Rede von Cohen & Däumig - Weimarer Republik.

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von marinalove, 7. Dezember 2010.

  1. marinalove

    marinalove Neues Mitglied

    Hallo an alle, ich klebe nun wirklich schon den ganzen Tag dran und würde mich über Hilfe zu folgendem Thema freuen. Komme mit der Weimarer einfach nicht zurecht. :( Blicke einfach nicht mehr durch bei den ganzen Textblöcken mit dem Parteichaos.
    Es geht um die beiden Reden von Max Cohen (SPD) und Däumig (USPD) in der Diskussion über die Frage Parlamentarische Demokratie oder Räte-Republik.

    Folgende Fragen muss ich irgendwie beantworten:

    2.1 Inwiefern bekennt sich Cohen zur "Sozialisierung"? Mit welchen Einschränkungen?

    2.2 Kann Cohen seine Meinung, dass die Wahlen zur Nationalversammlung für die beiden sozialistischen Parteien eine Parlamentsmehrheit bringen werden, begründen?

    2.3 Warum geht Cohen so ausführlich auf die "freieste Feststellung des Volkswillens ein, die zum "Programm aller sozialistischen Parteien" gehört und die auch in der ersten Phase der "russischen Revolution" praktiziert worden ist?

    2.4 Inwiefern war Cohens These: "Es wird nicht mehr Sozialismus durchführbar sein, als die Mehrheit des Volkes will." (Z. 89 f.) 1918 für viele ein überzeugendes Argument?

    2.5 Inwiefern kann Cohens "Nein" zur Räte-Republik nicht als eine grundsätzliche Absage der Sozialdemokraten an eine politische Mitwirkung der Räte in einer künftigen parlamentarischen Demokratie gewertet werden?

    2.6 Formulieren Sie bitte mit einen Worten den Standpunkt Däumigs, so dass deutlich wird, warum Däumig den Kongress als "philiströs", "hausbacken" und als "Selbstmörderclub" bezeichnen kann.

    2.7 Wie begründet Däumig sein Bekenntnis zum Räte-System als Bejahung einer "geschichtsnotwendigen Entwicklung"?

    2.8 Mit welchen Argumenten versucht Däumig, die Meinung Cohens über das Weiterbestehen der Räte in einer parlamentarischen Demokratie als "Illusion" ("Schall und Rauch") zu erschüttern?

    3. Inwiefern trifft das Urteil Wissels ein grundsätzliches Versäumnis der SPD?
     
  2. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    1. Wäre es nett wenn Du die Reden mitliefern könntest. :)

    2. Was hast Du Dir denn selbst schon an Gedanken dazu gemacht?
     
  3. marinalove

    marinalove Neues Mitglied

    Ich suche eben noch nach den Reden, aber finde online nur Bruchstücke... :( Sonst sind die sehr lange und nehmen eine Seite ein. Ja, wie gesagt... ich versuche, irgendwie durchzublicken, aber ich steig mittlerweile einfach nicht durch. Habe schon den ganzen Tag auf YouTube Dokus angeschaut und über die Vorgänge wie der versailler Vertrag oder der Matrosenaufstand bin ich nun auch bestens informiert, aber was das ganze Chaos in den Parteien angeht, Split hier und Zusammenschluss da... mir sind die ganzen Zusammenhänge mittlerweile total unklar. :confused::weinen:
     
  4. marinalove

    marinalove Neues Mitglied

    Bisher fand ich dies:

    Aus den Debatten des Reichsrätekongresses am 19. 12. 1918
    Rede des Vollzugsratsmitglieds Max Cohen-Reuß (MSPD)

    "Wie man auch über die Arbeiter- und Soldatenräte denken mag [...], in jedem Falle drücken die Arbeiter- und Soldatenräte nur einen Teilwillen, niemals aber den Willen des ganzen deutschen Volkes aus. Diesen festzustellen, darauf kommt es an. [...] Die Genossen sagen: Wenn eine baldige Nationalversammlung zusammentritt, bekommen wir keine sozialistische Mehrheit, wir müssen deshalb die Sozialisierung vorher so schnell wie möglich beschließen. Parteigenossen, ich bin direkt der gegenteiligen Auffassung. Wenn wir eine sozialistische Mehrheit bekommen wollen, müssen wir die Nationalversammlung so schnell wie möglich einberufen.

    [...] (Es) wird nicht mehr Sozialismus durchführbar sein, als die Mehrheit des Volkes will. [...]

    Parteigenossen, schätzen Sie wirklich [...] den Widerstand der bürgerlichen Kreise und der Intelligenz so gering ein, dass wir, wenn wir sie politisch entrechten, gegen ihren Willen die Wirtschaft führen können? [...]
    Parteigenossen, Kameraden, es gibt nach meiner festen Überzeugung nur ein einziges Organ, das diesen Volkswillen feststellen kann: Das ist die allgemeine deutsche Nationalversammlung, zu der jeder Deutsche, gleichviel ob Mann oder Frau, in allen Gebieten, die zu Deutschland gehören wollen, wählen kann.
    Wie man auch über die Arbeiter- und Soldatenräte denken mag (...), in jedem Fall drücken die Arbeiter- und Soldatenräte nur einen Teilwillen, niemals aber den Willen des ganzen Volkes aus.

    Dieses festzustellen, darauf kommt es an. Parteigenossen, man kann eben Sozialismus durch Gewalt und durch Dekrete [Erlasse] nicht einführen, das hat uns das russische Beispiel gezeigt. (...) Ich meine also, die Arbeiter- und Soldatenräte hätten ihre Berechtigung und werden ihre Berechtigung auch weiterhin haben. Nur glaube ich, müssen sie (...) der Nationalversammlung Platz machen.


    Rede des Vollzugsratsmitglieds Ernst Däumig (USPD)

    [...] (Das) muss doch jedem Klardenkenden einleuchten, dass die jubelnde Zustimmung zur Nationalversammlung gleichbedeutend ist mit einem Todesurteil für das System, dem Sie jetzt angehören, für das Rätesystem. [...]

    Im Wirtschaftsleben werden mit Hilfe der Nationalversammlung und des Bürgertums die Gewerkschaften alten Stils natürlich die Arbeiterräte aus den Betrieben ganz schnell herausgedrängt haben. [...] Man spricht in Bezug auf das Rätesystem von der Diktatur [...]. Die Diktatur ist zweifellos mit dem Rätesystem verbunden. Aber was sich in Russland durch die historischen Gesetze aufzwang, braucht noch lange nicht in Deutschland der Fall zu sein. Ich gehöre nicht zu denen, die mechanisch und sklavisch das russische Beispiel nachzuahmen versuchen. [...] Überall sind die Arbeiterräte impulsiv auf einmal aus der Erde geschossen ohne gegenseitige Verständigung, sodass manche Reibungen und Missverständnisse und auch manche Missgriffe haben vorkommen müssen. Aber das sind Kinderkrankheiten, die überwunden werden können und müssen. Das ist aber nur möglich, wenn wir dieses System anerkennen. "
     
  5. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

  6. marinalove

    marinalove Neues Mitglied

    Super, danke! :winke:

    Hilft mir aber immer noch nicht weiter. *duck* :weinen:
     
  7. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Schreib doch bitte gleich auf was Du Dich beziehst, mein #5 ist natürlich durch Deinen Verweis auf den Reichsrätekongreß obsolet.

    M.
     
  8. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Das zu den Parteien.

    Vom Kaiserreich zur Republik 1918/19 - Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)

    Noch was zum einlesen.

    Gross-Berliner Arbeiter- und ... - Google Bücher

    Das ist schon einmal eine ganz ordentliche Literatur- und Personen übersicht.

    http://hsr-trans.zhsf.uni-koeln.de/volumes/vol15/Vol15_Ross_3.pdf

    Hier findest Du auch etwas.

    http://www.bbaw.de/die-akademie/mitarbeiter/holtz/Publikationen


    Zum Ansatz:

    Cohen (MSPD) eher pro Nationalversammlung.

    Däumig (USPD) eher contra Nationalversammlung.

    Warum wohl? Die Nationalversammlung ging aus freien Wahler hervor (Berücksichtigung der Zeitumstände), das "Rätesystem" aus der Revolution. Ich mache es kurz und etwas "platt" es ging in den Reden um eine Räterepublik nach russischen Vorbild (USPD), oder um eine parlamentarische Demokratie (MSPD).

    Entscheide selbst, was richtig war.*


    M.


    *Tja, was ist richtig, was ist falsch. ;)
     
    1 Person gefällt das.
  9. Zimtstern

    Zimtstern Gast

    Danke soweit.

    Wenn sich also jemand zur Sozialisierung bekennt, so denkt er auch sozialdemokratisch? Oder verwechsele ich nun etwas?
     
  10. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Zimtstern

    Wenn Du Schüler bist, ginge Deine Antwort wohl einfach als richtig durch, als Studi hättest Du da schon Probleme.

    Ein vorweihnachtlicher Gruß

    M. :winke:
     

Diese Seite empfehlen