Vom Antijudaismus zum Antisemitismus

Dieses Thema im Forum "Judentum | Israel | Naher Osten" wurde erstellt von Lars_01, 3. Juli 2011.

  1. Hulda

    Hulda Aktives Mitglied

    Wäre ich Muslima, könnte mir jetzt einfallen beleidigt zu sein...
     
  2. Dr. Lange

    Dr. Lange Neues Mitglied

    Auf den Räusper bezogen, die, die schon hier sind sollen ja nicht zu "Deutschen" erzogen werden, dass will ja selbst die Politik nicht, aber trotzdem hat das deutsche Wesen eine gewisse Anziehungskraft behalten, und allein am Sozialsystem kann das nicht liegen. Der deutsche Staat hat ab und nach 1948 eine, auch wenn das nicht jedem gefällt, wirklich gute Politik gemacht, zumindest in dem Maße von der Welt anerkannt zu werden.
     
  3. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Man kann nicht den einen Quark durch anderen aus der Welt schaffen und sollte es auch gar nicht erst versuchen. Du verschlimmbesserst nur.

    Also langsam und deutlich: "wir" machen schon mal keine Madrasa auf, daher brauchen und wollen "wir" auch niemand schulen und es schaut folglich auch niemand schlau, unschlau oder wie auch immer. Ich persönlich danke für das über das Wort "wir" vorgeschlagene Geschäftsmodell, bin aber in keiner Weise interessiert.

    Soweit es kulturelle, religiöse, weltanschauliche Aspekte betrifft, in denen man selbst nicht aufgewachsen und zu Hause ist, wäre es auch reichlich vermessen, andere belehren zu wollen. Wenn du aber im nachfolgenden Beitrag allen Ernstes mit der Begrifflichkeit "deutsches Wesen" operieren magst, gehst du dem Anschein nach wohl doch davon aus, daß andere erst warten müssen, bis Menschen mit eben dem "deutschen Wesen" kommen, um die korrekte Richtung anzuzeigen und vorzugeben. In einem Forum mit internationaler Beteiligung nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum - wie es hier bei uns der Fall ist - wird das Anwenden solcher Begrifflichkeiten allerdings als deplaziert betrachtet, um es einigermaßen netiquettekonform zu formulieren.
     
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  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Moderation

    Nach dieser und den vorherigen Ausführungen ist ein Hinweis auf die Forenregeln notwendig, der sich insbesondere auf weltanschauliche tagespolitische Äußerungen bezieht. Diese sind (selbstverständlich) nicht Gegenstand des Geschichtsforums:

    http://www.geschichtsforum.de/regeln.php
     
  5. Dr. Lange

    Dr. Lange Neues Mitglied

    Ist denn Geschichte nicht mit der aktuellen Politik verbunden, wir leben doch mehr oder weniger davon. Sorry, werde nur noch versuchen geschichtlich zu bleiben.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Damit können wir sicher den Smalltalk abschließen: also zurück zum Thema.:winke:
     
  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Hierzu nur ganz kurz: Aufgrund ihrer Vergangenheit haben die Deutschen eine ganz besondere Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk, dem sich keine Generation entziehen kann.

    Im übrigen war der christliche Antijudaismus eine zentrale und langfristig wirkende Wurzel des Antisemitismus nicht nur der Nationalsozialisten, sondern entsprechender Regungen in nahezu allen christlich dominierten Staaten und Gesellschaften.
     
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  8. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    die vermehrt umschlagende Stimmung hin zum Antisemitismus Ende des 19. Jh. dokumentiert auch ein Brief von Gustav Mahler, welcher sicherheitshalber - um keine beruflichen Hindernisse zu erhalten - zum Katholizismus konvertierte:
    Berlin, Dresden, München, auch Wien...
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Dank für den gelungenen Schwenk :winke:

    Ich stelle mir die Frage, welche Bedeutung eigentlich der Börsen-, Gründer- und Finanzkrise, ihrer Perzeption in den 1880ern dabei zukam.

    Auch vom Mammonismus konnte man in dem Zusammenhang lesen.
     
  10. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Wobei man allerdings dem Antisemitismus, wie er weiter oben definiert wurde (im Unterschied zum Antijudaismus), durch Konversion nicht entkommen konnte. Dem ging es nämlich nicht um Religion, sondern um "Rasse" und "Blut" Das musste schon Heinrich Heine erleben
    .Heinrich Heine ? Wikipedia
    Und damit wurde es dann richtig ernst
    Nürnberger Gesetze ? Wikipedia
     
  11. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Heinrich Heine starb 1856 in Paris. Die so genannte Platen-Affäre spielte sich von 1828-30 ab (1830 Publikation der Reisebilder mit den Bädern von Lucca).

    eindeutig rassistische Tendenz wird erst für die Zeit ab frühestens 1860 angenommen, der Antijudaismus zuvor wird noch nicht als rassistisch bezeichnet. Ob Heine rassistischen antisemitischen Angriffen ausgesetzt war? Wohl eher nicht - ansonsten müsste man ja in August von Platen (1796-1835) einen bekannten Antisemiten oder zumindest Vordenker des Antisemitismus sehen. Das scheint mir doch sehr übertrieben.
     
  12. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Phänomene existieren meist schon eine Weile, bevor sie einen Namen bekommen. Dass der Begriff Antisemitismus im heutigen Sinne in den 1860er Jahren entstand, heißt nicht, dass sich derartige Stereotype nicht vorher entwickelten.

    Vielleicht magst du mal die Seiten 414 ff. in diesem Buch aus dem Jahr 1847 lesen
    Indische Alterthumskunde - Google Bücher
     
  13. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    @ Liborius
    ich glaube, du schießt über das Ziel hinaus, wenn du andeutest, dass Heinrich Heine rassistisch-antisemitischen Angriffen u.a. von August von Platen ausgesetzt war.
    Auch Christian Lassens "indische Altertumskunde", auf welche du verweist (und welche gerade auf S.414 Semiten wie Indoeuropäer für höchst kulturell begabt erklärt), kann nicht als Zeugnis von beginnendem Rassismus gedeutet werden - - da scheint mir bei einer solchen Deutung zu viel Perspektive von heute vorzuliegen.
    Heinrich Heine selber hatte sich mit von Platen zünftig gezofft, auch mit Franz Liszt (welcher ihm, also Heine, das Konvertieren als verlogen vorwarf - nb nicht der einzige Vorwurf, eher kreidete Liszt Heine an, dass sich dieser vom Jakobiner zum Bürger gewandelt habe, was Heine so sehr traf, dass er seitdem nichts mehr über Liszt schrieb), aber keinen von beiden hatte Heine je als Rassisten oder Antisemiten bezeichnet oder wahrgenommen: denn diese Begriffe und ihre Implikationen gab es zu Heines Lebenszeit noch nicht.
    Natürlich haben die antisemitischen und rassistisch-antisemitischen Haltungen etliche Stereotypen des Antijudaismus und der mehr oder weniger "allgemein gebräuchlichen" Judenfeindlichkeit übernommen, aber das war wohl insgesamt eher später (ab 1860 ist sehr früh angesetzt)
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ist es nicht ebenso rassistisch, wenn man Völkern und Rassen besondere Begabungen zuspricht, wie wenn man sie mit Ungeziefer gleichsetzt? Sind das nicht nur zwei Seiten ein und derselben Münze?
     
  15. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das muss nicht unbedingt auf einer rassistischen Wahrnehmung beruhen. Es ist immerhin denkbar, dass eine besondere und spezialisierte Förderung mehr Talente hervorbringt, als dass das in einem anderen Staatswesen der Fall ist. Es liegt in solchen Fällen also nicht an einem nebulösen Überschuss bestimmter Gene, sondern an einer akzentuierten Förderung.

    Das lässt sich gut an Fördermaßnahmen diktatorischer Regimes aber auch an exzellenten kulturellen oder wissenschaftlichen Voraussetzungen in bestimmten Staaten feststellen. Wenn aus den USA Nobelpreisträger in Hülle und Fülle kommen, so liegt das nicht an einer besonderen Begabung der US-Amerikaner, sondern an den Rahmenbedingungen der Forschung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Juli 2011
  16. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    glaubst Du, dass Lassens "indische Altertumskunde" die Absicht hatte, Völker und Rassen mit Ungeziefer gleichzusetzen?
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Genau dieser Versatz tauchte im Berliner Antisemitismusstreit auf.
    Gründerkrach ? Wikipedia

    Die dem deutschen Volksangehörigen zugesprochenen "guten Anlagen", Bodenständigkeit, Tatkraft, Fleiß etc. wurden den Juden abgesprochen. Der Rest ergab sich dann, siehe Diskussionen über die Möglichkeit der "Eindeutschung".

    Insofern ist die Gleichsetzung mit Ungeziefer auch die Folge der völkischen Betrachtung und Abstufung, beides sind zwei Seiten einer Medaille, letzteres nur eine Radikalisierung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Juli 2011
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein, das habe ich nicht gesagt. Anders ausgedrückt: Rassismus muss nicht per se die Minderwertigkeit von Völkern propagieren. Rassismus beginnt da, wo man Völkern biologistisch Merkmale - eben die durch Liborius' erwähnten Stereotype - nachsagt, egal, ob diese positiv oder negativ sind.
     
  19. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    aber genau das, nämlich biologistische Gründe (eine Art Pseudowissenschaftlichkeit mit der Absicht, das andere gleichsam "wie bewiesen" zu diskreditieren), hatte doch August von Platen nicht verwendet - sondern der führte unschön und peinlich genug die damals (um 1830!) mehr oder weniger gebräuchlichen Vorurteile als rhetorisches Mittel ins Feld, um den als Literaten zugleich Konkurrenten Heine runterzumachen. Aber ich halte es für eine zu heftige Bewertung, wenn man in dieser Platen-Affäre sofort das schwere Geschütz "Rassismus-Antisemitismus" in Stellung bringt.
     
  20. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Ein Originaleindruck vom in der Auseinandersetzung Heine-Platen verwendeten Vokabular.
    August von Platen: Auszug aus »Der romantische Ödipus«;

    Davon abgesehen habe ich aber Heine nicht in erster Linie wegen der Auseinandersetzung mit Platen angeführt, sondern weil er trotz Konversion keine Professur oder einen anderen, seiner Ausbildung entsprechenden Posten im öffentlichen Dienst bekam (wozu Platen vielleicht beigetragen haben mag, nach Meinung Heines). Der "biologische Mangel des falschen Blutes" und der "Knoblauchgeruch" gingen auch mit Taufwasser nicht ab - wie es zur Zeit des Antijudaismus eher möglich gewesen wäre.
     

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