Die Shoa als Rechtfertigung

Die Wahnvorstellung vom Juden als raffender Kapitalist, der sich durch "dunkle" Machenschaft an den Börsen angeblich bereichert, hat mit "Rassismus" nichts zu tun. Die verschiedenen Ausprägungen des Antijudaismus/Antisemitismus/Antizionismus ändern nichts an der Tatsache, dass alle auf denselben Kern zurückgehen. Man findet noch heute Elemente des mittelalterlichen Antisemitismus im modernen.
Mensch, nimm es einfach hin. Ganz einfach:

Antijudaismus (wie ZB bei Luther): Ein Jude kann der Verfolgung entgehen, indem er konvertiert. Er hat eine jüdische Religion. Er ist nicht "jüdischen Blutes".

Antisemistismus: Antijudaismus mit rassistischer Komponente. Man kann der Verfolgung nicht durch Konvertieren entkommen. Man ist nicht nur Teil einer Religionsgemeinschaft, sondern der "jüdischen Rasse".

Wer den Antisemitismus als Rassismus definiert,

Nicht als Rassismus, also keine Gleichsetzung, sondern als rassistisch.

Du musst doch einsehen, dass es ein Unterschied ist, ob man deswegen verfolgt wird, was man glaubt, oder deswegen, wer man ist.

Und ja, das ändert nichts daran, dass es einen direkten Weg vom Evangelium, über Augustinus, über Luther zu den Konzentrationslagern gibt.
 
Auch der zeitgenössische Satz Heinrich Heines „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende Menschen“ wird oft in diesem Zusammenhang zitiert, obwohl er sich nicht explizit auf die Bücherverbrennung beim Wartburgfest bezog.
Den Satz schreibt Heine im Almanzor und er bezieht sich auf die Bücherverbrennungen von Granada 1499. Heine mit seinem Geschichtswissen (ich habe als junger Student mal das Vorhaben gehabt, ein Buch über Heines Befassung mit der spanischen Geschichte zu schreiben, bis ich entdeckte, dass es ein solches Buch schon gab) hat hier also nichts prophezeit, sondern prophetische Worte seiner Figur Hassan in den Mund gelegt:

Almansor:
Wir hörten daß der furchtbare Ximenes,
Inmitten auf dem Markte, zu Granada –
Mir starrt die Zung im Munde – den Koran
In eines Scheiterhaufens Flamme warf!

Hassan:
Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher
Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.

Mit Ximenes ist der spanische Kardinal Francisco Jiménez de Cisneros gemeint, der gewissermaßen den Bischof von Granada (Talavera) entmachtete, der die Muslime durch Überzeugung zum Christentum bekehren wollte, Cisneros mangelte es da an Geduld. Die Stelle bezieht sich natürlich auf die Autodafes der spanischen Inquisition, auch wenn sie häufig in Bezug auf den 10. Mai 1933 und den Holocaust bezogen zitiert wird.
 
Kolonialismus oder Kolonialismus - zur Begriffsklärung

Kolonisieren hat - folgt man dem Duden - eine Doppelbedeutung:
1. (ein Gebiet) zu einer Kolonie machen
2. urbar machen, besiedeln und wirtschaftlich erschließen



I.
Klassisch ist der Begriff "Kolonialismus" mit der ersten Bedeutung verbunden: Eine (historisch vornehmlich) europäische Macht verleibt sich ein Stück Land auf einem anderen Kontinent ein, um es (platt formuliert) als Zeichen der eigenen Grandeur zu beherrschen, seine Ressourcen und Bodenschätze zugunsten des Mutterlandes auszubeuten und/oder einen zusätzlichen Absatzmarkt für inländische Produkte zu monopolisieren. "Bevölkerungsaustausch", Immigration/Emigration spielen dabei, wenn überhaupt, meist eine zu vernachlässigende Rolle: Ist das Land einmal halbwegs erobert und befriedet, so bleiben im Normalfall nur mehr höhere Militärpersonen (die die in der Kolonie rekrutierten Soldaten befehligen), sowie Verwaltungsbeamte zurück: Solange deren Dienstzeit halt läuft. Darum gesellen sich eine begrenzte Anzahl an Dienstpersonal, Händlern, neuen Großgrundbesitzern und einigen Glücksrittern. So haben etwa 200 Jahre britische Herrschaft in Indien nur einen marginalen genetischen Fußabdruck hinterlassen (deutlich weniger als 0,1% der Bevölkerung sind sg. Afro-Inder - haben also zum Teil britische Vorfahren).
II.
Dennoch gibt es bedeutende Beispiele, in denen die Kolonisierung anders verläuft, weil die neugewonnenen Gebiete zu einem Sehnsuchtort für religiös und politisch Verfolgte oder Drangsalierte, sowie ökonomisch Benachteiligte werden, die dorthin zuerst nur vereinzelt und in kleinen Gruppen, später dann massenhaft, einwandern, um dort ein besseres Leben zu suchen und „Land zu nehmen“. Dabei ist die Zuwanderung nicht nur auf Bewohner der Kolonialmacht beschränkt, sondern erfaßte oft auch andere europäische Länder (1776 stellten deutschsprachiche Zuwanderer allein etwa ein Zehntel der Bewohner der späteren USA).
Auch mit der Unabhängigkeit dieser vormaligen Kolonien endet dieser Prozess der Landnahme und Zuwanderung nicht, oft intensiviert er sich sogar noch (Vergleichen Sie einmal die Grenzen der USA 1776 mit denen ein Jahrhundert später). Die Verdrängung und Marginalisierung der einheimischen Bevölkerung - teilweise sogar deren physische Auslöschung - werden dabei als bestenfalls notwendiges Übel in Kauf genommen.
Dieser Prozess - als Hauptbeispiel dienen meist die USA, aber auch Länder wie Australien, Neuseeland oder Südafrika - wird im englischen als „settler-colonialism“ bezeichnet und bezieht sich - nach obiger Duden-Definition - vorwiegend auf die zweite Bedeutung dieses Begriffes.

Stichwortartig zusammengefaßt lauten die Eckpunkte:
a. Auswanderung von Europäern in außereuropäische Gebiete zum Zwecke der Besiedlung und Landnahme, hervorgerufen durch innereuropäische Problemlagen,
b. Zurückdrängung der originären Bevölkerung zu diesem Zwecke, schließlich
c. Gründung eines eigenen Staates europäischen Zuschnitts auf diesen Gebieten, der auch
d. nach Gründung darauf drängt, die eigenen Grenzen immer weiter auszudehnen und Siedlungsprojekte weiter vorantreibt.

Welch Wunder, dass manche auch Israel unter diesen Gesichtspunkten sehen: Mit europäischer, insbesonders deutschsprachiger Brille mag dieser Vergleich oder diese Gleichsetzung angesichts der jüdischen Geschichte im Europa des 20. Jahrhunderts blasphemisch oder wie ein Sakrileg wirken. Setzt man diese Brille für einen Moment ab und denkt „außereuropäisch“, kann man sich allerdings der Logik der Argumentation nicht ganz entziehen.

Anmerkung:
Ich will das hier nicht weiter diskutieren, sondern wollte nur grundsätzlich etwas zur Begriffsbildung „settler-colonialism“ beitragen, die— wie mehrere Wortmeldung zeigen - hier nicht allgemein bekannt zu sein scheint.

Und ach ja:
Im Text erwähnte Zahlen stammen von Tante Wiki.

Edit: Typos
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn Du Bücherverbrennungen nicht als Antisemitismus bezeichnen willst, weil es den Begriff damals noch nicht gab, ändert das nichts am Grundproblem.
Diesen Gedanken verstehe ich nicht und kann auch nirgendwo erkennen, ihn nahegelegt zu haben (Thomas & Heinrich Manns Schriften wurden aus antisemitischen Gründen verbrannt?)
 
Punkt 1: Wer den Antisemitismus als Rassismus definiert, steht vor dem Problem, Wahnvorstellungen wie die jüdische Weltverschwörung oder die Wahnidee vom angeblich gierigen Geldjuden erklären zu müssen.
Nein, eigentlich nicht, denn die Gier ist ja nur eine der in diesem Fall rassistisch definierten Gruppe zugeschriebene Eigenschaft.

Der Antisemitismus hat definitiv christliche Wurzeln. Diese Wurzeln merkt man selbst dem Antisemitismus des 21. Jahrhunderts immer noch an.
Nein, denn dann müsste er ein an das Christentum gekoppeltes Phänomen sein, dass anderswo, wo diese Grundlage fehlt nicht vorkommt, aber das entspricht wohl kaum der Realität z.B. in diversen muslimischen Ländern im nahen Osten.

Das Christentum hört da auf, wo dem Konvertiten die Anerkennung als solchem verweigert wird. Was darüber hinausgeht und das Judentum als unveränderlich definiert, hat keine christlichen Wurzeln mehr, sondern ist qualitativ etwas anderes und zwar etwas, wofür es (der Antisemitismus in muslimischen Ländern belegt das), des Christentums nicht bedarf.

Antisemitismus ist eine bestimmte Form des Antikapitalismus.
Nö. Denn wenn man sich z.B. den Antisemitismus im NS anschaut, wurden Juden oder als jüdisch gelesene Personen immer mit mehrfachen Vorwürfen in verschiedene Richtungen belastet.

Waren sie wohlhabend, wurden sie wegen ihres Wohlstands verteufelt, während die NS-Propaganda gleichzeitig aber auch Juden als zerlumpt und schmutzige Habenichtse darstellte und sie dafür anprangerte.

Da war nichts stringent antikapitalistisch, zumal es ohnehin nichts mit Antikapitalismus zu tun hat, wenn nur der tatsächliche oder angebliche Kapitalismus einer einzigen Gruppe kritisiert, bei anderen aber geduldet oder gar als honorig anerkannt wird.

Personen, die das Motiv vom gieriegen Geldjuden hochhielten, gleichzeitig aber die Interessenparteien des Großkapitals, wie die DVP oder die DNVP wählten, waren antisemitisch, aber nicht antikapitalistisch.

Punkt 2: Auswanderung aus den deutschen Ländern erfolgte mitunter auch aus religiösen und politischen Gründen (1848er Revolution!)
Es gab 1848 mal eine politisch bedingte Emigrationswelle, das ist richtig, aber die war mehr oder minder ein Einzelphänomen.

Anders als die zentral organisierten Staatengebilde Westeuropas boten die deutschen Kleinstaaten, was die religiösen Problematiken angeht ja immer durchaus genügend Ausweichmöglichkeiten für Abweichler in der näheren Umgebung, so dass dafür niemand über den großen Teich musste.

Und von Verfolgung, konnte anders als bei den ersten Auswanderern aus Großbritannien 200 Jahre vorher, als es mit der deutschen Massenauswanderung losging keine Rede sein, die gab es schlicht nicht.

Die deutsche Geschichte ist voll von solchen Beispielen. Man denke nur an die Mennoniten, Schwarzenauer Brüder, Schwenkfelder, Pietisten und Böhmische Brüder.
Die Böhmischen und Mährischen Brüder waren eher ein tschechisches Phänomen, als ein Deutschens, außerhalb von Böhmen und Mähren hatten die ja kaum Anhänger, viele Mennoniten folgten zunächst mal der Einladung Katharina II. nach Russland, aber diese Gruppe litt eigenlich in den deutschen Landen nicht unter Verfolgung, sondern anderswo wurden bessere Konditionen geboten.
Und die Pietisten waren im 19. Jahrhundert, als es mit der Massenauswanderung aus Deutschland losging keine bedrängte Minderheit, sondern eine Einflussreiche und durchaus anerkannte Strömung des Protestantismus lutherischer Prägung.
Unter anderem Bismarck dankte Vertretung dieser Richtung Protektion und Hilfe dabei in der Politik Fuß zu fassen.

Es mag sein, dass es ein paar Leute gegeben hat, die irgendwann im ausgehenden 17. und 18. Jahrhundert auf Grund religiöser Intoleranz von Deutschland aus mal nach Amerika rübergemacht und sich in Pennsylvania niedergelassen haben, aber als es mit der Massenauswanderung aus Deutschland losging, war das keine Triebferder mehr.

Religion und Kolonialismus sind im 19. Jahrhundert kein Widerspruch.
Ich behaupte auch nicht, dass das ein Widerspruch wäre, sondern nur dass Religion bei der Kolonisation und den Auswanderungswellen des 19. Jahrhunderts, soweit es die deutschen Gebiete betrifft, ein allenfalls nachgerodnetes Motiv war. Bei der Auswanderung aus anderen Teilen Europas, etwa aus dem russischen Zarenreich, wo es um die Jahrhundertwende herum antijüdische Pogrome gab und die polnischen und litauischen Katholiken massiven Repressionen ausgesetzt waren, mag das anders ausgesehen haben.

Für Deutschland wird Religion erst ab der ausgehenden Weimarer Zeit wieder zu einem verstärkten Motiv für Auswanderung, in diesem Fall dann sich zunehmend diskriminiert und repressiert sehender jüdischer Personen.
Punkt 3: Die Ideen von 1830 und 1848 waren nicht frei von Antisemitismus. Auch hier irrst Du Dich.
Ich habe nie behauptet, sie wären frei von Antisemitismus gewesen, sondern ich habe geschrieben, dass ich außerordentlich unzufrieden damit bin die politischen Ideen des Vormärz und von 1848 unterschiedslos zusammen mit denen von 1918 (oder meinetwegen auch 1900)-1945 rum unter "Nationalismus" zu subsummieren.

Natürlich zeigten sich 1848 durchaus schon Anzeichen dafür, wohin das möglicherweise gehen würde, sowohl in der Auseinandersetzung um die Zukunft der polnischsprachigen Gebiete Preußens, als auch im Streit mit Dänemark um Schleswig-Holstein.

Nichts desto weniger, fallen die frappierenden Unterschiede ins Auge.

Als 1832 die national begeisterten Studenten zum Hambacher Schloss zogen wurden dabei lebhafte Sympathien auch für die polnische Nationalbewegung bekundet und 1848 ist es ein Anliegen des liberal dominierten kleindeutschen Nationalismus eine nationalstaatliche Lösung in einem Rahmen zu finden, in dem möglichst wenig nicht deutschsprachige Gebiete einbezogen werden, weswegen sie sich auf die Vorstellung eines deutschen Staates ohne Einbeziehung Österreichs verlegen.
Das ist inhaltlich etwas fundamental anderes, als die Wilhelminische Weltgeltungs- und Weltmachtpolitik oder die deutsch-nationale Gangart nach dem 1. Welrktieg jede deutsche Sprachinsel in Osteuropa "heim ins Reich" holen zu wollen.
Das sind frappierende Unterschiede.

Und ähnlich weit klaffen für mich die Ideen der Zionisten des 19. Jahrhunderts und heutiger "Groß-Israel"-Ideologen auseinander. Ich finde das schwierig eine solche Spannweite sinnvoll unter einem Begriff zu subsummieren.
 
Nein, denn dann müsste er ein an das Christentum gekoppeltes Phänomen sein, dass anderswo, wo diese Grundlage fehlt nicht vorkommt, aber das entspricht wohl kaum der Realität z.B. in diversen muslimischen Ländern im nahen Osten.

1. Nein, nur weil etwas die Wurzel in etwas hat, muss es nicht zwangsläufig immer damit gekoppelt sein. Weihnachten zum Beispiel hat wohl eindeutig christliche Wurzeln, wird aber längst nicht nur von gläubigen Christen gefeiert.

2. Wenn die Behauptung wäre, man müsse ein Christ sein, um Antisemit sein zu können, hättest du vielleicht ein Argument. Das wird aber nicht behauptet.

3. Ist das Christentum nicht eine der Grundlagen des Islam? Wo fehlt diese Grundlage also im Nahen Osten?
 
Mensch, nimm es einfach hin. Ganz einfach:

Antijudaismus (wie ZB bei Luther): Ein Jude kann der Verfolgung entgehen, indem er konvertiert. Er hat eine jüdische Religion. Er ist nicht "jüdischen Blutes".

Antisemistismus: Antijudaismus mit rassistischer Komponente. Man kann der Verfolgung nicht durch Konvertieren entkommen. Man ist nicht nur Teil einer Religionsgemeinschaft, sondern der "jüdischen Rasse".



Nicht als Rassismus, also keine Gleichsetzung, sondern als rassistisch.

Du musst doch einsehen, dass es ein Unterschied ist, ob man deswegen verfolgt wird, was man glaubt, oder deswegen, wer man ist.

Und ja, das ändert nichts daran, dass es einen direkten Weg vom Evangelium, über Augustinus, über Luther zu den Konzentrationslagern gibt.
Da ist vieles grundlegend falsch. Der "gierige" Jude als angeblich raffender Kapitalist erscheint schon bei Luther und ist auch im Mittelalter ein Topos. Diese Erzählung wurde 1:1 übernommen. Da man Juden im realen Leben die Ausübung körperlicher Arbeit nach Möglichkeit verbot oder ihnen unehrenhafte Tätigkeiten aufbürdete wie z.B. Abdeckerei, drängte man sie in Berufe wie den Geldhandel. Der galt als unchristlich, "raffend". Hatte man dieser Gruppe erst einmal diesen "Nimbus" verlieren, war das Ressentiment in der Welt. Es ist im Grunde piepe, ob der ursprünglich christliche begründete Antijudaismus heutzutage in seiner liberalen, seiner linken, seiner rechten, in seiner religiösen oder in einer nichtchristlich-muslimschen Fratze daherkommt. Der moderne Antisemitismus hat tatsächlich viele Elemente aus dem christlichen Antijudaismus übernommen – aber er ist nicht identisch damit. Vor allem hat er den alten Antijudaismus mit biologistischen Erklärungsmustern vereinigt. Er ist aber im Kern keine rassistische Ideologie und würde wenn er ausschließlich eine solche wäre, als antikapitalistisches Welterklärungsmodell auch nicht funktionieren. Der Grundgedanke des Antisemitismus baut auf der Vorstellung vom "anständigen", (christlich-)schaffenden, auf "Arbeit" beruhendes Kapital auf, das dem angeblich jüdisch-raffenden Kapital gegenübersteht. Dass diese Vorstellung von Muslimen übernommen wurde, hängt damit zusammen, dass keine der Weltreligionen jemals eine vernünftige Kapitalismuskritik hinbekommen hat. Dass der moderne Antisemitismus keine antikapitalistischen Wurzeln hat, dürfte eine linke Erzählung sein, denn letzten Endes entschuldigt die Gleichsetzung Antisemitismus=simpler Rassismus strukturellen Antisemitismus bzw. entsprechende Vorstellungen in der Linken (z.B. "böse Spekulanten, die an der amerikanischen Westküste, die Welt beherrschen"). Juden wurden nicht allein wegen ihres Glaubens oder ihre Rasse verfolgt, sondern weil man glaubte, in ihnen das Gegenteil des rechtschaffenden, ausgebeuteten arbeitenden Menschen sehen zu müssen. Man fand in ihnen den perfekten Sündenbock für gesellschaftliche Missstände. Ob du die nun aus christlicher Perspektive wahrnimmst bzw. begründest, als rassistisch denkender Nationaler oder als chauvinistisch-liberaler Bildungsbürger ist im Prinzip nur eine graduelles Problem. Juden wurden nicht allein wegen ihrer Religion oder ihres Glaubens verfolgt, sondern wegen des "Geldes", weil man die fragwürdige Ansicht vertrat, dass sie es auf unsittliche, eben "raffende" Weise erworben hatten. Der Antisemitismus ist eine Wahnvorstellung, die in ihrem Wesenskern auf einer Fehlinterpretation des Kapitalismus beruht, so wie der Christ das Böse mit dem "Teufel" personifiziert, wird "der" Jude von modernen Menschen als personifizierter "Kapitalist" gesehen.

 
Zuletzt bearbeitet:
Der moderne Antisemitismus hat tatsächlich viele Elemente aus dem christlichen Antijudaismus übernommen – aber er ist nicht identisch damit. Vor allem hat er den alten Antijudaismus mit biologistischen Erklärungsmustern vereinigt. Er ist aber im Kern keine rassistische Ideologie und würde wenn er ausschließlich eine solche wäre, als antikapitalistisches Welterklärungsmodell auch nicht funktionieren.
Das ist missverständlich bzw. undeutlich: was genau meinst du mit "modernem Antisemitismus"? Zum Vergleich der "neuzeitliches Antisemitismus" in der Formulierung bei Wikipedia*), welcher im "Rassenantisemitismus" quasi gipfelt
Weshalb "moderner Antisemitismus" ein "antikapitalistisches Welterklärungsmodell" sein, leuchtet mir nicht ein und ich verstehe auch nicht, was Bebels Rede/Analyse (spätes 19. Jh.) zur Entwicklung ab z.B. 1933 beiträgt oder erklärt.

__________
*) um keine ausufernden Romane zu schreiben ausgewählt
 
Der "gierige" Jude als angeblich raffender Kapitalist erscheint schon bei Luther und ist auch im Mittelalter ein Topos. Diese Erzählung wurde 1:1 übernommen.
Das Konzept "Kapitalist" im modernen Sinne kannte Luther überhaupt noch nicht. Luther stand sicherlich zum Teil in der Tradition des christlichen Zins-/Wucherverbots und mag auf dieser Ebene Ressentiments gegen Juden gehabt haben, so weit ich weiß hat Luther aber durchaus auch die Fugger für ihr Geschäftsgebaren kritisiert und die Katholische Kirche für ihren Umgang mit Geld ja generell.
Allerdings war Luther ja nun ansonsten so überhaupt kein Gegner des "Unternehmertums" an und für sich, im Gegenteil, er stammte ja selbst aus einer Familie, die im Bergbaugeschäft der mitteldeutschen Montanregion ganz gut investiert und situiert war.

drängte man sie in Berufe wie den Geldhandel. Der galt als unchristlich, "raffend".
Allerdings nur bei denen, die das christliche Zinsverbot noch ernst nahmen. In Luthers Zeit sind die größten Fische im "Bankgeschäft" ja keine anderen, als die Fugger, die Welser und die Medici und das waren allesamt christliche Familien.

Er ist aber im Kern keine rassistische Ideologie und würde wenn er ausschließlich eine solche wäre, als antikapitalistisches Welterklärungsmodell auch nicht funktionieren.
Er funktioniert ja auch nicht als antikapitalistisches Welterklärungsmodell. Das ginge ja nur, wenn man davon ausginge, dass alle Juden irgendwie Kapitalisten wären. Das war aber zu keiner Zeit der Fall. Selbst im Mittelalter und in der FNZ als Juden vielfach der Zugang zu Landbesitz oder zünftigem Handwerk verboten war, gab es immernoch große Gruppen nicht zünftiger jüdischer Handwerker, Tagelöhner etc.
Die konnte ein irgendwie neutraler Beobachter wohl kaum "Kapitalisten" nennen und im 19. und 20. Jahrhundert, als Juden genau so Teile der sich herausbildenden Arbeiterklasse waren, wie Christen, dreimal nicht.
Antisemitismus als "antikapitalistisches Welterklärungsmodell" funktioniert nur dann, wenn die Realität völlig nach dem Pipi-Langstrumpfprinzip "ich mach mir die Welt, wide-wide-wie sie mir gefällt", ausgeblendet wird.
Der Grundgedanke des Antisemitismus baut auf der Vorstellung vom "anständigen", (christlich-)schaffenden, auf "Arbeit" beruhendes Kapital auf, das dem angeblich jüdisch-raffenden Kapital gegenübersteht.
Wirf mal einen Blick in die "Nürnberger Rassengesetze". Da ist von deinem angeblichen "Antikapitalismus" nirgendwo die Rede. Aber sehr viel von astreinem rasseideologischem Zeug-

Dass diese Vorstellung von Muslimen übernommen wurde, hängt damit zusammen, dass keine der Weltreligionen jemals eine vernünftige Kapitalismuskritik hinbekommen hat.
Wie sollten sie auch ein Phänomen chritisieren, das bei ihrer Entstehung überhaupt noch nicht existierte und zu dem die kanonischen Texte daher auch keine einhellige Lehrmeinung liefern konnten?

Dass der moderne Antisemitismus keine antikapitalistischen Wurzeln hat, dürfte eine linke Erzählung sein, denn letzten Endes entschuldigt die Gleichsetzung Antisemitismus=simpler Rassismus strukturellen Antisemitismus bzw. entsprechende Vorstellungen in der Linken (z.B. "böse Spekulanten, die an der amerikanischen Westküste, die Welt beherrschen").
Wer fabuliert denn dieser Tage was von böser Weltherrschaft amerikanischer Spekulanten?

Der Antisemitismus hat schon deswegen keine Wurzeln im modernen Antikapitalismus, da sich beides wechselseitig ausschließt. In dem Moment in dem der jüdische Arbeiter in die Realität tritt, der versucht seine Rechte und Interessen gegen einen nicht jüdischen Kapitalisten durchzusetzen muss sich jeder, der irgendwie Stellung dafür bezieht entscheiden, ober er gegen das Kapital oder gegen die Rechte eines Juden sein möchte. Beides gleichzeitig geht nicht.
Der Dritte, der diesen Konflikt wahrnimmt, kann entweder gegen das Kapital sein, dann ist er für die Interessen eines Juden, oder gegen dessen Interessen sein, dann ist er aber für die Interessen des Kapitals.

Juden wurden nicht allein wegen ihres Glaubens oder ihre Rasse verfolgt
Nein, gelegentlich wurden sie auch einfach nur so verfolgt, weil der Mob mal wieder wegen irgendwas frustriert war und Sündenböcke suchte und gelegentlich (NS) wurden auch Personen, die sich selbst nicht als Juden definierten von anderen Verfolgt, weil diese sie Qua Abstammung gerne als Juden betrachten wollten.

Der Antisemitismus ist eine Wahnvorstellung, die in ihrem Wesenskern auf einer Fehlinterpretation des Kapitalismus beruht
Das ist offensichtlich nicht der Fall, sondern mehr ein billiger Versuch Antisemitismus als politisch links stehendes Phänomen zu framen und die politische Rechte und ihren Rassismus aus der Verantwortung zu nehmen.
 
Da ist vieles grundlegend falsch.

Wenn dem so ist, was ist denn grundlegend falsch an dem, was ich geschrieben habe? Du gehst im Folgenden auf nichts ein, was ich geschrieben habe und setzt dich auch mit den Argumenten nicht auseinander.

denn letzten Endes entschuldigt die Gleichsetzung Antisemitismus=simpler Rassismus strukturellen Antisemitismus bzw. entsprechende Vorstellungen in der Linken

An dem Punkt darf man daran zweifeln, ob eine fruchtbare Diskussion mit dir überhaupt möglich ist. Du ignorierst einfach, was ich sage und stellst stattdessen einen Strohmann auf.

Nicht als Rassismus, also keine Gleichsetzung, sondern als rassistisch.
 
Der "gierige" Jude als angeblich raffender Kapitalist erscheint schon bei Luther und ist auch im Mittelalter ein Topos.

Das ist mir nicht bekannt. Wo bei Luther findet sich die Vorstellung des „Geldjuden“ oder „Wucherjuden“ ? Bitte die Quelle angeben.


Hatte man dieser Gruppe erst einmal diesen "Nimbus" verlieren, war das Ressentiment in der Welt.
Tut mir leid. Das ist kein sinnvoller deutscher Satz.

Der Stereotyp des „Geldjuden“ war jedenfalls nicht das erste Ressentiment gegen Juden. Älter sind die Vorwürfe, des „Gottesmordes“ und der „Verstocktheit“.

Der moderne Antisemitismus hat tatsächlich viele Elemente aus dem christlichen Antijudaismus übernommen – aber er ist nicht identisch damit.
Und plötzlich kannst du zwischen Antijudaismus und Antisemitismus unterscheiden. Hurra! Oben sprichst du noch von mittelalterlichem Antisemitismus, was umgangssprachlich vielleicht geht, aber eben unpräzise ist.
Du stimmst mir also in diesem Satz voll zu. Mehr wollen wir dir ja gar nicht vermitteln. Aus dem nicht rassistischen Antijudaismus hat sich der Antisemitismus mit rassistischer Komponente entwickelt.

War denn ein mittelloser Jude im Nationalsozialismus vor Verfolgung sicher, weil er dem Stereotyp des „Geldjuden“ nicht entsprach? Nein,.De angebliche „Gier“ betrachtete man ja gerade als Merkmal einer „jüdischen Rasse“. So wie man auch kriminelles Verhalten auf „minderwertiges Erbgut“ zurückführte (Rassenhygiene).

Der Grundgedanke des Antisemitismus baut auf der Vorstellung vom "anständigen", (christlich-)schaffenden, auf "Arbeit" beruhendes Kapital auf, das dem angeblich jüdisch-raffenden Kapital gegenübersteht.
Ich habe deinen Text mehr als 15 Mal mit gutem Willen gelesen. Es scheinen zwei grundlegende Probleme mit deiner Argumentation vorzuliegen.

1. Du überträgst Konzepte und Vorstellungen in die Vergangenheit, die es damals so noch nicht gab. Luther hat sicher nicht vom jüdischen "Kapitalisten" gesprochen. Die Menschen im Mittelalter hatten sicher keine Vorstellung eines " jüdisch-raffenden Kapitals ".

2. Du reduzierst den recht komplexen Antijudaismus und Antisemitismus auf den Stereotyp des "raffgierigen Geldjuden". Das ist aber nicht der einzige Stereotyp, auch wenn er vielleicht in der Gegenwart der wirkungsmächtigste ist. Der Vorwurf der „Blutrituale“ und „Kindsmorde“ zum Beispiel findet sich auch heute weit verbreitet in den QANON-Verschwörungserzählungen.
 
Juden wurden nicht allein wegen ihrer Religion oder ihres Glaubens verfolgt, sondern weil man die fragwürdige Ansicht vertrat, dass sie es auf unsittliche, eben "raffende" Weise erworben hatten.

O.K. was du hier formulierst ist die Vorstellung, dass der Stereotyp des "Geldjuden" darauf zurückgeht, dass aufgrund des christlichen Zinsverbots im Mittelalter vornehmlich Juden Geld verliehen hätten. Um deine Aussage mal als "Strongman" zu formulieren.

Ich hatte die ganze Zeit so in Gefühl, dass es sich dabei um ein factoid handeln könnte, etwas das wir uns so oft erzählt haben, dass wir es nicht mehr in Frage stellen.
Ich habe also mal geschaut und eine bündige Zusammenfassung bei der Bundeszentrale für politische Bildung gefunden.

"In der jüngeren Forschung wird diese traditionelle Erklärung infrage gestellt. Sie weist darauf hin, dass der christliche Geldhandel trotz des Verbots florierte und Jüdinnen*Juden in vielen verschiedenen Berufen tätig waren. Stattdessen wird die Rolle christlicher Vorstellungen von Gier als Todsünde betont: Laut dem Neuen Testament hat die biblische Figur Judas, ein Jünger Jesu, diesen für 30 Silberlinge verraten. Damit einher geht der Vorwurf, "die Juden" hätten mit ihrer Gier den Gottesmord zu verantworten."


Das ist im übrigen im Wesentlichen, was @Shinigami in seinem letzten Post an Einwänden gebracht hat.

Es scheinen also eben doch die christlichen Vorstellunge zur Entstehung des Stereotyps beigetragen haben und nicht
wegen des "Geldes"
-------------------------------

Tut mir leid. Das ist kein sinnvoller deutscher Satz.

Habe ich tatsächliche gerade erst gerafft. Statt "verlieren" "verliehen". Typos können jedem passieren. Vergiss was ich geschrieben habe.
 
@Piccolo

Es gibt da ein englisches Sprichwort: "pick a hill to die on". Du hast einen seltsamen hill to die on gewählt. Will sagen, ich sehe nicht, wieso Du die allgemein akzeptierte Antisemitismus-Definition unbedingt wieder aufschnüren möchtest.

Wie schon mehrfach von verschiedenen Mitgliedern ausgeführt, ist der Antijudaismus dem Wesen nach ein Kulturalismus, stellt also auf Verhaltensweisen ab; das Opfer kann sich (theoretisch) der Verfolgung entziehen, indem es seine Verhaltensweisen ändert.

Der Antisemitismus ist hingegen schlicht und ergreifend eine Spielart des Rassismus, der zwar sicherlich in einer Wechselwirkung mit dem religiösen Antijudaismus insbesondere des Christentums steht, aber auch völlig unabhängig von ihm existiert. Das Opfer kann sich der Verfolgung nicht entziehen, der Täter weist ihm qua Abstammung eine unweigerliche Rolle als Objekt seines Hasses zu.

Deswegen verfolgten die Nazis auch christliche Enkel von Juden, die mit dem Judentum überhaupt nichts am Hut hatten. Deswegen greifen heute radikale Moslems und Linke jüdische Europäer an, weil sie sie bereits aufgrund ihres Jüdischseins als Vertreter des Staates Israel ansehen. Was in etwa so wäre, als würde man Briten hassen, weil man die Politik Amerikas ablehnt.
 
Die heutige antisemitische Gemengelage ist kaum mehr zu entflechten. Al-Husseini übernahm viel dessen was die Nazis aus dem tradierten andijudaismus und ihren eigenen kruden Ansichten, ein bisschen Rassenlehre und gepaart mit zweckdienlichem Populismus zusammengeschustert hatten und brachte es in die islamische Welt. Dort vermischte es sich munter mit arabischem Nationalismus und religiösen Motiven.
 
Als persönliche Anmerkung am Rande:
Ich bin niemals auf die Idee gekommen, der Zionismus hätte etwas mit dem Kolonialismus zu tun. Für mich waren das immer zwei grundverschiedene Sachverhalte, ( sind es immer noch).
Kolonialismus eines Gebiets, dass nicht nur allein von Juden von Rechts wegen als ihre traditionelle Heimat betrachtet und dokumentiert wurde/wird, war/ist ein kardinaler Grundbestandteil ihrer philosophischen Zielrichtung.
 
Respektiere ich, aber wie schon gesagt, man könnte den Zionismus in seiner heutigen Form für Kolonialismus halten; nämlich dann, wenn man die israelische Landnahme in den Palästinensergebieten unter der Cambridge-Definition einordnet.

Wobei ich damit ganz konkret die Siedlungspolitik meine, nicht jedoch die Besetzung von Ost-Jerusalem und den Golanhöhen, die meines Erachtens schon deshalb nicht als Kolonialismus verstanden werden können, weil es sich um Gebietsverluste infolge verlorener Angriffskriege gegen Israel handelt.

Wenn der Begriff irgendeinen tieferen Sinn haben soll, dann muss er ja ein Machtgefälle beinhalten, eine Landnahme zum eigenen Vorteil durch einen mächtigeren Staat, der sich irgendwie berechtigt glaubt (und sei es durch die Kraft des Faktischen), sich einen schwächeren Staat einzuverleiben und auszubeuten.

Wären die Golanhöhen eine israelische "Kolonie" in diesem Sinne, dann müsste z.B. Schlesien eine polnische Kolonie sein.
Deine Geschichtskenntnisse beduerfen etwas Aufpolierung.
 
Kolonialismus eines Gebiets, dass nicht nur allein von Juden von Rechts wegen als ihre traditionelle Heimat betrachtet und dokumentiert wurde/wird, war/ist ein kardinaler Grundbestandteil ihrer philosophischen Zielrichtung.
Nein, das sehe ich hier anders, das Land wurde zuerst einmal regulär gekauft, auch mit der Gründung des Staates Israel änderte sich daran Prinzip
nichts. Die "Vertreibungen"/ die Flucht der Einheimischen Bevölkerung waren unmittelbare Kriegsfolgen. Ich sehe im Falle Israels bis kurz nach der Gründung keinen "Kolonialismus".
 
Kolonialismus eines Gebiets, dass nicht nur allein von Juden von Rechts wegen als ihre traditionelle Heimat betrachtet und dokumentiert wurde/wird, war/ist ein kardinaler Grundbestandteil ihrer philosophischen Zielrichtung.
Der eventuelle Grundbestandteil ihrer "philosophischen" ( wieso eigentlich philosophisch??????????????) Grundrichtung ist noch lange kein "Kolonialismus" in der Einordnung als Kolonialismus.
 
Bevor das falsch verstanden wird: In der Declaration heißt es:

it is being clearly understood that nothing shall be done which may prejudice the civil and religious rights of existing non-jewish communities in Palestine​
Damit sind natürlich die muslimischen und christlichen Gruppen (Armenier, Griechen) in der Region gemeint, ggf. auch Drusen und Bahai.
Richtig.

Die Balfour-Declaration sollte also weder die Juden zwingen, nach Palästina zu gehen (nothing shall be done which may prejudice [...] the rights and political status enjoyed by Jews in any other country) noch negierte sie die Existenz und die Rechte der bereits in Palästina ansässigen Gemeinschaften.
Du misinterpretierst den Satz. Es drehte sich dabei um Loyalitaet, die Idea dass man nur einem Staat loyal sein kann. "may prejudice ".
Man lese die Floskel als 'beeinflussen koennte'. Also im Ganzen: " Nichts wird unternommen was Rechte und politischen Status der Juden in anderen Laendern geniessen, beeinflussen koennte." Bei den internen Beratungen der Juden in England ueber pro oder contra ob sie Artikle 22........
"Certain communities formerly belonging to the Turkish Empire have reached a stage of development where their existence as independent nations can be provisionally recognized subject to the rendering of administrative advice and assistance by a Mandatory until such time as they are able to stand alone." Covenants of the League of Nations.​
.......weiter ausbauen wollten, teilten sich die Meinungen : es drehte sich dabei um Assimilation und Loyalitaet/Staatstreue; dass sich viele Juden als voellig assimiliert/staatstreu betrachteten, also 100% Englishman; mit jeder Fase ihres Daseins waren und von Nichtjuden auch so akzeptiert und behandelt wurden. Vor allem auf commerzieller, politischer und sozialer Ebene.
Die Gegenseite argumentierte das man durchaus ein loyaler juedischer Englishman sein kann, doch deswegen nicht unbedingt die Ziele des Zionismus abzuschlagen braucht. Es gibt kein 'entweder' 'oder'. Das Eine schliesst ja nicht das Andere zwangsweise aus.
Die Letzteren gewannen den Tag mit nur knapper Mehrheit.
Das Problem ist auch, dass die Briten nicht nur auf einer Hochzeit, sondern gleich auf mehreren tanzten (Balfour-Declaration, Sykes-Picot-Abkommen, Ḥusain-Mc Mahon-Korrespondenz).
Ja, waehrend des Krieges in ihrer Not, wurden Italien, Juden ( ihrer reichen Verwandten in Amerika wegen) und Arabern in Form von Emir Husain das Blaue von Himmel versprochen.
Das war miteinander unvereinbar.
Nicht unbedingt. Italien ging quasi leer aus. Drum verliessen sie Paris.
Gleichzeitig, wie Ḥusain Versprechungen gemacht wurden, teilten die Briten und die Franzosen unter sich die arabischen Gebiete des osmanischen Reiches
des ehemaligen osmanischen Reiches, mit seiner nun staatenlos gewordenen Bevoelkerung.
untereinander auf und Balfour garantierte Rothschild Rechte für die Zionisten,
Nein
welche in Widerspruch mindestens zu den Versprchungen McMahons gegenüber Ḥusain standen.
Nein. Mc Mahon hatte Emir Husein in seiner Korrespondenz klar darauf hingewiesen , dass das 'Semjak' Jerusalem - od. Heilige Land - von den vorgesehenen arab. Landzugewinn ausgeschlossen sei.
MIt zunehmenden Konflikten zwischen Arabern und Juden verabschiedeten sich die Briten auch immer mehr von den Versprechungen, die von Balfour gegenüber Rothschild gemacht wurden.
Stimmt. No 'Noblesse oblige' , no 'pacta sunt servanda'.
Wie sagt ein sarkastisches Idiom? 'Contracts are there to be broken.
Uebrigens haben Araber seit hunderten von Jahren die gleiche Vorstellung und leben auch danach. Das ist mit einer der Gruende der nimmerendenden Nahost 'Krisen'.
Am Ende haben die Briten (ich zitiere aus anderem Kontext den König von Sachsen mit seinen Worten von 1918) sinngemäß gesagt: "Ach, macht doch euren Scheiß alleine!"
Genau das taten die Briten mit ihrem vorzeitigem Abbruch aus dem Mandat.
Stunden spaeter wurde der Staat Israel proklamiert.
 
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