Was ist denn das Ziel eines Krieges ueberhaupt?
Das hängt selbstverständlich von den politischen Absichten der kriegsführenden Parteien ab.
"Waren die massenhaften konventionellen Bombenabwürfe auf Städte Mord oder nicht?"
Prinzipiell wurde damalige Kriegsordnung so ausgelegt, das Ziele gegen Zivilisten off limit sind. Kriegsproduktionsbetriebe jedoch nicht. Siehe oben. Die Frage erhob sich, dass hunderte von Fabrikarbeitern ausserhalb des Fabrikgelaendes Zivilistenstatus geniessen, jedoch innerhalb des Fabrikgelaendes legitimes Angriffsziel darstellen, somit also unintentional, colateral damage darstellen.
Nur das man 20 Jahre zuvor in der Frage gewisser britischer Schiffe mit gewissen Anteilen an Kriegsgütern an Bord auf der Nordatlantikroute noch völlig anders argumentiert hatte.
Es ist ja hocherstaunlich, dass sich die Auslegung des Kriegsvölkerrecht immer genau dann ändert oder zurückändert, so dass dabei ganz bestimmte Akteure grundsätzlich auf der legalen Seite bleiben. ;-)
Hinzu kommt, dass z.b. Dresden , als auch andere deutsche Staedte viele Fabriken innerhalb seiner Staedte gehabt hatten, In Dresden waren es zB ~ 26 , wie z.B. Zeiss.
Dem könnte man z.B. folgendes entgegenhalten:
1. Dresden verfügte über Industrie aber über so gut wie keine Schwerindustrie, die für den weiteren Kriegsverlauf noch relevant war. Es gab ein wenig Flugzeugproduktion, aber Deutschlands Luftwaffe war zu diesem Zeitpunkt ja mehr oder minder bereits ausgeschaltet, außerdem mangelte es an Treibstoff.
Ansonsten fand die Großproduktion an Bodenfahrzeugen, moderner Artillerie und Munition eigentlich weitgehend anderswo statt. Zeiss hat ja vor allem optische Instrumente hergestellt, also eher dual use.
Für Zieloptiken schwerer Waffen sicher bedeutsam, aber letztendlich war das auch Produktion von Halberzeugnissen und angesichts der Kriegsentwicklung war eigentlich nicht zu erwarten, dass das noch groß zum Einsatz kommen würde.
2. Kriegsverlauf. Als Dresden angegriffen wurde, hatten die Sowjets Ostpreußen und Zentralpolen bereits überrannt und rückten schon recht zielstrebig auf Posen und Breslau und die Oder zu. Die standen schon knapp 250 Km vor Berlin. Währenddessen war die Front in Italien in Auflösung und die Truppen der Westmächte drückten schon ganz massiv in Richtung auf den Rhein und nachdem im Januar 1945 die "Ardennenoffensive" zusammengebrochen war, befand sich auch im Westen eigentlich alles an Deutschen Truppen auf dem Rückzug.
Man könnte hier wegen der Frage der Verhältnismäßigkeit argumentieren, dass es angesichts eines zu erwartenden Kollaps Deutschlands binnen der kommenden Wochen bis Monate eigentlich nicht mehr verhältnismäßig war Dresden (oder andere Industrieziele) großflächig anzugreifen weil eigentlich klar sein musste, dass die dortige Industrie, sofern es sich nicht gerade um Endfertigung handelte, keinen großen Impact mehr auf den übrigen Krieg haben würde.
Man hätte sich hier schlicht auf den, durchaus nicht unvernünftigen Standpunkt stellen können, von Angriffen auf Produktionsstätten für Rohstoffe und Halbzeug abzusehen, einfach weil der Krieg ohnehin nicht mehr lange genug dauert, als dass die Erzeugnisse noch eine irgendwie intakte Front erreichen könnten, und mit Rücksicht auf die Zeit nach dem Krieg. Denn das Problem der Einquartierung von Flüchtlingen aus dem Osten zeichnete sich ja bereits ab und für den zügigen Wiederaufbau Europas, im Besonderen auch Osteuropas nach dem Krieg wäre jede zusätzliche noch intakte Produktionsstätte vorteilhaft gewesen.
Dem koenntest Du auch Canterbury ,London, Warschau,Rotterdam und andere Staedte hinzufuegen.
Natürlich, auch das waren Kriegsverbrechen. Wobei im Fall von Rotterdam allerdings anscheinend immerhin der Versuch unternommen worden war, den Angriff angesichts der Kapitulation der Niederlande noch zu stoppen.
Nun, der HC began M.M.n. mit den Nuernbrger Gesetzen.
Diese Gesetze waren ohne jede Frage verbrecherisch, aber ich wüsste nicht, in welchem Punkt hier bereits die rechtliche Definition eines Genozids tangiert gewesen wäre.
Diese Gesetze waren diskriminierend entzogen einem Teil der Bevölkerung Rechte und würdigten sie herab, aber sie zielten noch nicht auf die Vernichtung der hiervon betroffenen Gruppe ab.
Sicherlich begann der Holocaust nicht erst in Auschwitz oder bei den Modern an der jüdischen Bevölkerung des besetzen Osteuropas, sondern spätestens mit der Deportation der Juden aus dem deutschen Reichsgebiet in das besetzte Polen/"Generalgouvernement", wenn nicht schon mit der "Pogromnacht" 1938, die ganz klar auch darauf abzielte, die jüdische Bevölkerung in Angst zu versetzen und sie zum Verlassen des Landes zu nötigen.
Die "Nürnberger Rassengesetze" bei allen verbrecherischen Inhalten an den Anfang des Holocaus zu stellen, erscheint mir demgegenüber aber reltiv wenig sinnvoll.
Das explizit auch vor dem Hintergrund, dass etwa das faschistische Italien diese Gesetze weitgehend übernahm, sich bis zur deutschen Besatzung aber de facto weigerte beim Holocaust mitzumachen und italienische Staatsbürger jüdischen Glaubens umzubringen oder an Deutschland auszuliefern.
Insofern sehe ich da nicht unbedingt einen Automatismus, der von den "Nürnberger Rassegesetzten" determiniert in den Holocaust, so wie er historisch stattgefunden hat, geführt hätte.
Edit:
Sehe gerade der Beitrag auf den ich mich bezogen hatte, wurde gelöscht. In dem Fall kann dieser hier natürlich auch weg.
Ich wollte hier keine Diskussion weiterführen, die der Morderation zu weit geht, sondern es ist hier wohl zu einer Überschneidung der Löschung mit diesem Beitrag hier gekommen.