"Bandengründungen" in DE nach Französischer Revolution? Waisen?

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Lien, 1. März 2008.

  1. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Dazu ein interessantes Zitat:
    Königtum zusammen mit Armut ergibt eher einen Räuber als einen Bettler, doch haben König, Räuber und Bettler das eine gemeinsam, daß sie allesamt außerhalb der gewöhnlichen menschlichen Beziehungen stehen und nichts durch Arbeit erwerben.
    Von Michel Tournier, aus "Caspar, Melchior, Balthasar"
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Mai 2009
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Die Liquidierung der Kleinstterritorrien und die Modernisierung der Justiz und Polizei machte Räubern zweifellos das Leben schwer. Es waren ja vor allem die Territorien der Reichsritter, wo Banditen Unterschlupf fanden. Dort mussten die Räuber aber für Schutz auch teuer bezahlen. Am skrupellosesten trieben es Friedrich Karl Freiherr von Hutten zu Stolzenberg und sein Amtmann Kees, die berüchtigten Räubern Schutz boten und Streifen abwimmelten. 1802 wurde Kees auf Druck der Franzosen und des Landgrafen von Hessen- Kassel entlassen, und einige Gauner verhaftet, um die Beschwerden zu entkräften. Kees Nachfolger Rüllmann verfiel aber bald schon auf die gleichen Methoden wie der Räuber Nikolaus Joseph Harting alias Brabanter Claus zu berichten wusste.

    Brabanter Claus hielt sich aber auch gerne in Thüringen versteckt.

    "Es gehöre jener Ort zu einem Patrimonialgericht, und der gnädige Herr habe den Talles (befinde sich in schlechten Vermögensumständen)
    Er (Brabanter Claus) habe daher der Frau Amtmännin ein Seidentuch geschenkt und sich auch gegen ihn erkenntlich erwiesen."


    Sieht man sich die Beuteerträge von Banditen wie Brabanter Claus und Picard an, so gingen diese seit den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts deutlich zurück.

    Der erwähnte Abraham Picard konnte zwischen 1790- 1800 in wenigen Jahren mehr als 10.000 Rthl erbeuten. 1805 wurde er als Betteljude festgenommen und besaß nur, was er auf dem leib trug. Dem Polizeispitzel Meyer Regensburg, der ihn festnahm sagte er:

    "Er möge sich lieber an den Serves Joseph, den Mausche Elsässer oder den Major Rouhet halten, weil er die letzten zwei Jahre schlecht verdient habe und nunmehr ein armer Teufel sey."



    Allerdings wussten sich Banditen wie Picard auch anzupassen, und um 1810 gingen die Profis dazu über mit wenigen Teilnehmern in Postbüros oder banken einzubrechen. Damian Hessel war so einer, und prominente Vertreter der fast mafiös organisierten Großen Niederländiscdhen Bande waren noch in den 1820er Jahren aktiv. Sie spezialisierten sich auf Messestädte und bevorzugten gewaltlosen Einbruch.

    Die meisten anderen Räuber haben sich nicht reich gestohlen, und oft genug bestand die Beute nur aus Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen.

    Für die "klassischen Räuber" war die Zeit abgelaufen, und sie entwickelten sich zu einem neuen Kriminellentyp. Sozusagen vom Räuber zum Geldschrankknacker bzw Gangster.

    Wo, vor allem auf dem Land nichts mehr zu holen war, hatte selbst der beste Bandit seine Sorgen.

    Der letzte große Coup war der Postraub an der Subbach nahe Biedenkopf am 19. Mai 1822. Verzweifelte, pauperisierte Bauern hatten den Plan gefasst, das "Geldkärnchen" einen Geldtransporter, der einmal im Monat zwischen Gladenbach und Gießen verkehrte, zu überfallen.

    Die Täter waren keine gestandenen Banditen, sondern Bauern aus dem kleinen Ort Kombach. Die preußischen Zollverordnungen hatten den Hand3l mit Tüchern zum Erliegen gebracht, und die Kartoffelfäule von 1816 bewirkte eine Hungersnot, die durchaus mit der "Great Famine" in den 1840er Jahren in Irland vergleichbar ist. Die verhinderten Räuber wurden bald enttarnt und nur dem jüdischen Hausierer David Briel aus dexbach gelang die Flucht mit seinem beuteanteil. Die anderen verrieten sich, da sie zuviel Geld ausgeben mussten, und alle wurden in Gießen exekutiert.

    Die Modernisierung der Justiz und der Verfolgungsbehörden, die Liquidierung der Kleinterritorien und die lange Friedenszeit sind sicher bedeutende Faktoren für den Niedergang des Bandenwesens, allerdings sollte man nicht unterschätzen, dass sich ein grundsätzlicher Strukturwandel der Kriminalität vollzog.

    Für das klassische Räuberwesen war charakteristisch, dass es sich auf das flache Land spezialisierte. Die ganz Reichen und Mächtigen konnten relativ sicher sein. Für den Überfall auf ein Schloss waren mindestens ein Dutzend Bewaffnete erforderlich, und eigentlich gelang so etwas nur den veteranen der Großen niederländischen Bande.

    Opfer waren meist Gastwirte, Pfarrer, Beamte und Großbauern. Bargeld war relativ selten als Beute, eben weil der geldumlauf eher gering war auf dem flachen Land. die Zukunft gehörte daher kleinen Trupps von Einbrechern und Trickbetrügern, die sich auf Städte spezialisierten und Unterschlupf nunmehr in den Slums der aufstrebenden Groß- und Industriestädten fanden.
     
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  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Schau Dir mal zeitgenössische Abbildungen an und entfern Dich bitte von Deinem absurden Bild der Bauern, die in Fetzen durch die Gegend liefen! Du sprichst von Bauern, nicht von Bettlern!

    Interessant dazu sind zeitgenössiche Abbildungen von Kobell oder auch Bilder mit Ausrufen.
    Am Ende lesen das noch Leute und glauben das, was Du ständig wiederholst.

    Klar gab es Notlagen und dann waren die Kleider auch mal kaputt geworden. Aber kein Bauer, der was auf sich hielt, wäre in Fetzen durch die Landschaft gelaufen. Beschäftige Dich mal mit Trachten, vielleicht auch aus Deiner Region und Du wirst schnell hinter den Stolz der Bauern auch auf ihr Äußeres kommen, womit man sich oft regional abhob.
     
  4. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    @Brissotin
    Ich weiß jedenfalls, dass mein Großvater erzählte, dass viele Kinder von Kleinbauern im Winter keine Schuhe hatten und sie sich mit größeren Geschwistern teilen mussten ...

    Glaubst du wirklich Kobell oder ein anderer hätte die armen Kleinbauern so gemalt, wie sie alltags gekleidet waren? Wer hätte ihm solche Bilder denn abgekauft und in seine Wohnstube gehängt? Mir geht es nicht um die Romantik des Bauernwesens, sondern um den Alltag der kleinen Leute. Ihre Kleidung war zerschlissen, geflickt und gestopft, zusammengestückelt, wenn man von der Sonntagskleidung absah.

    Selbst ich hatte noch meine Sonntagskleider im Schrank, die nur in die Kirche und an hohen Feiertagen getragen werden durften!
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Mai 2009
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Es waren auch ganz arme Leute nicht davor gefeit, beraubt zu werden. Viele Banditen waren ja auch gar nicht gut ausgebildet, und die waffen waren meist nicht Degen oder Pistolen, sondern einfache Holzprügel.

    Der Kriminalist Brill schrieb, dass die Räuber um Philipp Lang, alias Hölzerlips mit Buchenknüppeln gefährlicher sei, als mit Degen oder Pistolen, mit denen sie ohnehin nicht richtig umgehen konnten. Mundraub war etwas fast alltägliches, und oft bestand die Beute nur aus einem Schinken und ein paar Würsten.

    Einem armen teufel etwas wegzunehmen, das war allerdings offenbar unter der Würde eines gestandenen Banditen. So gaben Hölzerlips und seine Gefährten einem Fuhrmann sein Geld wieder, sondern halfen ihm sogar, das gestürzte Pferd wieder auf die Beine zu bringen.

    Die Räuber Brabanter Claus, der Major und Damian Hessel taten das Gleiche, und gaben einem Reisenden die Börse wieder mit den Worten.

    "Geh, Kamerad, wir haben des Geldes mehr, als du!"

    Opfer von Raubüberfällen waren wie bereits oben erwähnt, eher "Mitglieder des gehobenen Mittelstands", als die Mächtigen und Superreichen, die sich natürlich auch besser zu schützen wussten.

    Zu schützen wussten sich übrigens auch die Pastoren, die erstaunlich gut mit Schusswaffen versehen waren und damit auch umzugehen wussten.

    Fetzer und einige Kollegen brachen einmal bei drei alten Frauen ein. Die mussten aber recht fit gewesen sein, denn die erste zerschlug die Laterne von anton Heinze, während die andere Fetzers Kollegen durch den Stiefel ins Bein biss. anton Hein´ze war so schockiert, dass er in Panik durch den Kamin flüchtete. Das Abenteuer stieß bei den Räubern noch nach Jahren auf große Erheiterung.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das mit den Schuhen weiß ich doch alles. Regional war es freilich unterschiedlich. In manchen Gegenden ging man eben barfuß, in anderen gab es ganz eigene Schuhersätze aus einfachsten Materialien (Die deutsche Übersetzung von Halle des Artikels über Schuhmacher, glaube von Garsault ist dazu eine gute Quelle!). In Frankreich herrschte ja bei der Unterschicht oft der Holzschuh in unterschiedlichsten Formen vor.

    Zum Markt hingegen ging Frau dann um 1800 in den modischen Schuhen nachempfundenen Schuhwerk, das aber auch bisweilen aus Holz war und nur wie die niedrigen Schuhe der Oberschicht (wie heißen die bei Frauen, bei Männern waren es Escarpins) geschnitten waren. Mit Glück kriegt man in Landesmuseen bisweilen einen recht guten Eindruck von dieser Kleidung.

    Red mir mal nichts ein.=) Die Abbildungen von Kobell mit den reisenden Bauern und anderem Landvolk stimmen durchaus mit den (wenigen) erhaltenen Realien überein. In Schweinfurt gab es vor ein paar Jahren eine schöne Kobell-Ausstellung, wobei der Darstellungen des bäuerlichen Milieus eine primäre Rolle zukam. Leider habe ich mir damals nicht den Katalog zugelegt und fand auch auf die Schnelle keine Links dazu.

    Klar sind die Sonntagskleider zum guten Teil noch was anderes. Ganz grob: Normaltags trug Bauer Kittel, eine Art Ärmelweste, dazu Kniebundhosen etc.. Bei der Feldarbeit sieht man ihn häufig barfuß. Da wollte er sich die Schuhe nicht ruinieren. Sonntags gab es dann in vielen Regionen lange Überröcke, ganz schick, nur oftmals ein paar Dekaden hinter der Mode... Es gab aber auch Ausnahmen, Gebiete wo man Trachten sozusagen um 1800 kaum erkennen konnte und der Sonntagsstaat fast aufs Haar der städtischen, modischen Kleidung glich.
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Der brutale Raub von Kleinigkeiten wie Lebensmitteln, aber natürlich auch Stoffen oder Kleidung kam mir auch immer mal unter.

    Ich entsinne mich, dass eigentlich die wirklich harten Typen schon betont wurden. Ich hatte mal eine Diebes- und Gaunerliste aus den 1730ern in der Hand. Die "Sackgreiferinnen" und Tagediebe machten da wirklich das Gros der gesuchten Verbrecher aus. "Nur" zwei, drei waren darunter, die wirklich so Dinger wie Überfall auf ein Schloss (!) oder eine Post auf dem Kerbholz hatten. Die Schwerverbrecher waren dann aber auch scheinbar besonders geschickt. Machten mal eine Galeerenstrafe mit, entkamen usw.. Entsprechend selbstbewusst waren sie dann. Die großen Räuber zeigten schon, was sie hatten und liefen mit beeindruckend auffälliger und modischer Kleidung rum, während die kleinen Diebe Allerweltskleider an hatten. Bei letzteren tauchten immer wieder Betonungen von Merkmalen wie Hosenträgern auf, also so arme Schlucker, dass sie nichtmal eine Ärmelweste oder sowas darüber trugen...
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied



    Ein Bandit namens Mathieu Rouhet, genannt der Major war als Ausbrecherkönig bekannt. Von ihm ging die Sage, dass er in einem französischen Gefängnis seine Memoiren schrieb. Er verzögerte seinen Ausbruch absichtlich, da er sein Opus zuvor beenden wollte. Rouhet wurde etliche Male zur Galeerenstrafe verurteilt, konnte sich aber jedesmal seitlich in die Büsche schlagen, ehe er in den Mittelmeerhäfen ankam. Er und seine Kollegen sprachen daher von 10 oder 15 Jahren Galeerenstrafe nur von 10- 15 Sous.


    Manche Räuber legten in Gefängnissen regelrechte Depots mit Fluchtwerkzeugen an. Beliebt waren auch Stöpsel aus Kautschuk, die mit Uhrfedern, Feilen, Dietrichen und Münzen gefüllt waren und die dann im Enddarm versteckt wurden.
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Oft genug waren zum Ausbruch solche ausgefeilten Gerätschaften erforderlich, da sich die Gefängnisse in schlechem baulichen Zustand befanden. Oft handelte es sich um Ausbrüche im wahrsten Sinne des Wortes. Der weiße Turm oder "Hexenturm" des Landgrafenschlosses in Marburg war eigentlich ein "Hochsicherheitstrakt" 1811 gelang dem Brabanter Claus mit einigen Kollegen die flucht. Die Ziegel um den Kachelofen waren morsch, und Brabanter Claus und seine Kollegen brachen mit einem Besenstiel und einem eisernen Bettpfosten eine Öffnung und gingen in die Nachbarzelle. Mit einer Schere, die Hartings ´Kollege eingeschmuggelt hatte, lösten sie ihre Fesseln, um am Morgen dem stockmeister aufzulauern, der die gefangenen zu den Latrinen führte. Statt drei gefesselter Gefangener befanden sich sechs Gauner ohne fesseln, und sie stürzten sich auf den Kerkermeister. Im Handgemenge wurde er überwältigt, und während die Wachen drei der Gefangenen überwältigen konnten, ging Brabanter Claus in den angrenzenden Obstgärten stiften.

    Er wurde erst 1812 in Nassau enttarnt und kam erst 1813 nach Marburg zurück. Harting legte ein Geständnis ab und wurde zu 10 Jahren verurteilt. Sein Bruder georg wurde später im Marburger gefängnis wahnsinnig. Tote banditen wurden übrigens in die anatomische Sammlung überwiesen.
     
  10. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Iiich? Wo werd ich denn? Nieganienüscht! =)

    @Scorpio
    ich bezog mich fast nur auf Wegelagerer. Ich kenne z.B. einen Fall aus Irland da wurde in einem Gebiet (Galway) mit hoher Kriminalität sogar eine neue Ortschaft "Clifden" mit Festung (Cilfden Castle) gegründet um diese einzudämmen. Dennoch ging ich immer davon aus, dass sich die Überfälle sozusagen auf bessere "Kundschaft" orientierten. Hat man nicht gerade an Postkutschenstationen Reisende und Händler ausgekundschaftet?

    Aber gut, wenn ihr meint daß Kleinüberfälle das Gros ausmachten, muß ich mich wohl geschlagen geben.

    Auf die Idee daß sogar Festungen, bzw. Burgen und Schlösser überfallen wurden, bin ich gar nicht gekommen. Es hätte ja dann auch nicht wirklich Sinn gemacht eine Burg zu bauen, um derartiges abzuschaffen.
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das mit dem Schloss war eine Ausnahme. Solche Sachen waren natürlich je nach Größe des Gebäudes und Zahl der Dienerschaft etwas Gefährliches. Schon der Überfall auf ein Postgebäude war eine härtere Nuss. Für sowas brauchte man einen Rammbock oder Ähnliches. Was mich vor allem erstaunt hat war, dass diese Räuber nicht wie Einbrecher vorgingen sondern eher rabiat und sogar mit Lärm um Nachbarn beispielsweise zu erschrecken und gleich von vornherein von einer Einmischung abzuhalten. Wichtig war bei so größeren Unternehmen natürlich auch, dass man möglichst rasch mit der Beute über alle Berge war.
     
  12. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Am liebsten gaben sie sich dabei als französische Marodeure aus, gebrauchten französische Kommandos und machten sich den Schrecken zunutze. Auf eine ganz ähnliche Weise verfiel schon in den 1780er Jahren der Zigeuner Hannikel, der fast 20 Jahre schwaben, das elsass und die Schweiz unsicher machte. Zu seinen bevorzugten Opfern gehörten übrigens Juden.
     
  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    In ihrer besten Zeit reisten die Banditen der Großen Räuberbande zu Pferd und mit Wagen an den Tatort. Mancher Coup wurde jahrelang geplant, und der Baldower nah,m meist nicht selbst daran teil. es wurde ein Treffpunkt ausgemacht, wo Waffen deponiert wurden. Für den Überfall wurde ein Anführer gewählt,und die zuverlässigsten leute standen Schildwache, um den Rückzug zu decken. Wachhunde wurden vergiftet, und die Türen mit einem rammbock aufgesprengt.

    Für ein Schloss in Flandern, dass mit einem Wassergraben versehen und durch scharfe Hunde gesichert war, hatten Franz Bosbeck und Abraham Picard zwei Dutzend Bewaffnete eingeplant. Franz Bosbeck Zwillingsbruder Janwurde als Verstärkung mit weiteren 12 Mann aus gent angefordert. Er sollte die Lage peilen, und kam kurzerhand auf die Idee, das schloss nur mit seinen eigenen leuten zu stürmen. Er gab sich als Juwelier aus, und der schlossherr führte ihn herum. In der Nacht stürmte Jan unter pistolenschüssen das Chateau, und die verteidiger gölaubten an eine viel größere Streitmacht. Im Nu waren die Hunde vergiftet und erschossen, und die Verteidiger überwältigt, die Bosbeck übel malträtierte.

    Es bereitete ihm großes vergnügen, seine Kollegen aufzuklären, die glaubten, französische marodeure hätten das Schloss überfallen.
     
  14. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Ja, ja. Der reiche Jud war damals schon ein Feindbild. :motz:
     
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Nee, einfach nur ein geeignetes Opfer.
     
  16. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Es wurde dieses feindbild tatsächlich gerne bemüht, obwohl es reiche Juden gar nicht soviele gab. Die jüdischen geldverleiher waren im Grunde für Klein- und Kleinstkredite die einzige Adresse, und oft war es schwer das Geld zurückzubekommen. Weitaus mehr Gläubiger standen mit viel höheren Summen beim Kirchenkasten in der Kreide.

    Hannikel sagte, "was sey schlechtes dabei, Juden zu überfallen, wenn er sich dabei des Beifalls des Publico sicher sey".
     
  17. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Das Problem waren eben hier auch schon die Verallgemeinerungen. Es reichte, dass es einige Juden gab, die man beneiden konnte oder musste, weil sie hatten, was man meinte mit ehrlicher Arbeit nicht erreichen zu können.

    Neid und Eifersucht sind die Geschwüre einer Gesellschaft und wie Krebs wachsen sie unaufhaltsam weiter.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Mai 2009
  18. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Oder eben sowohl als auch.


    Es waren ja aber eben auch viele Juden innerhalb der Räuberbanden. LWL · Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen · Die Verknüpfung der Netzwerke
    Bei einem Vortrag führte der mehrfache Verweis, dass die Banden sich unter den Juden rekrutierten, auf eine Frage dann am Ende , ob das irgendwie negativ gemeint wäre oder eine Verleumdung. Nein darum ging es nicht, sondern es war einfach ein Teil der Geschichte der Räuberbanden.
     
  19. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Es ist wirklich erschreckend für welche "Beuten" manche gehenkt oder auf andere Art und Weise ums Leben gebracht wurden. ein Schweinebraten gehört schon zu den größeren.

    Die Zeit von ca. 1818 bis 1845 wird aber als eine Zeit des ständigen wirtschaftlichen Wachstums im Deutschen Bund gesehen. So eine Art Wirtschaftswunder.
    Deswegen wundert mich, dass hier von einer "wachsenden Verarmung" die Rede ist.
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Oh ja, Heinrich von Kleist - genau, der mit dem zerbrochenen Krug, dem Bettelweib von Locarno oder Michael Kohlhaas - berichtet im Winter 1810/11 in den Berliner Abendblättern, im Übrigen der ersten deutschsprachigen Zeitung, die täglich erschien, berichtet kontinuierlich von einer Mordbrennerbande, welche das Umland von Berlin terrorisierte. Als er keine Polizeiberichte mehr erhielt* und die Zeitung beinahe nur noch aus seinen literaturtheoretischen Texten bestand (etwa Über das Marionettentheater), brach auch das Interesse der Leser weg. Er konnte die Zeitung nur ein gutes halbes Jahr herausgeben.
    Jedenfalls war es die Strategie dieser Mordbrennerbande die Berlin und Umland monatelang in Atem hielt, Häuser, insbesondere Bauernhöfe, in Brand zu setzen (und dabei auch Tote in Kauf zu nehmen) um in aller Ruhe anderswo ein Gehöft auszurauben.
    Ein paar der Zeitungen sind online, allerdings nur die, welche mit literaturhistorisch bedeutenden Texten Kleists aufwarten können:
    bibliotheca Augustana


    *Französischer Druck auf die preußische Polizei, noch war Preußen mit Napoleon zwangsverbündet.
     

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