Ich weiß.
Und ich will den Deutsch.schweizern auch nicht vorschreiben, wie sie ihre Sprache nennen.
Ich bedaure nur, dass der Begriff Alemannisch dort meist unbekannt ist.
Wie ich Dir am Beispiel Basel und Elsass gezeigt habe, ist der Begriff "allemannisch" dort (und auch in der gesamten Deutschweiz) durchaus nicht unbekannt, sondern lediglich nicht gebräuchlich. Zum Mindesten zu meiner Zeit stand die sogenannte "allemannische Landnahme" im Grundschul-Geschichtsunterricht in der ganzen Schweiz auf dem Pflichtprogramm - Du darfst also davon ausgehen, dass zum Mindesten mehr oder weniger jeder Deutschschweizer weiss, was "allemannisch" ist.
Vielleicht befriedigt Dich aber ein historischer Erklärungsversuch (die Betonung liegt auf Versuch) eher als die "natürlichen" Verweise auf den Alltagsgebrauch zur Bezeichnung von Dialektvarianten. In nachnapoleonischer Zeit, als im 19. Jahrhundert die moderne Schweiz (1848) entstand und gleichzeitig auch ein immer stärkerer deutscher Nationalismus aufkam, galt es, sich von diesem zu distanzieren. Einerseits, um die Eigenständigkeit vom Deutschen Reich zu betonen, andererseits aber auch, um gewissermassen eine gemeinsame nationale Identität für Deutsch-, Französisch- und Italienischsprachige zu finden. Da dazu aber auch in der Schweiz die Betonung auf gemeinsame politische Werte und Ideale wie Freiheit und Gleichheit offenbar nicht ausreichten sondern es anscheindend immer nötig ist, auch eine gemeinsame ethnische Abstammung zu konstruieren, fand man zu diesem Zweck die Kelten, genauer gesagt die keltischen Helvetiern. Diese hatten sowohl im deutsch- wie im französischsprachigen Mittelland sowie in den schweiz. Zentralalpen und Teilen Graubündens (die Räter wurden ignoriert) gesiedelt während im Wallis und im italienischsprachigen Tessin u.a. auch keltische Lepontier zu finden waren. Damit war die CH, die "Confoederatio Helvetica", gegründet und zwar unter Wahrung der sprachlichen Neutralität, womit auch Französisch-, Italienisch- und Rätoromanischsprachige leben konnten, was bei einer "allemanischen Eidgenossenschaft" oder sogar "germanischen Eidgenossenschaft" nicht der Fall gewesen wäre. Keltisch sprach im Gebiet der heutigen Schweiz jedenfalls niemand mehr (mögliche schottische, irische, walisische oder bretonische Einwanderer im 19. Jahrhundert dürften vernachlässigbar sein -

Dass die 30er und 40er Jahre nicht gerade dazu geeignet waren, die Deutschschweizer zu einer Korrektur hinsichtlich der Bezeichnung ihrer Dialekte zu "allemmanisch" zu veranlassen sondern im Gegenteil zu einer propagandistischen Wiederbelebung des konstruierten "Keltenerbes" führten, muss ja wohl nicht näher erklärt werden.
Im Übrigen wurden die Wurzeln zur "germanischen / allemannischen Trennung" der Deutschschweiz bereits im auslaufenden Spätmittelalter (16. Jhr.) gelegt. Eidgenössische Humanisten wie Aegidius Tschudi, Heinrich Brennwald und vor allem Heinrich Loriti Glarean stellten die Verbindung der Eidgenossen mit den antiken Helvetiern heraus. Glaerean betonte sogar ausdrücklich, dass die Schweizer nicht von den Germanen, sondern von den Kelten abstammten. Das hat er aber natürlich nicht sprachlich begründet -

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Dass die historisch bedingte, "anti-germanische" Haltung im allegmeinen Bewusstsein der Deutschweizer heute noch vorhanden ist und sie daran hindert, die schweizerdeutschen Dialekte als allemannisch zu bezeichnen, glaube ich allerdings nicht. Es handelt sich wie gesagt vielmehr um eine alltägliche Gewohnheit, welche bei einer Änderung wohl zu "zwischenschweizerischen" Missverständnissen führen würde. Jedenfalls würde mich ein Welschschweizer für einen Deutschen halten, wenn ich ihm erklärte, ich würde allemmanisch sprechen. Das wäre in etwa so, wenn sich ein Tessiner (er spricht einen lombardischen Dialekt) sich mir als Langobarde / Lombarde vorstellen würde. Ich würde ihn für einen Mailänder halten.