Wo lagen "Ad pontes Tesseninos"

Wohl eher: radikal zweckentfremdet worden.
Wobei auch zu fragen ist, wie intakt das Gebäude überhaupt noch war, als man in seinem Inneren einen oder zwei Speicher errichtete. Die vereinfachte Darstellung des Planum deutet m.E. auf zwei Speicherbauten, nicht auf einen. Fraglich, ob die Mauern, als man das Hypocaustum abtrug, noch ein Dach stützten.
 
Und was heißt "Infrastrukturpflege"
Das heißt die Pflege der Infrastruktur, über die wir hier vor einigen Tagen diskutiert haben:

Rasthäuser für Unterkunft und Verpflegung, zusätzliche Zugtiere bei steilen Anstiegen usw. zur Verfügung hält?
Tabernen, Bäder, Pferdewechselstationen und was sonst so zur römischen Infrastruktur gehört.
Rast- und Versorgungsstationen für Reisende wie Boten und Händler, Truppen, usw usw usw
Rast-/Straßenstationen mit der Möglichkeit für Unterkunft, Verpflegung, Wechsel von Pferden, Bereitstellung von zusätzlichen Zugtieren (Vorspann bei steilen Anstiegen)

Die Antwort auf meine Frage, wo wir denn archäologische Hinweise auf den Betrieb solcher Einrichtungen in frühalemannischer Zeit haben, ist mit *nirgends* beantwortet. Damit betrachte ich diesen Teil der Diskussion als abgeschlossen.

Dass die Römerstraßen (auch ohne Instandsetzungsarbeiten) noch viele Jahrzehnte benutzbar waren und im Bedarfsfall auch benutzt wurden, ist kein Diskussionsthema.

Die an dieser Straße bei Sigmaringen liegende Brücke (Laiz) - Vici.org ist übrigens heute noch vorhanden
Nein, in Laiz gibt es keine Römerbrücke.

und das etwas weiter oberhalb liegende Römische Bad (Wurmlingen/Tuttlingen) – Wikipedia ist wohl noch bis Mitte des 4. Jahrhunderts wirtschaftlich genutzt worden
Dazu schrieb ich bereits:
Sogar da, wo ausnahmsweise (!) mal einer der über tausend Gutshöfe wieder genutzt wurde, haben die Alemannen es anscheinend verabscheut, sich in den bisherigen Wohngebäuden häuslich einzurichten, sondern haben sich lieber neue Wohnungen gebaut.

erst mal ist es schön, dass Du Grünewald für diese beiden Orte bestätigst. Eine Begrenzung auf "östlich der Iller" ist aber nur eine starke Behauptung und ersetzt kein Argument.
Ich hatte die Formulierung...
südlich der oberen Donau (oberhalb der Iller)
... so verstanden, als ob Du damit die Gegend zwischen der Iller und der Donau oberhalb der Illermündung meintest, also das hier grün markierte Gebiet:
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... das gesichert würde von der von Dir behaupteten Sicherungslinie Unterkirchberg-Rißtissen-Emerkingen-Ennetach-Tuttlingen. Diese steht zur Diskussion.

Natürlich liefert Grünewald keine Bestattungsbelege für diese Gegend und damit auch Argumente für die von Dir behauptete Linie. Darum ist mir auch nicht ganz klar, was Du mit der aus Grünewald kopierten Graphik bezweckst. Offene Türen einrennen?

Mir ist auch nicht klar, worin Du eine "starke Behauptung" siehst. Dass nach 260 die Römer noch am Ostufer der Iller und am Südufer der Donau (unterhalb der Illermündung) saßen, hielt ich bislang nicht für umstritten.
 
Besonders interessant ist in dem Zusammenhang auch Rißtissen - denn zur Römerzeit war die Donau wohl ab der Einmündung der Riß abwärts (bis Regensburg und darüber hinaus) schiffbar.
Mir ist hier vor einigen Tagen vorgeworfen worden, dass ich Wiki "unvollständig" zitiere.
Zu Rißtissen müssen wir uns nicht auf Wiki stützen; die Dissertation von Martin Kemkes gibt es online:
https://freidok.uni-freiburg.de/fedora/objects/freidok:8768/datastreams/FILE1/content

Demnach ergibt sich für das Kastell Rißtissen "eine Gründung in spätclaudischer Zeit um ca. 50 n. Chr., ein Ende des frühflavischen Kastells etwa in den 90-Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. sowie eine traianische 3. Kastellphase bis max. 110 n. Chr."
(Hier finden sich auch kurze Angaben zu Hüfingen, Tuttlingen, Mengen-Ennetach, Emerkingen, Unterkirchberg und zahlreichen weiteren Kastellen.)

Der Vicus existierte bis ins frühe 3. Jahrhundert.

- denn diese "Imitate" sind offenbar in der fraglichen Zeit Mitte des 3. Jahrhunderts produziert worden. Und das deutet nicht auf eine verlassene Siedlung hin.
Genau wie ich schrieb: Die zivilen Siedlungen blieben nach dem Abzug der Kastellbesatzungen bestehen und wurden dann um 250/260 aufgegeben.
Die spätesten Münzen der "Falschmüzerwerkstatt" gehen bis Elagabal (222), außerdem gibt es einen Töpferofen aus dem Anfang des 3. Jahrhunderts. Irgendwann danach wurde der Vicus aufgegeben, das genaue Datum lässt sich natürlich nicht bestimmen.


Ähnliches gilt für das Nachbarkastell Emerkingen.
Dort gibt es Spuren eines größeren Steingebäudes, dessen Funktion nicht ganz klar ist: "Auch eine Zeitstellung nach Aufgabe des Kastells ist im Bereich des Möglichen, da der Vicus weiter bestanden haben dürfte. [...] Die bislang datierbaren Funde gehören in den Zeitraum von der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts bis zum Anfang des 3. Jahrhunderts."
(Günther Wieland, Das Donaukastell Emerkingen und sein Umland, in: Römer an Donau und Iller, Sigmaringen 1996)
 
Zuletzt bearbeitet:
Vor allem der sprachgeschichtlichen Forschung ist es zu verdanken, daß diese romanisierte Bevölkerung nachgewiesen werden kann - um Mainz, um Altrip und Ladenburg, deren Namen die germanische Lautverschiebung p>pf nicht mitmachen, in der Vorbergzone des Schwarzwaldes, wo sich die Welschen- und Walchen-Namen häufen, und schließlich in den Tälern des Schwarzwaldes selbst, wo Flurnamen romanischen Ursprungs romanische Sprachtraditionen bis hinein in die karolingische Zeit verdeutlichen.

Zur Romania am Rhein und im Schwarzwald habe ich mich in den letzten Jahren oftmals geäußert, ich zitiere nur zwei Beispiele:

In Mainz wurde noch mindestens bis ins 7. Jahrhundert romanisch gesprochen. Einige Orts- und Flurnamen sind von der deutschen Lautverschiebung nicht berührt werden. Der Flurname Attach (im Mittelalter als Ageduch bezeugt), geht auf den lateinischen aquaeductus zurück, Finthen auf fontaneta.

Die Frikativierung des -duct- zu -ducht- geht nicht auf die deutsche Lautverschiebung zurück, sondern ist eine romanische Entwicklung, die im Französischen z. B. zu Wortformen wie conduit (aus lat. conductus) oder nuit (aus lat. noctem) geführt hat.


... die oberrheinische Tiefebene wurde bereits früh germanisiert. Romaneninseln bestanden in Teilen des Schwarzwalds und eventuell am unteren Neckar.
Wie weit die frühe Germanisierung den Schwarzwald erfasst hat, zeigt das ofterwähnte Beispiel Zarten (aus Tarodunum), Belege für die Germanisierung der Ebene um Bremgarten bilden die -ach-Namen wie Breisach (aus Brisiacum), Lörrach etc. und die in der Region dicht gesäten -ingen- und -heim-Ortsnamen:

"Charakteristisch für die Topographie dieser Namen ist ihre Lage im Altsiedelland. In den siedlungsgünstigen Zonen der Ebene und besonders der Lößgebiete sind sie meist vergesellschaftet mit Ortsnamentypen der Landnahmezeit und des frühen Landesausbaus (-ingen, heim etc.). Es muß vorausgesetzt werden, daß die Flußnamen, ebenso wie die genannten Bergnamen und Ortsnamen, von den Alemannen zwischen ca. 500-700 n. Chr. in ihre Sprache integriert wurden." (Wolfgang Kleiber / Max Pfister, Aspekte und Probleme der römisch-germanischen Kontinuität, Stuttgart 1992)

Meine Reserviertheit bezüglich "eventuell am unteren Neckar" gilt den oben angeführten Beispielen Altrip und Ladenburg. Der Name Altrip ist keineswegs beweiskräftig, siehe Jörg Fesser, Namenskontinuität und Siedlungskontinuität am Beispiel ‚Altrip’, in: Beiträge zur Namenforschung 47 (2012).

Während sich in der oberrheinische Tiefebene (und Teilen des Schwarzwalds) relativ viele Ortsnamen belegen lassen, die auf die Römerzeit zurückgehen, sieht es im württembergischen Landesteil sehr dünn aus.
Diese Karte ist von 1978 und teilweise überholt, vermag aber einen ungefähren Eindruck zu vermitteln:
Vordeutsche nichtgermanische Gewässer-und Siedlungsnamen - Detailseite - LEO-BW
Auffällig sind die zwei Siedlungsnamen am Limesknick, hier würde ich eine frühe Kontaktzone vermuten.
In und um Cannstatt kommen außerdem noch der Flurname Prag und der landesnamengebende Wirtenberg als vorgermanische Ortnamen in Frage. (Skeptisch machen würde mich hier die fehlende keltische/römische Siedlung.)
 
Zuletzt bearbeitet:
nichts anderes sage ich auch: auch nach der Vorverlegung der Grenze zum Limes blieb die nichtmilitärische Zivilbevölkerung über das Kastellende hinaus am Ort.

Das beißt sich halt mit Deiner früheren (durch nichts begründeten) These von der "Zweitgründung". Wenn die Orte durchgegend besiedelt waren, entfällt der Grund für eine Neubenennung.

Für eine "Zweitgründung" könnte auch sprechen, dass nach der militärischen Aufgabe der hügeligen Alb und des Hinterlandes (ab 250 ?) eine Sicherungsreihe entlang der Donau (Unterkirchberg, Rißtissen, Emerkingen, Ennetach, Tuttlingen) und ihrem Tal bis Donaueschingen verblieb, in deren Schutz stehende Orte von Bewohnern der aufgegebenen Ortschaften an Eurer Trasse besiedelt wurden. Entsprechende Namensübertragungen kommen immer wieder vor (York / New York, Gablonz / Neugablonz, Altenstadt / Schongau).
Wobei in keinem der genannten Fälle die alte Siedlung aufgegeben wurde. Das alte York, das alte Gablonz und das alte Schongau existieren immer noch. Im letzteren Fall dauerte es plus minus zwei Jahrhunderte, bis der alte Name außer Gebrauch gekommen war und man nur noch von der "Alten Stadt" sprach.
 
Aber - und das ist entscheidend:
diese Raubzüge wurden nicht von einem "stehenden Heer" durchgeführt, sondern im Wesentlichen von Stammesverbänden, von (Nebenerwerbs-/ Gelegenheits-)Kriegern, die "zivil" als Bauern oder Handwerker ihr Leben fristeten

Gibt es dafür eigentlich eine belastbare Quelle?
 
... so verstanden, als ob Du damit die Gegend zwischen der Iller und der Donau oberhalb der Illermündung meintest, also das hier grün markierte Gebiet:
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... das gesichert würde von der von Dir behaupteten Sicherungslinie Unterkirchberg-Rißtissen-Emerkingen-Ennetach-Tuttlingen. Diese steht zur Diskussion.
zunächst einmal:
es geht um den Zeitraum zwischen 260 (Limesfall) und 370 (Befestigung der Donau-Iller-Rhein-Grenze), das sind rund 100 Jahre der Entwicklung. Und es geht um das gesamte Dekumatenland bis zum Limes.

Nach 260 ist das Dekumatenland nicht auf einen Schlag von einer geschlossenen Einwanderungswelle überrollt worden.
Entscheidend war zunächst die Bürgerkriegs-Lage im römischen Reich, die zum Abzug der römischen Militärs aus den Grenzkastellen (Limes) führte. Damit war das Dekumatenland aber nicht "leer gefegt". Was mit dem Militär mitging, waren die Bewohner des Lagerdorfes, deren Einkommen unmittelbar von den Soldzahlungen der römischen Militärs abhing. Damit erfolgte eine Leerung, aber keine völlige Entvölkerung der Lagerdörfer (Grünewald macht m.E. den Fehler, die Bevölkerung der Grenzprovinzen nahezu ausschließlich als Anhängsel des Militärs zu sehen (vgl. S. 163 ff, 182 ff), womit er den vielen Nekropolen im Umfeld der Kastelle eine für mich überzogene Bedeutung bemisst.
Nekropolen im Bereich der Zivilsiedlungen und kleinen Landgüter werden dagegen in seiner Arbeit als "untypisch" kaum bzw. gar nicht einbezogen. Dabei braucht man nur den Atlas zur Archäologie zur Hand zu nehmen und zu sehen, wie dicht etwa ober- und unterhalb von Ulm das Netz der römischen Villae gespannt war.

Dieser Abzug vom Limes öffnete die "Grenze" sowohl für größere Verbände aus dem Limesvorland (Franken und Proto-Alemannen wie Juthungen) bis aus der "zweiten Reihe" (spätere Burgunder, Thüringer und Sachsen).
Es waren zusätzlich kleine Gruppen, die sich auf römischem Reichsgebiet niederließen:
(Grünefeld unter Bezug auf Claudia Teune "Eine Einwanderung vom späten 3. bis frühen 5. Jahrhundert begrenzt sich dabei nach ihr allenfalls auf Einzelpersonen und kleine Verbände")
Dazu wie schon einmal zitiert "Landeskunde online":
...
Die Alemannen waren demnach keineswegs die wilden Barbaren, die am Oberrhein alles Römische kurz und klein schlugen und, wie die archäologische Forschung mangels Funden lange Zeit annahm, im Land umherstreiften, ohne sich auf Dauer niederzulassen und Siedlungen zu gründen. Der Limes"fall" um 260 ist weniger das Ergebnis einer alemannischen Eroberung, sondern eines inner-römischen Bürgerkriegs, in dem eine der beiden Parteien die Alemannen als Hilfstruppen zu Hilfe rief und wohl auch Siedlungsland in Aussicht stellte. Markierungspunkt von Seiten der römischen Geschichte ist hier die Gefangennahme und Tötung Kaiser Valerians 260 durch die Perser und die danach ausbrechenden Wirren um das Sonderkaisertum in Gallien.

Die Alemannen streiften nun keineswegs die folgenden anderthalb Jahrhunderte ziellos im ehemaligen Dekumatland umher. Sie ließen sich in den römischen Siedlungen, vor allem in den römischen Gutshöfen nieder (auch die römische villa rustica in Großsachen zeigt alemannische Einbauten), bebauten die römischen Äcker, handelten mit römischen Waren, bezahlten mit römischem Geld und fühlten sich wohl alles in allem als römische Föderaten, auch wenn sie sich in der Wirklichkeit kaum um den Nachbarn jenseits des Rheins kümmerten. Mit der Stabilisierung der römischen Macht um 370 begann Rom auch wieder, rechts des Rheins Fuß zu fassen. Das ist die Zeit der spätrömischen Kastelle von Alzey und Altrip, der Burgi von Ladenburg, Neckarau und vom Zullestein und der Brückenköpfe am Hochrhein. Diese Burgi dürften kaum in einem absolut feindlichen Umfeld errichtet worden, sondern auf die offene oder stillschweigende Duldung der Alemannen gestoßen sein.
Die römische Administration zog sich "langsam aus dem zwischen Oberrhein und Donau gelegenen Landkeil ... (dem sogenannten Dekumatenland), zurück, doch wurde dieser dadurch nicht auotomatisch oder gar unmittelbar <alemanisch>; auch hielten sich römische Institutionen und Strukturen, einen allmählichen Wandlungsprozess durchlaufend, noch über Jahrhunderte hin. Diese Neuformierungsprozess konnten friedfertig verlaufen, ...." allerdings gab es auch "Blutbäder wie in Heldenbergen" (Meier, S. 320, ebenso 323). Ob die Benefiziarier, die Aufsichts- und Zollaufgaben an den Straßen wahrnahmen, auch abgezogen wurden, lasse ich erstmal offen stehen.

Vor diesem Hintergrund der "Unsicherheit" begann auch die örtliche Bevölkerung, sich mit örtlichen Milizen bzw. Foederaten zu militärisieren und eigene Abwehrverbände zu bilden. Der "Augsburger Siegesaltar" als Beispiel für die zusammen gewürfelten Abwehreinheiten, wie auch die vielfach zu beobachtende Verkleinerung der Kastelle (wohl unter Aufnahme des ehemals vor den Toren gelegenen Lagerdorfes in die Umfassung) belegen dies eindringlich.
Auf dem "Galgenberg" nördlich von Emerkingen ist - beispielsweise - zeitlich nahtlos die Ablösung der Zivilbesatzung des ehemaligen Lagerdorfes durch eine Alemannische Besiedlung dokumentiert.
"Die römische Führung begann sehr bald, auf die sich zunehmend lokal verankernden neuen Verbände zuzugreifen, ihr militärisches Potential zu nutzen, und trug damit zur Verfestigung der gesellschaftlichen Strukturen bei den Zuzüglern bei" was mit den Alemannen in höchsten römischen Offiziersdiensten vor allem unter Konstantin I. und seinen unmittelbaren Nachfolgern in der ersten Hälfte des 4. Jh. erfolgte (Meier S. 323).
Es wäre nun völlig unlogisch, eine solche "Militarisierung der örtlichen Bevölkerung" lediglich auf wenige bekannte Kastelle zu begrenzen. Diese Militarisierung dürfte vielmehr die gesamte Region umfasst haben. Und wenn das so war, dann wurden auch die alten Kastellorte an der oberen Donau mit ihrer sowohl verteidigungsmäßig guten Lage wie auch der strategisch wichtigen Orientierung an der Donau(Süd-)Straße als Rückzugsorte für die verbliebene Bevölkerung der Umgebung wiederbelebt.

Das wäre auch logisch - denn die Strecke entlang der Donau und dann im Bereich der früheren Provinzgrenze zwischen Donau und Rhein wäre vor einem Rückzug zur Iller die "kürzeste Verteidigungslinie" gegen plündernde Germanenscharen gewesen. Auch die Nekropole von Günzburg wurde von der zweiten Hälfte des 1. Jhs. bis in das 5. Jh. kontinuierlich genutzt. Warum sollte das vor 370 nicht auch an der oberen Donau oberhalb der Iller-Mündung der Fall gewesen sein? Die spätere Iller-Grenze bestand ja noch nicht ...

Gibt es dafür eigentlich eine belastbare Quelle?
Ich beziehe mich auf eine Fülle von Quellen, die das Schicksal des Dekumatenlandes zwischen dem Limesfall (260) und dem Aufbau der Rhein-Iller-Donau-Sicherungen um 370 beschreiben, insbesondere:
Martin Grünewald,
Studien zur Bevölkerungsdichte und Migration in Obergermanien und Raetien. Ein Überblick anhand ausgewählter Gräberfelder.
ANZEIGER DER RÖMISCH GERMANISCHEN KOMMISSIONDES DEUTSCHEN ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUTS
JAHRGANG 96 2018, S. 172 ff


Mischa Meier, Geschichte der Völkerwanderung Europa, Asien und Afrika vom 3. bis zum 8. Jhdt. n. Chr., Beck-Verlag, 5. Auflage 2020 insbesondere S. 320 ff

Archäologie und Geschichte des ersten Jahrtausends in Südwestdeutschland. (= Archäologie und Geschichte. Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland. Hg. v. Hans-Ulrich Nuber, Karl Schmid, Heiko Steuer und Thomas Zotz. Band 1) Sigmaringen: Thorbecke, 1990 (Freiburger Band genannt)


Franz Staab (Hg.): Zur Kontinuität zwischen Antike und Mittelalter am Oberrhein (= Oberrheinische Studien. Hg. von der Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein e.V., Band 11) Sigmaringen: Thorbecke, 1994 (Karlsruher Band genannt)

Roland Steinacher, Rom und die Barbaren, Völker im Alpen- und Donauraum (300 - 600) insbesondere S. 27 ff, Kohlhammer, 1. Auflage 2017
 
Zuletzt bearbeitet:
Der von dir genannte Grünewald schreibt:

Auch wenn eine frühalammanische Nachbesiedlung im rechtsrheinischen Gebiet zu Recht mehr und mehr in den Fokus der Forschung rückt, sind an den hier betrachteten Orten kaum Bestattungen bekannt. Die vormalige hohe Bevölkerungskonzentration im Keil zwischen Rhein und Donau ist – betrachtet man die regulären Gräberfelder der vormaligen Kastellstandorte – offenbar in der Spätantike nicht mehr vorhanden.
Bei dem einzigen bekannten größeren Bestattungsplatz bei Lampertheim mit immerhin 57 Gräbern handelt es sich weitgehend um Brandgrubengräber und einige Körpergräber, wenige Beigaben weisen in das 4. Jahrhundert, vielfach herrscht Beigabenlosigkeit vor. Friedhöfe mit mehr als zehn Körpergräbern stellen die absolute Ausnahme dar. Das deutliche Zurückgehen bekannter Bestattungen wird sich zum Teil mit den geänderten Bestattungssitten und nicht selten flachen, ärmlichen bis beigabenlosen Brandbestattungen erklären lassen, die weniger gut archäologisch fassbar sind. Die geringe Anzahl von insgesamt nur 250 Bestattungen im Rechtsrheinischen kann trotzdem als Indiz für eine sehr spärliche Besiedlung der Alamannia des 4. Jahrhunderts und als repräsentativ gelten, da 60 % der gefundenen Bestattungen Körpergräber darstellen, die an sich gut nachweisbar sind. Dies spricht trotz geänderter Bestattungssitten für einen deutlichen Rückgang der Bevölkerungsdichte; unterstrichen wird dies durch die Tatsache, dass beispielsweise aus dem elb-germanischen Raum häufig Gräberfelder mit mehreren hundert Brandgräbern bekannt sind. An den in dieser Untersuchung betrachteten und zur Römerzeit bedeutenden Orten befinden sich jedoch allenfalls wenige einzelne Gräber.
[...]
An der Donau lässt sich ein ähnliches Bild fassen: Neben der Kontinuität einer umfassenden Belegung in Regensburg sind verstärkt spätantike Bestattungen in Bregenz, Neuburg an der Donau und Günzburg bekannt. In der Spätantike werden eine Vielzahl von früheren Bestattungsplätzen an der vormaligen Rhein- und Donaugrenze wieder stärker belegt.
[...]
...Entwicklung vollzog sich nach der Zeit um 260 n. Chr.: Die betrachteten Bestattungsplätze im Rechtsrheinischen und nördlich der Donau werden nicht mehr weiterbelegt, die Anzahl der betrachteten Gräber entlang der neuen (bzw. teilweise alten) Flussgrenze steigt erneut auf ein höheres Niveau. Daraus lässt sich für die Spätantike auf eine Migration zur Donau-Iller-Rhein-Grenze schließen, ein mindestens teilweiser Rückfluss der Bevölkerung aus dem rechtsrheinischen bzw. transdanubischem Raum ist anzunehmen. Bereits Markus Scholz ging für das Limesgebiet von einer Evakuierung der Romanen nach den Zerstörungen von 254 n. Chr. aus; die germanische Besiedlung nach diesen Umbrüchen führte nach ihm nicht die römische fort. Zwar sind rechts des Rheins bzw. nördlich der Donau nicht wenige frühalamannische Siedlungen des 4. Jahrhunderts belegt, doch ihre Bevölkerungsanzahl und -konzentration wird deutlich unterhalb jener der vormaligen Kastelle sowie vici gelegen haben und hat meist den Charakter von einzelnen Gehöften oder kleineren Weilern. Claudia Teune nimmt einerseits, aufgrund des Bezugs von Waffengräbern zu römischen Militär- und Zentralorten sowie den ähnlichen Bestattungssitten wie im linksrheinischen Gebiet, Personen in römischen Diensten sowie andererseits eine germanische Aufsiedlung des ländlichen Bereichs an. Eine Einwanderung vom späten 3. bis frühen 5. Jahrhundert begrenzt sich dabei nach ihr allenfalls auf Einzelpersonen und kleine Verbände.
 
Ich fragte ja konkret nach den "Gelegenheitskriegern".
Dann habe ich Dich falsch verstanden - bzw. konkret nachgefragt:
Meinst Du das jetzt im Ernst? Wo sollen germanische Stämme ein stehendes Heer von Berufskriegern vorgehalten haben?
Das ganze ist u.a. im Thread hier Volksmenge germanischer Stämme | Geschichtsforum.de - Forum für Geschichte schon ausführlich dargestellt worden (vgl. #14).

Aber schauen wir in's Detail:
1. Elbgermanen aus dem tiefen Hinterland
Heiko Steuer (Uni Freiburg) nimmt zur Herkunft der Proto-Alemannen ausführlich Stellung S. 290 ff
Im 3. Jh. sollen alemannische Heerhaufen aus Mitteldeutschland in den Südwesten gekommen sein, aus dem Gebiet der Fürstengräbergruppe vom Typ Haßleben-Leuna. ...
es handelt sich also
- um "Heerhaufen", die mit dem "Limesfall" (260) die Chance für schnelle Bereicherung sahen und aufgrund der dargestellten Funde insbesondere aus dem Mecklenburgischen bzw. von Ober- und Mittelelbe zu Raubzügen in das heutige Südwestdeutschland aufgebrochen sind
- oder um Einzelpersonen (Söldner), die sich etwa in den Dienst der gallischen Sonderkaiser gestellt hatten.
Die Mitglieder dieser Heerhaufen waren im Norden wohnhaft und lebten von Landwirtschaft und Viehzucht. Die Teilnehmer der Kriegszüge kehrten nach ihren Raubzügen auch dorthin zurück (vgl. Augsburger Siegesaltar). Regelrechte "Kriegersiedlungen", also befestigte Plätze zur Aufnahme von reinen Kriegereinheiten, sind dort m.W. nach nicht gefunden worden. Was aber sehr wohl vorhanden sind, ist die Funddichte der ländlichen Bevölkerung - deren Angehörige dementsprechend zu den Raubzügen nach Süden aufgebrochen sind.
Erst zu einem späteren Zeitpunkt lässt sich eine Abwanderung feststellen (Steuer, a.a.O. S. 315) schreibt dazu
... Dem Modell der Ausweitung des elbgermanischen Kultur- und Formenkreises, innerhalb dessen sich Gefolgschaftsverbände bewegten und im Süden Krieg führten und Land nahmen, ist das Modell der Auswanderung der Bewohner gegenüber zu stellen. Dies müßte sich entweder als Ventil einer Übervölkerung oder als Abbruch der Siedlungen und der Gräberfelder spiegeln, was A. Leube für Mecklenburg jüngst untersucht und zusammenfassend erörtert hat. Die Entsiedlung bis zum Eindringen der Slawen erfolgt in mehreren Etappen, wobei im 3. Jh. noch kaum eine Siedlungsausdünnung zu registrieren ist und der endgültige Abbruch schließlich spät, in der ersten Hälfte des 6. Jhs. erfolgt. Viele Siedlungen bestanden bis in die Mitte bzw. zweiten Hälfte des 5. Jhs. weiter ...
Das korrespondiert mit den Erkenntnissen aus Südwestdeutschland:
Mit dem Einbruch der Burgunder um 410 ändert sich das Bild, die Römer geraten wieder in Bedrängnis und zerstören ihr eigenes Kastell Alzey, um dem Eindringling keine festen Plätze zu überantworten. Alzey wird allerdings in der nach-burgundischen Zeit um 436 wieder von den Römern befestigt.
(btw.: der Rheinübergang Tasgetium ist wie Konstanz, Pfyn, Oberwinterthur oder Kloten als westlicher Endpunkt der Donau(Süd-)Straße ist in der fraglichen Zeit um 300, also ~ 40 Jahre nach dem Limesfall, befestigt worden).


2. Alemannen und andere Germanen als Foederaten:
Hier haben wir es mit einer fundamental anderen Situation zu tun: mit ganzen Sippen, die von den Römern entlang der gesamten Donaugrenze "mit Sack und Pack" als Neusiedler zugelassen wurden, um die Reichsgrenze zu schützen und dafür vielfach nicht unbedeutende Zahlungen erhielten.
Es waren Stammesverbände, die unter der Führung eines eigenen "rex" blieben, aber unter römischer Oberhoheit (Klientelherrscher). Steinacher (Rom und die Barbaren, insbes. S. 24 ff) hat dies sehr gut dargestellt.
Entscheidend war insbesondere auch "die Zuweisung von Land ...." also die Möglichkeit, selbst zu siedeln und Landwirtschaft resp. Viehzucht zu beschreiben.
Dabei war es für die Römer natürlich günstig, möglichst große Partner und Verbündete auf der Gegenseite zu haben. Daher forcierten die Römer sicher auch (nicht unbedingt bewusst) die Ethnogenese von den noch bei Plinius oder Tacitus (> 40 gentes) genannten vielen Barbarenstämmen und den in der späteren Alemannia auftauchenden Kleinstverbänden zu den in der Spätantike auftauchenden Großverbänden wie eben den Alemannen. Deren Mitglieder konnten unter einem gemeinsamen Auftreten auch mehr für sich herausschlagen als wenn jeder dieser einsickernden Sippen einzeln "angeklopft" hätte.
Ich hatte geschrieben:
Schon mit der beginnenden Ethnogenese der Alemannen war also die Nutzung der römischen Verkehrswege von großer Bedeutung - ihre Nutzung und die Aufrechterhaltung ihrer Bestimmung als Verkehrswege. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass die Stammesbildung der Alemannen und anderer germanischer Stämme in der Spätantike ohne die Verbindungsmöglichkeit durch diese Verkehrswege kaum möglich gewesen wäre. *)

Aber - und das ist entscheidend:
diese Raubzüge wurden nicht von einem "stehenden Heer" durchgeführt, sondern im Wesentlichen von Stammesverbänden, von (Nebenerwerbs-/ Gelegenheits-)Kriegern, die "zivil" als Bauern oder Handwerker ihr Leben fristeten und daher auf die Nutzung der ehemals römischen Militär-Basen (Kastelle) gar nicht angewiesen waren.
Daher waren - und blieben - diese Kastelle verödet. Und mit ihnen auch die zugehörigen Lagerdörfer (vici).
Dazu stehe ich, auch wenn sich natürlich auch die alemannischen Großfamilien und Bauern in der Nähe der ehemaligen Kastelle ("Galgenberg" nördlich von Emerkingen) und ihrer guten Verteidigungslage ansiedelten, um diese Örtlichkeiten ggf. als "Fluchtburgen" nutzen zu können.

*)
und für den zweiten zitierten Satz möchte ich jetzt auch eine Quelle angeben:
Steinacher (S. 28 f):
So wurde in der Forschung etwa vorgeschlagen, die Alemannen als Roman creation zu sehen, deren Aufgabe es geweisen sei, ... das Dekumatenland zu sichern, ohne dabei das Leben regulärer und kostspieliger römischer Soldaten aufs Spiel zu setzen
 
Zuletzt bearbeitet:
Auch wenn eine frühalammanische Nachbesiedlung im rechtsrheinischen Gebiet zu Recht mehr und mehr in den Fokus der Forschung rückt, sind an den hier betrachteten Orten kaum Bestattungen bekannt. Die vormalige hohe Bevölkerungskonzentration im Keil zwischen Rhein und Donau ist betrachtet man die regulären Gräberfelder der vormaligen Kastellstandorte – offenbar in der Spätantike nicht mehr vorhanden. ...
*gähn* das habe ich doch schon in meinem Post geschrieben:
(Grünewald macht m.E. den Fehler, die Bevölkerung der Grenzprovinzen nahezu ausschließlich als Anhängsel des Militärs zu sehen (vgl. S. 163 ff, 182 ff),
und
In der Spätantike werden eine Vielzahl von früheren Bestattungsplätzen an der vormaligen Rhein- und Donaugrenze wieder stärker belegt.
danke für Deine Bestätigung von posting #270 (das von Dir in #275 benannte Kempten oder Bregenz waren nicht an der vormaligen Rhein- und Donaugrenze - "Donaulimes" unter Claudius 41 – 54 n.Chr.)
Aber:
darauf bezieht sich dann auch der genannte Ausbau
(btw.: der Rheinübergang Tasgetium ist wie Konstanz, Pfyn, Oberwinterthur oder Kloten als westlicher Endpunkt der Donau(Süd-)Straße ist in der fraglichen Zeit um 300, also ~ 40 Jahre nach dem Limesfall, befestigt worden).
und möglicherweise auch die Ansiedlung alemannischer Foederaten an der Donau:
Auf dem "Galgenberg" nördlich von Emerkingen ist - beispielsweise - zeitlich nahtlos die Ablösung der Zivilbesatzung des ehemaligen Lagerdorfes durch eine Alemannische Besiedlung dokumentiert.
 
Zuletzt bearbeitet:
zunächst einmal:
es geht um den Zeitraum zwischen 260 (Limesfall) und 370 (Befestigung der Donau-Iller-Rhein-Grenze
Das weiß ich.
Gefragt habe ich, was Du mit der aus Grünewald kopierten Grafik sagen möchtest.

Und es geht um das gesamte Dekumatenland bis zum Limes.
Hier geht es um Bestattungen südlich der Donau, das ist nicht das "gesamte Dekumatenland".

Hier stellt Grünewald, a.a.O., die Bestattungen südlich der oberen Donau (oberhalb der Iller) vor -
Nun wollte ich wissen, warum Du eine Grafik verlinkst, bei der es um Bestattungen südlich der Donau (konkret: östlich, also "unterhalb" der Iller) geht.

Entscheidend war zunächst die Bürgerkriegs-Lage im römischen Reich, die zum Abzug der römischen Militärs aus den Grenzkastellen (Limes) führte. Damit war das Dekumatenland aber nicht "leer gefegt".
Nein, aber offensichtlich ist auch die Zivilbevölkerung zu großen Teilen abgewandert, jedenfalls aus dem heute württembergischen Landesteil. Es gab keinen Schutz vor Überfällen und Plünderern mehr, es wurden keine Waren mehr angeliefert, es gab keine funktionierende Infrastruktur mehr. Ein paar Alleinstehende, Alte, entlaufene Sklaven werden natürlich immer noch dageblieben sein.

Dazu wie schon einmal zitiert
Das bezieht sich vor allem auf die Situation am Rhein. Auf der Alb, an der Donau, in Oberschwaben sah es ganz mau aus.

Und damit komme ich noch einmal zu...
... der von Dir behaupteten Sicherungslinie Unterkirchberg-Rißtissen-Emerkingen-Ennetach-Tuttlingen. Diese steht zur Diskussion.
Da Du zu diesem Diskussionspunkt bislang kein Argument geliefert hast und auf meine letzten Rückfragen gar nicht mehr reagierst, gehe ich davon aus, dass sich diese Diskussion nunmehr ebenfalls erledigt hat.

Auf dem "Galgenberg" nördlich von Emerkingen ist - beispielsweise - zeitlich nahtlos die Ablösung der Zivilbesatzung des ehemaligen Lagerdorfes durch eine Alemannische Besiedlung dokumentiert.
Und durch welche Befunde soll bitte die "nahtlose" Ablösung dokumentiert sein? Datierbare römische Funde haben wir, wie geschrieben, bis zum Beginn des 3. Jahrhunderts. Dann kommt ein merowingerzeitliches Gräberfeld (siehe Emerkingen - Altgemeinde~Teilort - Detailseite - LEO-BW), dazwischen haben wir also etwa anderthalb Jahrhunderte lang - nichts.

Warum sollte das vor 370 nicht auch an der oberen Donau oberhalb der Iller-Mündung der Fall gewesen sein?
"Warum-nicht"-Fragen ersetzen keine Argumente.
Oberhalb der Illermündung enden um 250 die Siedlungsspuren in den vici, die Villen wurden samt und sonders aufgegeben. Spuren neuer Befestigungen fehlen völlig. Da war nichts mehr.

Die Situation war auch weiter südlich und östlich noch höchst unsicher. Ich erinnere daran, dass auch weit ins heute bayerische Raetien hinein die Villen reihenweise aufgegeben wurden. Das Kastell Vemania wurde laut Wiki 282/283 zerstört. Erst unter Diokletian kam es zu einer Konsolidierung, erst jetzt gab es ein Programm zur Sicherung der Grenzen, in diesem Zusammenhang entstand das Kastell Kellmünz als Kernstück der Illergrenze.
 
Zuletzt bearbeitet:
*gähn* das habe ich doch schon in meinem Post geschrieben:
Macht Grünewald diesen Fehler? Eigentlich stellt er auf der Basis von 27.000 Gräbern fest, dass die Belegung von Gräbernfeldern drastisch zurückgeht, irgendwo nennt er einen Rückgang von 100 auf 0,8 %.

und
danke für Deine Bestätigung von posting #270 (das von Dir in #275 benannte Kempten oder Bregenz waren nicht an der vormaligen Rhein- und Donaugrenze - "Donaulimes" unter Claudius 41 – 54 n.Chr.)
Ich war gerade irritiert, denn ich konnte mich nicht erinnern, dass ich in den letzten Tagen über Kempten geschrieben hätte. Der Beitrag #275 stammt von Sepiola.

Aber ganz grundsätzlich: wir sprachen ja vorige Tage über Orte, die aufgegeben wurden und deren Name verloren gegangen ist sowie Orte, deren Ortsnamen Kontinuität vorweisen. Kempten/Cambodunum und Bregenz/Brigantium sind Orte, die Ortsnamenkontinuität aufweisen. Der Verlust des Ortsnamens bzw. die Kontinuität des Ortsnamens kannst du als Indiz (Indiz, nicht Beweis) für bestimmte Trends in der Besiedlungsgeschichte werten. Wenn du feststellst, dass im "Keil" viele Ortsnamen ersetzt wurden, aber rund um den Bodensee viele Ortsnamen Kontinuität aufweisen, kannst du daraus die Trends ablesen, dass die Region offenbar aufgelassen bzw. nicht aufgelassen wurde. Je größer bzw. bedeutender der Ort zur damaligen Zeit, desto wahrscheinlicher ist abseits vom regionalen Trend die Ortsnamenkontinuität bzw. desto aussagekräftiger als Indiz (aber immer noch nicht beweiskräftig) ist der Ortsnamenwechsel.
 
Nun wollte ich wissen, warum Du eine Grafik verlinkst, bei der es um Bestattungen südlich der Donau (konkret: östlich, also "unterhalb" der Iller) geht.
Du meinst diese Grafik:
27-09fdb4d754.jpg


Nach Zeitstufen gemittelte Anzahl bekannter jährlicher Bestattungen im Bereich, in dem die Reichsgrenze verlagert wird: Gebiete südlich der Donau und westlich des Rheins
(gestrichelt: Teilgruppe I; punktiert: Teilgruppe II)
Hier stellt Grünewald, a.a.O., die Bestattungen südlich der oberen Donau (oberhalb der Iller) vor - bemerkenswert das Wiederaufleben der Bestattungen nach einer Lücke ab ca. 150 mit dem Zeitpunkt des Limesfalls. Grünewald erklärt auf S. 175 ff auch, was er unter "Teilgruppe" versteht:
Zur statistischen Überprüfung der Unterschiede in der geographischen und chronologischen Verbreitung der Bestattungen werden die Gräber aus dem gesamten Untersuchungsgebiet in zwei etwa gleich große Teilmengen geteilt. Wenn in den beiden Teilgruppen zwei stark voneinander abweichende Ergebnisse hinsichtlich der Verbreitung erzielt werden und die Zahlen der Gesamtgruppe nur einen Mittelwert darstellen, ist von einer zu geringen Datenbasis auszugehen. Sich ähnelnde Entwicklungen über die Zeitachse in den beiden Teilgruppen bestätigen hingegen statistisch das aus der Gesamtgruppe gewonnene Bild. Die geographische Teilung der Fläche bedingt eine Zufälligkeit der Zusammensetzung der beiden zugehörigen Gräberfeldgruppen. Zur besseren Vergleichbarkeit und um eine statistisch aussagekräftige Anzahl zu erreichen, wurde dabei versucht zwei Gruppen zu bilden, die ungefähr gleich große Flächen, Gräberfeldanzahlen und Grabanzahlen aufweisen. Nördlich und inklusive Stettfelds gehören alle Bestattungsplätze zu Gruppe I (mit acht Gräberfeldern mit einbeziehbaren Zahlen), jene süd-lich davon zu Gruppe II (mit zehn Bestattungsplätzen, allerdings weniger Gräbern). In der Betrachtung werden die nördliche und die südliche Gruppe ihrerseits geographischdurch Rhein und Donau geteilt, so dass insgesamt vier Teilmengen entstehen ...
Beim besten Willen: wie kommst Du daraus auf die Idee, Grünefeld hätte sich auf das Gebiet unterhalb der späteren Iller-Grenzlinie beschränkt? Wunschdenken? "Südlich der Donau" ist nicht "unterhalb der Iller". Südlich der Donau umfasst auch das Gebiet oberhalb der Iller-Mündung.

An den in dieser Untersuchung betrachteten und zur Römerzeit bedeutenden Orten
und
Nein, aber offensichtlich ist auch die Zivilbevölkerung zu großen Teilen abgewandert, jedenfalls aus dem heute württembergischen Landesteil.
Grünewald bezieht sich nahezu ausschließlich auf die Kastell-Vici und die Auswirkung von Truppenverlagerungen.
Macht Grünewald diesen Fehler? ....
Das macht er auch immer wieder deutlich, ergänzend zu meiner allgemeinen Seitenangabe konkret z.B.
S. 162:
Gerade in der römischen Gesellschaft der militärisch geprägten Grenzzone kann von anderen Faktoren des Einflusses auf die Bevölkerungsstruktur ausgegangen werden als bei einer – möglicherweise überalterten – Landbevölkerung. Schließlich handelt es sich bei den Soldaten um relativ junge und aufgrund der regelmäßigen Soldzahlungen verhältnismäßig finanzkräftige Männer. Militärisch bedingte Migration interagiert daher mit anderen Faktoren wie z. B. der Fertilität einer Gesellschaft. Solange gut verdienende junge Männer da sind, könnte auch mit einer höheren Fertilität zu rechnen sein, die nach Abzug der Soldaten eher stagnieren dürfte. Ferner stellt die Sterblichkeit einen wesentlichen Faktor für die Populationsgenese dar. Möglicherweise bleibt ein bestimmter – aufgrund des Alters eher standorttreuer – Gesellschaftsausschnitt nach dem Abzug der Soldaten an dem bisherigen Ort, was eine höhere Sterblichkeit und einen allmählichen weiteren Bevölkerungsrückgang in der Zeit nach dem Fort-gang der Truppe nach sich ziehen könnte
...

S. 163:
Aufgrund der konkreten Fragestellung, wie sich die Dislokation der Truppen auf die Bevölkerungsentwicklung auswirkt, entsprechen die ausgewählten fünf Zeitfenster ...

S. 164:
Möglich erscheint allenfalls, dass die vicani im Vergleich zu den Soldaten weniger intensiv von den enger datierten Importwaren profitierten und daher auch die Bestattungen der Ersteren nach Abzug der Truppen weniger gut durch chronologisch fein eingrenzbare Grabbeigaben fassbar sind.

S. 170:
... überrascht nicht, dass der Frauenanteil nach Abzug der Truppe bei einigen anthropologisch untersuchten Bestattungsplätzen besonders hoch ausfällt: In Rottweil, wo bis zu Beginn des 2. Jahrhunderts große Truppenkontingente lagerten, finden sich in der anschließenden Zeitspanne von 120/130 bis 140/160 n. Chr. nur noch Frauenbestattungen bzw. zwei unsicher als Männer bestimmbare Individuen mit einer signifikant niedri-geren Lebenserwartung als jene Männer, die während der Kastellzeit bestattet wurden. Inder anthropologischen Studie zu Rottweil ließen sich keine historisch belegten Gründe fürden hohen Frauenanteil sowie die Unterversorgung der in der Zeitspanne von 120/130bis 140/160 n. Chr. Bestatteten angeben. Ich sehe hingegen einen Zusammenhang mit dem Abzug der Truppe um 110/120 n. Chr. Eine Durchsicht des Katalogs von Heidelberg-Neuenheim ergab, dass als weiblich oder fraglich weiblich bestimmte Bestattungen überraschenderweise überwiegen. Dies gilt unter anderem für die rein zivile Phase von150/155 bis 185/190 n. Chr., in der bereits deutlich weniger Gräber vorliegen, in besonderem Maße mit 58 % Frauen. Sollte ein Teil der Frauen in Heidelberg und Rottweil zurückgeblieben sein, während die Soldaten abzogen? ...

S. 172:
Große Gräberfelder kommen mit der Einrichtung des vorderen Limes erstmals an den betreffenden Kastellorten beispielsweise von Osterburken, Jagsthausen, Welzheim, Schirenhof und Dambach vor. Die Gräberfelder im Hinterland und am ehemaligen Neckar-Oden wald-Limes weisen häufig eine stark zurückgehende Belegung auf.
 

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Da Du zu diesem Diskussionspunkt bislang kein Argument geliefert hast und auf meine letzten Rückfragen gar nicht mehr reagierst, gehe ich davon aus, dass sich diese Diskussion nunmehr ebenfalls erledigt hat.
Und durch welche Befunde soll bitte die "nahtlose" Ablösung dokumentiert sein?
grundsätzlich sind die frühalamannischen Brandgrubengräber schwerfassbar. Eine nur teilweise Erfassung trifft auf die meisten Gräberfelder zu. Zudem spiegelt das Nichtvorhandensein von Bestattungen einer bestimmten Zeitstufe nicht unbedingt ein Siedlungsende wider, da sich die Gräberfelder auch an eine andere Seite der weiter bestehenden Siedlung verlagert haben können (Grünewald, S. 165).
Muss ich mich wiederholen?
Dann kommt ein merowingerzeitliches Gräberfeld (siehe Emerkingen - Altgemeinde~Teilort - Detailseite - LEO-BW), dazwischen haben wir also etwa anderthalb Jahrhunderte lang - nichts.
als Entgegnung auf
Auf dem "Galgenberg" nördlich von Emerkingen ist - beispielsweise - zeitlich nahtlos die Ablösung der Zivilbesatzung des ehemaligen Lagerdorfes durch eine Alemannische Besiedlung dokumentiert.
(mein Quellenzitat: etwa 300 - 600 Annahme einer Alemannischen Besiedlung in der Nähe des Kastells (alemannische Gräber an der ehemaligen Munderkinger Straße auf dem Galgenberg) und ebenso
der Rheinübergang Tasgetium ist wie Konstanz, Pfyn, Oberwinterthur oder Kloten als westlicher Endpunkt der Donau(Süd-)Straße ist in der fraglichen Zeit um 300, also ~ 40 Jahre nach dem Limesfall, befestigt worden
im allgemeinen Kontext: Um 290 n. Chr. fiel der Beschluss zur Wiederbefestigung der Rhein- und Donaugrenze.

So, und jetzt drei Karten aus Kartenbasierte Suche - LEO-BW (leo-bw.de):
1. die römischen Siedlungen bis zum 3. Jahrhundert:
Anhang anzeigen 20030

2. die vorgermanischen Gewässer- und Siedlungsnamen der Region, die eine Namensübergabe und damit eine friedliche Bevölkerungskontinuität nahelegen
Anhang anzeigen 20031

3. die frühalemannischen Siedlungen ab dem 3. Jahrhundert:
Anhang anzeigen 20029

Man beachte gerade an der Donau(süd)straße die Nähe der früh- oder auch proto-allemanischen Funde zu den römischen Siedlung(szentr)en bei Tuttlingen, Leibertingen, Meßkirch, Riusiava (? Riß) und Ulm ...

Jetzt aber zum Abschluss dieser Teildiskussion:
Aber ganz grundsätzlich: wir sprachen ja vorige Tage über Orte, die aufgegeben wurden und deren Name verloren gegangen ist sowie Orte, deren Ortsnamen Kontinuität vorweisen. Kempten/Cambodunum und Bregenz/Brigantium sind Orte, die Ortsnamenkontinuität aufweisen. Der Verlust des Ortsnamens bzw. die Kontinuität des Ortsnamens kannst du als Indiz (Indiz, nicht Beweis) für bestimmte Trends in der Besiedlungsgeschichte werten. Wenn du feststellst, dass im "Keil" viele Ortsnamen ersetzt wurden, aber rund um den Bodensee viele Ortsnamen Kontinuität aufweisen, kannst du daraus die Trends ablesen, dass die Region offenbar aufgelassen bzw. nicht aufgelassen wurde. Je größer bzw. bedeutender der Ort zur damaligen Zeit, desto wahrscheinlicher ist abseits vom regionalen Trend die Ortsnamenkontinuität bzw. desto aussagekräftiger als Indiz (aber immer noch nicht beweiskräftig) ist der Ortsnamenwechsel.
Das ist nur auf den ersten Blick einleuchtend.

Warum?
Ich denke, wir sind uns einig, dass das Dekumatenland auch nach dem Abzug der römischen Grenzwachen weiterhin zumindest nominell unter römischer Oberherrschaft blieb, eine zunehmende Ansiedlung insbesondere elbgermanischer Kleingruppen erfolgte und die Alemannen zunächst als Foederaten (Klientelherrscher) entsprechendes Siedlungsgelände zugewiesen bekamen.
Wenn das so ist, dann dürfte die römischen Staatslatifundien und die zu diesen gehörenden Vici auch weiter unter dem Schutz des römischen Imperiums gestanden haben, von diesem "beansprucht" worden sein. Die Foederaten haben also das benachbarte "unbesiedelte" Areal zur Ansiedlung und Urbarmachung erhalten.
Das erklärt, warum nicht nur die Alemannen sondern später auch die Bajuwaren (beides Großverbände, deren Ethnogenese sich erst auf römischem Reichsgebiet vollzog) diese römischen Staatslatifundien mieden, ja geradezu meiden mussten.
Dass die Alemannen also die römischen Kastelle und ihre Siedlungen "mieden wie der Teufel das Weihwasser" ist geradezu ein Indiz für die weiter bestehende römische Oberherrschaft und die dadurch bedingte Unantastbarkeit dieser Staatslatifundien.
Dies erklärt auch die neue Namensgebung für alemannische Siedlungen, die nahe einem solchen römischen Staatseigentum gegründet wurden. Die älteren Namen mögen - insbesondere bei großen Orten mit Siedlungskontinuität - beibehalten sein, sie können auch auf unmittelbar benachbarte Orte übergegangen sein, sie werden aber vielfach mit dem "entschlummern der römischen Oberhoheit" auch verloren worden sein, oder sich nur in Flurnamen erhalten haben.

Diese Latifundien sind im späteren bairischen Gebiet der Provinzen Raetien und Noricum mit dem geordneten Übergang auf die fränkisch (merowingische) - bairisch (agilolfingische) Herrschaft auch als "Königs- oder Herzogsgut" weiterhin im Eigentum der staatlichen Repräsentanten gestanden.

Damit wir wieder zum Thema kommen:
Geht es eigentlich grundsätzlich noch um die Lokalisierung der Pontes Tesseninos?
ja ... leider mit einem sehr weiten Umweg

Sofern es den bayerischen Teil Raetiens betrifft, will ich nicht diametral widersprechen. Ich würde allenfalls die Fragezeichen unterstreichen (und an das Wort "starke" ebenfalls ein Fragezeichen machen). Auf das um 260 n. Chr. von den Römern geräumte Gebiet würde ich diese These nicht übertragen. Da sind wir in einem anderen Jahrhundert unter anderen Bedingungen.

...
ganz egal, wie ihr die Trassenführung der Tabula von Kaiseraugst nach Regensburg durch die Alemannia legen wollt:
sie führt eben durch die Alemannia, also nördlich des Bodensees vorbei.
Das lässt sich nicht wegdiskutieren.
Und das bedeutet, dass die Straße auch nach dem Abzug der römischen Staatsmacht weiter genutzt werden konnte, ja, sogar so weit genutzt wurde ...
was nun für den "schleichenden Herrschaftsübergang" an die sich dort bildenden Alemannen gilt, das ist für die geordnete Übergabe der römischen Herrschaft im späteren Baiovaricum erst recht anzunehmen.

Die römischen Straßen werden also auch in dieser Region weiter genutzt worden sein, genauso wie römische Straßenstationen (auf Epfach und Gilching hatten wir ja schon vermieden). Ich werde in den nächsten Postings versuchen, eine Lokalisierung auf dieser Grundlage vorzunehmen.
 
Ich denke, wir sind uns einig, dass das Dekumatenland auch nach dem Abzug der römischen Grenzwachen weiterhin zumindest nominell unter römischer Oberherrschaft blieb, eine zunehmende Ansiedlung insbesondere elbgermanischer Kleingruppen erfolgte und die Alemannen zunächst als Foederaten (Klientelherrscher) entsprechendes Siedlungsgelände zugewiesen bekamen.
Wenn das so ist, dann dürfte die römischen Staatslatifundien und die zu diesen gehörenden Vici auch weiter unter dem Schutz des römischen Imperiums gestanden haben, von diesem "beansprucht" worden sein. Die Foederaten haben also das benachbarte "unbesiedelte" Areal zur Ansiedlung und Urbarmachung erhalten.
Das erklärt, warum nicht nur die Alemannen sondern später auch die Bajuwaren (beides Großverbände, deren Ethnogenese sich erst auf römischem Reichsgebiet vollzog) diese römischen Staatslatifundien mieden, ja geradezu meiden mussten.
Dass die Alemannen also die römischen Kastelle und ihre Siedlungen "mieden wie der Teufel das Weihwasser" ist geradezu ein Indiz für die weiter bestehende römische Oberherrschaft und die dadurch bedingte Unantastbarkeit dieser Staatslatifundien.
Dies erklärt auch die neue Namensgebung für alemannische Siedlungen, die nahe einem solchen römischen Staatseigentum gegründet wurden. Die älteren Namen mögen - insbesondere bei großen Orten mit Siedlungskontinuität - beibehalten sein, sie können auch auf unmittelbar benachbarte Orte übergegangen sein, sie werden aber vielfach mit dem "entschlummern der römischen Oberhoheit" auch verloren worden sein, oder sich nur in Flurnamen erhalten haben.

Es sind teilweise Städte, die ihre Namen verloren. Wir hatten z.B. über Rottweil (Arae Flaviae) und Rottenburg (Sumelocenna) diskutiert.
Es ist auch so, dass die aufgelassenen villae nicht weiterbenutzt wurden oder wie in dem obigen Bsp. in ein Bad ein Speicher eingebaut wurde, was darauf schließen lässt, dass hier bereits kein Dach mehr existierte oder das Gebäude weiter eingerissen wurde, als das nur das Hypocaustum entfernt wurde.
Wie viele villae überlebten denn den Limesfall 260?
 
Die Mitglieder dieser Heerhaufen waren im Norden wohnhaft und lebten von Landwirtschaft und Viehzucht. Die Teilnehmer der Kriegszüge kehrten nach ihren Raubzügen auch dorthin zurück

Das ist aber jetzt wieder deine Interpretation? Oder woher?
Eine Quelle für die sog. "Bauernkrieger" oder "Freizeitsöldner" kann ich immer noch nicht entdecken.
 
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