Verlobung im 18. Jhd

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Lady Jane, 14. Oktober 2008.

  1. Lady Jane

    Lady Jane Neues Mitglied

    also bei den Schotten war das aber anders!
    Die waren genau mit 18 volljährig!
    (-----> Highlandsagafan ^_^)
    lg
    danke für die rege beteiligung an der diskussion! ihr seid alles engel!
     
  2. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    @Fox:
    Naja, es kommt schon stark auf die soziale SChicht an, in welchem Alter durchschnittlich geheiratet wurde. Man kann - wenn auch sehr vereinfacht - sagen, je niederer der Stand desto später die Hochzeit.
    In einem sehr interessanten Vortrag in meinem Heimatdorf, in dem ein Historiker einen Rechner mit sämtlichen DAten aus den Kirchenbüchern der Umgebung gefüttert hatte erfuhr ich, dass im 18.Jh. das durchschnittliche Heiratsalter anfang zwanzig war. Bei den Frauen war es glaub ich 20 bei den Männern 22, wenn ich mich nicht irre. Aber das ist ja auch ganz logisch, die mussten sich ja erstmal Geld zusammensparen, ehe sie sich das leisten konnten. Verheiratungen von Teenagern und Kindsverlobungen gab es eigentlich nur im Hochadel.
     
  3. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Stimmt Cécile, ich war gedanklich schon im 19. Jahrhundert, wo die Adeligen ihre Töchter frühestens mit 17/18 und spätestens mit 24 loswerden wollten - eben weil ab 25 die "Altjüngferlichkeit" begann... aber ich dachte eigentlich, das hätte schon Ende des 18. Jahrhunderts angefangen um die Zeiten von George IV.? Irgendwie meine ich mich erinnern zu können (laut Biografie von Viktoria) dass Royals schon mit 17 volljährig wurden, die anderen mit 18.

    Allerdings werfen DIESE Fakten nun meinerseits die Frage auf: Wo liegt der Unterschied zwischen Volljährigkeit und "Großjährigkeit" ? :confused:
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    20 wäre, wenn es der Durchschnitt war, aber auch bedeuten, dass sehr viele um die 16 bis 18 heirateten. Ich selbst kann mich nicht mehr genau an den Durchschnitt im Vortrag erinnern, dachte aber, dass er eher etwas höher lag, also bei 22 oder so bei den Frauen.
    Allein schon die heiratenden Witwen, die dann in den 30igern sein mochten, würden dazu führen, dass auf der anderen Seite viele deutlich unter 20 gewesen sein müssten, als sie heirateten, wenn der Durchschnitt bei 20 liegen sollte. :grübel:

    Ein interessanter Aspekt wäre auf jeden Fall, welche Rolle für das Heiratsalter die Gebärfähigkeit hatte. War es wichtig, wenn ein Fräulein schon körperlich erwachsen war, um vermählt zu werden? Wie wichtig war die Lebenserwartung für den Zeitpunkt der üblichen Eheschließungen? Manche Romanciers wollen uns gern weißmachen, wie in "das Parfum", dass man mit 30 als Weib der Unterschicht sehr alt war. Das mag es gegeben haben, es hängt von den Lebensbedingungen ab, aber das kann nicht die Regel gewesen sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dann auch schonmal mit Mitte Zwanzig erst eine Ehe einging, wenn die Frauen so schnell alterten. Gerade aus der Oberschicht kenne ich auch einige Gegenbeispiele, dass z.B. eine Frau mit 50 noch zehn Jahre jünger aussah. Im Falle von Romanen wurde sowas mal in "Moll Flanders" von Daniel Defoe angesprochen. (Ehen kommen da ja auch öfter vor. :D )
     
  5. Lady Jane

    Lady Jane Neues Mitglied

    also ich weiß, dass vor allem in Hochadel in GB die frauen oft schon viel früher verheiratet wurden, also mit 15-16... ab dann galten sie, denke ich, schon als "ausgewachsen". vor allem weil man ja im hochadel als frau keine andere aufgabe hatte, als den Dienstboten Anweisungen zu geben und einfach brav zu sein, gut auszusehen und den Mund zu halten (obwohl ich das nicht glaube, ich glaube, dass die frauen eigentlich mehr zu sagen hatten, als man immer annimmt...)
    Auch wurden Mädchen der Unterschicht durchaus manchmal schon viel früher verheiratet, nämlich dann, wenn sie zur Frau geworden waren, also Kinder bekommen konnten...
    was das altern von frauen angeht: man hat sich damals ja nicht wirklich gesund ernährt, also man hat fast keine vitamine zu sich genommen und auch kein vitamin c... das hat ja dann häufig zu skorbut geführt (allerdings öfter in der unterschicht oder bei seemännern).. das bedeutet, den leuten sind bereits mit 20 die ersten Zähne ausgefallen... außerdem mussten die frauen der unterschicht ja ziemlich viel körperlich arbeiten, deshalb sind sie wohl ziemlich schnell gealtert... allerdings mag es da ja auch durchaus ausnahmen gegeben haben!
    lg
    Jane
     
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Die Skorbut war eine typische Seefahrerkrankheit, die aus dem Mangel von frischem Obst und Gemüse resultierte. Übrigens hat sich dabei James Cook sehr verdient gemacht, der seiner Besatzung Sauerkraut verordnete und keinen einzigen Matrosen durch Skorbut verlor. Cooks Erfahrungen machten Schule, so dass die Royal Navy als eine der ersten Limonen ausgab, wovon die Briten den Spitznamen der "Limeys" erhielten.


    Eine Heirat zu organisieren und eine Ehe anzutreten, setzte im 18. Jahrhundert eine gewisse soziale Stellung und ein bestimmtes vermögen voraus. Dienstboten, Soldaten aber generell den Unterschichten erschwerte man die Ehe, und auch die Offiziere benötigten noch um 1900 eine Heiratserlaubnis des Landesherren. Man wollte zahlungskräftige Untertanen, und Müßiggänger und arme Schlucker sollten keine Nachkommen zeugen, was sie natürlich dennoch taten. Für gewöhnlich mussten Paare ein Vermögen von mindestens 200 fl nachweisen, um eine Heiratsgenehmigung zu erhalten, was viele niemals schafften. Das Heiratsalter lag daher im 18. Jahrhundert gemessen an der Lebenswartung relativ hoch.
     
  7. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Daß die Zähne früh flöten gingen, lag aber eher am Kalziummangel, der bei Frauen durch die Schwangerschaften bedingt war. In der Generation meiner Großmutter (Jg 01) hieß es noch: pro Kind verlierst du einen Zahn.
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Hm, aber die Küche der Zeit hatte bei der Oberschicht ohne Zweifel auch eine Rolle gespielt. Wenn man sich so die Mengen an Süßspeisen auf den Tafeln der Oberschicht vor Augen führt!

    Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass sich grundsätzlich die Unterschicht auf dem Lande auch gesunder ernährte als die Oberschicht (Adel).
     
  9. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Meine Großmutter gehörte weder dem Adel noch der ländlichen Unterschicht an; wenn ich sie einordnen sollte, würde ich sagen: kleinstädtische untere Mittelschicht.
     
  10. Lady Jane

    Lady Jane Neues Mitglied

    zu Brissotin's Süßspeißen: allerdings durfte man als Dame nicht viel davon anrühren, sonst hätte es als undamenhaft gegolten! Eine Dame musste doch essen wie ein Spatz, oder nicht?
     
  11. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Das wiederum glaub ich nicht, die Portraits der Zeit sprechen eine ganz andere Sprache... es galt als garnicht erstrebenswert dünn zu sein.
    Möglichst pummelige Ärmchen galten als sehr appetitlich und runde Apfelbäckchen zog man hohlwangigen Hungerhaken auf jeden Fall vor.
    Ganz so drall wie im Barock war zwar nicht mehr angesagt, aber wenn man sich die "Pin-ups" der Zeit anschaut, dann würde man heutzutage sage, die Damens hatten allesamt ein Zellulite-Problem ;)
    Ich frage mich, wie die Damen überhaupt so wohlgenährt werden konnten, wenn ich meinen Schnürleib trage (und den schnüre ich nicht wie bekloppt zu) kann ich nur ungefähr zweidrittel von dem essen, was ich sonst verzehre. Aber das ist bestimmt auch schlichtweg Gewöhnungssache.

    Wenn man sich aber Kochbücher aus dieser Zeit anschaut (ich hab derer mehrere als Repros) dann gibt es da schon Rezepte in denen steht "Nimm das gelbe von zehn Eyern"... Die Ernährung war extrem kalorienreich und da Zucker immernoch ein Luxusgut war, wollte man auch, wenn man es sich leisten konnte damit protzen und stellte ordentlich Süßkram auf den Tisch, viel Fleisch auf der Tafel war auch ein Zeichen von Wohlstand.
    In einem zeitgenössischen Bericht über Zahnhygiene aus den 1780ern - leider find ich den jetzt ad hoc nicht, er stand in "Der unterhaltende Arzt", der irgendwo online ist - kann man sehen, dass es um den Zustand der Zähne der Allgemeinheit unglaublich schlecht stand....

    Aber: WIR WERDEN OFF TOPIC!
     
  12. Im Prinzip ja. Aber in Deutschland sah das Bürgerliche Gesetzbuch ab 1900 auch eine Regelung für Fall vor, dass doch
    Kranzgeld ? Wikipedia
    Davon abgesehen ist das Verlöbnis im BGB immer noch geregelt.
     
  13. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Das Kranzgeld gab es bereits im 18.Jh., das steht im "Frauenzimmerlexicon" von 1715.

    Ausserdem wurden gerade im dörflichen Umfeld (hab ich wieder von bereits erwähntem Vortrag) ein großer Prozentsatz der Erstgeborenen vor der Hochzeit gezeugt... die meisten wurden legitimiert, indem der Vater vor oder nach der Geburt geheiratet wurde.

    Im Schwarzwald gab es sogar den Brauch, dass die Braut vor der Hochzeit schwanger sein MUSSTE, sonst kam die Heirat garnicht zu stande. Wie lang es diesen Brauch allerdings gab, weiß ich nicht, ich könnte aber nachfragen.
     
  14. duxalamannorum

    duxalamannorum Mitglied

    Diesen Brauch soll es auch in Österreich und in einigen Gegenden Oberbayerns gegeben haben, wobei eine Heirat zwischen den Partnern erst dann erfolgte, wenn bereits mehrere Kinder geboren waren und die ersten kritischen Lebensjahren und Kinderkrankheiten ( die in früheren Zeiten durchaus kritisch verliefen) überlebt hatten.
    Dies wurde so gemacht ( lt. meinem damaligen Prof. in Erbrecht), um die Erbfolge auf den Bauernhöfen zu regeln und sicher zu stellen.
     
  15. bemerkenswert, dass etwas gesetzlich geregelt wurde, was es nach den herrschenden Moralvorstellungen eigentlich gar nicht geben sollte

    Das hatte aber auch damit zu tun, dass eine Heiratsgenehmigung des Grundherrn nötig war, die nicht so ohne weiters erteilt wurde, oder die man sich nicht leisten konnte.
     
  16. Lady Jane

    Lady Jane Neues Mitglied

    Moment!
    ich dachte immer, es wäre in Mode gewesen, eine Wespentaillie zu haben! Die Hüften durften zwar durchaus üppiger sein, aber doch nicht um den bauch!
    ich habe auch über marie antoinette gelesen, dass sie dem gängigen Schönheitsideal entsprach und sie soll, zumindest am anfang ihrer ehe, sehr zierlich gewesen sein...
    hab ich da was falsch verstanden oder schließt das eine das andere nicht aus?
    lg
    danke für die rege beteiligung!
    Jane
     
  17. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Puh.
    Nach meinem Verständniss richtet sich keine Hüfte nach einer Mode.
    Es wäre ja schlimm, wenn alle Männer nur dünne Frauen lieben.
    Wo kämen wir da denn hin?
     
  18. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Ich wüsste nicht, dass das gemeine Volk eine Wespentaille bevorzugte.
     
  19. Die Hüfte wohl nicht, aber ihre Besitzerin schon eher.:)
    Und zumindest bei "zu wenig" kann man auch nachhelfen - mit Substanzaufbau oder wenigstens mit optischer Drapierung;)
     

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