Toiletten in Versailles zur Zeit Ludwigs XIV.

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Andanchamun, 4. Januar 2005.

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  1. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    die Badewohnung Louis XIV verfügte auch über einen Zulauf für warmes und kaltes Wasser...nur mal so am Rande.


    Im Schloss Weilburg ist auch eine barocke Badewanne zu sehen, die ebenfalls über Zuleitungen für warmes und kaltes Wasser verfügte.

    Im 19. jahrhundert sind diese Einrichtungen meist entfernt worden ... ich bin auch davon überzeugt das das Marmorbad in Kassel in Betrieb genommen werden konnte - im 19. Jahrhundert hatte man für solche Badezimmer keinen Sinn mehr, und es wurde still gelegt.
    Aber niemand baut sich so einen Tempel um ihn dann nicht zu benutzen, das widerspricht der barocken Geisteshaltung - alles musste auch funktionieren, selbst wenn es nur Staffage war - da erst recht.
    Gerade weil im Marmorbad auch noch eine zweite Etage da existiert wo Platz für Musiker war - glaube ich nicht, dass dieser Badesaal nur zum ansehen war.

    In Versailles wurden ja fast alle Badezimmer im Zuge der Neugestaltung als Museum in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entfernt.
    Die Frage dürfte sich damit absolut erledigt haben.
     
  2. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Das kleine Badezimmer habe ich auch schon gesehen. In einem Führer zum Schloss stand zumindest, dass Wanne und Warm-, Kaltwasserzufluss unter Kurfürst Friedrich III./König F. I. eingebaut wurden, der dieses auch aktiv genutzt hat. Es handelt sich um ein Gebrauchsbadezimmer und kein Repräsentationsbadezimmer, was man schon an der geringen Größe und der bescheidenen Ausschmückung erkennen kann.
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    In einem sogar recht neuen Buch von Eckart Kleßmann "Ein Fest der Sinne - Casanova und sein Zeitalter" von 1998 wird noch der langläufigen Meinung das Wort geredet, Louis XIV., habe sich nur einmal gebadet( http://www.klassphil.uni-muenchen.de/~waiblinger/klessm.html ) und gesagt, dass sich die hygienischen Verhältnisse erst mit der 2. Hälfte des 18.Jh. besserten. Also kein Wunder, dass noch so irrige Ansichten existieren, wenn sowas noch heute publiziert wird.:motz:
     
  4. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Was die erste hälfte des 18.Jh. angeht: in dem Roman "Roxanna" von Daniel Defoe von 1724 ist das erste was die "Heldin" tun will, nachdem sie dem Gefängniss von Newgate entgangen ist, baden und ihre Kleider wegschmeißen weil sie so entsetztlich stinken... (gut, das Buch ziemlich schlüpfriger Natur und nicht unbedingt 1:1 auf die damalige Realität übertragbar aber in der erotischen Literatur des 18.Jh. wird allgemein ziemlich viel gebadet!)
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Und dieser Roman ist dazu noch eine "waschechte" Quelle :yes:
     
  6. Demoiselle

    Demoiselle Neues Mitglied

    Auf den Gängen aber durchaus, wie sich Madame bei ihrer Tante, Sophie von Hannover beschwert. Sie schreibt, wenn sie aus ihrem Appartement komme "steht einer da und macht p....", später kommt sie wieder zurück und wieder steht einer da "und macht p...". Abschließend bringt sie ihre Verwunderung darüber zum Ausdruck, daß der König nichts dawider unternehme.

    Es handelt sich bei den Gängen ja um Gemeinschaftsräume und in großen Gemeinschaften befinden sich ja immer Einzelne, die rücksichtslos mit Gemeinschaftseinrichtungen umgehen.
    Was man daraus aber auch wiederum sieht, ist die große Duldsamkeit des Sonnenkönigs, der meist erst durchgriff, wenn die Mißstände extrem waren. Die Schwulencultur (damals sagte man ja Sodomie) war ihm immer ein Dorn im Auge, doch er ließ das meist laufen. Sein Durchgreifen erfolgte z.B., als zwei seiner Höflinge versucht hatten einen Zigarettenjungen mit Gewalt gefügig zu machen (der aufgrund seiner Gegenwehr auch noch einen Degenstich abbekam). Da war natürlich der Marquis d'Effiat mit beteiligt und es setzte auch prompt die Bastille.

    Aber was Madame manchmal so erzählt ... - Da betrinkt sich der Hofadel und zündet dann aus Jux Pariser Wohnhäuser an.

    Also, bei diesen Pinkeleien muß man bedenken, daß sich in der Hofgemeinschaft einige Leute befanden, die sich für keine Schandtat zu schade waren.

    P.S.: Daß die Zeit sich bedient, finde ich sehr aufschlußreich. Habe mir schon öfters Gedanken gemacht, daß andere sich das Leben mit unsereins Ergebnissen vergolden könnten - wer weiß, was man in Doctorarbeiten so findet ...
    Übrigens war das mit ein nicht unmaßgeblicher Grund dafür, meine HP-Arbeit auf Originalsprache umzustellen, sowie Delbanco-Fractur (wo ja Scriptor-Ligaturenverschlüsselung jede Textcopie versauert).
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2007
  7. Chrisking

    Chrisking Gast

    Hygiene in Versailles zur Zeit von Louis XIV

    Hallo zusammen

    Ich interessiere mich für die Hygiene in Versailles zur Zeit von Louis XIV.
    Einige Beiträge zu diesem Thema habe ich schon gelesen und habe einen zwiespältigen Eindruck erhalten.

    Einerseits heißt es, dass die Hygiene damals und dort nicht groß geschrieben wurde, andererseits konnte ich vor allem von den Mitgliedern Louis le Grand und Soleil Royal lesen, dass die Leute, der König insbesondere, sehr wohl hygienisch waren.

    Ich bitte euch nun, mir die Quellen auf die ihr euch stützt anzugeben.

    Damit hättet ihr mir und der Wissenschaft geholfen.:)

    Vielen Dank und alles Gute!

    Chris
     
  8. Balduin

    Balduin Gesperrt

    Der König war ja de facto eine Gottgestalt für sein Land, der wird sich nicht in aller Weltlichkeit solchen allzu menschlichen Bedürfnissen hingegeben haben.
     
  9. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Ergänzend:

    Frank Tönsmann, Wasser zum Waschen - Die sanitäre Bedeutung des Wasses im Wandel der Zeit.

    Wasser zum Waschen und Baden
     
  10. Norbert Elias - Über den Prozess der Zivilisation
    Jacob Blume - Von Donnerbalken und innerer Einkehr
    Roy Palmer - Auch das WC hat seine Geschichte
    Rosemarie Gerken - La toilette
    Daniel Furrer - Wasserthron und Donnerbalken

    Viel Spass beim Lesen ;-)
     
  11. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Diesen alten - alle Jahre wieder belebten Strang - will ich diese Nacht erneut zum Leben erwecken.

    Drei Seiten lang wurde um die Toiletten am Hofe des Sonnenkönigs gestritten. Die einen kopierten, die anderen schrieben hilflose Büchertitel ohne Zitate um ihre Theorien zu untermauern.

    Letztendlich kommt die "Sage" von den wenigen Klos aus einem bestimmten Grund:
    Unter Ludwig XIV. gab es wirklich nur ein stationäres Klo in Versailles. Üblich waren sogenannte mobile Klosettstühle. Großes Loch in der Sitzfläche, unten drunter ein Emaillebecken - fertig.
    Wenn der König zum Fest am Hofe von Versailles aufrief, dann kamen ca. 5000-10000 Gäste nach Versailles. Das stationäre Klo und die paar Kackstühle reichten nicht. Zudem waren die wenigsten Gäste bei diesen Festen nüchtern.
    So entstanden die zeitgenössischen Quellen, dass die Leute in Gängen, Ecken oder in den weitläufigen Gärten von Versailles ihre Geschäfte machten und den Eindruck erweckten, in Versailles stänke es immer, weil dort überall wo man stand oder hockte sein Geschäft erledigte.

    Waschen war im wahrsten Sinne des Wortes beim Sonnenkönig Luxus. Wasser galt als Krankheitsüberträger. Parfüm war Waschmittel Nr.1, Alkohol galt schon damals als aseptisch und als reinigend. Und noch heute wird in der zivilisierten Welt Alkohol in allen erdenklichen Aggregatzuständen als Geruchsabsorbierer genutzt.

    Wer das alles nicht glaubt, sollte eine Führung durch Versailles mitmachen.
     
  12. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Meintest du vielleicht so etwas? Dieses Beispiel ist aus Wales, aber die Beschreibung hat mich daran erinnert.


    (copyright Plas Mawr, Conwy, Wales, UK: Close Stool 17th century)
     

    Anhänge:

  13. Prinz Eugen

    Prinz Eugen Neues Mitglied




    An einer Stelle in einem Buch fand ich wieder das berühmte Thema Reinlichkeit: Ludwig soll sich nie gewaschen haben :pfeif: Nach wie vor halte ich das für Unfug. Könnte es sein dass dieses Gerücht nur in die Welt gesetzt wurde von denjenigen, die bei dem allmorgendlichen LEVER anwesend waren? Das Leben Ludwigs war ja weitgehend und gewollt "öffentlich". Doch welcher König badet gerne vor Zuschauern?

    Man könnte aber ebenso gut die These aufstellen, wer sich allmorgendlich vor dem engsten Adelskreis beim Aufstehen und Ankleiden zusehen lässt, der könnte sich auch beim Baden zusehen lassen.

    Selbst sogenannte Primärliteratur kann m.E. keinen Aufschluss geben solange sie nur irgendwelche Briefe oder Klatsch als Basis hat.

    oder gibt es aufschlussreiche Quellen? Tagebuchaufzeichnungen Ludwigs ect.?

    Weiterhin frage ich mich, ob die Zeremonien wie das morgendliche LEVER auch noch nach 10 oder mehr Jahren an der Tagesordnung war.
    Ist erst mal etwas geschrieben, so halten Gerüchte ja für die Ewigkeit.
     
  14. Comtesse

    Comtesse Neues Mitglied

    Für alle die sich für dieses Thema immer noch interessieren: Ich bin bei meinen Rechercheren zufällig über eine interessante Ausstellung zu diesem Thema gestoßen:

    Schloesser-Magazin: Kloster Schussenried > Veranstaltungen > Das stille Örtchen

    Hier ist das Programm:

    http://www.kloster-schussenried.de/fm/37/stilles%C3%B6rtchen2011.pdf

    -Zitat Anfang -

    In der Ausstellung sind ausgewählte Stücke aus den Depots und Museen der Staatlichen Schlösser und Gärten und zum Teil hochkarätige Exponate externer öffentlicher und privater Leihgeber zu sehen. Diese Vielfalt der Objekte reicht vom Abort bis zur Zahnbürste und lässt sich auf vier große Themenschwerpunkte verteilen: Zimmeraborte und Nachttöpfe, Waschen und Baden, Körperpflege auf Reisen sowie Frisieren, Schminken und Parfümieren.

    -Zitat Ende-

    Die Ausstellung geht von 01. April bis 18. September.
     
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