Altpreußischer Drill – gestern und heute

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von BerndHH, 18. November 2013.

  1. BerndHH

    BerndHH Mitglied

    @Köbis17 Sorry für meine Unwissenheit aber ich bin weder ein Kenner der DDR noch der NVA. Damals waren es nur Planspiele mit Truppen Rot mehr nicht.
    @Galeotto Da magst Du vollkommen recht haben. Die Wehrmachtsgeneräle, die später im Nationalkomitee Freies Deutschland aktiv waren, hatte ich nicht auf der Rechnung. Da habe ich noch nie so gesehen.
    Wie aber war die Reaktion des Siegers, des Großen Bruders, der Roten Armee darauf, dass auf einmal ein Soldatentypus auf der Bildfläche erschien, der viel Ähnlichkeit mit dem verhassten Feind hatte, den man so erfolgreich bekämpft hatte? Irgendwie widersinnig, oder?
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ja, war halt das blöde Gelaber von Unteroffizieren und anderen, die schlichtweg absolut keine Ahnung vom WP hatten. Und am wenigsten hatten die eine Ahnung, wer sich tatsächlich auf der anderen Seite an Einheiten bewegte und noch weniger wußten die, was die "anderen" wollten (obwohl es ja täglich in der "Welt" und der "WaS" drinnen stand und H. Schmidt doch die "Frechheit" hatte, dieser Einschätzung zu widersprechen, damals in den siebzigern).

    Das Preußentum wurde sicherlich nicht durch die Offiziersverluste "ausgelöscht". "Preußentum" ist eine deutlich umfangreichere gesellschaftliche bzw. kulturelle Konstruktion, die nicht durch den Verlust von Offizieren verloren gehen kann.

    Es war im wesentlichen die NS-Revolution, die eine Veränderung der sozialen Stellung der traditionellen - auch adeligen - Militärs gebracht hatte. Und sich während des WW2 durch die gezielte Entmachtung des traditionellen Offizierkorps, auch durch die Institution der SS und der Waffen-SS, beschleunigt hat (vgl. z.B. W. Petter: Militärische Massengesellschaft und die Entprofessionalisierung des Offiziers, S. 359ff in Wette, Die Wehrmacht).

    Die Wehrmacht: Mythos und Realität - Google Books
     
  3. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das widerspricht aber dem Drill auf anderem Gebiet nicht aus. Die US-Streitkräfte werden gewaltig gedrillt und benutzen trotzdem hochentwickelte Technik. Armeen, die aus lauter Individualisten bestehen,
    funktionieren leider im Krieg nicht besonders gut. Der Drill ist in erster Linie dafür gut, den Soldaten in eine Tötungsmaschine zu verwandeln, die nicht erst mit ihrem Gewissen ins Gericht gehen muss ehe sie abdrückt und ohne über dessen Sinn nachzudenken, jeden Befehl ausführt.
     
  4. BerndHH

    BerndHH Mitglied

    @thanepower Deine Meinung in Ehren aber ich würde gerne eine Lanze brechen für das (damalige) Unteroffizierskorps der Bundeswehr-Heer, insbesondere das der Panzergrenadiere.

    Natürlich es gab sie, wie im Roman von Kirst, die Schinder, die elenden Schleifer, denen es einen besonderen Spaß gemacht hat, v.a. die Abiturienten mal so richtig auf Kurs zu bringen, die gescheiterten Existenzen, diejenigen, die im zivilen Leben niemals auf einen grünen Zweig kamen. Aber es gab auch jede Menge abenteuerlustige, äußerst robuste Naturburschen unter ihnen. Landwirte, extrem naturverbunden, mit einer phänomenalen natürlichen Nachtsicht und einem Orientierungsvermögen im Gelände, welches seines Beispiels suchte. Männer, denen es das Natürlichste auf der Welt war, z.B. ein Spiegelei auf dem Klappspaten zu braten.

    Viele von ihnen waren hart, sehr hart sogar – von einer Härte, die es im 21. Jhrdt. nicht mehr gibt und schon gar nicht im modernen Zivilleben (sesselfurzendes Büroleben, der Rest im Internet bestellt), aber sie haben alles mit uns einfachen Mannschaftsdienstgraden (Panzergrenadier, Gefreiter, OG) geteilt. Ihre letzte Zigarette, etc.
    Es gab Ausreißer, natürlich, halbe Psychopathen, die uns schikanierten aber die meisten waren, wenn es darauf ankam, sehr menschlich und kameradschaftlich.

    Du magst vielleicht lachen, aber das “Zackige”, das “Schneidige”, auch bei Tempraturen weit unter Null, ist in der heutigen Zeit irgendwie völlig verloren gegangen – daher auch mein Seitenhieb auf HH.
    Was den Gegner anging. Die Rede war immer von Truppe Rot “in den frühen Morgenstunden haben Verbände des Warschauer Paktes mit aggressive Gefechtsaufklärung…” Es wurde mit allergrößtem Respekt von der ungeheuren Panzerüberlegenheit des Warschauer Paktes geredet, aber im Gegenzug auch “mit unserer überlegenen Waffentechnologie”…
    Was mich jedoch sehr interessiert. Die realen Praktiken der Ausbilder stehen in keiner Heeresvorschrift.

    Wie also war die Tradition der uralten Befehle eines “alten Fritz”, eines “alten Dessauers”, wie wurde die tatsächliche Personalführung überliefert?
    Tatsächlich von “Unteroffiziersohr” zu “Unteroffiziersohr”?
    Unsere Uffze haben uns immer erzählt, erst auf dem Uffz-Lehrgang, “da wirst Du richtig zum Schwein gemacht”. Auf diesen Lehrgängen, die ich als einfacher OG d. Panzergrenadiere nie besucht habe, auf diesen Einzelkämpferlehrgängen, wo es dann ans Eingemachte geht.
     
  5. BerndHH

    BerndHH Mitglied

    @Galeotto: Das ist richtig und ich denke, dass sich das US Marine Korps, Fallschirmjäger, etc. noch immer insgeheim auf den alten Preußendrill beruft.
    Die Marines berichten, dass das Schlimmste und Unangenehmste immer dann eintritt, wenn ein “Drill Instructor Sergeant” die Nasenspitze direkt an der Nasenspitze des anderen hat und brüllt, dass die Speichelfetzen fliegen.
    “Sie Made, Sie Haufen Scheiße…”
    Unwillkürlich denkt man immer: “das haben die von der Waffen-SS” aber in Wahrheit wurde der preußische Drill schon viel früher importiert. Vielleicht schon während des amerikanischen Freiheitskrieges.
     
  6. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Die Russen haben den Drill ebenfalls importiert. Zar Peter, der Gemahl von Katharina d.Gr. war ein totaler Preußenfan und hatte eine eigene preuß. Garde.
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Von Neddy sind bereits wichtige Anregungen zum Thema Drill gekommen, die kurz erweitert werden sollen.

    Das Thema "Drill" ist eng eingebunden in das Thema des "Militarismus" bzw. der Militarisierung der deutschen Gesellschaft. In diesem Sinne stellt Wette fest und bezieht sich beispielsweise auf Messerschmidt und Puhle, dass es eine Kontinuität des preußischen Militarismus gab.

    Militarismus in Deutschland: Geschichte einer kriegerischen Kultur - Wolfram Wette - Google Books

    In dieser These der Kontinuität des preußischen Militarismus spielt die Frage des "Drills" eine zentrale Rolle.

    So sieht beispielsweise Fiedler in der Zeit von Friedrich Wilhelm I den Beginn der Militarisierung des Soziallebens, indem die militärischen Normen, auch eingeübt durch Drill, auf die zivile Verwaltung übertragen worden sind (S. 153ff).

    Grundriss der Militär- und Kriegsgeschichte - Siegfried Fiedler - Google Books

    Diesen Aspekt vertieft Bröckling, der in der Erzwingung von Disziplin vor allem die gesellschaftliche Einübung von Normen und Moral erkennt.

    Disziplin: Soziologie und Geschichte militärischer Gehorsamsproduktion - Ulrich Bröckling - Google Books

    Und an dieser Linie ergibt sich im wesentlichen die Kontinuität von der friderizianischen Armee, über die Befreiungskriege, die Einigungskriege zu den Weltkriegen. Es ist die Einübung der Bindung an eine autokratische - monarchische - Gesellschaftsordnung in Kombination mit einem hierarischen Gesellschaftsentwurfs, der nicht alleine für die Armee galt, sondern ebenso für die zivile Verwaltung eine Geltung hatte. Stichwort: Reserve-Offizier-System.

    Vor diesem Hntergrund wird schnell ersichtlich, dass autoritäre politische Systeme wie beispielsweise die DDR diese konservativen Traditionsbestände auch auf der Ebene der NVA aktiv gefördert hat (vgl. beispielsweise S. 458 ff).

    Grundzüge der deutschen Militärgeschichte: Historischer Überblick - Karl-Volker Neugebauer - Google Books

    Das ist duchaus zutreffend. Gleichzeitig gab es beispielsweise in der österreichischen Armee eine Abschaffung der Prügelstrafe durch Maria Theresia. In diesem Sinne war auch für absolute Monarchen durchaus ein Handlungsspielraum vorhanden.

    Das System der Aufrechterhaltung von Disziplin ist beispielsweise bei Duffy (S. 86) beschrieben.

    Friedrich der Große und seine Armee: Epochen der Weltgeschichte - Christopher Duffy - Google Books
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. November 2013
  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Du kannst hier soviel Lanzen brechen wie Du möchtest. Wie wäre es einfach mit mehr Fakten und weniger Meinung?

    Mittlerweile ist die Diskussion auf der Ebene eines Soldatenstammtisches angelangt. Und irgendwelche Kommißgeschichten gehören in den Smalltalk.

    Wir befinden uns noch in der zeitlichen Epoche "Absolutismus und Aufklärung"!!!!!! und das Thema ist die Kontinuität des Drills von Preußen in das Kaiserreich respektive das 3. Reich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. November 2013
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  9. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Ich erlaube mir, hinzuzufügen, dass der "Drill" auch eine gewisse Degeneration durchgemacht hat. In den Zeiten der Lineartaktik war er für die Linienregimenter absolut unverzichtbar, ohne Drill keine Funktion. Im Rahmen des "Militarismus" wurde der Drill immer mehr von seiner Funktion abgekoppelt. Während im Laufe der Zeit Kolonnentaktik, Plänkler, Schützengruppe, Stoßtrupp den gewohnten Drill immer überflüssiger machten, verselbständigte sich dieser zur "Kunst um der Kunst willen": Während die Franzosen (notgedrungen) Tirailleur- und Kolonnentaktik anwandten, hatten die Preußen, auf ihren Lorbeeren ruhend, Schrauben und Nieten ihrer Musketen gelockert, damit es beim Exerzieren spektakulärer klapperte und ihre Läufe kaputtpoliert. Während greise preußische Frontoffiziere über die feigen französischen Schweine fluchten, die sich weigerten, sich 30 m vor der so künstlerisch herbeimanövrierten preußischen Front zum Salvenaustausch aufzureihen, fegten die modern kämpfenden französischen Heere ihre zurückgebliebenen Gegner von den Schlachtfeldern bei Jena und Auerstädt.

    Als die Maschinengewehre allmählich frontreif entwickelt wurden, erfreuten sich die Preußens im Herbstmanöver an kilometerbreiten geschlossenen Fronten, die wie an der Perlenschnur gezogen heroisch im Gleichschritt über die Äcker marschierten. Das militaristische Gehabe hielt Einzug in die Zivilgesellschaft und der völlig sinnbefreite Stechschritt wurde erfunden. Was auf den Kasernenhöfen (und Marktplätzen) stattfand, hatte immer weniger mit einsatzorientierter Ausbildung zu tun. "Drill" und "Militarismus" sind im Laufe der Zeit zu einer immer hässlicheren Karrikatur geworden, die in den - pardon - affigen Verhaltensauswüchsen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gipfelten. Diese Affektiertheit ist z. B. im "Hauptmann von Köpenick" oder dem "Leutnant Gustl" dargestellt und leider auch in vielen uniformierten Realsatiren in Ballonreithosen und Monokel die bei jeder Gelegenheit Haltung annehmen und die Hacken zusammenknallen lassen.

    Die Aktivitäten eines Feldwebel Himmelstoß und "Wasser in Ärschen kochen" :hmpf: sind reine Schikane ohne irgendwelchen praktischen Sinn und genauso sinnbefreiter Pfauenstolzkrims wie irgendwelche Stechschritte. Das erinnert mich an den komischen Vogel, bei dem die Länge der Schwungfedern der Hähne das Selektionskriterium Nr. 1 der holden Weiblichkeit war, mit der Folge, dass die Viecher inzwischen nicht mehr flugtauglich sind. :rofl:

    Genau das unterscheidet den Sch..., den irgendwelche Dummköpfe ohne eigenen Kopf und Selbstbewusstsein auf dem Kasernenhof/Sportplatz/Schule/Universität/Ausbildungsstätte anrichten, von einer zweck- bzw. einsatzorientierten Ausbildung, in der ein pfiffiger Ausbilder die körperlichen und geistigen Fähigkeiten seiner Leute fördert und sie zu einer modernen funktional zusammenwirkenden Einheit entwickelt.

    Viele dieser Aktivitäten, wie z. B. das US-amerikanische "Brechen und Wieder (in unserem Sinne) Aufbauen" sind in der Tat auch als eine Form der Konditionierung gewollt, an deren Ende durchaus die Erzeugung unkritischer Befehlsempfänger gewollt produziert werden - mit allen möglichen Auswüchsen, vor der unsere heutige Bundeswehr durch die "Innere Führung" fürderhin verschont bleiben möge.

    Man merke zum Beispiel - um wieder zu meinen britischen Steckenpferden des 18. Jh. zu gelangen - dass beim Heer, wo alles in enger Formation stattfand, alles zackig synchron lief - wie im heutigen Formaldienst auch - während die Seelute, die in weiträumig in der Takelage verteilten Teams zusammenarbeiteten, bei entsprechender Gelegenheit immer, neugierig am Vordermann vorbei luschernd "ihre Version von Haltung" annahmen.
     
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  10. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das glaube ich nicht. Steuben hat zwar einen Teil der US-Armee der Unabhängigkeit ausgebildet, einen Drill wie in Preussen, Hessen oder Hannover oder der königlichen französischen Armee, konnte man jedoch bei den Freiwilligen dort nicht einführen, die wären alle von der Fahne gelaufen.

    Nach dem Unabhängigkeitskrieg wurde die Armee sehr stark heruntergefahren und wurde erst nach einer langen Unterbrechung wieder aufgestockt. Ich bezweifle sehr, dass dort etwas "preussisches" übrig geblieben ist. Im ersten und 2 WK fielen die US-Streitkräfte eher durch ihre laxe Auftretensweise auf, die auf die deutschen sehr unmilitärisch wirkte. Erst in den letzten Jahren, m.E. als Reaktion auf die moralische Zersetzung während des Vietnam-Krieges haben sie ihr Auftreten geändert und sich das heutige zackige Auftreten angeeignet.

    Die Russen hatten schon vor Peter eine hart gedrillte Armee und Peter war nicht lang genug an der Macht (und am Leben) um sie grundsätzlich zu ändern.

    In diesen Verhaltensformen ist nichts ausschliesslich Preussisches. Ich kenne relativ gut die Verhältnisse in der spanischen und der argentinischen Armee, zumindest als sie beide noch Wehrpflichtige hatten. Dort waren die Unterschiede zwischen Truppe, Unteroffizieren und Offizieren genau so groß wie die von dir beschriebenen Zustände, in Argentinien sogar noch viel größer, da die Offiziere fast ausschliesslich europäischer Abstammung und aus den höheren Gesellschaftsschichten stammten, während die Unteroffiziere sehr häufig gemischter Abstammung waren und aus einfacheren Verhältnissen stammten.
    In Spanien waren die Sozialen Unterschiede nicht so groß, die Beziehungen untereinander aber auch extrem hierarchisch. Im Gegensatz zur Wehrmacht, bei der die Offiziere zurück grüßten, wenn Untergebene eine Ehrenbezeugung machten, war das weder in Spanien noch in Argentinien gebräuchlich (in der US Army m.W. auch nicht zumindest im 2 WK). Die Misshandlungen die die Rekruten unterzogen wurden, waren so brutal, dass sie in beiden Ländern schliesslich zur Abschaffung der Wehrpflicht führten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. November 2013
  11. BerndHH

    BerndHH Mitglied

    Guten Morgen,

    @thanepower Sorry für meine off-topic Beiträge. Da habe ich mich wohl tatsächlich zum Stammtischniveau hinreißen lassen. :rotwerd:

    Zu den Definitionen:
    WP Geplänkel https://de.wikipedia.org/wiki/Plänkler
    @Neddy
    Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 (Koalitionskriege) https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Jena_und_Auerstedt
    Damit hatte die Niederlage bei Jena und Auerstedt tatsächlich zur Reform des preußischen Heeres geführt.

    Ich gebe Dir vollkommen recht, Drill und reale Gefechtsbereitschaft, bzw. die Fähigkeit ein Feuergefecht zu führen und zu überstehen, sind zwei Paar Schuhe.

    Den Hauptmann von Köpenick hatte es tatsächlich gegeben, war also keine Erfindung von Zuckmayer. https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptmann_von_Köpenick
    Das von Dir erwähnte “brechen und wieder aufbauen" eines Soldaten war eine Praxis, die insbesondere von SS-Gruppenführer Theodor Eicke bei der Totenkopfstandarte Anwendung fand. (siehe http://www.geschichtsforum.de/f66/h-rteausbildung-der-ss-totenkopfstandarte-47327/)

    @Bdaian Du meinst sicherlich Friedrich Wilhelm von Steuben. WP: Friedrich Wilhelm Ludolf Gerhard Augustin von Steuben, auch bekannt als Baron Steuben (* 17. September 1730 in Magdeburg, Herzogtum Magdeburg; † 28. November 1794 in Utica, New York im heutigen Oneida County) war ein preußischer Offizier und US-amerikanischer General. Er reorganisierte die Kontinentalarmee im US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

    Zu dem Auftreten der amerikanischen GIs während des WK II kann ich wenig sagen aber es ist gut möglich, dass sie in der dt. Propaganda als “kaugummikauende angloamerikanische Luftbanditen und Barbaren” dagestellt wurden. Beim US Marine Korps nehme ich aber an, dass dort von Anfang an ein harter Drill herrschte, kann das aber nicht belegen.

    Gruss,
    Bernd
     
  12. BerndHH

    BerndHH Mitglied

    Noch ein Beitrag zur wilhelminischen Gesellschaft:

    WP Wilhelmismus https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelminismus
    Ein anderes Stichwort: WP Verpreußung https://de.wikipedia.org/wiki/Verpreu%C3%9Fung
    Die Verpreußung fand ihren symbolischen Ausdruck in der Schwarz-weiß-roten Reichskriegsflagge, dem königlich-preußischem Adler und dem Eisernen Kreuz.

    Um aber auf das Thema Preußendrill zurückzukommen. Der began, wie bereits erwähnt, schon im patriarchalisch geführten Elternhaus. Also der Vater als strenger Zuchtmeister (“Herr Papa”) und den Herrn Sohnemann in Matrosenuniform und am Sonntag dann die ganze Familie als Zaungäste einer strammen Militärparade...so in der Art vielleicht...
     
  13. BerndHH

    BerndHH Mitglied

    Dies bitte wieder streichen:
    Die Verpreußung fand ihren symbolischen Ausdruck in der Schwarz-weiß-roten Reichskriegsflagge, dem königlich-preußischem Adler und dem Eisernen Kreuz - ist natürlich Quatsch.
     
  14. AnDro

    AnDro Neues Mitglied

    Ich möchte mich bei der mittlerweile sehr breiten Dikussion vorerst nur kurz mit einigen Denkanstößen beteiligen.

    Die harten Militärstrafen und die strenge Disziplin sind keine preußische Erfindung und gehen ursprünglich wohl auf die französische Armee zurück. Ich würde vermuten das Friedrich Wilhelm I. sich dabei an vielleicht an den Exercices de Mars orientiert hat. Es handelt sich um eine Darstellung der französischen "Kriegs-Manier" die im späten 17. Jahrhundert geschrieben und in Kupfer gestochen wurde und im Jahr 1700 ins deutsche übersetzt wurde (hier als Digitalisat der UB Augsburg: Guérard, Nicolas ; Leopold, Joseph Friderich: Les Exercices De Mars : Eigentliche Abbildung und Beschreibung, deß Soldaten Lebens nach der neuesten frantzösischen Kriegs Manier, Augustae Vindelicorum, Leopold, 1700 )

    Für mich stellt sich das ganze durch meine Quellenlektüre so dar: FRW I. orientiert sich bei der Qualitätssteigerung seiner Armee an den damals führenden Militärmächten der Zeit u.a. Frankreich. FR II. verfügt schließlich im Österreichischen Erbfolgekrieg über eine Armee die in Sachen Disziplin und Exercierkunst den anderen Armeen überlegen ist. Die Nachahmung der preußischen Armee setzt daher vorallem nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg ein. Um die Disziplin der Briten ist es zu dieser Zeit übrigens auch noch nicht so weit bestellt, aber es Gründen sich dann zwischen 1748 und 1756 sogar zivile Vereinigungen in denen man das preußische Exerziereglement übt. Im Siebenjährigen Krieg haben die meisten Armeen in Sachen Exerzieren und Disziplin nahezu denselben Stand wie Preußen. Selbst die kurkölnischen Truppen exerzieren bereits nach preußischem Reglement. Es bleiben allerdings einige Vorteile durch die Erfahrung in der Führung größerer Verbände durch häufige Manöver mit größeren Truppenkörpern (natürlich noch lange nicht zu vergleichen mit heutigen Manövern). Nach dem Siebenjährigen Krieg werden die Schwächen der preußischen Armee (u.a. Artillerie) durchaus kritisch wahrgenommen.

    Zur Art der Ausbildung: Die Strafen ähneln noch sehr den französischen Strafen um 1700. Die Reglements für die Infanterie sind jedoch deutlich detaillierter als z.B. das entsprechende französische Reglement für 1756/1757. Das Bild vom preußischen Kommandoton könnte übrigens falsch sein. Ich habe in einer kurz nach 1806 verfassten Quelle mal etwas zum ruhigen aber durchdringenden Kommandoton der altpreußischen Offiziere gelesen. Von den Soldaten wurde schließlich auch absolute Stille beim durchführen der Handgriffe erwartet. Ein Punkt wo die ältere Literatur meiner Meinung nach Grundlegend falsch liegt ist die soziale Disziplinierung. Die Einbindung des Adels in das Offizierskorps ist zwar seit FRW I. deutlichst gesteigert, aber auch 1806 längst noch nicht abgeschlossen.
     
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  15. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Ich denke mal, man tut den 'Preußen zu viel "Ehre" an, wenn man sie für den Drill etc. "verantwortlich" macht.
    Stehende Heere gabs in Hannover ab ~ dem 30 jährigen Krieg, Braunschweig meines Wissens nacht dto.
    Die drakonischen Strafen waren allgemein üblich.
    Der Unterschied zu diesen Armeen und Preußen sind m.E. angeworbene "Ausländer", (was beinah mal einen Krieg zwischen Chur Hannover und Preußen ausgelöst hätte) und vor allem die geforderte Körperlänge bei den Preußen und der eiserne Ladestock.

    Mehr gepreßte Soldaten ergibt mehr Disziplinarvergehen und ergo mehr Disziplinarstrafen.
    Zum "unbarmherzigen Drill": Den gibts /gabs wohl in allen Armeen, seien es die Armeen Dingaans oder eben FRWI
     
  16. Isleifson

    Isleifson Gesperrt

    Hier brauch man die Bilder nur anzuklicken. Spießrutenlauf ist auch dabei.



    Les Exercices de Mars. Eigentliche Abbildung und Beschreibung des Soldaten Lebens nach der neuesten französischen Kriegs-Manier... / von Joseph Friderich Léopold...
     
  17. AnDro

    AnDro Neues Mitglied

    Der Unterschied liegt eher im Umfang der Auslandswerbung im Frieden begründet. Während des Siebenjährigen Krieges ging die Auslandswerbung Preußens drastisch zurück, da viele Territorien nun sehr darauf bedacht waren keine Werbung der gegnerischen Partei zuzulassen. Braunschweiger, Hannoveraner etc. haben auch im Ausland angeworben. In Hamburg gab es im Siebenjährigen Krieg z.B. Probleme mit hannoverschen und englischen Werbern, die dort illegalerweise aktiv waren. Eine möglichst hohe Körperlänge wurde von allen Armeen des 18. Jahrhunderts gefordert. Der eiserne Ladestock wurde in Frankreich übrigens 1741 eingeführt.

    Der Bildbeschreibung kann man entnehmen das mit den Baguettes geprügelt wurde. Wenn man diese Praxis nach der Einführung der eisernen Ladestöcke beibehalten hat, muss das Spießrutenlaufen um einiges brutaler geworden sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. November 2013
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  18. Maelonn

    Maelonn Gesperrt

    Ich denke, man muss die Strafpraxis von militärischem Drill unterscheiden. Als der "preußische" Drill seine Hochphase hatte, waren die Gesellschaften und ihre Vorstellungen von "Gerechtigkeit" noch stark vom Grundsatz der Vergeltung (Körperstrafen) geprägt. Beginnend mit dem Zeitalter der Aufklärung wandelte sich das nach und nach zum heutigen Justizwesen, das in erster Linie auf Resozialisierung ausgerichtet ist. Die gleiche Entwicklung ist (vielerorts verzögert) auch beim Militär zu beobachten. Sie hat aber ihre Ursache nicht im Militär sondern eben in der Gesellschaft.

    Den militärischen Sinn von "Drill" hat @Neddy in zwei Beiträgen ausgezeichnet erörtert. Insbesondere die folgende Passage seiner Ausführungen würde ich hervorheben:

    Dem stimme ich vollkommen zu. Deshalb bin ich auch der Ansicht, dass die genannten französischen Methoden das heutige Militärwesen stärker geprägt haben als "preußisch" wirkende Konzepte der Gleichschaltung mittels brutalem Drill.

    Und so wie sich das Militärwesen mit der "Verfeinerung" der Waffentechnik fortentwickelte, wurde Drill aus rein militärisch-taktischer Sicht zunehmend von einer Notwendigkeit zu einer sinnlosen Tradition. Nehmen wir als Beispiel das Thema "Marschieren" auf dem Ex-Platz. Da soll es heute noch Bundeswehreinheiten geben, in denen das praktiziert wird bis die Socken qualmen. Linksum, rechtsschwenkt, ein Lied zwo drei vier... Einen Sinn hat das heute nicht mehr. Vor wenigen Jahrzehnten sah das noch anders aus. Damals bildeten Infanterieeinheiten noch den Kern des Heeres. Und Marschieren gehörte zu den grundlegenden taktischen Manövern. Das wurde so lange geübt, bis jeder Soldat selbst im Wachkoma noch wie ein Automat 114 Schritte pro Minute machen und mit jedem Schritt 80 Zentimeter zurücklegen konnte. In Deutschland jedenfalls. Bei den Briten war die Frequenz höher, die Schrittlänge kleiner, beim betont langsamen Schritt der Fremdenlegion galten wieder ganz andere Regeln. Bei allen wurde aber auf die Weise Marschleistung berechenbar und Kollonnen blieben auf dem Marsch geschlossen, selbst wenn sie nicht im Gleichschritt marschierten. So wie sich das Kriegswesen wandelt, verliert das immer mehr seinen Sinn, wird aber mangels alternativer Methoden der "legalen Quälerei" weiter praktiziert.

    MfG
     
  19. Maelonn

    Maelonn Gesperrt

    Nachgerutschte Gedanken zum Sinn des Drills:

    Worum es dabei geht, sieht man an den "Boot Camps", in denen junge Straftäter mit scharfem Drill auf Linie gebracht werden sollen. Da werden keine militärischen Fähigkeiten vermittelt. Es wird nur Unterordnung erzeugt. In einem Militär, das aufgrund seiner technischen Möglichkeiten wenig bis gar keine Anforderungen an die intellektuellen Fähigkeiten seiner Soldaten stellt, ist "Unterordnung" vielleicht ein geeignetes Mittel. Modernes Militär stellt andere Anforderungen: Da werden Eigeninitiative und vor allem Eigenmotivation benötigt. Das ist mit bloßem Drill nicht zu erreichen. Schon die französische Tirailleurtaktik konnte nur funktionieren, weil die Soldaten aus eigenem Antrieb kämpften - nicht bloß deshalb, weil sie Angst hatten von der hinter ihnen stehenden Linie der eigenen Kameraden zusammengeschossen zu werden.

    MfG
     
  20. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Auch im Heer der Osmanen herrschte Drill und dadurch eine Disziplin, welche europäische Reisende, die ein osm. Heerlager zu sehen bekamen äußerst verblüffte. Z. B. Michael Heberer in den achziger Jahren des 16. Jh.
    " Im Kriegswesen herrscht bei den Türken eine höchst lobenswerte Zucht und Ordnung. Da geht es allenthalben in einem großen Feldlager friedsam ind still zu, ohne Zank und Hader, ohne spielen und fluchen, ohne zechen und zutrinken, ohne Unzucht und Üppigkeit, mit unaussprechlicher Sparsamkeit. Und das nicht nur beim Fußvolk sondern auch bei der Reiterei. Wer das nicht mit angesehen, glaubt's einfach nicht."
    Offenbar stand das im krassen Gegenteil zu den disziplinlosen Landsknechten und Söldnern der christlichen Welt.
     

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