CarnifexUltra

Aktives Mitglied
Heute ist Kinostart und Rezensionen sind raus, der filmdienst gibt dem 4/5 Sterne und Sehenswert. Mir hat der Trailer nicht sehr gefallen. Hier ist jedenfalls was sie so schreiben:

Die in gedämpften Naturfarben strahlende Adaption des homerischen Epos liest den Mythos des listenreichen Protagonisten gegen den Strich und schlägt damit eine Brücke in die politische Gegenwart. Inszenatorisch bewegt sich der knapp dreistündige Film zwischen Genre-Glanzstücken, gediegener Fantasterei und einer eleganten Verschränkung von Prosaischem mit popkultureller Fantasy entlang der Motive Schuld und verlorener Menschlichkeit. - Sehenswert ab 16.
Die Gesänge des Mittelteils, die Odysseus hier selbst erzählt, sind das Herzstück dieser wunderbar homerischen und zugleich wundersam geerdeten Adaption. Nolan inszeniert sie als gediegene Fantasterei und verleiht ihr mit überzeichnetem Design in einer betont natürlichen Umgebung eine gedämpft-moderne Grandezza. Der bis an die Schwelle des Hades führende Mittelteil der homerischen Gesänge verschränkt den Mythos elegant mit dem Prosaischen und der Sword-and-Sorcery-Popkultur. Homer ist bei Nolan farblos und bunt zugleich, die Odyssee ein primärfarbenfeindliches und doch in Naturfarben strahlendes Epos, das sich zwischen kleinen Genrestücken in der Höhle des Polyphemos und dem Haus der Kirke sowie dem ultragroßformatigen IMAX-Pathos des endlosen Ozeans und der mythischen Inseln entfaltet.

 
Ich habe ein bisschen den Eindruck, dass die positiven "offiziellen" Kritiken (zumindest zum Teil) eine bewusste Reaktion auf die im Vorfeld (von Fans des Stoffes) geäußerte Kritik an Ausstattung, moderner Sprache und vor allem Besetzung sind. (Natürlich hatten die beruflichen Kritiker außerdem den Vorteil, den Film tatsächlich schon gesehen zu haben.) Dass sich der überaus polarisierende Elon Musk auf die Seite der inoffiziellen Kritiker schlug, befeuerte das wohl. Historiker, die eine schwarze Helena verteidigen und mit Rassismus-Vorwürfen um sich schlagen, fanden sich natürlich auch.
 
Vielleicht ist das trivial: die Verfilmung ist dann gelungen, wenn sie ein guter Film geworden ist, nicht wenn viel vom Epos selbst auf die Leinwand geholt wurde.
 
Man kann aber nicht so einfach die Verfilmung von ihrer Vorlage trennen - zumindest nicht, wenn man sie kennt.
Wer einer Vorlage ohnehin nicht gerecht werden will, der soll halt nicht eine Vorlage verfilmen, sondern gleich einen selbsterdachten Stoff.

(Das gilt ebenso für historische Stoffe. Ich denke da z.B. an "Gladiator II", einen der miesesten Filme, die mir seit langem untergekommen sind. Der erste Teil war zwar auch nicht historisch korrekt, aber es ging noch. Aber der zweite Teil? Abgesehen von der großteils völlig unrealistischen Action waren auch die Handlung und die Charaktere ein Vollschmarrn: Eine am Meer gelegene unabhängige Numiderstadt im frühen 3. Jhdt. (n. Chr.!), die durch einen reinen Seeangriff angegriffen wird? Caracalla und Geta als Witzfiguren, die nichts mit ihren historischen Vorbildern zu tun haben. Ein Macrinus, auf den das sogar noch weniger zutrifft ... Handlung und Charaktere hatten dermaßen wenig mit der Historie zu tun, dass man genausogut auch gleich völlig fiktive Namen nehmen und das ganze in einer Fantasy-Welt spielen lassen hätte können.)

Genug der Abschweifung. Beim Odysseus-Film scheint das immerhin weit weniger schlimm zu sein.
Es macht meiner Meinung nach aber auch einen Unterschied, ob irgendeine Novelle, die eh so gut wie niemand kennt, verfilmt wird oder ein Stoff von weltliterarischer Bedeutung. Die "Odyssee" ist ja nicht irgendein Epos, gemeinsam mit der "Ilias" steht sie am Beginn der europäischen Literaturgeschichte und war zugleich bereits der später unerreichte Höhepunkt der europäischen Epik, dem die meisten späteren europäischen Epiker nacheiferten. Ein solcher Stoff sollte schon mit dem gehörigen Respekt behandelt werden.
Muck sprach es in einem anderen Thema bereits an: Es spricht absolut nichts dagegen, sondern wäre im Gegenteil sogar wünschenswert, wenn mehr Stoffe aus Afrika, Asien oder Altamerika verfilmt würden, um für mehr "Diversität" zu sorgen. Aber wenn sich Hollywood ausnahmsweise einmal darüber traut, kommt leider erst wieder nur eine Geschichtsverfälschung wie "The Woman King" heraus. Hier wie da will man "progressiv" und "divers" sein - und biegt sich die Filmwelt den eigenen Anschauungen und Wünschen entsprechend zurecht. Wahre "Diversität" wäre es, auch Stoffe zu präsentieren, die nicht ins gewünschte Weltbild passen.
 
Das sehe ich schon etwas anders. Erst mal: Wer von einem literarischen Werk wirklich beeindruckt ist, wird eine Verfilmung fast zwangsläufig enttäuschend finden, weil die Vorlage im Kopf des Rezipienten schon lebendige Gestalt angenommen hat, die sich naturgemäß stark vom Film unterscheiden wird.

Ich hab mal einen Artikel von Edgar Reitz gelesen und überzeugend gefunden, in dem er kritisiert, dass es heute Rechte an Stoffen gibt, die Autoren anders als früher daran hindern, Stoffe von anderen fort- oder umzuspinnen.

Vielleicht ist es so, dass eine Adaption, die gar nichts von den Stärken des ursprünglichen Werks hinüberrettet, im Allgemeinen auch für sich selbst misslungen ist, schon weil sie dadurch so viele Chancen ungenutzt lässt. Ich würde mal vermuten, dass der Gladiator 2 einfach ein schlechter Film war, aber nicht, weil der historische Caracalla nicht getroffen wurde.

Übrigens, moderne Verfilmungen antiker Stoffe, die mich (vor Jahrzehnten) beeindruckt haben, und in denen ich sogar einen antiken Geist zu erkennen glaubte: Ödipus von Pasolini und Satyricon von Fellini.

Man sollte halt grundsätzlich keine schlechten Filme machen, aber weniger aus dem Grund, dass Vorlagen nicht beschädigt werden dürfen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich jemand über Diane Kruger als Helena aufgeregt hat. Die sieht ja nun auch nicht gerade "griechisch" aus.
Der amerikanische Altphilologe Daniel Mendelsohn, der selbst vor Kurzem eine englische Übersetzung der Odyssee vorgelegt hat, schreibt:

Helen of Troy is starting wars again. But this time the legendarily beautiful, semi-divine queen of myth, whose adulterous elopement with the Trojan prince Paris brought on the 10-year-long Trojan War, has launched a thousand tweets.​
[...]​
As it turns out, the auteur [Nolan] is using Helen just as the Greek authors did: to provoke, challenge and discomfit how we think about beauty and identity, about who we are and how we relate to our world.​
[...]​
Later authors such as the playwright Euripides introduce new adjectives, for instance, “reddish-blonde.” But on the whole, the Greeks didn’t care much what she looked like.​
What they did care about was how she talked. Already in Homer’s telling, Helen is an effective and indeed seductive speaker. In the “Iliad,” she eloquently rues her mad infatuation with Paris, delivers some nice jabs in an argument with no less a debate opponent than the goddess Aphrodite and effectively has the last word in the epic, pronouncing a powerful final eulogy for the fallen Trojan hero Hector. In the “Odyssey,” she beguiles a group of dinner guests with tales of her efforts to help the Greek cause from behind enemy lines in Troy.​
[...]​
the “real” Helen of Troy, you could argue, was a figure associated above all with profound debates about the nature of reality and the power of words, the seductiveness of falsehood and the fragility of truth. In that sense, at least, the controversy about the new “Odyssey” movie, like so many of the arguments being conducted today, connects us to the Greeks’ Helen in a far more authentic way than the choice of this or that actress could.​
[...]​
Whatever else the debate over Christopher Nolan’s casting has proved, it certainly shows that, by forcing people to confront — or reveal — their own often irrational notions of what is beautiful and ugly, true and false, Helen of Troy still has something to tell us.​
 
Ich war mit Diane Kruger als Helena nicht sonderlich glücklich. (Noch weniger mit Brad Pitt als Achilleus, schon weil er zu alt für die Rolle war.) Ich hätte mir tatsächlich eine etwas mediterraner aussehende Darstellerin gewünscht.

Mir ist jedenfalls keine Stelle bekannt, an der Helena als „Aithiopierin“ (= Sammelbegriff für Schwarzafrikaner in der altgriechischen Dichtung) bezeichnet würde.
Hingegen wird sie von Homer „leukoleno“ genannt (Ilias 3,121). Voß übersetzte das zwar mit „schimmernd“, aber da steckt das Wort „leukos“=“weiß“ drin. Zusammen mit „olene“=“Ellbogen“, auch allgemeiner „(Unter-)Arm“, heißt das somit so viel wie „die mit den weißen Ellbogen/Armen“.
Insofern halte ich es für ausgeschlossen, dass er an eine Schwarzafrikanerin dachte.
Ich würde mal vermuten, dass der Gladiator 2 einfach ein schlechter Film war, aber nicht, weil der historische Caracalla nicht getroffen wurde.
Ich weiß nicht, ob der Film jemandem gefällt, der keine Ahnung von römischer Geschichte hat. Dann kann man sich vielleicht an Denzel Washingtons schauspielerischer Leistung und der Action erfreuen. Ich konnte ihn anhand seiner lächerlichen Handlung und seiner absurden Darstellung historischer Figuren einfach nicht ernstnehmen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mir ist jedenfalls keine Stelle bekannt, an der Helena als „Aithiopierin“ (= Sammelbegriff für Schwarzafrikaner in der altgriechischen Dichtung) bezeichnet würde.
Hingegen wird sie von Homer „leukolenos“ genannt (Ilias 3,121). Voß übersetzte das zwar mit „schimmernd“, aber da steckt das Wort „leukos“=“weiß“ drin. Zusammen mit „olene“=“Ellbogen“, auch allgemeiner „(Unter-)Arm“ heißt das somit so viel wie „die mit den weißen Ellbogen/Armen“.
Insofern halte ich es für ausgeschlossen, dass er an eine Schwarzafrikanerin dachte.
Niemand würde glauben, dass Homer an eine Schwarzafrikanerin dachte. Aber es ist doch interessant, dass sich die Debatte an Lupita Nyong'o entzündet. Der Artikel aus dem ich gestern zitiert habe ist getitelt mit

Does Matt Damon Look Greek? No. So Stop Complaining About Lupita Nyong’o.

Und er hat recht. Vor einigen Wochen gab es einen offenen Brief von Griechen, die darauf hinweisen, dass Hollywood sich aus der griechischen Mythologie und Geschichte munter bedient (es ist im Englischen von Mining die Rede) aber selten Menschen mit mediterranem Aspekt besetzen und in der Besetzungsliste (neudeutsch Cast) tauche praktisch nie jemand mit griechischen Nachnamen auf. Aber die Kritik entzündet sich an Lupita Nyong'o. Und wenn ein Donald Trump bekennt, er sei Fan der blond-blauäugigen Diane Kruger (die nix dafür kann) als Helena gewesen und dass Lupita Nyong'o eine Fehlbesetzung sei, dann ist der Rassismus offenbar. Diane Kruger ist eine schöne Frau, Lupita Nyong'o ist eine schöne Frau. Und Helena soll die schönste Frau aller Zeiten gewesen sein.
Ich wollte mir den Film eigentlich nicht ansehen, aber ich bin nächste Woche in London und da läuft er im IMAX, ich glaube, wenn ich die Zeit finde, gehe ich dahin.
 
Does Matt Damon Look Greek? No. So Stop Complaining About Lupita Nyong’o.
Aber man wird doch nicht ernsthaft behaupten können, dass Matt Damon optisch von einem Griechen ebenso entfernt ist wie Lupita Nyong’o von einer Griechin.

Ich möchte übrigens nicht wissen, was los wäre, wenn z.B. Shaka Zulu in einem Film von Matt Damon dargestellt würde. Oder Nzinga, eine Königin aus dem Gebiet des heutigen Angola, von Scarlett Johansson. Dieselben, die jetzt Lupita Nyong’o als Helena verteidigen, würden sich dann vor lauter Empörung gar nicht mehr einkriegen. Aber ich weiß natürlich: Wenn Weiße von Schwarzen dargestellt werden, ist das divers und progressiv. Wenn Schwarze von Weißen dargestellt werden, ist das Rassismus und Whitewashing ...
 
Zuletzt bearbeitet:
Aber man wird doch nicht ernsthaft behaupten können, dass Matt Damon optisch von einem Griechen ebenso entfernt ist wie Lupita Nyong’o von einer Griechin.

(Ich möchte übrigens nicht wissen, was los wäre, wenn z.B. Shaka Zulu in einem Film von Matt Damon dargestellt würde. Oder Nzinga, eine Königin aus dem Gebiet des heutigen Angola, von Scarlett Johansson. Dieselben, die jetzt Lupita Nyong’o als Helena verteidigen, würden sich dann vor lauter Empörung gar nicht mehr einkriegen.)
Es gibt da einen kleinen Unterschied: Shaka Zulu ist eine historisch( überhöht)e Figur. Helena ist fiktiv. Aber sicher von "Homer" nicht als blonde Mitteleuropäerin, wie Diane Kruger, erdacht worden. Daher noch mal:
Warum ist Lupita Nyong'o ein Problem, Diane Kruger war es aber nicht? Beide entstammen nicht aus "Homers" Vorstellungswelt.
Warum ist Lupita Nypng'o ein Problem, aber nicht Matt Damon?
Wieso ist künstlerische Freiheit erlaubt, wenn die Leute weiß und blond sind, aber nicht, wenn sie schwarz sind?
Also wenn schon auf Authentizität pochen, dann doch bitte richtig und nur Leute aus der Region besetzen.
Von mir aus kannst du ja mal anleiern, Shaka Zulu in irgendeiner österreichischen Klamm mit ausschließlich bio-österreichischen Schauspielern zu drehen. Österreichische Filme sind ja in der Regel recht gut, zumindest die, die ich kenne.
 
Man kann aber nicht so einfach die Verfilmung von ihrer Vorlage trennen - zumindest nicht, wenn man sie kennt.
Wer einer Vorlage ohnehin nicht gerecht werden will, der soll halt nicht eine Vorlage verfilmen, sondern gleich einen selbsterdachten Stoff.
Da frage ich mich immer, warum Filmemacher - aber auch Rezensenten - nicht einfach Begriffe wie Film nach Motiven aus/von verwenden, sondern stattdessen der a priori zu ambitionierte Begriff Literaturverfilmung überstrapaziert wird. Problematisch muss fast immer die Diskrepanz zwischen Erzählzeit und Filmdauer geraten (vielleicht ausgenommen davon eine konzentrierte Novelle oder Kurzgeschichte als Filmvorlage) und nicht geringer wird eine solche Problematik, wenn die literarische Vorlage sich überwiegend in rein literarisch-sprachlicher Ästhetik bewegt (gebundene Sprache, Versepik etc)
Zudem frage ich mich, warum Filmemacher - aber auch Rezensenten - sich eigentlich nie darauf einlassen, eine filmische Adaption als das zu offerieren, was sie ist: nämlich eine von zahlreichen möglichen Interpretationen der Vorlage und nahezu nie eine gleichwertige Variante derselben.

(trotz aller filmischer Opulenz und darstellerischer Brillanz gerät beinahe jede Literaturverfilmung zur Kürzung und auch Vereinfachung, Verflachung ihrer Vorlage, auch wenn das sicher nicht die Absicht ihrer Macher ist. Damit dieser Gedanke nicht missverstanden wird: die Umarbeitung eines Theaterstücks in ein Opernlibretto - z.B. Schillers Otello oder Don Carlos zusammengestrichen zu den zwei Libretti der gleichnamigen Verdiopern - gerät zu derselben Verkürzung und Verflachung/Vereinfachung - - deswegen können aber sowohl die "Verfilmung" als auch die Oper zu Meisterwerken in ihrem eigenen Genre geraten: Otello und Don Carlo von Verdi sind Meisterwerke, Kubricks A Clockwork Orange*) ebenfalls)

Und obendrein problematisch ist der Ehrgeiz, unverfilmbare Vorlagen doch zu wagen: man denke an die cineastisch unergiebig gebliebenen Umsetzungen von Ulysses, Tristram Shandy oder gar Finnegans Wake - - Homers Epik scheint mir nicht weniger "unfilmable"**) sein. Der zeitliche Abstand dürfte dabei noch die wenigsten Sorgen bereiten, heikler muss das destillieren einer vorzeigbaren und akzeptablen Handlung geraten (ich denke, Kinkerlitzchen wie "die Abenteuer des Odysseus" etc können wir untern Tisch fallen lassen) - - - und jetzt haben wir einen irgendwie peinlichen Vorab-Hype, dessen Kapriolen eigentlich vom Thema ablenken und letztlich nur als indirekte Werbung zumindest von mir gesehen werden können... Da ist das Kind also schon in den Brunnen gefallen.

_________
*) sicher hat Kubricks Film mehr Zuschauer gefunden als seine Vorlage, das sprachkünstlerische Glanzstück von Burgess, welches der Film kürzte und erheblich entschärfte (sic!)
**) unverfilmbar etc - dazu hier interessantes: Literaturadaption – Ein Aufsatz (Teil 1)
 
Es gibt da einen kleinen Unterschied: Shaka Zulu ist eine historisch( überhöht)e Figur. Helena ist fiktiv. Aber sicher von "Homer" nicht als blonde Mitteleuropäerin, wie Diane Kruger, erdacht worden.
Ich hätte als Beispiel eh lieber eine Figur aus der afrikanischen Mythologie genommen, bloß habe ich keine Ahnung von den Mythologien (Schwarz-)Afrikas.
Es wäre also aus Deiner Sicht in Ordnung, wenn eine (fiktive) Sagengestalt der Vorzeit, sagen wir der Zulu, bei der man realistischerweise davon ausgehen muss, dass sie von ihren Schöpfern schwarz gedacht wurde, von einem Weißen gespielt wird?
Warum ist Lupita Nyong'o ein Problem, Diane Kruger war es aber nicht? Beide entstammen nicht aus "Homers" Vorstellungswelt.
Warum ist Lupita Nypng'o ein Problem, aber nicht Matt Damon?
Wieso ist künstlerische Freiheit erlaubt, wenn die Leute weiß und blond sind, aber nicht, wenn sie schwarz sind?
Weil es doch Abstufungen gibt, wie nahe oder entfernt ein Schauspieler der dargestellten Figur ist. Oder willst Du wirklich behaupten, dass Matt Damon optisch von einem Griechen ebenso entfernt ist wie Lupita Nyong’o von einer Griechin?
Ich lehne mich einmal ganz weit aus dem Fenster und wage zu behaupten, dass Homer zwar auch von Diane Kruger als Helena befremdet gewesen wäre, zwischen ihr und seiner „weißellbogigen“ Helena aber allemal mehr Ähnlichkeiten gesehen hätte als mit einer „Äthiopierin“.
 
Ein interessanter Beitrag bei X....
Homer Pavlos
https://x.com/HomerPavlos

Die Odyssee beginnt damit, dass ein afrikanischer Rapper mit Rasta-Haaren in der Rolle eines griechischen Dichters gezeigt wird. Wir Griechen sind gezwungen zuzusehen, wie unsere griechische Geschichte und Kultur in aller Welt geschändet und verspottet werden. Was ist Nolans wahre Rolle dabei, so etwas zu inszenieren, anstatt einen Griechen zu besetzen, der Griechisch spricht? Was ist der Zweck, jemanden mit Rasta-Haaren in die griechische Welt zu setzen?Ich sage es euch. Nolan und Hollywood sind die wahren Rassisten und Feinde des Westens. Sie hassen uns Griechen. Die einfachste Bestätigung ergibt sich daraus, dass sie in Filmen über afrikanische Geschichte keine Weißen besetzen, sondern nur Afrikaner. Wenn es um chinesische oder japanische Geschichte geht, besetzen sie nur Asiaten, und sie sprechen sogar ausschließlich in ihrer eigenen Sprache. Aber jetzt, wo die Zeit für einen Film gekommen ist, der auf griechischer Geschichte basiert und Griechen zeigt, wird nicht ein einziger Grieche besetzt, sie sprechen nicht einmal ein bisschen Griechisch, und sie respektieren nicht einmal Homer. Also, für Filme über europäische Kulturen müssen Afrikaner, Asiaten und alles andere besetzt werden, aber wenn es um afrikanische Kultur geht, dürfen Weiße diese Rollen nicht spielen.Das ist der wahre Rassismus von Hollywood.Hollywood ist ein Krebsgeschwür, das eure Seelen zerfrisst und eure Geister und Seelen versklavt. Sie hassen euch und wollen euch zerstören. Vergesst nie die wahren Feinde des Westens und eurer Rasse. Diejenigen, die in Universitäten sitzen, die Akademiker, die euren Kindern beibringen, ihre Vorfahren zu hassen, anstatt sie zu ehren. Erweist ihnen diesen Gefallen nicht. Liebt die griechisch-römische Welt und kämpft gegen diejenigen, die euch hassen.Vergesst nie die Verräter, die alles als Witz abtaten und zum Plan beitrugen, die westliche Zivilisation zu zerstören.
Um diese Inhalte anzuzeigen, benötigen wir die Zustimmung zum Setzen von Drittanbieter-Cookies.
Für weitere Informationen siehe die Seite Verwendung von Cookies.
 
Und wenn ein Donald Trump bekennt, er sei Fan der blond-blauäugigen Diane Kruger (die nix dafür kann) als Helena gewesen und dass Lupita Nyong'o eine Fehlbesetzung sei, dann ist der Rassismus offenbar.
- und wenn ein Donald Trump eine (fiktive) Verfilmung des Lebens von Martin Luther King mit Bruce Lee in der Hauptrolle als Fehlbesetzung geißeln würde, wäre das auch offenbarer Rassismus?
- und sähe es anders aus, wenn dieselbe fiktive Martin Luther King Verfilmung mit Bruce Lee in der Hauptrolle von meinetwegen Robert Habeck als Fehlbesetzung gegeißelt würde, oder wäre es derselbe Rassismus?
- - und ganz krass: ich würde Bruce Lee, selbst wenn er am Burgtheater geglänzt hätte, ebenfalls als eklatante Fehlbesetzung in der Rolle von Martin Luther King bezeichnen. Macht mich das nun zum Rassisten und müsste ich deswegen hier gesperrt werden?

Samuel L. Jackson spielt den Killer Jules mit einer atemberaubenden Brillanz bis ins letzte Detail. Sollte jemals ein Schlaubi auf die Idee kommen, pulp fiction neu zu verfilmen und die Rolle des Jules mit einem z.B. Helmut Qualtinger*) besetzen: ich würde auch hier von einer Fehlbesetzung sprechen. ABER jetzt der Clou, weshalb ich auf pulp fiction zu sprechen komme: gern übersehen werden die Notizen, die sich Mr. Wolfe (Harvey Keitel - absolut brillant!!) beim telefonieren macht - er notiert sich die Hautfarben der Protagonisten! Das nimmt ironisch vorab Diskussionen wie diese hier aufs Korn :D:D:D

spaßeshalber noch eine Schlaubi-Fiktion: nirgendwo in den Quellen zum Nibelungenlied werden die Hautfarben von Siegfried, Hagen, Kriemhild, Etzel und weiteren Handlungsträgern erwähnt, sodass sich Diskussionen über die Besetzung der Rollen sinnvollerweise gar nicht erst entzünden können, es sei denn, man wolle rassistisch provozieren. Die projektierte Verfilmung des Nibelungenstoffs mit Samuel L. Jackson als Siegfried kann folglich nur gelingen, da die Rolle von einem bedeutenden Schauspieler interpretiert wird.


__________
*) ein Gigant unter den deutschen Schauspielern, man denke nur an seinen Lebjadkin in der Dämonenverfilmung
 
Ich hätte als Beispiel eh lieber eine Figur aus der afrikanischen Mythologie genommen, bloß habe ich keine Ahnung von den Mythologien (Schwarz-)Afrikas.
Es wäre also aus Deiner Sicht in Ordnung, wenn eine (fiktive) Sagengestalt der Vorzeit, sagen wir der Zulu, bei der man realistischerweise davon ausgehen muss, dass sie von ihren Schöpfern schwarz gedacht wurde, von einem Weißen gespielt wird?
Die Frage ist, wer der Adressat ist. Ilias und Odyssee sind mittlerweile universaler Stoff. Wenn die Erzählung aus der Zulu-Mytholoie universaler Stoff wäre (dass sie es nicht ist, merken wir schon daran, dass wir zu ignorant sind, um welche zu kennen), wäre das imho genauso legitim, wie hier.

Ich persönlich hätte Lupita Nyong'o nicht für die Rolle ausgewählt, aber eben auch nicht Diane Kruger. Das rassistische an der Debatte - und sie ist rassistisch(!) - ist nicht die Kritik an der Besetzung Helenas mit Lupita Nyong'o, sondern, dass sie sich alleine auf diese Rolle fixiert und eben nicht auf den weiteren Cast (Charlize Theron, blond, Matt Damon, aschblond etc.), einzig und allein auf die Kenianerin bezogen. Bei allen anderen gibt es keinen Störfaktor und das ist doc seltsam.

Meinetwegen dreh Shaka Zulu mit einer Handvoll Schluchtenscheißern und Piefkes. Es könnte mir nicht egaler sein, wenn der Film nur gut ist.
Anstatt dass wir Drehbuch, schauspielerische Leistung, Regie, Kameraführung etc. bewerten, bewerten wir hier die Hautfarbe einer Schauspielerin. Die Frage ist doch, ob der Film am Ende überzeugen kann - und dazu muss man ihn gesehen haben. Alles andere sind Vorverurteilungen!

Wenn im Ring der Nibelungen Siegfried im Anzug mit Krawatte auf der Bühne steht, ist das nicht im Einklang mit dem, wie Wagner sich das vorgestellt hat, aber regt sich darüber jemand auf? Ist nicht die Hauptsache, dass er die Töne trifft?
 
Im woken "The Odyssey" von Christopher Nolan kommt auch ein Wikingerschiff vor. Statt eines antiken griechischen Kriegsschiffs (Bronzezeit, ca. 1200 v. Chr.) segelt Odysseus mit der Draken Harald Hårfagre – einem echten modernen Wiking-Langschiff aus dem 9./10. Jahrhundert.Zwischen der Zeit der Odyssee und diesem Wikingerschiff liegen damit rund 2.000 Jahre – etwa so viel wie zwischen dem historischen Jesus und unserer Gegenwart.
 
Im woken "The Odyssey" von Christopher Nolan kommt auch ein Wikingerschiff vor. Statt eines antiken griechischen Kriegsschiffs (Bronzezeit, ca. 1200 v. Chr.) segelt Odysseus mit der Draken Harald Hårfagre – einem echten modernen Wiking-Langschiff aus dem 9./10. Jahrhundert.Zwischen der Zeit der Odyssee und diesem Wikingerschiff liegen damit rund 2.000 Jahre – etwa so viel wie zwischen dem historischen Jesus und unserer Gegenwart.
Und dass da ein Wikingerschiff vorkommt, ist "woke"?

Letztendlich ist jedes zweite Roadmovie implizit eine Verfilmung der Odyssee. Es hat sich ja auch niemand bei Kubrick aufgeregt, dass aus Polyphem der einäugige Computer HAL und aus Odysseus Dave Bowman geworden ist (nur bei Odysseus wissen wir, dass er nach Hause zurückkehrte, bei Dave Bowman wissen wir es nicht).
 
Zurück
Oben