Vormacht Frankreichs

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Louis le Grand, 22. März 2005.

  1. Konradin

    Konradin Gesperrt

    Um wieder zum Thema zurückzukehren: Entscheidenden Anteil am neuerlichen Aufstieg Frankreichs zur Vormacht in Europa nach den fast 40jährigen innenpolitischen Auseinandersetzungen (1559-1598) und dem damit verbundenen de facto-Ausscheiden Frankreichs als führende Großmacht hatten in erster Linie die beiden Kardinal-Premierminister von Frankreich, nämlich Armand Jean du Plessis Cardinal Duc de Richelieu, Duc de Fronsac (Premierminister 1624-1642), und Jules Raymond Cardinal de Mazarin, Duc de Nevers (Premierminister 1643-1661). Sie leisteten die Vorarbeit für den Absolutismus Louis' XIV.
     
  2. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Richelieu und Mazarin waren herausragende Staatsmänner in der europ. Geschichte, die nicht zu unrecht bis heute sehr respektiert sind. Zu Lebzeiten sah das witziger Weise völlig anders aus, bei Volk und Adel waren sie alles andere als beliebt. Zumal beide über Leichen gingen um ihre Ziele zu erreichen. Der Ausspruch "Der Zweck heiligt die Mittel." (Le but sanctifie les moyens.) könnte glatt ein Zitat von Richelieu sein.

    Allerdings führte auch Richelieu nur die Politik von Henri IV. fort, es war dessen Wille den er vollstreckte. Und die "rote Eminenz" war dazu eine Idealbesetzung. :hoch:
     
  3. Konradin

    Konradin Gesperrt

    Trifft es zu, daß Henri IV. 1610 einen Krieg gegen Kaiser Rudolph II. wegen der Jülisch-Klevischen Erbfolge plante, der nur aufgrund seiner Ermordung (14. Mai) verhindert werden konnte und somit den Dreißigjährigen Krieg noch hinauszögerte?
    Es ist anzunehmen, daß Felipe III. von Spanien sich auf die Seite des Kaisers gestellt hätte und Frankreich in einen Zweifrontenkrieg verwickelt worden wäre - nur diesmal ohne schwedische Unterstützung, was für Habsburg von Vorteil gewesen wäre.
     
  4. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Ja, das stimmt. Einige Tage später wollte er zur Armee in Amiens reisen. Dort hatte er etwa 50.000 Mann zusammengezogen und wollte mit der Invasion der Spanischen Niederlande beginnen. Auch Pläne für einen Einmarsch in Spanien gab es schon. Henri suchte den Frontalangriff auf die Habsburger.

    François Ravaillac ermordete ihn ja mit der Begrüdung, dass er Krieg gegen Katholiken, zur Verteidigung von Protestanten führen wollte. Eigentlich hätte der 30jährige Krieg bereits 1610 ausbrechnen müssen. Aber so ist das Leben.
     
  5. Konradin

    Konradin Gesperrt

    Siehst du als Frankreich-Experte Vorteile für Frankreich im Falle eines verfrühten "Dreißigjährigen" Krieges (wer weiß, ob er dann auch 30 Jahre gedauert hätte) ― z.B. den Überraschungsfaktor ― oder eher Nachteile ― z.B. keine dänische bzw. schwedische Unterstützung. Auf diesem Fall wäre ein erfahrener frz. König an der Macht gewesen ― wieder ein Nachteil für Spanien-Portugal und den Kaiser.
    Ich persönlich sehe in einem verfrühten Krieg Habsburg gegen Bourbon v.a. auf kaiserlicher Seite Nachteile, so war Kaiser Rudolph II. 1610 bereits 58 Jahre alt, seit Jahren politisch untätig und zudem melancholisch. Sein 1612 auf ihn folgender Bruder Matthias ― faktisch bereits seit 1611 Regent ― war ebenfalls ein wenig impulsiver Herrscher. Frankreich hätte mit Henri IV. dagegen einen grandiosen Feldherrn gehabt. Insofern wäre ein vorzeitiger Kriegsausbruch eher für Frankreich von Vorteil gewesen.
    1618 ― beim tatsächlichen Kriegsausbruch ― sah die Sache ganz anders aus: zwar war immer noch der alte Matthias Kaiser, doch de facto herrschte bereits sein designierter Nachfolger, Ferdinand (II.), ein Mann mittleren Alters, scharfen Verstandes und voller religiösem Eifer, der in den ersten 15 Jahren des Krieges fast nur Erfolge verbuchen konnte.
     
  6. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Schauen wir doch mal Frankreichs militärische Situation 1610 an. Henri IV. hatte breite Offensivbündnisse für seinen Angriff geschlosen, mit: England, Holland, den protestantischen Reichsständen, einigen freien, deutschen Städten, Schweden, Dänemark, Bayern, Venedig, Savoyen und schließlich sogar der Heilige Stuhl.

    Der Angriffsplan sah von Frankreich wie folgt aus:
    (die Zahlen schwanken etwas von Autor zu Autor)

    - La Force mit 50.000 Mann gegen Katalonien
    - Lesdiguières mit 20.000 Mann über die Alpen nach Mailand
    - der König mit 35.000 Mann nach Flandern, dann weiter nach Jülich

    Die Regentin Marie de Medici hatte nichts übrig für Krieg und brach daher die Invasionen ab und verlängerte Allianzen nicht. Daher war der Kriegsausbruch 1618 sicherlich günstiger für Habsburg.
     
  7. Konradin

    Konradin Gesperrt

    Danke für die Informationen.
    Da muß man ja fast von Glück reden, daß Henri IV. diese Pläne nicht mehr in die Tat umsetzen konnte ― wäre wohl fataler ausgegangen für den Kaiser und Spanien-Portugal als 1648 bzw. 1659, v.a. für ersteren, der ja über keine regulären Truppen verfügte, sondern notfalls in aller Eile ein Reichsheer aufstellen mußte.
     

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