Rauchen im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Laudine, 30. September 2006.

  1. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Römer haben mit Sicherheit aus hedonistischen Zwecken gekifft und vielleicht auch Opium geraucht. Die Gesellschaft der Antike erfüllte auch alle Bedingungen für hedonistischen Gebrauch, nämlich ein hochentwickeltes Wirtschaftssystem, Bargeldumlauf, Absatzmärkte und große Anbauflächen, eine hochgradig arbeitsteilige Wirtschaft, urbane Ballungszentren. Das ist im europäischen Mittelalter allenfalls marginal gegeben. Das Rauchen aus Pfeifen aus hedonistischen Zwecken, dürfte im Mittelalter in Europa nur einer extrem kleinen Gruppe von Menschen bekannt gewesen sein. Zum Rauchen gehört nicht zuletzt auch ein einigermaßen zuverlässiges mechanisches Hilfsmittel.

    Pur läßt sich eigentlich auch nur Opium angenehm rauchen, während pures Hasch nur etwas für Hartgesottene ist. Solonazeen sind geschmacklich eine Zumutung, helfen aber gegen Asthma etc.

    Wenn es Substanzen gab, die in Europa noch am ehesten von einer nicht nur verschwindenden Zahl im allerweitesten Sinne inhaliert wurden, dürften das noch am ehesten Nachtschattengewächse gewesen sein, die allerdings viel eher inhaliert, als geraucht worden sein dürften.
     
  2. Eohan

    Eohan Gast

    Es gab von Indien bis Persien schon im vorchristlichen 3.Jhd. urtümliche Wasserpfeifen, die man aus Kokosnüssen formte und mit Tabak füllte. Es ist auch nicht abwegig, dass so mancher Reisender aus West- und Mitteleuropa im Östlichen Mittelmeer und Nahen Osten mit der dortigen Rauchkultur in Kontakt kam.
    Ich bin also eher der Meinung dass der Brauch, Tabak zu rauchen, aus dem orientalischen Raum kommt und weniger aus Nordamerika eingeführt wurde.Also zumindest in Europa.

    Aus dem derzeitigen Tabakanbau lässt sich nicht unbedingt darauf schließen, denn die größten Tabakanbauländer (über 100.000 t jährlich verteilen sich über die ganze Welt Bild:KarteTabakernteWelt.png - Wikipedia

    Aber vielleicht hat jemand hier Informationen dazu, ob vor der Entdeckung Amerikas einheimische Tabakpflanzen im Orient angebaut bzw. geerntet wurden?
     
  3. Eohan

    Eohan Gast

    Soweit ich weiß gelangte sie sogar schon im 16.Jhd in osmanische Hände und wurde dann "weiterentwickelt".
     
  4. Tekker

    Tekker Gast

    Also eines sollte hier außer Zweifel stehen, nämlich daß es den Tabak ursprünglich nur auf dem amerikanischen Doppelkontinent gab, bis er in postkolumbianischer Zeit seine Verbreitung fand. Diese Weisheit scheint selbst Wikipedia so grundlegend zu sein, daß es dort nicht explizit Erwähnung findet. ;)
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. August 2007
  5. Eohan

    Eohan Gast

    eben das steht ja zur Diskussion, aber nur weils nicht auf Wikipedia steht muss es ja nicht wahr sein *g*. Vielleicht kennt da jemand die Fakten?
     
  6. Tekker

    Tekker Gast

    Die "Fakten" - das versuchte ich dir deutlich zu machen - sind schlicht und ergreifend, daß es Tabak vor Kolumbus nur in der neuen Welt gab.
    In diesem Thread ging es auch nicht um den Tabakkonsum, sondern das etwaiige Rauchen anderer Gräser/Kräuter usw.
    Die Diskussion hast du aber schon aufmerksam gelesen, oder?!?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. August 2007
  7. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Leider kann ich mich aus verschiedenen Gründen erst jetzt an wieder an den Sachdiskussionen in diesem Forum beteiligen...

    Ehe hier jetzt wirklich allen Ernstes darüber diskutiert wird, ab wann auf dem eurasischen Kontinent Tabak angebaut wurde, möchte ich anmerken, daß wir diesbezüglich den Erkenntnissen von Botanik und Geobotanik bzw. der Einigkeit, welche in Kreisen der Wissenschaftler dieser Sparten zu dem Thema herrscht, vertrauen können, daß die Tabakpflanze ursprünglich in Südamerika sowie z.T. in Nordamerika und Australien heimisch ist und sich erst nach den Fahrten des Christoph Columbus in den anderen Teilen der Welt verbreitete.

    Ergo: was auch immer in den indischen und persischen Pfeifen des 3. Jh. v. Chr. entzündet und dann inhaliert wurde, Tabak war es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht!

    Das Problem dabei ist aber eben, daß es für das europäische Mittelalter diesbezüglich keine Belege gibt.
    Möglich ist natürlich immer sehr viel, nur sinkt eben die Wahrscheinlichkeit, wo Belege fehlen.

    Eigentlich läuft es in Diskussionen andersherum: wer behauptet, daß es etwas Bestimmtes gegeben habe, ist derjenige, an dem es ist, Belege zu liefern. Aber sei's drum...

    Nur einige Überlegungen zu dem bereits oben angeklungenen Punkt, warum im europäischen Mittelalter nicht geraucht worden sein soll, wenn man es doch vorher tat und es zeitgleich auch im Orient gang und gäbe war.
    Wo liegt denn ein zwangsläufiger Irrtum vor, wenn in einem Teil der Welt etwas Bekanntes vergessen wird und auch dann nicht wiederkehrt, wenn es in einem anderen Teil der Welt weiterexistiert bzw. wiederentdeckt wurde?

    Zum Überlegen einige Beispiele aus anderen Bereichen der Alltagsgeschichte...
    1. Während der römischen Antike gab es bereits fließendes Wasser aus der Leitung, ein entsprechendes System taucht danach jedoch erst im Laufe des 19. Jh. wieder auf.
    2. Zur Zeit der arabischen Kalifen nutzte man im Orient noch immer die Kanalisation aus römischer Zeit bzw. baute diese aus. Dennoch verschwand später ein Teil davon und wurde bis heute nicht wiederhergestellt, wo doch bereits um 1900 ein "Blick nach Europa" genügt hätte, um etwas Vergleichbares vorzufinden, was nur hätte kopiert werden brauchen.

    Die sakrale/rituelle/kultische/zeremonielle Verwendung von bspw. Weihrauch steht in einem anderen Kontext, denn dies dient primär nicht dem Zwecke des Inhalierens, sondern symbolisch für Aspekte wie Reinigung, Verehrung und Gebet.
    Das Inhalieren von Weihrauch zu medizinischen Zwecken ist eine Facette moderner Alternativmedizin.

    Über Sinn des Strebens nach Nähe zu dem, was vom historischen Original bekannt (geworden) ist, bei Reenactment, Living History und experimenteller Archäologie darf an anderer Stelle diskutiert werden: http://www.geschichtsforum.de/f55/reenactment-warum-wie-2487/
     
  8. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Wieso wird hier vorausgesetzt, dass Wasserpfeifen eine Erfindung aus Tabakanbauländern sei?
    Wasserpfeifen sind wie schon richtig geklärt, keine Erfindung der Vor-Kolumbus-Amerikaner. In Wasserpfeifen vor dem Tabak wurden allerhand Kräutermixe reingeschüttet und geblubbert.
    Die antiken Griechen haben auch schon geraucht, aber eben kein Tabak.
    Burg Wolfenblick - Pfeifen & Tabak - Der heilige Rauch
     
  9. Eohan

    Eohan Gast

    Oh, ich lese die Threats immer aufmerksam,und im Eröffnungspost war der TE sich nicht sicher, ob "der Tabak erst durch Amerika nach Europa kam". Dem habe ich versucht mit Logik zu antworten. Also:
    Wasserpfeifen im Orient->Kontakt mit Europa->Rauchen schon bekannt...

    Aber ich muss mich an dieser Stelle entschuldigen, ich bin die ganze Zeit fälschlicherweise davon ausgegangen dass der Begriff "Tabak" allgemein Dinge zum Rauchen bezeichnet und nicht der botanische Begriff für das Nachtschattengewächs ist. Vielleicht hab ich so gedacht, weil man "Pfeifentabak", "Shishatabak" usw. sagt.
    Jetzt weiß ichs besser, aber entgegen ihrer Meinung bin ich sehr wohl zur Einsicht fähig. Bin ja schließlich hier um was zu lernen. Aber dabei helfen mir posts wie der von Timotheus oder Hurvinek eher weiter. Danke und nichts für Ungut.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auch der heute gängige Pfeifen- und Wasserpfeifentabak bsteht zu einem großen Teil aus Tabakblättern. Der Shishatabak (an-Nakhla, al-Basha etc.) ist bloß mit Melasse versetzt, einem Abfallprodukt der Zuckerherstellung.
     
  11. chamaeleon

    chamaeleon Neues Mitglied

    Und Machorka?

    Die Diskussion habe ich verfolgt und bisher wurde nur Cannabis als Alternative zum Tabak genannt. Bis vor kurzem gab es eine dritte Möglichkeit in Russland oder genauer gesagt, war ich 1981 zum letzen Mal dort und zu der Zeit konnte man noch in jedem Laden Machorka kaufen. Mir wurde gesagt, das sei ein sibirisches Kraut, das dem Tabak sehr ähnlich schmeckt und das entspricht auch meiner Erfahrung. Ja, Machorka schmeckt ähnlich wie Tabak und enthält auch Nikotin, doch botanisch ist das ganz eine andere Pflanze. Eine Frage bleibt offen und darauf konnte auch kein Russe antworten. Kam es zu dem Gebrauch von Machorka erst nachdem die Russen Tabak kennengelent hatten oder gab es das auch früher? Mir wurde nur gesagt, Machorka oder Tabak sei eine Frage des persönlichen Geschmacks.

    Die Möglichkeit würde zumindest das Rätsel lösen, warum schon Pfeifen aus einer Zeit gefunden wurden als es in Europa noch keinen Tabak geben konnte.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Machorka - Wikipedia

    Etwas im Widerspruch dazu diese Seite von der Uni Bayreuth, die den Ursprung nicht ins östliche Nordamerika sondern nach Brasilien verlegt:

    http://www.obg.uni-bayreuth.de/ausstellungen/ausstellung_tabak/04_N.rustica_cc.pdf
     
  13. riotgun

    riotgun Neues Mitglied

    Also wenn ich den Erzählungen meiner Grosseltern, bzw meines Vaters glauben darf, konnte man in Mitteleuropa vieles rauchen bevor der Tabak kam. Lassen wir mal den Schlafmohn weg, der wurde gekaut, stand angeblich noch in den frühen 1930igern auf jedem Acker, kommen wir mal zu folgendem: Mein Vater hat mir mal, für Notzeiten, man könnte ja mal nichts mehr zum rauchen haben, die rauchbaren Pflanzen unserer Wälder erlklärt. Lianen haben wir das als Kinder in den 60igern genannt, wächst eigentlich nur in sumpfigen Auwäldern, hängt von Bäumen herab, und hat toll geschmeckt, wenn mann es raucht. Meine Oma hat auf richtig behandelte Blätter von "irgendwas" bestanden, sie hat scheinbar Opa und Vater in den 40igern regelrecht begeistert, sie war der Meinung, dass man jedes Unkraut rauchen kann, solange man es richtig "fermentiert".
    Was ich damit sagen will, man braucht keinen Tabak zum rauchen, es steht alles in unseren Wäldern herum, und daher wurde auch vor dem Tabak schon geraucht. Rauchen ist ein Urbedürnis des Menschen, Hitler hat rauchen gehasst, die ganzen antiraucherprogrome unserer Zeit gehen auf diesen Herrn zurück.
    Rauchen ist Geil,das leben J.Heesters (103) und Helmut Schmitt(90), vor.
    Fumato ergo sum.
     
  14. florian17160

    florian17160 unvergessen


    Aber ansonsten gehts dir noch gut?
    Ich habe ja schon eine Menge Unfug hier gelesen, aber das ist kaum zu überbieten. (Ich rauche übrigens auch)
     
  15. Querdenker

    Querdenker Gast

    Und wenn man es nicht in den Wäldern findet dann fährt man in die Niederlande, - da steht das sogar in Gewächshäusern. :D

    Endlich mal jemand der das Thema anspricht. Die Besatzungsmacht hat das damals korrumpiert. Eigentlich hatte man Hitler als Initiator der Nichtraucherbewegung für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. :autsch:
     
  16. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Nach deiner Beschreibung müsste das Hopfen gewesen sein.

    Was du sonst noch geschrieben hast, ist reichlich wirr. Ich schieb es mal auf die vorhergehende Silvesternacht.:devil:
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Januar 2008
  17. Gaius Marius

    Gaius Marius Neues Mitglied

    Das würde auch erklären, warum er so einen Stuss schreibt. Wahrscheinlich hat er sich vorhin auch was reingepfiffen.

    Hopfen enthält übrigens den Wirkstoff Lupulin. Der Rausch des Hopfens ist dem des Marihuana ziemlich ähnlich.
    So gesehen besteht ja vielleicht doch noch Hoffnung, dass er das ganze nach dem Konsum geschrieben hat, wenn er es nämlich bei klarem Kopf geschrieben hat, würde ich dass ungleich schlimmer finden.:devil:
     
  18. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Da fällt mir noch was ein: 1996 war ich mit einer Biologentruppe in Rumänien, einer der Studenten hatte offenkundig "Entzugserscheinungen", sich aber nicht getraut, "Gras" mitzunehmen. Irgendein Witzbold sagte zu ihm scherzhaft: "Nimm doch das Bilsenkraut, das hinter dem Quartier wächst."
    Der Dummbeutel hat das tatsächlich gemacht und war erst 1 1/2 Tage später wieder "vernehmungsfähig".
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gut, dass niemand Bilsenkraut erkennt, der es nicht sowieso schon kennt. Sonst müsste dieser Thread nämlich so langsam in den Giftschrank.
     
  20. Gaius Marius

    Gaius Marius Neues Mitglied

    Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist die Dosierung bei "Naturdrogen", wenn man keine Ahnung hat, sehr schwer. Bei falscher Dosierung kann der Zustand schon mal mehrere Tage andauern, viel länger, als bei irgendwelchen chemisch-synthetisierten Drogen.

    Aber von einem Biologiestudenten hätte man eigentlich mehr erwarten können, oder? :devil:
     

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