Wandel in der Wahrnehmung der Kreuzzüge

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von -muck-, 1. September 2017.

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  1. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Und genau an diesem Punkt liegt die zentrale wirtschaftliche Bedeutung der Kreuzzüge. In der Konsequenz entwickelte sich, so beispielsweise Abu-Lugbod, Norditalien zur zentralen wirtschaftlichen Plattform Europas.

    Ihre Händler und Bankhäuser integrierten Europa - und somit auch Flandern (Brügge etc.) - in den Fernhandel mit Indien und China. Und sie stellten das Know how bereit für immer komplexere Formen des Handels im Rahmen von Verträgen und Finanzierungen ohne die die Frage nach einer Steigerung des "Gewinns" sinnfrei ist.

    Sofern man simples Plündern als ausreichende Motivation für Kreuzzüge mal außen vor läßt.

    Abu-Lughod, Janet L. (post 2006], 1991): Before European hegemony. The world system A.D. 1250-1350. New York, Oxford: Oxford University Press.
     
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  2. Ich habe verschiedene Urteile über diese Frage gehört. Viele von namenhaften Historikern. Als erstes denkt man ja bei den Kreuzzügen eher als ein aggressives Unternehmen, schließlich reisen "Franken" in den nahen Osten um gegen "Sarazenen" zu kämpfen. Doch heute betont man gerne mal den Aspekt der Verteidigung des byzantinischen Reiches oder einen Wiederstand gegen die islamische Expansion die ja sogar zur Plünderung Roms und Kriegsreisen bis in die Schweiz führte. Was haltet ihr davon? Mir widerstrebt es die Kreuzzüge als "Gutes" unternehmen zu verstehen. Kriege im Mittelalter sind für mich immer moralisch Grau. Und mir wurde im Studium beigebracht die Kreuzzüge wurden grade erst möglich durch die kulturelle und politische Entwicklung in Europa, die Enstehung des christlichen Rittertums und so weiter.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Heute? Eigentlich ist das eine frühere Sichtweise.

    Zur Zeit der Kreuzzüge waren die Plünderung Roms und die Sarazenen in der Schweiz längst vergessen. Das wäre so, als würdest du heute eine im Siebenjährigen Krieg verschobene Grenze wieder korrigieren wollen.

    Wenn ich Krieg nicht in meinem Vorgarten, sondern im Vorgarten meines Nachbarn führe, wer ist dann der Aggressor? Also die Kreuzzüge waren natürlich eine Aggression. Da haben sich christliche Königreiche und muslimische Emirate oder Kalifate in nichts unterschieden.
     
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  4. Super Antwort. Ich halte das ja eigentlich auch für Blödsinn. Nur einige (amerikanische) Historiker glauben das halt wirklich. Muss ich vielleicht mal nen Beitrag raussuchen...
     
  5. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Die amerikansichen Historiker haben das allerdings nicht erfunden - es gibt einen Chronisten und einige Zeitgenossen die ein solches Hilfegesuch erwähnen (allerdings ist die Glaubwürdigkeit dieser Behauptung umstritten)
    Das Thema wurde hier früher mal kurz diskutiert:
    Die Bedeutung von Mantzikert (bzw. Manzikert/Malazgirt) für die Kreuzzüge
     
  6. Welches Hilfegesuch ist umstritten? Das von Alexios??
     
  7. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Ja
     
  8. Hm, davon hab ich so oft gelesen, ich hatte gedacht, dass die Byzantiner die "Franken" zur Hilfe gerufen haben sei erwiesen.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da hatten die Franken aber eine lange Leitung.
     
  10. Was meinst du?
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Von Mantzinkert bis zum Ersten Kreuzzug vergingen zwanzig Jahre. Vielleicht mussten die Franken ja erst die Krieger zeugen, die sie dem byzantinischen basileos zur Hilfe sandten... Quasi ein Langzeitprojekt.
     
    PostmodernAtheist gefällt das.
  12. Witzig :D Aber wie entsteht dann auf einmal die Kreuzzüge Idee wenn nicht durch eine außer Kontrolle geratene Hilfsaktion??
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Kreuzzugsidee entsteht nicht auf einmal. Das hat bereits 1937 Karl Erdmann in Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens ganz gut dargelegt. Gilt bis heute als Standardwerk. (Und, wer wegen der Jahreszahl Kammerflimmern bekommt: Das Buch ist ziemlich zeitlos, der Sprachduktus ist ein ganz anderer, als der, den man aus historischer Fachliteratur jener Zeit gewohnt ist.)
     
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  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Der Chronist Bernold von St. Blasien behauptet aber nicht, dass das Hilfsgesuch eine unmittelbare Reaktion auf Mantzikert gewesen sei. Seiner Darstellung zufolge war eine Gesandtschaft, die Kaiser Alexios zur Synode von Piacenza 1095 schickte, ausschlaggebend. Das Ansuchen sei vom Papst unterstützt worden. Von da an dauerte es nicht mehr lange.
     

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