Turksprachen - verstehen sich ihre Sprecher?

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von Dieter, 5. August 2010.

  1. esm95

    esm95 Neues Mitglied

    also türkisch ist ebenfalls meine muttersprache. ich selber kann auch fließend türkisch sprechen. habe auch freunde die aus ländern wie uzbekistan, azerbaijan, kasachistan etc. kommen, wo man ja auch türkisch spricht.
    ich kann nicht sagen dass ich immer alles verstehe, aber das wesentliche KANN man verstehen oder auch nicht.
    alle turksprachen haben verschiedene dialekte. ist genauso wie mit den deutschen dialekten wie bayrisch, hessisch, etc. manchmal versteht man es, manchmal auch nicht :)
     
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  2. em.20

    em.20 Neues Mitglied

    Aserbaidschanisch kann ich noch verstehen. Ist so wie Deutsch und Schweizerisch. Aber Usbekisch oder Kasachisch, da verstehe ich nur noch Fragmente.
     
  3. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Da ihr türkische Muttersporachler seid, kann ich dazu nur theoretisches beitragen.

    Türkei-Türkisch zählt zum oghusischen bzw. südwesttürkischen Zweig der Turksprachen. Ebenfalls dazu gehört u.a. Aserbaidschanisch (Azeri), Turkmenisch sowie Kaschgai (Sprachinsel im Iran). Die Sprecher dieser Idiome müssten sich untereinander relativ problemlos verständigen können..
     
  4. trakya

    trakya Neues Mitglied

    Also im Grunde genommen ist es so:Das Aserbaidschanisch versteht man noch relativ gut,sprich wird wie beim Türkei-Türkischem auch so betont.Allerdings enthält Aserbaidschanisch auch noch zusätzliche Schriftzeichen.Das ist beim Kasachischen,Uighurischen usw. genauso.Das best verständliche Türkisch für mich ist Gagausich.Es hört sich einfach gleich an und man (In dem Fall ich) versteh es sehr gut.
     
  5. Taha

    Taha Neues Mitglied

    es kommt wirklich darauf an aus welcher region man aus der türkei stammt allerdings ist das azeri türkisch sehr leicht zu verstehen auch wenn einige vertauscht sind.
    die anderen türken oder auch mongolen zu verstehen ist nicht sehr leicht aber mit etwas gewöhnung versteht man sie ohne probleme.
     
  6. Mert kalkov

    Mert kalkov Neues Mitglied

    hallo alle zusammen

    so meine Muttersprachen ist die Azerbaijanische sprache sowohl auch die Türkische :) und spreche zum teil auch persisch .
    trakya: es hört sich nicht gleich an :) , ja zum großteil ist es ähnlich mit der Türkischen sprache , doch es gibt da schon unterschiede z.B
    im türkischen : konusma
    im Azerbaijanischen : danishma
    ich persönlich verstehe Uzbekistanische sprache auch die Türkmenische aber nicht so gut wie die Azebraijanische oder türkische .
    Im prinzip versteht man worum es geht aber nicht gleich alles. :)
    Zwischen den ganzen Turk sprachen ist die Azerbaijanische sehr nah an der türkischen sprachen doch ich würde mal sagen ein normaler Türkei-"türke" würde in azerbaijan nicht so gut zu recht kommen. Im azerbaijanischen gibt es andere wort wahl und anderen Akzent :) ich spreche nicht für alle Turk sprachen. Und der Azerbaijanische Alphabet ist anders. Dann gibt es noch die Türkisch/azerbaijanische sprache wo beides in einem geredet wird , dort würden Türken viek mehr als richtiges Azerbaijanisch verstehen :)

    Gruß Mert . Hoffe es gibt noch andere die dazu was sagen können .
     
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  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    Danke für diese Information! :winke:

    Wie ich gelesen habe, sind Türkei-Türkisch und Azeri nahezu identisch, sodass man beim Azeri eher schon von einem Dialekt sprechen kann. Türkei-Türkisch müsstest du als Azeri also proböemlos verstehen!?

    Ebenfalls soll das Turkmenische sehr dicht am Türkei-Türkisch und Azeri liegen.

    Usbekisch hingegen müsste dir schwerer fallen zu verstehen, denn es ist ein anderer Sprachzweig der Turksprachen. Das gilt noch mehr für das Uigurische, das viel altertümliches bewahrt haben soll.

    Kannst du das bestätigen? :grübel:
     
  8. Mert kalkov

    Mert kalkov Neues Mitglied

    Hei

    ich verstehe die Türkei-"türkisch" sehr gut :) und ich muss sagen die Türkei Türkisch ist sehr verfeinert (drücke ich mal so aus) ich spreche Azerbaijanische sprach und die Türkische sprache schon seit ich klein bin , wurde mit beiden turk sprachen aufgewachsen. Ja die Türkmenische sprache ist auch ähnlich
    hier ein beispiel
    Türkei-"türkisch": Sevdim seni
    Türmenische: Suydym seny
    ich weiß nicht warum doch die Uzbek verstehe ich , jetzt nicht so detailiert aber etwas versteht man schon .
    Ja du hast recht Türkei"türkisch und Azerbaijanische sprache ist Identisch :)
    die meisten wörtet sind gleich :) doch wir haben eine andere wort wahl
    hier mal ein beispiel auf deutsch :
    Türkisch: Er ist gestorben
    Azeri: Er hat seine Welt gewechselt

    Hier sieht man sehr stark das wir Azeris eine andere Wortwahl haben.
    Jetzt kommen wir mal zu den Türkei"türischensprache " in dr türkei gibt es je nach gebiert auch ganz andere akzente und dann gibt es echt schwere akzente das würde ein Azerbaijaner der nicht Türkisch an kaum verstehen.

    deine Letzte frage kann ich leider nicht beantworten :)
     
  9. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ja, das habe ich mir gedacht!

    Das ist in Deutschland ganz ähnlich. Ein Friese und ein Oberbayer, die beide Dialekt sprechen, werden sich nur begrenzt verstehen.

    Die uigurische Sprache liegt euch ja auch eher fern, obwohl sie noch die engste Nachbarschaft zum Alt-Türkischen hat.
     
  10. Yeschiil

    Yeschiil Neues Mitglied

    Guten Tag,

    ich dachte ich gebe auch mal meinen Senf dazu.

    1.Mert
    zum Thema Türkei-Azerbaijan-türkisch

    "im türkischen : konusma
    im Azerbaijanischen : danishma "

    Vor paar Jahren habe ich zum Ersten Mal mit einer Azeri gesprochen.
    Als ich "danisalim" hörte, hatte ich "tanisalim" verstanden ->"lass uns kennenlernen"
    Dies führte ja dann zum gleichen Ziel wie "konusalim" -> "lass uns reden"

    Während dem Gespräch ist mir dann aufgefallen, wie ihr die Wörter anderweitig benutzt.
    Ich finde es unglaublich toll. Wörter bekamen für mich eine völlig/zusätzlich neue Sicht.

    2. Ausprägung der türkischen Sprache

    Ich stamme, oder besser gesagt, mein Vater stammt aus einem Dorf im Osten der Türkei.
    Und JA, tatsächlich werden alt-türkische Wörter hier im Osten öfters/vermehrt benutzt.
    Es fällt uns ganz besonders dann auf, wenn wir mit Türken aus z.B Izmir reden. Es sind nur ganz wenige Wörter oder manchmal auch einfach, ich sag mal Wortlaute, wie "ha/he".
    Aber ich denke, dass es normal ist, denn Sprache entwickelt sich nunmal.

    Was aber besonders bei unserem Dorf auffällt ist, dass einige ihren Ursprung aus Kirigisien (Oder Kirgistan? Keine Ahnung) haben.
    Mein Vater erzählte mir, mein Ur-Ur......-Vater stamme ebenfalls von dort.
    Sie kamen zu Zeiten des Osmanischen Reiches an -> mit dem Einfall von Timur im OR
    Dies könnte vielleicht der Grund für manch alt-türkische Begriffe sein :)

    (Natürlich sind es nur mündliche Überlieferungen, aber ich denke das ist euch bewusst
    -> Vielleicht kommt es ja auch daher, warum mein Opa, mein Vater und ich allesamt auch sehr asiatische Augen besitze)
     
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  11. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Das ist nicht einmal so selten zwischen ähnlich nah verwandten Sprachen. Solche Sachen kommen auch immer mal wieder vor, dass Begriffe im Deutschen und im Englischen ähnlich klingen und aus dem gleichen Wort entstammen aber teilweise oder gänzlich anders verwendet werden. Auch in der retroperspektive kommt dies vor. So nutzten Menschen vor 200 Jahren teilweise die gleichen Worte wie ich, sie hatten allerdings eine völlig andere Bedeutung oder Konnotation.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Semantische Verschiebung

    Als Beispiele: Billig. Vor 200 Jahren bedeutete das Wort noch 'gerecht'. War ein Produkt also seinen Preis wert bzw, wenn der Preis gerechtfertigt war, dann war es billig (=preiswert). Billig mit der Bedeutung 'gerecht' versteht heute keiner mehr (obwohl wir das Verb billigen - welches sich allerdings auch semantisch verschoben hat - und die Redewendung "recht und billig" noch benutzen), wir verstehen gerade noch die Bedeutung 'preiswert' erleben aber seit einigen Jahren eine erneute Bedeutungsverschiebung, wobei noch völlig offen ist, ob die sich durchsetzt oder nicht: "Boah is' das billig!" kann bedeuten, dass etwas von schlechter Qualität ist, was durchaus auch eine Erfahrung sein kann, die mit Preisen zusammenhängt: Produkte niedriger Qualität haben häufig auch einen niedrigeren Preis, als Produkte hoher Qualität. Aber so, wie sich preiswert schon bedeutungsverschoben hat (nicht mehr im Sinne davon, dass etwas 'seinen Preis wert' ist, sondern dass es wenig kostet), so hat sich billig durch die Konnotation von Produkten schlechter Qualität eben auch schon wieder von der Bedeutung 'preiswert' gelöst. Auch eine Ausrede kann billig sein. Oder der Versuch aufzufallen ("billige Aktion").

    Bei einem anderen Beispiel kann man das indoeuropäische Etymon von dt. Gast und Lateinisch hostis, sowie die spanische Ableitung davon, hueste heranziehen. Während das deutsche Gast positiv konnotiert ist, ist das lateinische hostis negativ konnotiert, wir übersetzen es mit 'Feind'. ursprünglich dürfte es so etwas wie 'Fremder' bedeutet haben, nur dass es im germanischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen oder auch nur im deutschen Zweig der germanischen Sprachen eben als freundlich gesonnen oder Besucher seine Bedeutung festigte, während es eben im Lateinischen eher den nicht so freundlich gesonnenen Fremden bedeutete. Wenn wir vom Lateinischen zum Spanischen gehen, entwickelt sich aus dem negativ konnotierten Wort ein als neutral zu markierendes Wort: Hueste heißt nichts weiter, als 'Heer'. Wie wird aus dem Wort für 'Feind' das Wort für 'Heer'? Eigentlich ganz einfach: Feinde sind normalerweise Menschen, die in militärischen Verbänden, eben Heeren auftreten. Zunächst also wird im Spätlateinischen oder Frühromanischen aus der Bedeutung 'Feind' die Bedeutung 'feindlicher Heeresverband' geworden sein, später ist der wertende Teil weggefallen, so, dass nur noch die Bedeutung 'Heer(esverband)' übrig blieb, so, dass man das Wort plötzlich auch für das eigene Heer verwenden konnte.

    Manche Worte verändern sich nur um Nuancen, bei anderen erkennt man ohne das Wissen um die gemeinsame wortgeschichtliche Herkunft keinen Zusammenhang mehr.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2012
  13. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    So generell würde ich das nicht sagen. Zumindest die Rechtssprache hat oft eine konservierende Wirkung. "Billig" ist da ein Beispiel, oder auch das neulich in einem anderen Thread thematisierte Wort "Bestand".
     
  14. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Kirgisen sind in Zentralasien beheimatet. Und da es keine kirgisischen Sprachinseln in der Türkei oder im Norden des Iran gibt, müssen deine Vorfahren als Vertriebene, Flüchtlinge, vielleicht auch als Soldaten im Dienst der Osmanen in ihr heutiges Siedlungsgebiet eingewandert sein.

    Da Kirgisen in Zentralasien leben, haben sie sich im Lauf ihrer Geschichte vielfach mit Menschen gemischt, die einem mongolischenTypus angehörten. So lässt sich möglicherweise die von dir beschriebene Augenform erklären.
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gut, im Spezialwortschatz mag das noch so sein, aber wenn du mal eine Straßenumfrage machen würdest, käme niemand darauf, im Gebrauchswortschatz ist diese Bedeutung einfach verloren. Kann natürlich sein, dass das in Österreich anders ist.
     
  16. Yozgatli

    Yozgatli Neues Mitglied

    Hallo zusammen, ich weiß der Thread ist uralt aber ich habe beim lesen etwas gesehen, das in meinen Augen noch berichtigt werden sollte, da es ansonsten Falschwissen verbreiten würde. :)

    "im türkischen : konusma
    im Azerbaijanischen : danishma "

    Wird als Unterschied deklariert, ist es aber garnicht.

    "Konusmak" bedeutet reden. "danismak" bedeutet sich besprechen, beraten, eine andere Meinung einholen und ist eindeutig türkisch.

    Und da ich grad schon am schreiben bin, hier ein für dieses Thema evtl. hilfreicher Beitrag.

    Die erste Sprache, die ich lernte war Dorftürkisch in Anatolien(Yozgat). Als ich mit 6 Jahren hierher kam fiel mir auf, dass ich zwar nahezu alle anderen Türken recht gut verstand aber nicht umgekehrt.
    Meiner Ansicht nach lag es hauptsächlich an der Betonung der Wörter. Ich habe seitdem sehr viele Türkeitürken aus den verschiedensten Regionen der Türkei kennengelernt und muss sagen, dass ich mit keinem - wie hier teilweise behauptet wird - derartige Verständigungsprobleme hatte, so dass ich ohne Dolmetscher nicht klargekommen wäre.

    Klar, bei harten Dialekten muss man halt mal das eine oder andere Wort erfragen und stellenweise etwas langsamer reden aber das war es dann auch.

    Vielleicht liegt es aber auch nur an der Region, in der ich aufwuchs. Zentral-Anatolien grenz an 5 von 6 weiteren Regionen an und hat somit evtl. eine stärkere sprachliche Bindung zueinander als z.B. die Region des Mittelmeer und des Schwarzmeeres, welche gänzlich voneinander getrennt sind.
     
  17. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wenn ich mich recht erinnere, hat niemand behauptet, die Türkei-Türken einiger Regionen könnten sich untereinander nicht verständigen. Vermutlich gibt es lediglich ähnlich kleine Sprachbarrieren, wie bei der Verständigung zwischen einem Ostfriesen und einem Oberbayern.

    Die Frage in diesem Thread war vielmehr, welche Turkvölker sich untereinander verständigen können und welche nicht. Ob z.B. ein Türkei-Türke einen Usbeken, einen Turkmenen, einen Kirgisen oder einen Kasachen verstehn kann - ohne, Mühe, mit Mühe oder gar nicht. Wie wir hier erfahren haben, ist auf jeden Fall die Verständigung zwischen einem Türkei-Türken und einem Aserbaidschaner unproblematisch. Es handelt sich um eng miteinander verbundene Sprachen. Ein Uigure und ein Türkei-Türke hingegen verstehen sich nicht.
     

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