Zeitungen während der Französischen Revolution

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von ursi, 17. August 2010.

  1. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Die Zeitungen waren ein sehr zentrales Element der französischen Revolution. Hier eine kleine Zusammenfassung.

    Anfang Mai 1789 erschienen in Paris die ersten unabhängigen Zeitungen. Darunter Mirabeaus Etat Géneraux und die von Jacques-Pierre Brissot Patriote Français. Trotz des Protests des dritten Standes wurden die Zeitungen gleich wieder verboten.
    Die Generalstände verweigerten dem grössten Pariser Verleger das Privileg der Berichterstattung aus ihren Versammlungen. Die Erklärung des Dritten Standes zur Nationalversammlung und weiteres revolutionäre Vorgänge gaben schliesslich den Ausschlag zur Publikation unabhängiger Presseorgane.
    Zwischen dem 19. Juni und dem 7. Juli 1789 erschienen fünf unabhängige Zeitungen. Darunter der Courier von Antione Joseph Gorsas. Nach dem Sturz der Bastille erscheine weitere neue Zeitungen, darunter die Wochenzeitschrift Révolutions de Paris und der Patriote Français erscheint auch wieder. Nachdem die Pressefreiheit offiziell war, gab es einen freien Markt für Information und Meinungsaustausch. Auch die politische Sprache änderte sich. Durch die öffentlichen Reden auf Strassenversammlungen und Demonstrationen oder in politischen Vereinen, kam an Stelle von förmlich-artifizieller Strukturen, die Spontanität in der öffentlichen Rede. Neben den Reden veränderte sich auch die gedruckte Sprache. Das verwundert auch nicht, da die Strassenredner meistens Journalisten und Politiker waren. Das wichtigste Medium wurde, neben den Flugblättern und Plakaten, die Tagespresse. Sie war am ehesten geeignet mit den Entwicklungen Schritt zu halten und die Nachfrage des Publikums zu befriedigen. Ihre Macher entwickelten einen dramatischen journalistischen Stil, der den Leser in den Bann zog. So sah zum Beispiel Dominique-Joseph Garat (Journal de Paris) seine Aufgabe darin die Leser zum Zeugen zu machen. Er schrieb die Ereignisse dramatisch und lieferte eine wirkungsmächtige Interpretation des Geschehens.
    Bis Ende 1789 kamen in Paris alleine 190 neue Zeitungen auf den Markt. Von denen erschienen über 20 täglich. 1790 gab es mehr als 300 Neuerscheinungen, dies waren meist nur kurzlebige Produkte, die vor der neuen Ordnungsmacht und deren Publizität nicht lange standhalten konnte. Nicht nur die Presseauflagen wurden grösser, sondern auch die Gesamtauflagen. 1793 wurden in Paris täglich 130 000 Zeitungen gedruckt, während der Terrorherrschaft ging diese Zahl zurück und 1795 stieg die Zahl auf
    150 000 Exemplare.
    1789 gab es in Paris insgesamt 47 Druckereien und Verlagshäuser
    1799 gab es dann 223 Druckereien und 337 Verlagshäuser und Buchhandlungen
    Auflagen der einzelnen Zeitungen zwischen 5 000 – 20 000.
    Die Pariser-Presse dominierte das Zeitungswesen. 60% der Zeitungen wurden in Paris gedruckt.
    1795 wurden ca. 95 000 Zeitungen ausserhalb von Paris verkauft.
    Ausserhalb von Paris hatten es die Zeitungen schwer gegen die etablierten Pariser Blätter anzukommen. Dennoch erschienen bis Ende 1791 in den übrigen französischen Städten 200 neue Zeitungen. Es gab Tageszeitungen die morgens und abends erschienen, darunter die La Sentinelle (Wandzeitung) von Jean-Baptiste Louvet. Die Révolutions de Paris brachte Wöchentlich politische Analysen und die Révolutions de France et de Brabant von Desmoulins, der Ami du Peuple von Marat, die Père Duchesne von Héberts waren mehr oder weniger regelmässig erscheinende Streitschriften. Die meisten neuen Tageszeitungen etwa der Patriote Français von Brissot verbanden indes Informationen und Kommentar zur der bis heute für die Tagespresse typischen Form.

    Quelle: Wolfgang Kruse, Französische Revolution
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Damit sich eine Diskussion entwickelt, hier mal eine Frage zu den Zeitungen.

    Welchen politischen Einfluss hatten die Zeitungen während der Französischen Revolution?
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Denken wir beide an den "Vieux Cordelier", so muss zumindest Robespierre diesen Einfluss für ganz bedeutend gehalten haben.:fs:

    Interessanter für mich wäre aber, da die Stimmungmache vor dem faktischen Ende der Pressefreiheit im Terreur ohnehin sehr gut erforscht ist, welchen Einfluss die Regierungsorgane hatten. Ich glaube, der "Moniteur" war das offizielle Blatt der Regierung.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Willst Du nun auf meine Antwort reagieren?
    Wenn nicht, was sollte dann diese Frage?:confused::confused::confused:
     
  5. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Was die Frage soll? Ganz einfach, ich wollte das eine Diskussion entsteht. Scheinbar hat aber niemand, ausser dir, grosses Interesse daran.

    War ein Versuch.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es gibt wohl zu wenig Interessierte, ja.

    Interessant an der Entwickung der Zahl der verkauften Zeitungen in Paris, die Du anführst ist für mich ein gewisser Gegensatz.
    Natürlich führte die restriktive Herrschaft der Montagnards zu einem Rückgang der Zeitungen. Was allzu scharf (wie der "Vieux Cordelier") der Meinung der Diktatoren widersprach, wurde von denen bekämpft. Überhaupt zeichnen viele Zeitgenossen und v.a. Besucher der Stadt für die Zeit des Terreur wirklich eine Stimmung der Verschlossenheit, der Angst in Paris.
    Andererseits las ich aber auch in einem Buch ("Ca ira" - ein Buch zur Liedkultur der Revolutionszeit, das ich leider mal verliehen und nie wieder bekommen habe), dass die Zahl der fliegenden Blätter mit den Texten von Chansons, Couplets etc. zum Tagesgeschehen dann im Directoire und sogar schon in der Zeit zwischen Herbst 1794 und Mitte 1795 stark zurückging.
    Wie erklärt sich dieser Gegensatz? Allein durch die militärische Situation? Oder war der politische Zündstoff schon vollauf musikalisch verarbeitet worden?


    Hast Du Ausgaben vom "Moniteur universel" vorliegend?

    Ich weiß nicht mehr, aber ich glaube schonmal irgendwo einen (wie mir scheint) typischen Artikel daraus hier eingestellt zu haben.

    Es wäre eine gute Frage, ob solche Regierungsorgane mehr Einfluss hatten oder ob die Reden Robespierres als Waffe gegen seine politischen Gegner wichtiger waren?
    Oder wurde sowas wie der "Moniteur universel" so wie "Das Neue Deutschland" nur als Fliegenklatsche genommen, da den regierungstreuen Artikeln sowieso nicht zu trauen war?:grübel:


    PS:
    Vielleicht ist nur Sommerpause oder wir müssen uns eine Weile unterhalten bis einem wacheren Forianer ein Stichwort fällt.:winke:
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich lese das auch interessiert mit, bin aber schon beim Thema Presse um 1900 (und europäische Politik) etwas überfordert.

    Hier wird folgendes ausgeworfen:
    historicum.net: Auswahlbibliographie zur Französischen Revolution

    Harvey Chisick (Hrsg.), The Press in the French Revolution, Oxford 1991
    Robert Darnton, Daniel Roche (Hrsg.), Revolution in Print: The Press in France 1775-1800, Berkeley 1989
    Ouzi Elyada, Presse populaire et feuilles volantes de la Révolution à Paris, 1789-1792, Paris 1991
    Arlette Farge, R umeur, ville et roi. L'opinion publique à Paris au XVIIIe siècle, Liège 1993
    Carla Hesse, Publishing and Cultural Politics in Revolutionary Paris, 1789-1810, Berkeley 1991
    Claude Labrosse, Pierre Rétat (Hrsg.), Naissance du journal révolutionnaire: 1789, Lyon 1989
    Claude Langlois, La caricature contre-révolutionnaire, Paris 1988
    Jeremy Popkin, Revolutionary News: The Press in France, 1789-1799, Durham 1990

    Jedenfalls wird keine spezielle deutschsprachige Monographie dazu angezeit, die Angelsachsen scheinen da interessierter zu sein.
     
  8. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Nein, leider nicht.
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Zitat Ursi
    Wenn ich das noch etwas, leider OT, ergänzen darf, das gilt für das gesamte 19. Jahrhundert uneingeschränkt auch.

    Die liberalen und demokratischen Blätter zB spielten eine sehr große Rolle bei der 48er Revolution.

    Die Zeitungen des 19. Jahrhunderts sind eine Liebhaberei von mir, deshalb entschuldigt, wenn ich mich hier auch äußere.
    Aber leider keinerlei direkte Unterlagen über die Blätter der franz. Revolution. Das eine oder andere aus Zeitungsartikeln von Wieland, Kleist und Hebbel, aber sonst leider nichts.
     
  10. excideuil

    excideuil unvergessen

    "Macht zu 2 Sous"

    In der Tat, das Thema ist völlig an mir vorbeigerauscht.

    Zuerst ein paar Zahlen:
    Anzahl tägl. erscheinender Zeitungen:
    Jahr Paris Provinz
    1790 335 52
    1791 236 44
    1792 216 29
    1993 113 31

    Diese Zeitungen schrieben im Sinne des Artikel XI. der Menschenrechte, der den freien Ausstausch von Gedanken und Ansichten als eines der kostbarsten Menschenrechte postuliert. Wörtlich heißt es: "Jeder Bürger kann also frei schreiben, reden, drucken unter Vorbehalt der Verantwortlichkeit für den Mißbrauch dieser Freiheit in den durch Gesetz bestimmten Fällen."

    In der Folge wurden Schmähschriften gedruckt und mit dem Namen von Abgeordneten gezeichnet, die dies bestritten, auf der einen Seite standen die Förderer der Revolution, auf der anderen, die diese bekämpften.

    "Die Mitglieder der Nationalversammlung und der neuen Stadtverwaltung zeigen sich sehr besorgt über diesen Störfaktor, der es ermöglicht, dass ein um zwei Sous zu erstehendes Blatt die Neuordnung des politischen Systems in Frage stellen kann."
    Dies sicher auch unter dem Aspekt, dass die Reichweite einer Zeitung höher als ihre Auflage war: angesichts der Tatsache, dass die Zeitungen oft vorgelesen wurden, kann dem "L'Ami du Peuple" von Marat bei einer Auflage von 2000 Stück eine Reichweite von 20000 Lesern unterstellt werden.

    Jedenfalls erfolgten Einschränkungen z.B. nach den antimonarchischen Unruhen vom 17. Juli 1791 als die Nationalversammlung verfügte, "dass Personen, die in ihren Schriften zu Mord und Plünderung sowie zu Ungehorsam gegenüber dem Gesetz aufrufen, zu ergreifen und der Justiz zu überantworten sind."

    Das in der Statistik deutliche werdende Zeitungssterben vor allen in Paris würde ich aber eher wirtschaftlichen Gründen zuordnen.
    Viele der Zeitungen erschienen nur in einer Auflage von 300-500 Stück, was nur ein kurzes "Leben" ermöglichte.

    Gut gehende Zeitungen erschienen mit einer Auflage von 5000 Stck.

    Als Beispiel sei "Le Patriote français" mit 10000 Exemplaren genannt. Die Auflage kostete 200 Livres, das heißt 73000 pro Jahr. Allein aus den Abonnements konnten 100000 - 180000 Livres erlöst werden, was nahelegt, dass dem Verleger nach Entlohnung des Chefredakteurs Brissot noch eine stattliche Summe übrig blieb.

    Auch bei der Beschaffung von Informationen aus der Provinz und dem Ausland war natürlich der im Vorteil, der über ein gut funktionierendes Netzwerk - auch zur Verteilung von Zeitungen - verfügte. Und das war nur mit Einfallsreichtum und finanziellen Mitteln möglich, die ein kleines Blatt nicht vorhalten konnte.

    Die meisten Zeitungen widmeten etwa drei Viertel ihres Platzes der in der Nationalversammlung stattfindenden Debatten bzw. zu Erörterungen oder polemischen Stellungnahmen. Aber nicht alle.

    Es gibt auch die Sensationspresse, die Berichte über die Festnahme von Diebesbanden im Detail schilderte oder auch einen Selbstmord sensationell aufmachte...
    Daneben gab es natürlich auch Blätter, die die weibliche Leserschaft ansprachen, über Mode etc. schrieben und auch den Leserbrief einführten, die u.a. die Prob. der Erziehung beinhalteten:
    "Soll man die Kinder bei ihren ersten Gehversuchen am Gängelband führen oder nicht? Im Jahre 1789 habe ich dem Kindermädchen aufgetragen, die Gängelbänder zu entfernen, weil ich von allen Seitenvernahm, dass man diese jetzt abgeschafft habe, dass unsere Kleinen ungehindert laufen können und sich dadurch einen ganz anderen Gang sich angewöhnen sollten, der sie zu kräftig gebauten Menschen heranwachsen lasse. Ich sah voll Entzücken, wie meine Knirpse sich aufrichteten, stolz einhermarschierten und mir zuriefen: "Mama, wir sind frei!" Sie bewegten sich fortan ganz anders und begannen ungezwungen herumzutollen."

    Viele Zeitungen begannen Anzeigen zu schalten, zu 2 Sous die Zeile, was durchaus positive Auswirkungen auf die Auflage hatte, ein Beispiel:

    "Ein junger Mann, der im Begriff steht, die Laufbahn eines Pflichtverteidigers bei den Pariser Gerichten einzuschlagen, und über ein teils ererbtes, teils erspartes Vermögen von rund 40000 Livres verfügt, sucht eine Partnerin zwischen 20 und 22 Jahren, welcher er ein Einkommen von 3000 Livres bieten kann. Seine Gesichtszüge sind etwas unregelmäßig, aber er ist gut gebaut, kerngesund, hat strahlende Augen, fröhliche Miene und hält alles, was er verspricht."

    Noch ein Wort zu den Journalisten. In der Regel waren 2 - 3 Journalisten, in Ausnahmen bis zu 20 ("Les Actes des Apôtres") beschäftigt, freie Mitarbeiter keine Seltenheit. Alle Journalisten (ob für eine rechte oder linke Zeitung arbeitend) hatten eine solide Ausbildung, viele sogar ein Jurastudium, viele stilistisch top (Marat), teilweise sogar großes schriftstellerisches Talent (Hérbert).

    Insgesamt läßt sich wohl sagen, dass das Medium Zeitung Einzug in das tägliche Leben nahm, da gelten kann, dass 1791 ca. 300000 - 500000 Franzosen auf ihre Zeitung warteten. Zudem wurde es üblich, dass in Cafés und Wirtshäusern - ausliegende - aktuelle Zeitungen gelesen wurden, was sich bei den Wirten umsatzfördernd auswirkte.

    Grüße
    excideuil

    Quelle:
    Bertaud, Jean-Paul: Alltagsleben während der Französischen Revolution, Ploetz, Freiburg – Würzburg, 1989, Seiten 100-117
     
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  11. Isleifson

    Isleifson Gesperrt

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  12. Isleifson

    Isleifson Gesperrt

    Das entspricht ja den Thesen von Emmanuel Todd zum Zusammenhang zwischen Alphabetisierung und Revolution.

    Emmanuel Todd - Wikipédia
     
  13. excideuil

    excideuil unvergessen

    Nein, ich will mich nichts des Vorwurfs aussetzen, dass nur ein Herr in einer Annonce zu Wort kommt:
    "Ich bin derzeit fünfundzwanzig Jahre alt [...] und keine Schönheit, aber laut Aussage der anderen Frauen, denen man in dieser Frage eher glauben kann als den Männern, auch nicht gerade häßlich. Was meine äußere Erscheinung anbelangt, so bin ich nicht zu klein, sehe kerngesund aus und habe schönes Haar. Auch meine Zähne können sich sehen lassen, und ich bin zwar rundlich, aber nicht zu dick. Was meine Wesensart betrifft, so bin ich sanft wie ein Lamm, fügsam, offen und überaus feinfühlig; ich habe ein weiches Herz und verfüge außerdem über einige Talente sowie ein stattliches Vermögen. [...] Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass ich einen Mann aus guter Familie und mit ordentlichen Umgangsformen suche." [1]

    Aus dieser Anzeige von 1791 wird nicht nur deutlich, dass Frauen sich - glücklicherweise - nicht geändert haben, sondern auch, dass die Nutzung des Mediums Zeitung doch noch recht privilegiert blieb. Auch 2 Sous für den Kauf oder 2 Sous für die Zeile müssen erst einmal übrig sein.

    Grüße
    excideuil

    [1] Bertaud, Jean-Paul: Alltagsleben während der Französischen Revolution, Ploetz, Freiburg – Würzburg, 1989, Seiten 116-117
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ excideuil

    Gibt es Vergleiche zur Zeitungsentwicklung in Deutschland und Frankreich?
    Über 200 Zeitungen in Paris, einer Stadt mit etwa 600.000-700.000 Einwohnern erscheint ja sehr viel. Andererseits muss man bedenken, dass auch deutsche "Lokal"zeitungen von damals keine so arg große Auflage erreicht haben, v.a. wenn es sich um reine Intelligenzblätter handelt, die praktisch nur aus Verlautbarungen der Regierung/Stadtobrigkeit sowie Angaben zu Jahrmärkten, Versteigerungen, Steckbriefen, Stellengesuchen u.ä. bestand.
    Mir scheint generell, dass der Zeitungsmarkt in den 1780ern quasi explodiert ist. Gab es vordem fast nur in den wichtigen Handels- und Regierungszentren Zeitungen (Augsburg, Frankfurt usw.), so gab es diese von da an auch vermehrt auf dem Lande.
     
  15. excideuil

    excideuil unvergessen

    Kann ich nicht sagen. Allerdings scheint mir auch fraglich, ob man die Presse Frankreichs mit der Deutschlands zu der Zeit wirklich vergleichen kann. Mir liegt ein Exemplar der: "Herzogl. Fürstl. Anhalt -Deßauische wöchentliche Nachrichten " vom 21. März 1812 (No. XII) vor, das sich eher wie ein Amtsblatt liest, so wie wir es heute von den Landkreisen kennen. Ich weiß nicht, ob man da von "echter" Presse sprechen kann, auch wenn bereits so etwas wie Annoncen zu finden sind:
    "Der Gärtner Herr Dolge will sein in der Stiftsstraße unter No. 415 belegene Haus, Hof und Garten aus freier Hand verkaufen."

    Grüße
    excideuil
     
  16. Bataaf

    Bataaf Neues Mitglied

    Über politische und gelehrte Zeitungen, Messrelationen, Intelligenzblätter und über Flugschriften zu Frankfurt am Mayn.

    Über politische und gelehrte Zeitungen, Messrelationen, Intelligenzblätter ... - Joachim ¬von Schwarzkopf - Google Boeken

    Das Buch gibts in faksimile. (Zentralantiquariat der Deutschen Demokratischen Republik, 1976) Es enthält auch ein zweites Buch über Zeitungen in Sachsen, Thüringen und Hessen.

    Und in Napoleonwiki gibt es auch beiträge über die Zeitung.

    Zeitung - NapoleonWiki

    Kategorie:Zeitungen - NapoleonWiki
     
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  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das ist sehr unterschiedlich auch innerhalb der Zeitungen. Ich habe mich natürlich bis jetzt primär mit Zeitungen beschäftigt, die zu meiner unmittelbaren Umgebung passen und die digitalisiert vorliegen. Beispielsweise die Freiburger Zeitung scheint zeitweise eher den Charakter eines fast reinen Anzeigenblattes gehabt zu haben. Das war aber nur zuerst mein Eindruck bis ich eine Ausgabe von 1795 las, worin eigentlich wirklich alles Aktuelle zum Tagesgeschehen stand, teilweise sogar mit Spekulationen wie zum Fortgang der Ereignisse in den Niederlanden. Die „Erlanger Realzeitung“ kenne ich aus dem Jahre 1763 und darin findet man auch das große Weltgeschehen, sogar ziemlich bissig kommentiert.

    Um etwas aussagekräftiges bemerken zu können, müsste man aber wohl wirklich einige dutzend deutsche und französische Zeitungen über einige Jahrgänge lesen (immerhin ein unterhaltsames G‘schäft :) ). Bei den deutschen Zeitungen habe ich zumindest generell den Eindruck, dass die politische Färbung anders als bei den französischen nur tendenziell und teilweise durch die Blume ist. Das schließt natürlich nicht aus, dass bspw. 1795 in der Freiburger Zeitung, die Franzosen regelrecht als verrohte Wilde beschrieben werden, die sich nicht mehr anständig kleiden können und deren einzige Vorzüge in ihren Damen bestehen, die im Gegensatz dazu als zivilisiert und geschmackvoll beschrieben werden und vor allem als deutlich gebildeter als die verdummten Männer. :rofl:
     
  18. Marie Luise

    Marie Luise Neues Mitglied

    Hallo,

    zu den österreichischen Zeitungen kann man ANNO der Österreichischen Nationalbibliothek sehr empfehlen. Hier sind viele Jahrgänge verschiedener österr. Zeitungen wie die "Wiener Zeitung" digitalisiert als PDF-Datei.

    lg, Marie Luise
     
  19. ChSwann

    ChSwann Neues Mitglied

    Hallo zusammen (mein erster Beitrag!),

    ich hole das Thema einmal wieder hoch, weil ich gerne mit einer Frage anknüpfen würde. Ich hoffe, dass das in Ordnung ist.
    Derzeit befasse ich mich mit der Hinrichtung Ludwigs XVI. Mir geht es um die Frage, wie an dem Ereignis der Bruch in der revolutionären Bewegung sichtbar wird. Zumeist wurde das anhand von Reden zum Prozess im Vorfeld der Exekution untersucht.
    Ich würde nun gerne einen Blick auf die Zeitungen werfen, denn auch hier gab es ja durchaus stark unterschiedliche Positionen, denen man Nähe zu den verschiedenen Parteien unterstellen kann.

    Vielleicht kann mir jemand konkret bei Folgendem helfen:
    1. Welche Zeitungen sind klar einem bestimmten Spektrum zuzuordnen, insbesondere Girondisten und Bergpartei (also wie der Patriote Francais von Brissot und der Volksfreund von Marat)?
    2. Gibt es eine deutsche Publikation oder Quellensammlung, die Übersetzungen zentraler Zeitungstexte enthält? Mein Französisch ist doch recht stark eingerostet.


    Für mich waren diese Links bislang hilfreich:
    Liste von Zeitungen der Revolutionszeit:
    https://fr.wikipedia.org/wiki/Liste_des_journaux_parus_sous_la_Révolution_française
    Digitalisate verschiedener Zeitungen:
    L'Ami du peuple, ou le Publiciste parisien : journal politique libre et impartial / par une société de patriotes, et rédigé par M. Marat, auteur de l'Offrande à la patrie, du Moniteur & du Plan de constitution, &c.
    Interessanter Überblick über die Thematik:
    Die Französische Revolution als europäisches Medienereignis — EGO

    Beste Grüße.


    Änderung:
    Eine kleine Korrektur - Der L'Ami du peuple erschien zum Zeitpunkt der Hinrichtung nicht mehr, Marat selbst war ja bereits vorher ermordet worden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Februar 2016
  20. ChSwann

    ChSwann Neues Mitglied

    Jetzt muss ich mich gleich mit einem Doppelpost einführen - Marat ist natürlich erst nach der Hinrichtung ermordet worden.
     

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