Wirtschaftsstruktur 1789

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von HenningM, 6. Juli 2013.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wobei ich das Fettgestellte schon immer irgendwie skuril fand. Gerade das Landvolk behielt bis weit ins 19.Jh. hinein durch die Bank weg Kniebundhosen, als die wohlhabenden Städter längst allgemein Pantalons trugen. Man denke nur an den typischen Landmann in seiner weiten knielangen Hose mit einem schlichten Verschluss unterm Knie, breitkrempigen Hut, was nicht nur in der Bretagne sondern in großen Teilen Frankreichs typisch war.
     
  2. HenningM

    HenningM Neues Mitglied

    Apropos skurril

    Ich fand es immer höchst bemerkenswert zu lesen, dass Robespierre - wohl als einziger der Jakobiner - bis zum letzten Tag seines Leben so gekleidet (und frisiert!) war, wie "man" es als Advokat im Ancien Regime tat. Dieser seltsame Mensch hat sich die Perücke gepudert, hatte eine grüne Jacke an, trug (dann schon wieder stilecht) Kniebundhosen. Selbst in größten Nöten und stärksten Versuchung hat Robespierre es nie über sich gebracht, sich durch die Kleidung und äußere GEstalt gemein zu machen mit den Sansculotten. Kann man als Prinzipientreue deuten, aber auch als äußeres Zeichen einer, hmmm, aristokratischen Haltung. Und dennoch haben ihn das Fußvolk teilweise angebetet. Der GEist weht, wo er will.
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Du musst Dir nur mal die Mehrzahl der Porträts der Konventsmitglieder anschauen. Die meisten hatten halt die modischen Frisuren der Zeit und diese waren nunmal bis um 1795 gepudert und später seltener immernoch gepudert und mit den Seitenlocken. Woher weiß man eigentlich, dass er eine Perücke trug? Gibt es dazu zeitgenössische Aussagen? Bei manchen Bildern von ihm, schaut es nach einer Perücke aus, bei anderen könnten es auch seine eigenen Haare sein. Kniebundhosen waren damals eben usus, dito die gestreiften Seidenfräcke. Ich glaube nicht, dass sich Robespierre selber je als Sansculotte sah.
     
  4. HenningM

    HenningM Neues Mitglied

    Definitiv nicht! Er war vor 1789 von Sein und Bewusstsein ein Bürger. Ich denke auch mal, dass er kaum mit den wahren Nöten der "einfachen Leute" in Kontakt gekommen ist. Wenn (etwa in der Pariser Zeit, in der er ja bei einem Schreiner logierte), dann schien es ihm nicht weiter zu berühren. Robespierre scheint mir in einer abstrakten, dafür aber um so "reinerer" Welt gelebt zu haben, geleitet durch die Lektüre von J.J.Rousseau (dessen Ideen er vielleicht nicht immer ganz genau erfasst hat), behütet von der "höchsten Vernunft" (in deren Besitz er sich wähnte), unf ansonsten sivch mit konkreten menschlichen Schicksalen nur per Akten und in einigen Reden befassend.

    Ein was R.s Bürgerlichkeit betrifft: selbst der Wohlfahrtssausschuss setzte sich - zumindest in Jahr des Schreckens - mit solchen vor 1789 etablierten und respektierten Bürgern zusammen (Ausnahme: dieser gescheiterte Schauspieler, Collot?).
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Noch zwei Empfehlungen, als pdf verfügbar:

    Velde/Weir: The Financial Market and Government Debt Policy in France, 1746-1793, The Journal of Economic History, 1992, S. 1-39

    Sargent/Velde: Macroeconomic Features of the French Revolution, The Journal of Political Economy 1995, S. 474-518.
     

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