Der Grabstein aus dem Legionslager Isca (heute Carleon/Wales) des in Germanien Verstorbenen existiert nur noch als handschriftliche Aufzeichnung im CIL.
Kenotaph!
Ich hatte vorhin einen Text zu Robl angefangen, den aber nicht abgesendet, weil ich es für nicht wichtig erachtete:
In dem Text von Robl sind einige Fehler. Z.B. schreibt er:
Im britannischen Legionslager Isca beim heutigen Carleon/Wales fand sich der Grabstein eines
britannischen Soldaten, der von seinen Eltern als Teilnehmer der „expeditio Germanica“ geehrt
wurde. Auch wenn der Stein undatiert ist, so spricht er doch dafür, dass der gefallene Soldat im
Gefolge Caracallas von Isca aus nach Germanien zog.
Es handelt sich um
CIL 07, 00126:
D(is) M(anibus) / Tadia Vallaunus vixit / ann(os) LXV et Tadius Exuper(a)tus / filius vixit ann(os) XXXVII defun(c)/tus expeditione Germanica / Tadia Exuperata filia / ma[t]ri et fratri piiss(i)ma / secus tumulum / patris posuit
Die Datierung des Steins reicht von 101 bis 230. Robl schreibt, der Stein sei undatiert, was man bei dem Zeitrahmen von etwa 130 Jahren durchaus so darstellen kann, aber er gibt den Inhalt falsch wieder: Nicht die Eltern des 'britannischen' Soldaten setzen den Stein, sondern die Schwester setzte den Stein zum Ableben ihres Bruders und ihrer Mutter in der Nähe des Grabes des Vaters (insofern wäre er ein Kenotaph, kein echter Grabstein).
Den Totengeistern. Tadia Vallaunius lebte 65 Jahre und Sohn Tadius Exuperatus lebte 37 Jahre, er verstarb bei der germanischen Expedition. Die Tochter Tadia Exuperata, Mutter und Bruder ergeben, setzte [den Stein/die Inschrift] in der Nähe des Grabs des Vaters.
Es ist natürlich licit, zu versuchen, die germanische Expedition eine Soldaten, dessen Familie in Wales lebte zuzuordnen und mögliche Zusammenhänge zu datieren. Aber hier wird eine Hypothese (also eine zwar begründete aber
unbewiesene Annahme) wiederum als Beleg für einen weiteren Sachverhalt genommen. Das ist methodisch bestenfalls unsauber, im Grunde fragwürdig.
Robl behauptet fürderhin, die Inschrift von Meimsheim, die Iulia Domna als mater castrorum bezeichnet, müsse von einem Feldzug noch zu Lebzeiten des Vaters stammen, da 213 Iulia Domna nicht mit in Germanien gewesen sei. Woher Robl diese Gewissheit hat, erschließt sich mir nicht. Laut CIL wird die Inschrift auf 213 datiert (und nur auf 213) - das kann natürlich ein Fehler sein - aber auch anderweitig (Callain Devenport, der sich wiederum auf Helmut Halfmann, Itinera principum. Geschichte und Typologie der Kaiserreisen im Römischen Reich (1986), bezieht) wird behauptet, dass Iulia Domna ihren Sohn auf seiner Tour durch die Provinzen begleitete. Die Inschrift wird dort als Beleg für die Anwesenheit Iulia Domnas in Germanien bei dem Feldzug von 213 gewertet - das mag methodisch genauso fragwürdig sein, wie Robls Früherdatierung, aber da stehen zwei Interpretationen gegeneinander.
Soweit also der heute Nachmittag geschriebene, nicht abgesendete Text. Es ist mehr als nur eine Zeichnung des Kenotaphs erhalten.