Wie stand Hitler zur Monarchie?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Marlon, 25. Oktober 2009.

  1. Marlon

    Marlon Mitglied

    Ich habe eine Karikatur mit dem Titel Brautvorführung aus dem Schweizer Nebelspalter (erschienen Feb. 1933) mit dem Thema Machtergreifung. Die Germania soll in Hitlers Bett geführt werden und diese Bett hat königliche Symbole.
    Also meine Frage: wie stand Hitler zu der Zeit zur Monarchie? Oder ist soll die Symbolik einfach auf seinen Alleinherrschaftsanspruch hindeuten oder Ausdruck der Gesinnung des Volkes sein?
    Danke!
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Die Kariktatur sieht so aus:
     

    Anhänge:

  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nicht Hitlers Stellung zur Monarchie ist interessant, sondern wer sonst noch auf dem Bild ist und wie diese Personen zueinander stehen. Wie schaut Hitler Germania an und wie Germania Hitler?
    Warum schaut Hindenburg nur versteckt hinter dem Türrahmen ins Zimmer (er ist sicher kein Spanner!)?
    Wie stehen Hugenberg (DNVP, Zeitungsmagnat der WR) und von Papen zu Germania, was machen sie mit ihr?

    Die Karikatur könnte genauso gut *Die Königsmacher heißen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Oktober 2009
  4. Marlon

    Marlon Mitglied

    Danke, das hat mir schon neue Impulse gegeben!
    Wenn ich die Karikatur jedoch im Unterricht verwende, werden die Schüler möglicherweise aber auch auf die Frage, inwiefern Hitler mit der Monarchie liebäugelte kommen. Ich wüsste darauf nur zu antworten, dass er zwar eine Alleinherrschaft im Auge hatte, aber kein Monarchist war. Kann man da nicht noch mehr zu sagen?
    Danke!
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Karikatur macht ja eigentlich deutlich, dass H. den Platz des Monarchen eingenommen hat.
    Die Frage ist doch viel mehr, ob diese Karikatur schülergerecht ist. Werden die SuS die hochherrschaftliche Symbolik erkennen? Können die SuS mit Allegorien umgehen? Wen der vier realen Personen werden die SuS erkennen? Hitler auf jeden Fall, Hindenburg vielleicht, aber von Papen und Hugenberg?
    Worüber man sonst noch sprechen könnte, das wäre das abgehärmte Aussehen der Germania und das positive D'landbild des Karikaturisten: Seine Germania wirkt ja gleichsam entsetzt! Jetzt muss die durch Inflation, Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit gebeutelte Germania auch noch mit H. ins Bett! Die Germania dieses Karikaturisten ist keine Germania, die mit gut einem Drittel ihrer Bevölkerung hinter den Nationalsozialisten steht.
     
  6. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Gut gesagt.
    Hitler war gewiss kein Monarchist, auch wenn sich einige Hochadelige eine Rückkehr an die Macht über Hitler in 1933 vielleicht gewünscht hätten. Dass Hitler selbst als Nichtadeliger nach der Krone gegriffen hätte, verbietet sich von selbst. Ich denke auch Schüler ohne großes Vorwissen werden genug über Hitler wissen, um diesen Gedanken nicht wirklich zu verfolgen. In Hitlers Reden & Veröffentlichungen - nicht zuletzt die Selbstdarstellung seiner Ziele in seinem Buch "Mein Kampf" sprechen eine andere Sprache als monarchistischen Geist. So klug sind die Schüler gewiss. Eher erkennen sie Papen oder Hugenberg nicht. Stellt sich eher die Frage wie diese Männer zur Monarchie stehen und was sie mit der "Hochzeitsnacht" selbst bezwecken wollten!
    Bekanntermaßen spielten sie historisch nur die Rolle der Steigbügelhalter und Türöffner für Hindenburg um bald genug abserviert zu sein!
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Interessant auch das Damoklesschwert, worauf die Germania blickt. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der SuS den Begriff Damoklesschwert schon mal gehört hat und damit auch eine bildliche Vorstellung verbindet, nämlich ein Schwert an einem Faden. Ich gehe aber davon aus, dass keiner die Erzählung kennt (wobei sich hier natürlich die frage stellt, ob die Kenntnis der Erzählung wirklich von Nöten ist, da das Damoklesschwert auch ohne diese Kenntnis ein sprechendes Bild ist).

    Edit: Die Feststellung, dass Germania auf das Damoklesschwert blickt, relativiert natürlich in gewisser Weise meine vorherige Beobachtung, vom positiven Deutschlandbild des Karikaturisten:
    Wäre aber vielleicht auch der Aufhänger einer Diskussion, wie die Karikatur denn nun zu verstehen ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Oktober 2009
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  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich entdecke immer mehr in der Karikatur, nun hab ich deshalb eine Frage zu stellen: Die überdimensionalen Greife des Reichsadlers, sind die nur zufällig so, oder will der Karikaturist hiermit etwas ausdrücken?! :grübel:
     
  9. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Ja die Karikatur ist wirklich vielschichtig. Auf den ersten Blick ist das Zimmer eingerichtet wie zu Kaiserszeit (mit Kaiseradler, Baldachinbett, Hindenburg als Türwächter - der allerdings die Türe schon geöffnet hat, e.t.c.). Massiv dagegen aber sprechen die Unzahl der Hakenkreuze auf der Tapete und dem Teppich....

    Die riesigen Fänge des Reichsadlers stehen fast in Konkurrenz zu Hitlers (gierig) ausgestreckten Händen... sollen sie für eine (erhoffte?) Alternative stehen?
    Abgesehen von Hindenburg scheint jede Figur (inkl. kaiserlichem Reichsadler) die Finger an der Germania zu haben oder zumindest danach auszustrecken.... und hinter Adolf hängt das Damoklesschwert...
     
  10. Marlon

    Marlon Mitglied

    Hey, ihr habt ja echt klasse Ideen. Mir ist noch aufgefallen, dass die Hakenkreuze alle in die andere Richtung zeigen. Meint ihr, dies hat eine Bedeutung? Oder drückt das nur den Spott des Karikaturisten aus?
    Schönen Gruß!
     
  11. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Es könnte auch Unwille sein, das echte Hakenkreuz zu zeichnen.


    (erinnert mich somit leicht an Chaplins Doppelkreuze im großen Diktator, allerdings war da die Motivation mit Sicherheit anders)
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Glaube ich auch.

    Zum Datum Februar 1933. Entweder wird hier (nachträglich) die Einsetzung des Kabinetts Hitler plakatiert, oder aber es wird schon auf die kommenden Reichstagswahlen abgestellt, bei denen Papen und Hugenberg endgültig die Germania in Hitlers Bett zerren werden.

    Interssant sind auch die Initialen AH auf dem Kopfkissen. Befindet sich darüber eine Krone (meine Bildauflösung reicht hier nicht aus)?
     
  13. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Ein "Ausgreifen" des Adlers in die Nachbarschaft vielleicht? Womit dann auch auf kriegerische Expansionspläne angespielt werden würde. Quellen kann ich keine bieten, nur wurde mir mal vor Ewigkeiten in der Schule erzählt, die Gestaltung der "fetten Henne" (Bundeswappen Deutschlands ? Wikipedia) hinge unter anderem damit zusammen, die Bundesrepublik als saturiert zu kennzeichnen.
     
  14. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Sorry wenns schon genannt wurde.
    Aber interessant ist, dass Papen und Hindenburg darauf zu sehen sind.
    Beide waren eigentlich treue Monarchen. Ich verstehe das so, dass die Monarchie-Treuen die Germania zu Hitler ins Bett drängen, quasi als Ersatzmonarchie.
    Ich denke auch, dass es ein Nachtrag zum Januar '33 ist, also der Machtergreifung.

    Also es könnte durchaus so gemeint sein: "Wenn wir schon keine richtige Monarchie mehr bekommen, bauen wir eben eine Ersatzmonarchie mit Hitler auf."

    Ich denke, dass man Hitlers "offizielle" Meinung zur Monarchie schon am Begriff Nationalsozialist erkennt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Oktober 2009
  15. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Das hätte auch nicht dem Image entsprochen, dass Hitler von sich selbst in der Öffentlichkeit zeichnete: dass des einfachen Mannes aus dem Volk und Weltkriegs-Gefreiten, der aber mit der Gabe der Vorsehung gesegnet und dazu auserkoren war, Deutschland zu retten.

    Hitler hatte Ressentiments gegen den Adel und suchte auch keine näheren Kontakte zum Haus Hohenzollern. Auch gab es in seinem engeren Kreis meines Wissens keine Adligen.
     
  16. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Interessant ist auch, dass die Nazis seit Weltkriegsbeginn und der Besetzung der Niederlande das Anwesen von Kaiser Wilhelm II. in Holland mit SS Wachen umstellten, da sie anscheinend Angst vor einer monarchische Rückkehr hatten.
    Wilhelm dachte ja auch bis zu seinem Tod er werde bald wieder auf dem Thron sitzen.
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das ist, glaube ich, etwas weit hergeholt.

    Hitler stand nach dem Sieg im Westfeldzug auf dem Gipfel seiner Macht, bis zum Rußland-Feldzug war auch die militärische Opposition/der Widerstand völlig erloschen (der noch zuvor 1939 feststellbar war).

    Zum anderen wurde mW die sog. "Ehrenwache" in Doorn von der Wehrmacht und Heereseinheiten gestellt, zB IR 374
    Mueller/Guttmann: Die Geschichte der 207. und 281. Sicherungs-Division mit ihren Zwischengliederungen 1939 - 1945
    Lexikon der Wehrmacht

    Woher stammt denn die Angabe der SS-Wachen bei Doorn?
     
  18. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Die stammt aus einer Doku über den Kaiser, deren Name ich leider vergessen habe.
    Aber wie passt das mit der Ehrenwache zusammen mit der öffentlichen Kritik Wilhelms an der Reichsprogromnacht?
    Wilhelm rief alle Deutschen auf dagegen zu protestieren.

    Also kann ich mir nur denken, die Ehrenwache war ein Vorwand.
     
  19. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Angabe kann man also vergessen.
     
  20. Caswallawn

    Caswallawn Neues Mitglied

    Also, da kann ich silesia nur beipflichten. Die Infomration ist schlichtweg falsch. Es gab zwei informelle Treffen mit Göring, die von Wilhelms zweiter Gattin eingefädelt worden waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wilhelm II. wohl tatsächlich noch gehofft, wieder Kaiser werden zu können. Damit war er ja bei Weitem nicht alleine im Reich. Wie realitätsfern das aber tatsächlich war, musste er wohl bei eben diesen Treffen erkennen. Die Nationalsozialisten ließen ihn ganz deutlich spüren, dass sie ihn dazu nicht ausersehen hatten. Nicht umsonst folgte diesen beiden Treffen nach 1933 kein einziges mehr. Die Nationalsozialisten hatten wohl gehofft, dass die Zustimmung des immer noch angesehenen Kaisers ihre Popularität steigern würde - insbesondere in den Reihen der Reichswehr. Im Übrigen waren es definitiv nicht SS-Wachen, sondern Mitglieder der zur Wehrmacht gehörenden Geheimen Feldpolizei, die sein Anwesen 1938 nach kritischen Worten zur Reichspogromnacht abriegelten.
    Als Wilhelm II. 1941 starb, wurden Trauerfeiern im Reich sogar verboten - soviel zur Haltung Hitlers zur Monarchie in den späten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft.
     

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