Runen - Bedeutung für die Germanen

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Phil.2011, 18. März 2011.

  1. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Ich hab mich auch viel damit beschäftigt und zumindest das ältere Fu(th)ark konnte ich auch mal schreiben, aber wenn man es dann längere Zeit nicht mehr benutzt, dann verlernt man es auch wieder.

    Nicht ganz. Der Übergang von der älteren Runenreihe zur jüngeren hatte mit der Lautverschiebung zu tun. D.h. durch die Lautverschiebung wurde aus der gemeingermanischen Sprache das altenglische, altnordische, altsächsische, altschwäbische usw. und deswegen entstanden auch mehrere verschiedene jüngere Runenreihen.
    Mit dem Übergang zum Christentum verschwanden die Runen dann weitgehend und wurden durch das lateinische Alphabet abgelöst.
     
  2. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Der größte Gletscher Europas ist der Vatnajökull - und der ist auf Island - nur so nebenbei.:winke:

    [Mod: @Martin Schütte: Werbung für ein Buch entfernt. Literaturhinweise sind sehr erwünscht, aber keine Werbung!]
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. Juli 2011
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  3. Martin Schütte

    Martin Schütte Neues Mitglied

    Nicht ganz. Der Übergang von der älteren Runenreihe zur jüngeren hatte mit der Lautverschiebung zu tun. D.h. durch die Lautverschiebung wurde aus der gemeingermanischen Sprache das altenglische, altnordische, altsächsische, altschwäbische usw. und deswegen entstanden auch mehrere verschiedene jüngere Runenreihen.


    Da ist man geteilter Meinung, aber ich persönlich meine das auch ungefähr so, jedoch habe ich (ich fahre nur in den Norden) vom Hausbesitzer eines Ferienhauses in Schweden, einige Bücher auf Englisch und auf deutsch zu dem Thema geliehen bekommen (original aus dem Gebiet) in dem beschrieben wird wie sich dort die Runen und ihr "Verfall" entwickelt haben.
    Was ich beschrieben habe war wohl eher nur in dem Raum Schweden/Norwegen passiert.
    Island ist eine Sache für sich, da hat sich das ältere Futhark weitestgehend gehalten und mit deren Runenversen habe ich es auch gelernt.

    Mit dem Übergang zum Christentum verschwanden die Runen dann weitgehend und wurden durch das lateinische Alphabet abgelöst.

    Richtig, jedoch konnten sich die Kurzzweig-, bzw. Rökrunen ziemlich lange halten, weil sie für den alltäglichen Gebrauch tatsächlich als handlicher und einfacher erwiesen.
    Zum Beispiel zuletzt für die Beschriftung von Handelsgütern
    dann hieß es z.B.:

    Gunnar kauft -Ware- für Hanar/Ortsname.
     
  4. Micha1306

    Micha1306 Neues Mitglied

    Hallo zusammen!

    Ich habe mein Interesse für Runen und ihre Bedeutung(en) entdeckt und möchte mein Wissen vertiefen. Entsprechende Literatur wie Düwels Runenkunde ist bereits geordert.

    Dennoch schonmal vorab eine Frage als (noch) Laie:
    Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Germanen einzelnen Runen auch Attribute wie "Stärke", "Ehre", "Schutz" oder "Gesundheit" zugemessen haben und dass die Runen daher auch als Schmuck oder durch das Ritzen im Heim Verwendung fanden. Bin ich hier komplett auf dem Holzpfad?

    Und sind Deutungen der Runen wie auf dieser Seite [mod]Kommerzielle und esoterische Seite gelöscht[/mod] komplett an den Haaren herbei gezogen?

    Ich erwarte gespannt eure Ausführungen!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 22. Februar 2013
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die von dir verlinkte Seite ist zumindest esoterisch orientiert. Ohne die Angabe historisch nachvollziehbarer Quellen - die du bei Düwel finden wirst, sollte es sie geben - sollte man dem besser nicht allzugroße Bedeutung beimessen.
     
  6. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2013
  7. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Aua,
    ABC, die Katze läuft im Schnee usw.
    oder der rennende Richard , die dicke Berta und Tante Dora, der eckige Emil ....
    Es gibt noch viel mehr Krücken für ABC-Schützen, die Schreiben lernen nach der Buchstabenmethode.
    An diesem Gedicht Abecedarium Nordmannicum ? Wikipedia kann ich nix mysthisches entdecken
    Es erzählt in Bildern den Lautwert der Runen und ihre Reihenfolge im Futhark, legte man da mystik zugrunde, wie mystisch wäre der Unterricht der Erstklässler früher gewesen
     
  8. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    dann wird man jetzt wohl die Fachliteratur, z.B. Düwel und Wipf, einstampfen können :winke::rofl:
    ...dir sind die Begriffe Fehu (Vieh als Metapher für Recihtum), Thurse, Ase, Hagel und Not aufgefallen?
     
  9. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    ja, mir ist sogar die Bezeichnung Futhark für dieses Alphabet bekannt.
    Allgemein auch bekannt dürfte das Buchstabieren in der Form Anton, Berta, Cäsar, Dora usw sein.
    Es werden in dem Gedicht die Namen der Buchstaben bildlich verknüpft, ich denke mal, das ist wohl sehr deutlich.
    Man kann ja nun in ziemlich alles was reingeheimnissen, und Wissenschafter haben auch schon aus Pfeilrichtstäben "ganz geheimnisvolle Kommandostäbe" gemacht.

    Warum das jetzt für mich die Aufzählug ist?

    Rat am Ende zuschreiben (Ende erste Reihe) daran klebt usw.
    Geschrieben wurde dieses Gedicht von einem Christen !!!
    Und da nun das einfachste das naheliegenste ist und wahrscheinlicher ist als alles weitere, ist das hier einfach ein Merkgedicht.

    Das heißt ja nicht, das die Fehu-Rune nicht auch als Wunschrune irgendwo eingestzt worden sein kann. Nur müßten da belastbarere Belege her, als ein aufzählendes Reimgedicht
    Aber würde man auf alle Buchstabenbezeichnungen diese hier als "wichtig/geheimnisvoll" angewendeten Kriterien anwenden ...
    Das Grundgeschütz eines Bundeswehrartilleriebatterie ist das Cäsargeschütz !!! Heureka, die Bundeswehr ehrt heute noch Cäsar, weil das Hauptgeschütz nach ihm benannt ist. Nö, links außen steht Anton, dann Berta, dann Cäsar, Dora, Emil , Frieda (A,B,C,D,E,F)
     
  10. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ...es gibt viele Wörter mit a, mit b, mit c - wer entscheidet, dass Vornamen die naheliegendsten sind? und wer entscheidet oder weiß, was den Leuten im frühen Mittelalter das naheliegendste war beim buchstabieren?

    Es finden sich nun mal ein paar symbolische Beinamen, die eine religiöse Bedeutung enthalten - und es finden sich mit der entsprechenden Konnotation versehen einzelne Runen in anderen Textzusammenhängen (ich erinnere nochmals an die Hagelrune im ersten Merseburger)

    Es finden sich im Kontext der überlieferten Runenschriften allerdings nicht genau die Bedeutungen, nach denen gefragt war - aber das bedeutet nicht, dass diese Zeichen gänzlich frei von symbolischen Bedeutungen waren (und das kann man minutiös bei Düwel & Co. nachlesen)

    sogar Tante Wiki weiß das:

    übrigens:
    die Bundeswehrartillerie ist bislang noch nicht mit mediävistischen Forschungen hervorgetreten :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2013
  11. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Der Schreiber dieses Gedichts wird einmal die Bedeutung der Runen gekannt haben. Auch ist es möglich, das er dieses Gedicht nicht selbst geschrieben hat, sondern nur aufgeschrieben hat, wie er selbst die Runenreihe mal gelernt hat. Griffig und leicht zu behalten ist das ja.
    Und irgendwann in grauer Vorzeit hat man sich auf diese Art der Buchstabenbezeichnung geeinigt. wie heute ef für F oder bee für b usw. Oder eben in der "Funker/Telefonsprache in Deutschland Anton, im englischsprachigen Alpha.

    Deswegen wird aber aus FUTHARK eben immer noch nicht (extrem, ich schiebs mal ganz ins esoterische)
    Erst der Reichtum, dann das Wild(rind), getrennt durchs dritte schreiben die Götter rat am Ende, kleben das Geschwür , Hagel bringt Not und eis, bis in guten Zeiten die Sonne kommt. Das letzte gibt dann überhaupt mythologisch keinen Sinn.

    Die Buchstaben werden ganz einfach mit allgemein vor der Christianisierung bekannten Begriffen genannt, dazu gehören allerdings auch welche aus der "mythologie". Da jetzt irgendeinen Zauber rausdestillieren zu wollen, ist ein bisschen weit hergeholt.
    Ich denke, da lassen sich bessere Beispiele finden. Sonst müßte man den Kritzeleien in der Hagia Sophia auch noch als "Votivinschriften" und "paganen Zauber gegen das Christentum" werten.

    Auch sollte man mal darn denken, in welchem Umfeld dieses Schriftstück entstanden ist und was da im Kloster Fulda damals auch gemacht wurde. Es wurden , soweit ich weiß, auch vorchristliche Texte transskribiert bzw aufgeschrieben.
    Auch Runen sind erstmal nichts anderes , als Buchstaben, mit denen man Gedanken auf den Schreibgrund bannen kann.
    Das damit auch Wünsche und Flüche zur Verstärkung aufgeschrieben wurden und dann an heiligen Orten deponiert wurden, naja, das ist weltweit Sitte, jeder in seiner Schrift. Von Tibet über Jerusalem bis Altötting oder der Hochzeitseiche.

    Es vermutet keiner in römischen Abkürzungen irgendetwas übersinnliches, nur weil so wenig Runeninschriften erhalten sind und in der älteren Literatur da was hehres vermutet wurde, wird in die Runen gleich was "religiöses" reingeheimnist.

    Dieser Text ist ein Gedicht zum Lernen von Runen, nicht mehr und nicht weniger.
     
  12. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    mit dieser Übersetzungsvariante werden Düwel & Co. sehr warscheinlich nicht obsolet und ich fürchte, dass die Mediävistik damit ebenfalls nicht revolutioniert wird...

    und du meinst also, dass in Missionsklöstern des 8.-9. Jhs. pagane Begriffe zum nächstliegenden beim buchstabieren gehörten?

    Natürlich steckt bei weitem nicht in allen überlieferten Runeninschriften irgendwas religiöses (es gibt auch hundsordinäre), das ändert aber nichts daran, dass bestimmte Runen eine religiöse Zuordnung hatten (z.B. Ase, Tiu/Tyr) und das ändert auch nichts daran, dass man magische Runenformeln (lina laukarrrrr etc) gefunden hat.

    Die pagane Schicht steckt noch im abcdarium sozusagen als Subtext mit drin.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Februar 2013
  13. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    gewiß, diese Spezies ist nicht vor Fehlern gefeit - aber glaubst du ernsthaft, gerade die Mediävistik zu revolutionieren?
    (die Argumentation "Wissenschaftler können sich irren, ich sag deswegen mal ganz was anderes" ist nicht immer und überall überzeugend)
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Februar 2013
  14. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Beileibe nicht, auch würde meine Wertung dieses Gedichts in keiner Weise die Mediavstik revolutionieren.
    Das mit den paganen Begriffen in Klöstern oder christlichen Begriffen bei Atheisten ...
    Mir fällt jetzt nur der häufig gebrauchte Spruch, das ist das A und O ein, für der Weisheit letzter Schluß.

    Was mir aber wichtiger erscheint:
    Warum überhaupt wollten/sollten christliche Mönche das Futark beherrschen? Für die Missionierung einer nicht alphabetisierten Bevölkerung ist das doch vollkommen uninteressant, denn wer sollte von Christen geschriebene Runen lesen? Oder wenn die Runen quasi nur für pagan religiöse Zwecke gebraucht wurden, was wäre daran für die Missionare interessant? Untereinander , für Briefe etc hatten die doch die Minuskel.
     
  15. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ja, davon bin ich auch überzeugt :)

    kehren wir doch zurück zum Thema, auch wenn die nur lückenhaft überlieferten Details der Missionierungsarbeit des 8. Jhs. ein hochinteressantes Gebiet sind - es geht ja darum, ob die nachweislich keinesfalls nur und einzig für informative Texte verwendeten Schriftzeichen namens Runen eine zusätzliche religiöse bzw. magische Bedeutung hatten. Hier lässt sich eindeutig feststellen, dass einige Runen mit ihren Namen *) pagane Bedeutungen (Götternamen, Schaden- bzw. Abwehrzauber) mittransportieren (Ase, Tyr, Thurse, Hagel etc)
    Eine der Quellen hierfür ist das abcdarium nordmannicum, und sie ist nicht nur sprachhistorisch von großem Interesse, sondern auch dadurch, dass es nicht eben viele festlandgermanische Runentexte gibt.

    Was du an diesen ebenso schlichten wie offensichtlichen Fakten zu kritisieren hast, das erschließt sich mir immer noch nicht (und ganz sicher sind Buchstabiergewohnheiten heutiger Tage, ob beim Erstklässler oder in der Bundeswehr, nicht die passende Methode, frühmittelalterliche Texte zu untersuchen oder gar der Mediävistik Fehler zu unterstellen --- und zu guterletzt wäre hilfreich, wenn du den kompletten (kurzen!) Text des abcdariums verwenden würdest, wenn du schon eine abweichende interpretierende Neuübersetzung wagst)


    _____________
    *) unser Buchstabe Y hat auch einen "Namen" (Ypsilon), wenn wir Worte wie Tyr oder Yvonne lesen, dann denken wir allerdings nur selten sowas wie Typsilonr oder Ypsilononne :winke: und so steckt in einer Rune, nämlich in ihrem Namen, die pagane Göttervorstellung Ziu/Tyr drin, ohne dass deswegen bei jeder Verwendung dieser Rune sogleich ein Stier oder Sklavengirl dem Ziu/Tyr geopfert werden muss :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Februar 2013
  16. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    zum "neuinterpretieren" , das geht leider mit der letzten Zeile nicht, da es da beim übelsten Willen nichts hineinzu interpretieren gibt. Und ich hatte ja auch geschrieben, das ich mit dieser "Interpretation" übertreiben wollte.

    Nun sind ja Buchstabiergewohnheiten nichts all zu neues. Als allererstes sollte man eben an solch einen Sinn denken, bevor man anfängt, irgend etwas religiöses in einem Text zu sehen.

    Außerdem ist es so, das Menschen seit Urzeiten Dingen und auch Symbolen Namen zu geben. Die Runenschrift ist nun aber auch älter als ~1200 Jahre, die entsprechenden Runen haben nun einmal diese Namen (gehabt). Und so ergibt sich dieser Aufzählreim.

    Ende erster Teil, nix mystisches, sondern ganz banal ...

    Interessant hingegen finde ich das scheinbar mindestens der Schreiber, aber wahrscheinlich auch die Adressaten mit der Aussprache solcher Worte wie Asen, Tyr u.ä. etwas anfangen konnten. Gebraucht wurde diese Schrift wohl hauptsächlich im schon Jahrhunderte christianisierten England.

    Es zeigt sich, das einige Runen auf Grund ihres Namens durchaus alleinstehend auch zu anderem als als Buchstaben gebraucht worden sein konnten. oder anders, der Buchstabe kann manchmal auch als Abkürzung für ein ganzes Wort benutzt worden sein.
    Das aber, genau wie ein auch religiös paganer Gebrauch ergibt sich aus anderen gefundenen Texten, nicht aus diesem

    Viel interessanter aber ist, finde ich, welche Laute nicht dargestellt wurden
     
  17. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Als sicher kann gelten, dass die Runen neben ihrem Lautwert auch einen Symbolwert besaßen. Statt von "religiösen" sollte man aber besser von "magischen" Aspekten sprechen. In diesem Sinne waren Runen auch Zauber- und Heilszeichen, was möglicherweise ein Grund dafür war, dass sie nie den Rang einer Verkehrsschrift erreichten.

    Bestimmte Begriffsrunen konnten eine multiplizierende Wirkung entfalten, wenn z.B. aus mehreren Zeichen geformte Zauberworte die Wirkung einer Waffe verstärken sollten. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Zauberwort alu, das bis heute nicht völlig geklärt ist. Proceedings of the Fourth International Symposium on Runes and Runic ... - Sean Nowak - Google Books

    In diese Richtung zielen auch die eingestempelten oder geritzten Namen von Erzeugern oder Besitzern wichtiger Gegenstände, Aspekte der Schadensmagie mit Androhungen oder Verfluchungen und natürlich der Glaube an die "gottgesandten Runen".

    Wie oben erwähnt, werden Runen in einer Reihe mittelalterlicher Gedichte erklärt, die aus dem 9. und 10. Jh. stammen, ferner isländische Runengedichte aus dem 13. und 15. Jh. Im Hochmittelalter gibt es sogar in Runen geritzte Vaterunser und andere Formen, die im christlichen Kontext stehen, z.B. auf der Rückseite von Holzkreuzchen aus Norwegen oder auf Gegenständen des täglichen Gebrauchs (Funde von Bergen Brygge und Drontheim). D.h., die Runen waren nicht notwendigerweise auf heidnische Aspekte und Elemente beschränkt.
     
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  18. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ...ok...
    zum abcdarium nordmannicum und seinem religiösen Kontext:
    findet sich im älteren Futhark Manitou?
    findet sich im älteren Futhark Allah?
    findet sich im älteren Futhark Baal?
    findet sich im älteren Futhark Zeus?
    findet sich im älteren Futhark Jahwe?
    findet sich im älteren Futhark Buddha?
    findet sich im älteren Futhark Karl Marx?

    ich vermute, du wirst diese Fragen mit "nein" beantworten

    was also findet sich? womöglich paar Anklänge an germanische pagane Vorstellungen? sowas wie Ase, Tyr, Thurse und so?

    ich vermute, du wirst diese Fragen mit "ja" beantworten können.

    :D:D

    wie kommen diese paganen Kontexte in einen Text hinein, der im Umfeld der Germanenmission der Karolingerzeit aufgeschrieben wurde? Hier war deine Erklärung, dass das sowas wie Bundeswehrantonberthacaesar sei - wie aber willst du das der Quelle oder anderen Quellen entnehmen?? Wahrscheinlicher ist, dass dieses Runenalphabet aus paganem Kontext genommen wurde: und da enthält es nun mal im Subtext interessante pagane Bedeutungen (interessant, weil nicht alles, was man von den festlandgermanischen Göttern kennt, auftaucht) -- offensichtlich steht eine Rune mit ihrem Namen und nicht mit ihrem Lautwert für eine pagane Gottheit: das ist doch offensichtlich mehr als genug als Beweis dafür, dass solche Vorstellungen eben auch mit den exklusiven Schriftzeichen verbunden waren. Aus anderen Runeninschriften kennen wir magischen Runengebrauch (all die vielen laukarrr-Ritzungen usw (ich fass jetzt nicht den Düwel zusammen)) und in dieser festlandgerman. Quelle finden wir einen indirekten Beleg für solche paganen magischen Runenrituale, einfach weil nun mal in diesen Zeichen pagane Bedeutungen mittransportiert werden - oder warum sonst stecken Tyr, Ase etc. da drin? weil die Heiden in der Bundeswehr waren?
     
  19. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Danke dir, du hast es schön, kurz und treffend zusammengefasst!!!
     
  20. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Mysterium Runenschrift

    Die germanischen Runen tauchen nur relativ selten und sehr spät in nennenswerter Anzahl in Überlieferung oder archäologischem Befund auf. Mit diesen phonetischen Zeichen wäre es theoretisch durchaus möglich gewesen ein komplettes Schriftsystem aufzubauen, wie es etwa bei den Mittelmeerkulturen während ihrer Verschriftlichung mit deren Alphabeten auch geschehen ist. Doch das Runensystem weicht in so vielerlei Hinsicht vom Vorbild dieser älteren Schriftsysteme ab, dass sich schon bei eher oberflächlicher Betrachtung mehr Fragen stellen, als es belastbare Antworten zu geben scheint, ungeachtet der schwer überschaubaren Zahl an Hypothesen. Was ist an den Runen denn überhaupt so rätselhaft? Mir liegt zu diesem Thema ein kurzer Artikel von Christoph Reichmann vor, der in seiner Einleitung einige grundlegende Überlegungen anreißt und sich dabei vor allem auf Klaus Düwel („Runenkunde“) bezieht. Zeit, Fragen zu stellen.

    Schrift ist für uns ein allgegenwärtiges, durch und durch profanes Mittel der Kommunikation. Dabei ist seine Erfindung unzweifelhaft ein Meilenstein menschlicher Zivilisation. Für uns ist die Lautschrift etwas Natürliches, auch der germanischen Runenschrift kam eine Lautbedeutung zu. Die „europäischen“ Alphabete leiten sich mehr oder weniger direkt von dem phönizischen Alphabet ab. Bei allen Unterschieden lassen sich zahlreiche Bezüge zwischen diesen Alphabeten feststellen. Auffällige Übereinstimmungen gibt es nicht nur in der Form der Zeichen, sondern auch in ihrer geradezu „kanonischen Reihenfolge“, von der auch die Bezeichnung Alphabet kommt: Die Alphabete beginnen mit den Buchstaben A, B und C (eben AlphaBet[a])… Doch zurück zu den Runen.

    Düwel nennt 3 wichtige Punkte, über die im Kontext mit den Runen Einigkeit in der Forschung besteht, sowie 5 weitgehend offene Fragen:
    „1. Die Runenschrift entsteht keineswegs aus dem Nichts oder aus rein germanischen Voraussetzungen.
    2. Als Anregung oder Vorlage hat ein mediterranes Alphabet gedient.
    3. Ausgangspunkt aller Überlegungen haben Raum und Zeit der ältesten Runenüberlieferung zu sein.“

    Nicht eben viel Konsens also. Nun zu seinen 5 wichtigsten, offenen Fragen:
    „1. Von welchem Vorgängeralphabet aus (woher?)
    2. Zu welcher Zeit (wann?)
    3. In welchem Gebiet (wo?)
    4. Von welchen Personen/welcher Person bzw. Ethnie (Gruppe, Stamm) (wer?)
    5. Zu welchem Zweck (wozu?) wurde die Runenschrift geschaffen?“

    Gerade die letztere Frage erstaunt, Schrift ist für uns selbstverständlich! Doch die Eigenheiten des Runensystems drängen diese Frage auf. Sowohl die Griechen, als auch Etrusker, Lateiner…., sie alle ließen sich weitgehend von dem sie inspirierenden Ausgangsalphabet leiten, sowohl der Form der einzelnen Zeichen nach, als auch in ihrer bereits angesprochenen, „kanonischen“ Reihenfolge der Buchstaben. Freilich angepasst an die phonetischen und sonstigen Eigenheiten ihrer jeweiligen Sprachen… Was ist an den Runen so anders? Warum haben die Germanen nicht wie die übrigen „Schriftnutzer“ im Wesentlichen ihre Vorlage beibehalten und nur relativ geringfügig abgeändert. Etwa indem sie Zeichen für ihre spezielle Bedürfnisse hinzugefügt haben?

    Die Runen bilden eben kein „klassisches Alphabet“, beginnend mit den Buchstaben A, B und C, sondern haben eine völlig andere Reihenfolge, weshalb es, angelehnt an die ersten Buchstaben als „Futhark“ bezeichnet wird. Der dritte Buchstabe mit der Lautbedeutung „th“ hat es einzig in das moderne isländische Alphabet geschafft.

    Von den Kelten, einem ebenfalls weitgehend „schriftlosen Volk“ berichtete Caesar in seinem „Gallischen Krieg“, das die Kelten zu seiner Zeit durchaus das griechische Alphabet in profanen, wie öffentlichen Anwendungen zu nutzen verstanden, auch wenn es wohl keine allzu breite Nutzung fand. Speziell bei den Helvetiern berichtet er diese Nutzung. Sie hätten bei ihrem Auszug Listen über Stämme, Kopfzahlen etc. erstellt. Caesar wunderte sich über den Gebrauch griechischer Buchstaben und erklärte es sich über Geheimniskrämerei gegenüber den Römern… Aber auch bei den gallischen „Münzen“ gab es eine Zone, die sich eher am lateinischen Vorbild orientierte („Denarzone“) und eine „Staterzone“, wo man sich an griechische Vorlage anlehnte… Das Thema führt mich zu weit weg, es zeigt aber Adaption von Buchstaben und „Münzen“ bei den Kelten. Dadurch möchte ich das Besondere der Runenschrift unterstreichen:
     

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