Beruf Drescher?

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von Galgenpapst, 24. Februar 2010.

  1. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Nicht nur das, sondern Esslingen hatte viele "Pflegestätten" von Klostereinrichtungen und seit etwa 1200 ist eine Art Spital verzeichnet, aus dem das bekannte St. Katharinen-Hospital entstand. Die Kranken und Pflegeinsassen dieser Häuser mussten auch versorgt werden ...
     
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  2. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Übrigens noch einmal zum Käsborer oder Kasbohrer: Man hatte einfach sehr viele eigenständige Bezeichnungen. Es gab ja auch einen Heumeister (eher auf dem Land) und Kornmesser (auch in Esslingen). Da kann man genauso gut fragen, was der denn nun den lieben langen Tag zu tun hatte ... ;)
     
  3. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Grundsätzlich fallen in einer Stadt eher 0 Liter Milch an, die über den Eigenbedarf hinausgehen, alleine deshalb schließe ich eine tägliche Verarbeitung schon mal aus. Vielmehr wurde sehr viel wahrscheinlicher überschüssige Milch, evtl. bereits vorverarbeitet (Haltbarkeit!) angekauft. Noch wahrscheinlicher, da Esslingen nun mal in keiner Käseregion lag, ist der Ankauf mit anschließendem Weiterverkauf von (halb-)fertigem Käse.
     
  4. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Man braucht erstmal genauere Zahlen. Esslingen hatte damals ca. 6000 Einwohner, und war daneben eine betuchte Handelsstadt mit viel Durchgangsverkehr und Ausfuhren. Jeder Metzger war also für 120 Einwohner zuständig plus für eine nicht genaue Anzahl Reisender plus für den Handel mit Fleisch- und Wurstwaren.

    Zum anderen war der Fleischkonsum damals recht hoch. Folgendes habe ich gefunden:

    Das erklärt die uns heute hoch erscheinende Zahl von Metzgern.

    Übrigens haben die Metzger nicht nur die Esser bedient; auch die bei der Schlachtung anfallenden Abfallprodukte wurde verwertet: Hörner und Knochen von Schnitzern und Knopfmachern, Häute von Gerbern, usw.
     
  5. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Also war der Käsbohrer von Esslingen eher Händler als Produzent, und die braven Einwohner aßen lieber Wurst als Käse. Und sündig genug waren sie auch, weil dort ein Würfelmacher sein Auskommen fand.
    Okay, dann bleibt noch der eine Seite vorher nachgefragte "Weinzieher". Ist das jemand, der Wein in Fässern heranzieht, also ein Kellermeister?

    Ich denke, die restlichen Berufe erschließen sich mir auch ohne Hilfe.

    Obwohl, wozu die 50 Küster brauchten?
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juni 2011
  6. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Er verlädt Weinfässer, sagen die Grimms (Bd. 28, Sp. 1008 f.); anderer Ausdruck: Weinschröter.

    Zugleich ist es ein Werkzeug - siehe die Parallele zum Käsebohrer.
     
  7. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Es kann auch ein ganz gewöhnlicher Winzer sein, der in Dialekten auch als Weinzierl, Weinzirl o.ä. bezeichnet wird.
     
  8. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Die gibt es noch extra, stolze 178 Weingärtner !
     
  9. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    So ?

    Was für Arbeiten erledigte ein Axteindreher ?
    Einstielen wurde vermutlich von den Schmieden oder vom Wagner erledigt-
    ausserdem was dreht man an oder in eine Axt ?
    Auch der Grabenmeister ist mir unklar .....Wallgräben der Stadtmauer
    instant halten oder die Strassengerinne ?:D

    Übrigens kann das mit dem Käse damals nicht so reichlich gewesen sein.
    Turbokühe mit zig Tausend Liter Jahresleistung gabs nicht und die Kälber
    konnten auch nicht mit Ersatzmilch aufgezogen werden - ergo Milch
    zum Käsen gabs nicht allzuviel ( 1000 Liter Kessel wäre illusorisch )
    - es wurde ja auch noch Milch einfach getrunken ( unpasteurisiert =))

    50 Küster ist erstaunlich -gabs da mehr als 1 pro Kirche ? 50 Kirchen
    in Esslingen ?
     
  10. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Upps, ertappt.
    Ich muss die Liste nochmal durchgehen.
     
  11. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Unklar sind mir außerdem Dreher (gab es damals schon Drehmaschinen oder irgendwelche Vorläufermodelle), Eicher (hat das mit einheitlichen Gewichten auf dem Markt zu tun), Karrenspanner (waren das innerstädtische Transportunternehmer) und der Ringdreher.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juni 2011
  12. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    In Esslingen gab es einerseits relativ viele Kirchen (genaue Zahl weiß ich nicht, sorry) und es gab eine recht große Zahl von Pfleghöfen (9 sind erhalten) Pfleghöfe in Esslingen
    Könnte das eventuell die hohe Zahl der Küster erklären?

    Axteindreher: Der Schaft muss genau in das Schaftloch einer Axt passen, darf nicht wackeln und der Griff muss gut in der Hand liegen. Das war nichts, was man so nebenbei mal gemacht hat, dazu hat es Erfahrung und Sorgfalt gebraucht. Teure Äxte haben heute noch einen handgefertigten und passgenau eingedrehten Schaft. Dafür gibt es auch heute noch Spezialisten.

    Dreher: (auch Drechsler) Drehbänke gehören zu den ältesten Maschinen Drehbank (Holz) ? Wikipedia
     
  13. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

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  14. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Vielleicht hilft Herr Udolph weiter
    Jürgen Udolph/Sebastian Fitzek
    Professor Udolphs Buch der Namen


    16. Kapitel Lindenbein, Kässbohrer, Lockenvitz:
    Außergewöhnlich merkwürdige
    Namen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212

    Lebensmittelkontrolle gibt es übrigens nicht erst, seit es Chemiker gibt. Die Untersuchungsmethoden waren zwar noch gröber - die des Betgrugs aber auch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juni 2011
  15. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Die Liste stammt aus dem Jahr 1384. Kann man davon ausgehen, dass diese Berufe ausschließlich ausgeführt wurden, oder waren das nebenbei Ackerbauern?
    Vermutlich haben viele Menschen in Gärten oder etwas ähnlichem ein bisschen Gemüse für den Eigenbedarf gezogen, aber mich interessiert, ob die noch Felder bestellt haben oder ob die Bauern der umliegenden Gemeinden genug anbauten, um so eine Stadt mit zu versorgen?

    Und vom Weinanbau alleine (siehe die vielen Weingärtner) wird man auch nicht satt.

    Oder gab es, auf der Liste dann aber nicht aufgeführt, noch zusätzlich Ackerbauern, die zwar in der Stadt wohnten, aber die umliegenden Felder bestellten.
    Oder noch anders ausgedrückt, wie hoch war so eine Stadt von den Bauern der Umgebung abhängig?
     
  16. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Du kannst aus dem Internet eine tausendseitige Geschichte der Reichsstadt Esslingen von Karl Pfaff herunterladen, die vielleicht einige Deiner Fragen beantwortet:
    Geschichte der reichsstadt Esslingen - Google Books

    Seite 6 der Beilage enthält auch eine Bevölkerungsstastitik für 1725; es könnte reizvoll sein, die mit der von 1384 zu vergleichen.
     
  17. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

  18. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Möglicherweise. Im Mittelalter war der Kirchgang ja z. T. eine tägliche Angelegenheit, so dass entsprechend Personal benötigt worden sein dürfte.

    Fraglich erscheint allerdings die Erhebungsmethode: Wurden die Einwohner der Stadt oder die Bürger befragt? Oder nur Mitglieder der Zünfte? Wurden Voll- oder Nebenberufe erfasst? Oder evtl. beides zugleich? Und wozu diente überhaupt diese Erhebung? Wenn wollte man überzeugen oder beeindrucken damit? Und warum?

    Ich habe die Fragerei mal etwas bewusst übertrieben, aber ich denke, dass wir ohne sie kaum einen Deut weiter kommen werden.
     
  19. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Darf ich dieses uralte Thema eventuell noch mal hochholen?
    Mir ist aufgefallen, dass in der obigen Liste 117 Bäcker verzeichnet sind. Das ist ganz nebenbei die zweithäufigste Berufsgruppe nach den Winzern. Das passt doch überhaupt nicht zu den obligatorischen Getreidebreien, die als Nahrung der Massen für das Mittelalter angegeben sind. Ist das eine Ausnahme für Städte oder können wir uns vom guten alten Hirsebrei verabschieden?
     

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