Christus soll die prunkvolle Villa stammen"). Vetera wurde im Bataveraufstand zerstört (69 n. Chr.), so dass man zumindest einen Terminus ante quem hat. In diesem Gebäude dürfte auch Plinius der Ältere sich gelegentlich aufgehalten haben, als er am Niederrhein eingesetzt war.
 
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Es ist echt eine schreckliche Methode, dass fast jede archäologische Entdeckung mit möglichst berühmten Namen aufgepeppt wird. Reitermaske in Kalkriese - muss natürlich von Varus sein. Ein Gladius in Mainz, gehörte doch sicherlich dem späteren Kaiser Tiberus.
:rolleyes:

Im Lager Oberaden befand sich ein großes Prätorium. Dieses wird als Sitz des Drusus d. Ä. während der Feldzüge vuZ vermutet, sicherlich mit großer Berechtigung. Das Prätorium befindet sich innerhalb eines Legionskastells.

Im Lager Anreppen findet sich ebenfalls ein Prätorium, welches als Dienst- und Wohnsitz des Tiberius während dessen germanischen Feldzügen angenommen wird.

In Hauptlager von Haltern finden wir ebenfalls ein Prätorium. Auch hier gehen die Lokalpatrioten davon aus, dass dies der Sitz von Varus war. Auch dieses befindet sich innerhalb des Kastells.

In Vetera finden wir in der Lagervorstadt einen Palast. Warum residiert Varus außerhalb des Kastells ? Oder sollte man nicht annehmen, dass ein einheimischer germanischer Fürst hier in der Nähe seiner römischen Verbündeten wohnte? Man denke an die Residenz in Bliesbruck / Reinheim. Auch dort kann man sicherlich nicht ohne Berechtigung von einer einheimischen Adelsfamilie spekulieren, welche sich römischen Luxus gönnt und romanisiert.

https://incipesapereaude.wordpress....europaeischer-kulturpark-bliesbruck-reinheim/

Bei WIKI wird das Prätorium in Kempten Anfang des 2. Jahrhundert datiert. Campodunum war meines Wissens nie Legionsstandort. Die mir bekannte Legion in der Raetia war in Windisch (Vindonissa). Daher ist ein Vergleich von Vetera zu Campodunum wenig hilfreich. Die eine war ein Legionsstandort, die andere eine Zivilsiedlung.
 
Es ist echt eine schreckliche Methode, dass fast jede archäologische Entdeckung mit möglichst berühmten Namen aufgepeppt wird.

Das ist halt das Zusammenspiel von Archäologen, Presse und Konsumenten.
Die Archäologen sind froh, wenn ihre Arbeit medial gespiegelt wird. Relevanz bedeutet am Ende auch bessere Finanzierung.
Die Presse ist froh, dass sie etwas schreiben kann.
Und der Konsument muss halt abgeholt werden. Das tägliche Brot des Archäologen (drei dunkle Scherben und ein Schweineknochem) interessieren den durchschnittlichen „Zeitungs“-Leser nicht. Ruinenfelder sind „bloß alte Steine“. Erst wenn aus diesen „alten Steinen“ eine Geschichte mit Menschen wird, wird das interessant.
 
Es ist echt eine schreckliche Methode, dass fast jede archäologische Entdeckung mit möglichst berühmten Namen aufgepeppt wird. Reitermaske in Kalkriese - muss natürlich von Varus sein. Ein Gladius in Mainz, gehörte doch sicherlich dem späteren Kaiser Tiberus.
:rolleyes:


Moment, die Verbindung des in Vetera gefundenen Gebäudes mit Varus und Plinius stammt nicht von der Zeitung oder von den Archäologen, sondern ist Sondergut von

Falls diese Zuschreibung als Palast des Statthalters richtig sein sollte, hätte man den Amtssitz von Varus gefunden. [...] In diesem Gebäude dürfte auch Plinius der Ältere sich gelegentlich aufgehalten haben, als er am Niederrhein eingesetzt war.

Die Reitermaske aus Kalkriese wird natürlich nicht Varus persönlich zugeordnet, sondern seinen Truppen. Die prominente Darstellung der Maske bei der Vermarktung kommt wohl durch ihre Prominenz. Anders als viele kleine Funde hat diese Maske direkt etwas persönliches, sie läßt einem einer Person nahekommen, die vor 2.000 Jahren gelebt hat.

Bei dem Tiberius-Gladius wird doch die Beschreibung von den Abbildungen des Tiberius auf der Schwertscheide abgeleitet. Dass das Schwert Tiberius persönlich gehört haben könnte, ist damit nicht zum Ausdruck gebracht.


Ich habe keine über den oben verlinkten Artikeltext hinausgehenden Informationen über den Befund in Vetera (also in der Lagervorstadt) und ebensowenig über die Anlage in Cambodunum. Ob die Identifikation des Gebäudes in Cambodunum als Statthalterpalast eindeutig ist und wie sie begründet ist, ist mir auch unbekannt. Da sollte man vielleicht weitere Publikationen zu dem Thema abwarten.

Und dann auch noch die im Clickbaiting-Stil geschwurbelte Überschrift.

Wie leider fast immer bei diesem Medium (und nicht nur dort). Aber außer "Der Westen" habe ich bis dahin noch keine offen zugängliche Berichterstattung über den Befund gefunden.
 
Von den Römern zurück in die Vergangenheit

https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2023/11/prignitz-seddin-archaeologie-koenigsgrab-bronzezeit.html

Ein ungewöhnlich großes Gebäude wurde in der Nähe des Königsgrabes von Seddin gefunden. Diese trennen nur 250 Meter. Neben seiner imposanter Größe weist die Bauart des Gebäudes mit zwei aus Feldsteinen aufgeschichteten Außenmauern eine in Norddeutschland unbekannte Bauweise auf. Zeitstellung 10. Jahrhundert vuZ bis 9. Jahrhundert vuZ.

Einen Eigentümer haben die Ausgräber auch zur Hand. Der sagenhafte König Hinz oder einer seiner Verwandten könnte dort eine Versammlungshalle unterhalten haben.
 
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