Warum ist die Aufarbeitung der Nazizeit gescheitert?

Befand sich nicht in Dachau das erste KZ?

Stimmt.

Die Methodik des Mordens hatte sich geãndert ja. Doch nicht die Zielsetzung. An einem Ort wurden sie zu Tode geschufted, an einem anderen per Genickschuß ermordet und wieder andere mussten einen Schweren Stein einen Berg hochschleppen, wer'nicht schaffte...pāng.
Goth, ofer wie er hieß, knallte Juden von seinem Balkon ab ofer ritt durch das Lager und knallte willkúrlich Insassen ab.
Muß jetzt gehen
Nochmal, KZ und Vernichtungslager ( in denen der HC stattfand) sind zwei verschiedene Dinge!

Und wen du schon hier vom "Leder" ziehst: Amon Göth hieß der Kommandant!

Bezüglich der KZs, nach der "Machtergreifung" der NSDAP wuchsen die KZs wie "Pilze" aus dem Boden. Hierbei handelte es sich zuerst um "private Lager für Regimegegner, Leute die anderen SA-Schergen mal "dumm gekommen waren", Kommunisten, Gewerkschafter und Bürger ähnlicher "Coleur".
 
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Weiß ich nicht. Es gibt da ein Zeitzeugeninterview, das ein Historiker (leider ist mir der Name gerade nicht präsent) mit einem ehem. Ordnungspolizisten Ende der 90er in einem Altersheim geführt hat. Der ehem. Ordnungspolizist hatte sich bereit erklärt mit dem Historiker zu sprechen, aber unter der Bedingung, dass er eine Flasche Schnapps bekäme. Das Interview ist also unter erheblichem Alkoholeinfluss des Befragten geführt worden und gibt teilweise Rätsel auf. So habe der Befragte, das ist einer der gut zu verstehenden Teile des Interviews, sich die Befreiung vom Erschießungskommando erwirkt, indem er angegeben habe, seine Schießbrille nicht dabei zu haben. Es wird deutlich, dass er das eine Mal nicht geschossen hat, aber nicht, ob er andere Male geschossen hat, es gibt eine unklare Formulierung dahingehend, dass er andere Male doch an Erschießungen teilgenommen hat. Der Befragte weint während des Interviews, das ist sicherlich zum Teil dem starken Alkoholeinfluss zuzuschreiben, vielleicht aber auch Gefühlen, die irgendwo zwischen Selbstmitleid und sich die Last von der Seele reden schwanken. Wirklichen Erkenntnisgewinn bringt das Interview leider nicht, man kann eben nur ahnen, dass der Mann an Erschießungen direkt beteiligt war, vieles geht eben im Alkohol unter. Aber ein Gefühl wird doch deutlich: Scham.

Es kam ja immer wieder vor, das Täter mit dem Töten nicht zurechtkamen, die sich töteten, die wahnsinnig wurden. Simon Wiesenthal erzählte mal dass ein schwer verwundeter SS-Offizier, eine Art Beichte ablegte. Einer der "Schindler Juden", ich glaube, es war Leopold "Poldek" Pfefferberg, berichtete von einer Begebenheit, die sich bei einer der Partys von Amon Göth ereignet haben musste. Ein SS-Offizier, der viele Juden auf dem Gewissen hatte, ließ sich immer wieder und wieder den ungarischen Chanson Szomuru vasernab Gloomy Sunday vorspielen.

Der Chanson, 1932 komponiert, ging wegen seiner schwermütigen Melodie als der Suizid-Song in die Geschichte ein. Der Komponist selbst und zahlreiche Zeitgenossen gingen mit Gloomy Sunday aus dem Leben, weshalb der Chanson auch vielerorts, u. a. in Polen, verboten wurde.

Dieser Gast von Amon Göth ließ sich immer wieder den Chanson vorspielen und schoss sich zuletzt mit seiner Pistole eine Kugel in den Kopf.


Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es manchmal aus Zeitzeugen förmlich herausbrach, dass sie über Erfahrungen berichteten, die sie über Jahre traumatisiert hatten.

Meine Oma war Sekretärin auf einem Truppenübungsplatz, wo sie auch meinen Opa kennenlernte, der damals Berufssoldat war. Sie erzählte mir einmal, dass sie sich einmal eine Exekution angesehen hat. Das muss schon ziemlich gegen Ende des Krieges gewesen sein. Da ging es um eine ganze U-Boot-Besatzung. Vom Kapitänleutnant bis herunter zum jüngsten Mann.

Weshalb man sozusagen eine Kollektivstrafe gegen eine ganze Besatzung vollstreckte, wegen welcher konkreten Vorwürfe man die exekutierte, habe ich nie herausfinden können.

Ein Vorgesetzter hatte gesagt: "Die werden morgen früh erschossen, und ihr Mädels könnt euch das auch ansehen!" Das waren sehr junge Frauen, und ich nehme an, dass sie aus einer Mischung aus Neugier und Sensationsgier sich das ansahen.

Einer der Exekutierten war ein ganz junger Mann, ein halbes Kind noch, wesentlich jünger noch, als die ebenfalls noch sehr jungen Sekretärinnen. Bevor er erschossen wurde, reckte er ironisch den Arm hoch zum deutschen Gruß, brach zusammen, brauchte noch einen Fangschuss.

Ich muss dazu sagen, dass meine Oma ein sehr neugieriger, aber überhaupt kein harter, brutaler, kalter Mensch war, im Gegenteil!

Das war 1944 und mitten in Deutschland, in den besetzten Gebieten, im Hinterland oder im Frontbereich wurden viele Deutsche auf irgend eine Art Zeugen oder auch Mittäter Imo Moskowiecz Holocaust-Überlebender, später Regisseur erzählte, dass bei einem der letzten Todesmärsche zwei Hitlerjungen die größten Totmacher waren, die alle niederschossen, die nicht Schritt halten konnten.

Im Kriegsverlauf müssen sich unzählige Kriegsverbrechen ereignet haben aus Zynismus, aus Bequemlichkeit, um sich ein Problem vom Hals zu schaffen, weil man nicht 10 km bei eisiger Kälte laufen wollte, um Gefangene abzuliefern, weil man Lebensmittelrationen nicht teilen wollte.

Aber es ist eben noch ein Unterschied, auf einen Gegner zu schießen, der zurückschießt oder eben auf Wehrlose, auf Frauen, Kinder Alte, auf Unbewaffnete. Man muss nah heran, und es haben dann doch die meisten Leute noch ein Gewissen, selbst wenn es noch so verschoben ist,
oder sie spüren zumindest noch, dass sie mal eines hatten oder dass sie eins haben sollten. Jeder muss sein Gewissen eigenhändig tot schlagen.

Auch von den Mittätern, auch von den Leuten, die Verbrechen begangen haben, haben einige das Unrecht ihrer Taten eingesehen oder es hat sie irgendein Ereignis beschäftigt, was besonders krass, gemein brutal war, das sie beim besten Willen nicht rechtfertigen konnten, selbst wenn sie noch so loyal waren.



Bei einigen hatte man den Eindruck, dass es sie irgendwie auch erleichterte, darüber zu sprechen. Ich wurde vor vielen Jahren in einer BBC Doku über Auschwitz aufmerksam auf Oskar Gröning den Buchhalter. @ursi hat die Doku damals eingestellt.

Damals war Gröning auch noch bedeutend vitaler als bei seinem Prozess. Gröning, war kein Tötungsarbeiter, aber er war doch Teil eines total korrupten, korrumpierten Systems.

Gröning sprach ziemlich offen, in manchem auch etwas zynisch, aber er wirkte dennoch nicht unsympathisch, und er unterschied sich von anderen Tätern und Mittätern, dass er offen sprach, auch wenn er damals in der Doku sagte, dass er nicht die geringsten Skrupel habe, dass er es sich auf seinem Druckposten so angenehm wie möglich machte, aber wenn man ihm zuhörte, so war doch unverkennbar, dass er sich schuldig fühlte, dass es ihm ein Anliegen war, mit all den Lügen einmal aufzuräumen. Er hätte ja nicht sich für die Doku zur Verfügung stellen müssen.

Es gab immer wieder mal Leute, die jahrzehntelang Austern gewesen ware, die dann aber plötzlich von Erlebnissen berichteten auch von eigenen Taten, von Fehlverhalten, das man einmal für richtig hielt.

Auch den Leuten, die sich einer Aufarbeitung verweigerten, zumindest einigen von ihnen, muss man durchaus zugestehen, dass sie sich immerhin weiter entwickelten, dass sie Bedauern oder Reue empfanden.
 
Die Methodik des Mordens hatte sich geãndert ja. Doch nicht die Zielsetzung. An einem Ort wurden sie zu Tode geschufted, an einem anderen per Genickschuß ermordet und wieder andere mussten einen Schweren Stein einen Berg hochschleppen, wer'nicht schaffte...pāng.
Das kann man so nicht stehen lassen. Morde in Konzentrationslagern kamen vor, waren aber vor 1938 nicht das vorrangige Ziel. Juden kamen, weil sie Juden waren, eigentlich erst mit der Reichspogromnacht in die Konzentrationslager, auch da war Vernichtung noch nicht das Ziel. Das begann erst nach der Besetzung der Ukraine und Weißrusslands.

Goth, ofer wie er hieß, knallte Juden von seinem Balkon ab ofer ritt durch das Lager und knallte willkúrlich Insassen ab.
Amon Göth, Krakau. nach 1941.
 
Nochmal, KZ und Vernichtungslager ( in denen der HC stattfand) sind zwei verschiedene Dinge!
Nicht wirklich.
Und wen du schon hier vom "Leder" ziehst: Amon Göth hieß der Kommandant!
Ich liege seit einiger Zeit im Hospital, was ich schreibe ist aus dem Kopf. Keine Môglichkeit an meine Unterlagen oder computer ranzukommen. Just a small i-phone. Mein Krebs ist terminal.
Bezüglich der KZs, nach der "Machtergreifung" der NSDAP wuchsen die KZs wie "Pilze" aus dem Boden. Hierbei handelte es sich zuerst um "private Lager für Regimegegner, Leute die anderen SA-Schergen mal "dumm gekommen waren", Kommunisten, Gewerkschafter und Bürger ähnlicher "Coleur".
 
Ja,ja, schon klar, sicher.
Hast du mal Leute aus der Zeit befragt????????????????????????
Ich selber? Nein. Doch andere Leute deren Bücher ich lese. Wieviel Regalkilometer of printed material exist über den HC? Mehr als eine Person jemals lesen kann. Dabei ist jedes kleinste Detail bekannt.
Man lese dazu das Buch ' Frauen' hier werden sehr prominente deutsche Frauen über ihre Einstellung zum HC befragt.
Außerdem!! es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Wissen um die KZs. und dem Wissen um die Vernichtungslager!
You must be kidding. Both subjects are intertwined.
Du solltest eigentlich mit der Entwicklung des Systems der KZs. vertraut sein.
Danke, bin ich auch. Mehrmals hatte ich schon darauf hingewiesen dass der HC ein heuristisches Unterfangen grwesen war. Warum z.B. hatte das Bauamt Auschwitz die Anbringung der Flügeltüren zur Todeskammer åndern müssen?

Auch bin ich der Meinung daß die NS-Zeit das goldene Zeitalter für Sadisten und Psychopathen gewesen war. Was gibt es da für Herrn Müller und Frau Schmidt ''aufzuarbeiten'? Was gibt es für mich 'aufzuarbeiten'?
Nix.
Ich weiss nur wǎre ich in jener Zeitepoche geboren, wäre ich selber wohl auch ein famatischer Nazi gewesen. Schließlich bin ich selber nicht anders als andere Leute. Man kann Leute nicht urteilen, wenn man nicht in deren Schuhe steckt.
Ich selber und jeder der hier mitliest ist durch die Gnade seines Geburtsdatums von allem NS- shays verschont genlieben.
 
Das kann man so nicht stehen lassen. Morde in Konzentrationslagern kamen vor, waren aber vor 1938 nicht das vorrangige Ziel. Juden kamen, weil sie Juden waren, eigentlich erst mit der Reichspogromnacht in die Konzentrationslager, auch da war Vernichtung noch nicht das Ziel. Das begann erst nach der Besetzung der Ukraine und Weißrusslands.
Du magst schon Recht haben.
Doch wohin mit Millionen Juden aus ganz Europs die knappe Resourcen verbrauchten?
Die 'Endlösung' war nun mal deren Vernichtung in den 'Ostgebieten' gewesen, weitab neugieriger Augen und Ohren.
 
Man sollte zumindest die verschieden Phasen in der kurzen Entwicklung der KZs.-und der Vernichtungslager betrachten und differenzieren. Die Situation vor 1938/39 unterschied sich erheblich von der Schlußphase 1943/44.
 
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Das kann man so nicht stehen lassen. Morde in Konzentrationslagern kamen vor, waren aber vor 1938 nicht das vorrangige Ziel. Juden kamen, weil sie Juden waren, eigentlich erst mit der Reichspogromnacht in die Konzentrationslager, auch da war Vernichtung noch nicht das Ziel. Das begann erst nach der Besetzung der Ukraine und Weißrusslands.


Amon Göth, Krakau. nach 1941.
Eugen Kogon berichtete in Der SS-Staat einen Vorfall. Der Kommandant von Buchenwald Karl Koch, (auch seine Gattin Ilse Koch die "Hexe von Buchenwald") hatten sich wegen Korruptionsskandalen lange schon angreifbar gemacht.

Karl Koch war dazu auch noch total über Kreuz mit dem höheren SS- und Polizeiführer Josias Erbprinz von Waldeck-Pyrmont. Waldeck war freilich der Letzte, der sich über Kochs Korruption hätte mokieren können. Waldeck sammelte aber schon lange Zeit Material gegen die Kochs. Lange Zeit wurde aber Karl Koch gedeckt von Himmler.

Bei einem SS-internen Strafverfahren vor dem Gericht Kassel ordnete Himmler noch an, Karl Otto Koch zu entlassen, und es durfte künftig kein SS- und Polizeiführer ohne seine Erlaubnis mehr verhaftet werden.
Waldeck und Oswald Pohl die versuchten, Koch abzusägen gaben aber nicht auf und ermittelten weiter. Waldeck war einmal in Buchenwald von zwei Häftlingen behandelt worden, die als Hilfspfleger in Buchenwald tätig waren und die Waldeck von verschiedenen Gebrechen heilten, der u. a. heimlich sich wegen Syphilis in Buchenwald behandeln ließ.
Diese beiden Pfleger waren Mitwisser geworden, die Koch wegen seiner surrealistischen Korruption gefährlich werden konnten. Karl Otto Koch hatte die beiden kurzerhand beseitigen lassen.

Bei seinen Ermittlungen gegen Koch fiel Waldeck auf, dass diese beiden Häftlinge fehlten, und Karl Otto Koch wurde zuletzt u. a. wegen Mord an diesen beiden Häftlingen verurteilt.
 
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Ja, das ist die "richtige Trennung". "Mehr als mal glaubt" würde ich wahrscheinlich auch so unterschreiben. Aber auch hier gilt, ab wann wurde das "publik"? War das mehr "gesichertes Wissen"? Ich denke, das das einer Menge Menschen das im Laufe des späteren Krieges durchaus zur Kenntnis gelangte, doch können wir hier das tatsächliche Ausmaß abschätzen?
Von meinem Opa sind da keine Briefe bekannt ( Reichsbahner, iLokomotive). Gut, das will nix heißen.

Doch, die Vernichtungslager wurden genau für diesen Zweck geplant und gebaut, bei den KZs war der Sinn ein anderer!
Hatte nicht jedes KZ einen Galgen und eine Wand wo Erschiessungen stattfanden?
Jeden Tag Tote zu verzeichnen?
Es macht einen großen Unterschied, selber mit Zeitzeugen zu sprechen, als nur über die Gespräche zu lesen. Emotionen. Reaktionen und Eindrücke lassen sich so erheblich besser einschätzen.
Āndert nichts am Tatsachenberhalt.
 
Hatte nicht jedes KZ einen Galgen und eine Wand wo Erschiessungen stattfanden?
Jeden Tag Tote zu verzeichnen?

Āndert nichts am Tatsachenberhalt.
Das ändert aber nichts an der Tatsache das ein KZ kein Vernichtungslager war.

Was soll das hier jetzt eigentlich?
Du solltest schon zwischen den KZs und den späteren Vernichtungslagern unterscheiden!!
Die Verhältnisse in den KZs waren verheerend, aber die waren nicht aufs Töten konzipiert. Natürlich nahm man auf die "Befindlichkeiten" der Insassen keine Rücksicht ( es gab Ausnahmen bei prominenten oder politisch wichtigen Häftlingen) und viele sind gestorben. Doch auch die hohe Todesrate gilt grob erst ab der Kriegszeit.

Doch, unterumständen kann das schon etwas ändern! Man kann da durchaus einen weiteren Blick bekommen, als wenn man nur liest, auch lassen sich dem Buch keine eigenen Fragen stellen!!!!
 
Das kann man so nicht stehen lassen. Morde in Konzentrationslagern kamen vor, waren aber vor 1938 nicht das vorrangige Ziel. Juden kamen, weil sie Juden waren,
Nee, weil sie wehrlos gewesen waren und sie wehrlos bleiben sollten. Schliesslich wurden sie als Ungeziefer betrachted und behandelt.
eigentlich erst mit der Reichspogromnacht in die Konzentrationslager, auch da war Vernichtung noch nicht das Ziel.
A.H. hatte noch nicht die Anweisungen dazu gegeben. Vernichtungslager stinken und das konnte man der heimischen Bevölkerung nicht zumuten.
Das begann erst nach der Besetzung der Ukraine
Die Intensitaet und Effizienz der Mordaktionen stieg. Bis fast zur Perfektion im Rayon.
Wie's in Buchenwald und Ohrdruf im Endstadium ausgesehen hatte wissen wir ja. Unterm Strich. von Feinheiten abgesehen, stellte das stark menschenverachtende NS-System ein sog. 'jus gentium' dar, daß damals das Gewissen der Welt rüttelte umd bis heute unvergessen seine Schatten wirft. Wie tief verbohrt in N.S. -Hass-Doktrin sich in vielen deutschen Köpfen hatten, geht allein aus der Tatsache heraus, dass schon in Hörweite der amerikanischen Kanonen, 900 Juden in eine Scheune eingesperrt wurden, selbige angesteckt wahllos reingeschossen wurde.
Bilder sind krăftiger als Worte. Mein eimdrucksvollstes Bild zeigt eine nackige Familie am Rande einer Grube die Abschied von einander nimmt.
Wenn es zur 'Aufarbeitung' des Nazisystems kommt, muss man schlussendlich erkennen, dass Deutsche kein Monopol auf Bestialität haben, sondern es bei den meisten Personen eines besonderen triggers bedarf um aus einer banalen Person ein Monster zu machen.
 
Hatte nicht jedes KZ einen Galgen und eine Wand wo Erschiessungen stattfanden?
Jeden Tag Tote zu verzeichnen?

Āndert nichts am Tatsachenberhalt.

Es hatte jedes Konzentrationslager seinen Appellplatz, wo Strafen vollstreckt wurden, auch Todesstrafen. Schon in den ersten "wilden Konzentrationslagern" existierten Lagerordnungen, die sich regional oft sehr stark unterschieden. Nach der Entmachtung der SA übernahm die SS die KZs, und unter Theodor Eicke, einem äußerst brutalen Typen, der wegen Gewalttaten selbst bereits in der Psychiatrie saß. Eickes Vorgänger in Dachau Wäckerle hatte dort so viele Morde begangen, dass Himmler ihn abberief und durch Eicke ersetzte.

Die SS hatte im Grunde Rechte eines Staats im Staate, selbst die Feuerwehr brauchte ihre Erlaubnis.

Ab 1934 gab es eine Lagerordnung, die theoretisch verbindlich war für alle KZs im Reich. Diese Lagerordnungen sahen ein System von Sanktionen, Arrest, Einzelhaft, Dunkelhaft, Einzelhaft und Prügelstrafen.

Theoretisch war jeder Kommandant verpflichtet, in Berlin Rücksprache zu halten, wenn er Gefangene mit Stockschlägen traktierte.
Praktisch sah es aber so aus, dass jeder SS-Gewaltige sich seine eigene Ordnung machte. Es kam vor, dass Gefangene ausgepeitscht wurden, danach wurde in Berlin angefragt und dann wurde die ganze Prozedur offiziell widerholt.

Bei bestimmten Vergehen, Angriff auf Wachen, Meuterei konnte die Todesstrafe verhängt werden von Kommandanten. Dennoch musste auch jede Todesstrafe von Berlin genehmigt werden.

Wie bei Prügelstrafen gab es in vielen KZs aber auch willkürliche Ermordungen von Häftlingen. Etwas, das viele KZ-Überlebende berichten, war, dass Wachen Häftlingen die Mütze abnahmen und über die Postenkette warfen. Wurde ein Häftling beim Morgenappell ohne Mütze angetroffen, hatte er schlimmste Sanktionen zu befürchten. Gingen dann Häftlinge über die Postenkette, wurde sie "auf der Flucht erschossen".

Solche Fälle von Willkür kamen immer wieder vor, und sie beweisen, dass KZs rechtsfreie Räume waren. Bei aller Willkür dienten aber die deutschen KZs zu verschiedenen Zeiten verschiedenen Zwecken. Sie dienten vor allem der Einschüchterung, der Einschüchterung politischer Gegner, ihrer Familien und der Einschüchterung des ganzen Volks.

So brutal auch die wilden KL der SA und später der SS auch sein mochten, so viele Rechtsbrüche sich auch ereigneten, sie waren noch keine Mordfabriken. Die Nazis bemühten sich, den Eindruck zu erwecken, das KLs oder KZs besonders streng geführte Gefängnisse und Gefangenen-Lager waren, aus der die Insassen auch wieder freikommen konnten.

Sie versuchten den Eindruck zu erwecken, dass auch Sozialdemokraten und Kommunisten (wieder) in die "Volksgemeinschaft" aufgenommen werden konnten, wenn sie ihren "Irrtum" einsahen und sich politisch ruhig verhielten.

Julius Streicher, der Gauleiter von Franken und Herausgeber des Stürmers hatte die Angewohnheit, dass er jedes Jahr zu Weihnachten sich dafür einsetzte, dass ein Sozialdemokrat oder Kommunist aus dem KZ entlassen wurde, den er zu Weihnachten beschenkte.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: KZs waren zu jedem Zeitpunkt absolut rechtsfreie Räume, in denen sich abscheuliche Verbrechen ereigneten, wo die Niedertracht und Korruption Blüten trieben, die man kaum glauben möchte. Auch in Wewelsburg/Niederhagen, dem kleinsten KZ, keine Mordfabrik, ereigneten sich abscheuliche Taten, sind Menschen zu tode geschunden worden.

Karl Otto Koch hielt sich in Buchenwald einen Zoo, in dem er zuweilen wie ein zweiter Nero Gefangene den Bären vorwarf. Von seiner holden Gattin Ilse, der Hexe von Buchenwald ging die Sage, dass sie in Madeira oder Sekt badete.

es waren aber noch keine Mordfabriken wie Treblinka, ein reines Vernichtungslager. Karl Otto Koch ist zuletzt über den Mord an zwei Häftlingen gestolpert, in Wirklichkeit über seine Feindschaft mit Josias von Waldeck, der selbst korrupt war bis zum abwinken. Aber rein formal war Kochs Mord an den beiden Häftlingen auch im Nazireich Mord, auch die Weimarer Verfassung hatte sich ja keiner Mühe gemacht, abzuschaffen.
 
Irgendwie wird da etwas nicht verstanden. Natürlich wurde in den Konzentrationslagern von der Frühzeit an gemordet. Und da krähte auch oft kein Hahn danach. Aber es waren noch keine Vernichtungslager. Ziel der Konzentrationslager bis 1941 war nicht die genozidale Ermordung von Volksgruppen. Das entwickelte sich erst ab 1941.
 
Doch wohin mit Millionen Juden aus ganz Europs die knappe Resourcen verbrauchten?
Die bittere Ironie besteht darin, dass der Holocaust aus kriegswirtschaftlicher Sicht für Nazi-Deutschland ein Verlustgeschäft war. Er band Ressourcen und Personal, das Deutschland spätestens ab 1943 nicht mehr entbehren konnte. Als sich das Kriegsglück gegen ihn wandte, hätte Hitler (ohnehin zu jeder Schandtat fähig) nach utilitaristischen Gesichtspunkten die Judenvernichtung aufschieben und die Arbeitskraft der Menschen besser ausnutzen müssen. Stattdessen war die NS-Führung bestrebt, die Todesmaschinerie noch zu beschleunigen und alle Spuren zu beseitigen. In meinen Augen zeigt kaum ein Beispiel besser die barbarische Natur dieser Ideologie.
 
Ich habe jetzt einige Zeit nachgedacht, (seit ich mich am dem Thema beteilige), ich habe damals in meiner Jugendzeit und bis heute tatsächlich mit vielen, damals schon Erwachsenen oder Jugendlichen gesprochen. Die Ergebnisse waren recht unterschiedlich. Ihr habt doch bestimmt auch noch Erinnerungen an solche Gespräche?
 
Mein Vater kam als vertriebener Siebenbürger Sachse in einem Flüchtlingslager in Österreich zur Welt. Sein Großvater, von dem er aufgezogen wurde, war ein unverbesserlicher Nazi gewesen, der es irgendwie dennoch schaffte, von den Amerikanern mit der Verwaltung des Lagers beauftragt zu werden. Er wurde ein sehr harter Mann, um den ich, ehrlich gesagt, nicht getrauert habe.

Mütterlicherseits habe ich tatsächlich einige Nazi-Gegner unter meinen Vorfahren, darunter den Arzt Josef E. Fischer, der als Sanitätsoffizier an der Ostfront mehrmals mit der NS-Hierarchie aneinandergeriet, weil er strikt nach medizinischer Dringlichkeit behandelte, nicht nach weltanschaulichen Gesichtspunkten—und mitunter auch mal einen sowjetischen Kriegsgefangenen einem leichter verwundeten deutschen Soldaten vorzog.

Als Kind durfte ich einige Dankesbriefe lesen, die er aus mehreren Ländern bekommen hatte. Leider fielen sie als Erbe an einen meiner Onkel, der sie sehr schnell zu Geld gemacht und an ein Museum verkauft hat.

Die Gegend, in der ich aufgewachsen bin, war streng katholisch geprägt, die meisten Zeitzeugen stellten sich glaubhaft als Personen dar, die den Nazis abwartend-ablehnend gegenüberstanden und nur versuchten, nicht aufzufallen. Viele waren zumindest nach Kriegsende überzeugte Anti-Nazis (es würde zu lange dauern zu erklären, warum ich zu diesem Urteil komme, jedenfalls habe ich gute Gründe).

Dennoch ist mir eine Merkwürdigkeit schon als Kind aufgestoßen: Die Fähigkeit der Kriegsgeneration zur Dissoziation. Dieselben Menschen, denen ich zubillige, Anti-Nazis zu sein, blieben immer still, wenn einer unserer unmittelbaren Nachbarn, ein Stalingrad-Veteran—ein ruppiger, aber sehr hilfsbereiter Mann—im Suff anfing, über "de Jooden" herzuziehen. "Der ist halt so", bekam ich dann zu hören, oder "der meint das nicht so".

Die Kriegsgeneration hat sich stets auf den Standpunkt zurückgezogen, dass nicht urteilen dürfe, wer es nicht erlebt habe. Sehr, sehr schwierig, damit umzugehen, denn einerseits hatten sie damit vollkommen Recht, andererseits aber auch wieder nicht.
 
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