Die britische Fernblockade 1914-1918

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Köbis17, 12. März 2008.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Mr. Runciman und Mr. Hurst, Justitiar im Foreign Office, haben Kröller erklärt, daß Deutschland ausgehungert werden müsse und wenn der Krieg drei Jahre dauert.
    Carl Gneist, 3.September 1914

    Beginn der Blockade 1914-1915
    Am 1. August begann die Blockade durch die Aufhebung der Londoner Deklaration über die Freiheit der Meere.
    Nach wenigen Tagen sperrte man die Zugänge der Nordsee von den deutschen Gewässern ab.
    Von den Küsten Norwegens bis hinunter nach Schottland kreuzten britische Kriegsschiffe und erfassten Ladepapiere sowie Herkunft und Bestimmungen der in die Nordsee einlaufenden Frachter.
    Die Grand Fleet, bestehend aus 5 Schlachtgeschwadern mit 20 Großlinienschiffen und 13 Linienschiffen und dem I. Schlachtkreuzergeschwader mit 4 Schlachtkreuzern und 8 Panzerkreuzern, liegt weit ab der deutschen Küste in Scapa Flow. Admiral Jellicoe wollte eine „leere Nordsee“, nur mit den Schlachtkreuzern sollten überraschende Vorstöße zur deutschen Küste bei den Sicherungskräften für Unruhe sorgen.
    Im Ärmelkanal (Downs) übernahmen Trawler und Jachten die Aufgabe der Kontrolle der Landungspapiere. Zusätzlich befand sich hier die Kanalflotte, bestehend aus 4 Schlachtgeschwadern mit 24 Linienschiffen (Prä-Dreadnought).
    Während die Flotte nun ihre Positionen in der Nordsee und im Atlantik eingenommen hatte, um deutsche Kriegs- und Handelschiffe abzufangen, wurde die neutrale Handelsschiffahrt nach den in der Declaration of London vereinbarten Grundsätzen behandelt. Beförderten nun diese Handelsschiffe „relative“ Konterbande, wie Nahrungsmittel und Rohstoffe, hatte die britische Marine keinen Zugriff darauf.
    Dies führte zu einer Order in Council, die am 20.07.1914 von der britischen Regierung veröffentlicht wurde. Inhalt war weiterhin die Anerkennung der Londoner Seerechtsdeklarationen mit der Einschränkung, das neutrale Schiffe, die relative Konterbande für Deutschland mitführen, auch wenn der Zielhäfen kein Deutscher war, nun aufgebracht werden konnten.
    Eine weitere Order in Council folgte am 11.März 1915. Diese Maßnahme zwang die neutralen Staaten, wie z.B. die Niederlande, Dänemark, Norwegen, Schweden, überstaatliche Überwachungsausschüsse einzurichten, die allein das Recht zur Einfuhr überseeischer Waren erhielten und sich verpflichten mußten, diese Waren nur an neutrale Länder weiterzuliefern. Durch diese letzte Maßnahme war es gelungen, Deutschland und seine Verbündeten fast vollkommen vom Weltmarkt abzuschließen. Ab 1915 wurden erstmals ganze Teile der offenen See von den Briten wie von den Deutschen als Speergebiete behandelt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 12. März 2008
  2. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Amsterdam, 9. November. (W. B.)
    Das "Utrechtsche Dagblad" veröffentlicht einen Artikel von Professor de Louter, in welchem dieser schreibt: Die englische Erklärung der Nordsee als militärisches Gebiet widerspricht dem Grundprinzip der Freiheit der offenen See sowie der Nordsee-Erklärung der Mächte vom 24. April 1908. Die Maßregel ist beispiellos.
    Sie trifft den neutralen Handel ins Herz, in erster Linie den der Niederlande, Dänemarks und Norwegens, aber auch den der Vereinigten Staaten. Der Verfasser fragt, ob nicht die Neutralen sich zu einem nachdrücklichen Protest vereinigen und die Vereinigten Staaten die Rolle des Beschützers der neutralen Staaten übernehmen könnten.

    Die nebenstehende Kartenskizze veranschaulicht die von der englischen Admiralität verfügte Maßnahme, durch die die Nordsee östlich von England als militärisches Gebiet erklärt und östlich einer Linie, die von der Nordspitze der Hebriden durch die Faröer-Inseln nach Island geht, für die neutrale Schiffahrt gesperrt wird. Die schwarze Linie zeigt den Weg an, der den Schiffen von und nach Norwegen von der Admiralität vorgeschrieben ist.

    Quelle: Der 1. Weltkrieg - 9. November 1914
     

    Anhänge:

  3. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Stockholm, 12. November. (Priv.-Tel.)
    Um der steigenden Entrüstung der Seehandel treibenden neutralen Länder über die Nordseesperre entgegenzuwirken, veröffentlicht die englische Regierung ein neues langatmiges Aktenstück. In diesem wird die Handlungsweise der englischen Admiralität damit begründet, daß man der neutralen Seefahrt die mindest gefährlichen Wasserwege habe sicherstellen wollen. Unter dem Eindruck der bereits mitgeteilten Äußerungen heimgekehrter schwedischer Kapitäne erklärt man in allen hiesigen Reedereikreisen, daß diese Motivierung den tatsächlichen Verhältnissen geradezu Hohn spreche. "Stockholms Dagblad" schreibt: "Der angewiesene Fahrweg geht dicht an Dover vorbei, dem wahrscheinlichsten Schauplatz einer gefährlichen Seeschlacht. Dann müssen die neutralen Schiffe an Yarmouth vorbei längs der englischen Ostküste fahren. Auf der einen Seite der schmalen Fahrrinne droht die Scylla der nur drei Meilen entfernten Klippenküste, auf der anderen die Charybdis der englischen Minenfelder. Warum wird uns nicht die weit weniger gefährliche offene Nordsee, warum nicht der ungefährliche Weg um die Nordspitze von Schottland nach dem Atlantik belassen?
    In den Kreisen der Reeder ist die Erbitterung über den völkerrechtswidrigen Bruch der Nordsee-Freiheit und die Lahmlegung des transatlantischen Seehandels sehr groß. "Die Veranlassung des englischen Admiralitätsdekrets", so sagte mir ein bedeutender Stockholmer Reeder, "ist alles andere als humane Rücksichtnahme auf die Interessen der neutralen Schiffe. Die Nordseesperre entspringt einzig und allein der Furcht der englischen Flotte vor den deutschen Unterseebooten; deshalb will die englische Admiralität ein Stoppen ihrer Kreuzer auf hoher See zur Visitierung neutraler Fahrzeuge auf Konterbande vermeiden."


    Stockholm, 12. November. (Priv.-Tel.)
    Die ersten schwedischen Dampfer, die den von der britischen Admiralität vorgeschriebenen Weg von England genommen haben, sind in skandinavischen Häfen eingetroffen. Die Kapitäne erklären, es sei entlang der englischen Küste eine unheimliche und entsetzliche Fahrt, zu der sie von den englischen Marinebehörden gezwungen wurden. Nur acht Stunden war es hell, die übrigen sechzehn Stunden herrschte Dunkelheit, da alle Küstenfeuer gelöscht sind. Eine Orientierung war unmöglich, und man schwebte in Gefahr, entweder gegen die Küste getrieben zu werden und zu scheitern oder zu weit hinaus auf die hohe See zu geraten, wo die Minenfelder liegen. Die schwedischen Kapitäne bestätigen, daß die beiden schwedischen Dampferkatastrophen auf die Nordseesperre der britischen Admiralität zurückzuführen sind.


    Kopenhagen. 12. November. (Priv.-Tel. Ctr. Fkst.)
    Die "Berlingske Tidende" erfährt aus London, Sir Edward Grey habe telegrafisch den englischen Gesandten in den skandinavischen Ländern mitgeteilt, daß er mit den Garantien zufrieden sei, die Dänemark, Norwegen und Schweden dafür gegeben haben, daß Kriegskonterbande, die an bestimmte Personen der drei Länder konsigniert sei, nicht weiter ausgeführt, sondern am Bestimmungsort bleiben werde. Drei nordische Staaten garantieren, daß solche Waren, die von den in den betreffenden Ländern aufgestellten Ausfuhrverboten umfaßt werden, wirklich in einem dänischen, schwedischen oder norwegischen Hafen gelöscht und nicht, sei es sofort oder später, an Länder, mit denen England Krieg führe, weitergesandt werden. Ähnliche Garantien werden von Italien und anderen neutralen Mächten abgegeben werden. In Nordamerika sei man mit dem Auftreten der britischen Regierung zufrieden, und man erwarte dort eine Besserung der Schiffahrt und größere Warensendungen nach skandinavischen Ländern.

    Quelle:Der 1. Weltkrieg - 12. November 1914
     
  4. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Warum waren weder die Flotte Stosch, Caprivis noch die viel größere die von Tirpitz gebaut wurde, technisch oder operativ darauf vorbereitet, eine Fernblockade zu durchbrechen?

    Man rechnete nicht mit einer Fernblockade in der Nordsee?

    Dies wäre dann eine Blockade im strategischen, nicht aber im rechtlichen Sinne des Wortes. Im Rahmen des geltenden Rechts konnte eine westliche Macht Handelsschiffe unter deutscher Flagge aufbringen, indem sie ihr Recht als Kriegführender wahrnahm, feindliches Gut an Bord feindlicher Schiffe zu beschlagnahmen und neutrale Schiffe nach Deutschland bestimmte Konterbande zu durchsuchen. Es ist korrekt, die Flotte, die Caprivi vorschwebte, als blockadebrechende Flotte zu beschreiben, weil sie so ausgelegt sein sollte, daß sie eine effektive (d.h. enge) Blockade deutscher Häfen – die unter den Richtlinien der Pariser Seerechtsdeklaration einzig legale Form von Blockade – verhindern konnte. Eine Macht, die eine „weite Blockade“ errichtete und in deren Rahmen neutrale Schiffe anhielt, die mit Deutschland (oder neutralen Nachbarn) bestimmte Waren, die nicht zur Konterbande zählten, beladen waren, würde sich einer klaren Verletzung des Völkerrechts schuldig machen – unabhängig davon, wie effektiv ihre Kontrolle über die Zufahrtswege zu Nordsee ausfiele.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Gibt es eigentlich zu der im Bericht des Untersuchungsausschusses (Reihe III, Band IV, u.a. Seekrieg) zum Weltkrieg 14-18 getätigten Aussage, wonach die Zahl der Blockadeopfer rd. 750.000 betragen haben soll, irgendwelche Nachweise und Untersuchungen?


    @Köbis
    Die (Nah-)"Blockade" - Wegnahme aller Schiffe inkl. Ladung neutraler Länder, soweit sie blockierte Häfen des Kriegsführenden anlaufen - mit der Basis Blockaderecht ist imho von der praktizierten britischen "Fernblockade" zu trennen, die sich auf das Konterbanderecht/Prisenrecht bzw. Recht zur Abwehr feindseliger Unterstützung durch neutrale Handelsschiffe stützt.

    Die Einstufung des Navicertsystems (zuvor Rationierungssystems) ist umstritten.

    (Steinicke, Das Navicertsystem)
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Oktober 2008
  6. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Und der deutsche Admiralstab hat schon seit 1912 Kenntis davon gehabt, das Großbritannien nicht mehr eine Nahblockade anwenden würde, sondern auf eine Fernblockade setzen würde. Damit war die Idee von Tirptiz, einer Entscheidungsschlacht in der Deutschen Bucht, erledigt. Trotzdem hielt man wider besseren Wissen an dem falschen strategischen Konzept einfach fest. Unglaublich!

    Und wo wurden die großen Entscheidungsschlachten des Ersten Weltkrieges geschlagen? Sie fandenauf dem Festland statt und eben nicht zur See. Tirpitz sein Konzept war grandios gescheitert.

    Man hat deutscherseits anscheinend auch nicht so wirklich viel aus dem Amerikanischen Bürgekrieg gelernt. Die Nordstaaten haben den Süden systematische von allen Einfuhren abgeschnitten. Der Süden verfügte zwar theorretisch über genügend landwirtschaftliche Anbauflächen, war aber nicht in der Lage von Baumwollfeldern auf Getreide in ausreichenden Maße umzustellen. Des Weiteren hat der Bürgerkrieg ja bekanntermaßen ein paar Jahre gedauert.

    Also man rechnete mit einer Seeblockade und seit 1912 war bekannt, das es eine Fernblockade werden würde. Es stellt sich doch die ganz große Frage, welche vorausschauenden Maßnahmen wurden beispielsesweise auf dem exorbitant wichten Lebensmittelsektor getroffen, um so einer Blockade einigermaßen erfolgsversprechend widerstehen zu können? Offenkundig wohl keine, da man wohl grob fahrlässig davon ausging, das der Krieg sehr schnell beendet werden könnte. Spätestens nach der Pleite der Marneschlacht hätte doch wohl klar sein müssen, das es nichts mit dem kurzen Krieg wird. Und es wurden immer noch keine Maßnahmen hinsichtlich einer gewissen Blockadefestigkeit getroffen worden. Hat sich denn nun wirklich keiner vorstellen können, das es sehr schnell an Arbeitskräften, es waren letzlich über eine Million, Arbeitskräften in der Landwirtschaft fehlen könnte? Oder an Transportmitteln? Es fällt schwer, diese Leichtfertigkeit heute noch zu verstehen.
     
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  7. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Für die seit Jahr und Tag berichteten Opferzahlen zwischen 600.000 und 800.000 Menschen (sozusagen als Mittelwert: "über 700.000" bei Kielmannsegg, S. 182) gibt es mE keine verlässliche Grundlage. Gerd Hardach (Der Erste Weltkrieg [1973], S. 39 f.) nennt den Verweis auf die "Hungerblockade" etwas überspitzt einen (weiteren) Versuch interessierter Kreise, von der militärischen Niederlage abzulenken: "Man glaubte sogar, auf dem Umweg über die höhere Sterblichkeitsrate unter der Zivilbevölkerung in den Kriegsjahren, genau berechnen zu können, wie viele Todesfälle die Blockadepolitik verursacht habe. Ausländische Autoren haben diese Berechnungen ebenso übernommen wie die Auffassung, die Blockade sei eine kriegsentscheidende Waffe gewesen."

    Sicher kann man nachweisen, dass sich die Ernährungslage sukzessive verschlechterte bis zum Tiefpunkt im "Kohlrübenwinter" 1916/17. Aber das hatte mindestens zwei Ursachen, nämlich die Verknappung der Güter und das mindestens teilweise Versagen der staatlichen Verteilungsmechanismen (siehe zu letzterem Wehler, Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4, S. 57 ff., der insbesondere die großagrarische Lobby verantwortlich macht).

    Plausibel ist natürlich auch, dass die Unterernährung die Widerstandskraft gerade der Alten und Kinder schwächte. Die Kindersterblichkeit erhöhte sich bedeutend, während die Fertilitätsrate naturgemäß sank, und als 1918 die Spanische Grippe weltweit umging, fielen ihr in Deutschland 300.000 Menschen zum Opfer, von denen ein Teil bei besserer Versorgungslage vermutlich überlebt hätte.
     
  8. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Mal eine hypothetische Frage. Gäbe es denn überhaupt eine Möglichkeit, solch eine Fernblockade zu bekämpfen?

    Selbst wenn die deutschen Kriegsschiffe flexibler bei ihrer Reichweite gewesen wären, hätte man dauerhaft keinen Einsatz von großen Schiffen organisieren können. Der Vorteil lag auf britischer Seite, die eine Blockade direkt vor ihrem eigenen Flottenstützpunkt aufbauen konnten.
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Bei Einhaltung der Haager Seerechtsbestimmungen wäre eine Blockade fern oder nah unwirksam gewesen.
    Es lassen sich auch innerhalb 2 Jahren keine anderen Schiffe bauen.

    Abgesehen davon, die Flotte hat Seestrategisch sehr viel erreicht. Schweden, Norwegen, Niederlande und Dänemark blieben neutral. Immerhin Dänemakr hatte ja durchaus noch eine offene Rechnung, und mit dem Nord-Ostseekanal auch ein lohnendes Ziel vor Augen. (1914 war in SH auch ein Armeekorp aufmarschiert, das dann nach Ostpreußen verlegt werden konnte, und Tannenberg möglich machte)
    Die Russen konnten über die Nordsee nicht versorgt werden.
    Und die Bindung der kpl. Homefleet würde ich so gering auch nicht einschätzen, hätte ja nur zB auch an den Dardanellen eingesetzt werden können...
     
  10. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    In der Tat: Die Briten sind äußerst rabiat vorgegangen und haben sich um rechtliche Fragen nicht groß gescheert. So erklärte Großbritannien beispielsweise am 02.November 1914 die Nordsee zum Sperrgebiet. Das war schon einmal ein klarer Verstoß gegen das Seekriegsrecht.
    Die anschließende Verminung der Nordsee war ein weiterer Verstoß gegen Seekriegsrecht. Großartige Rücksichten hinsichtlich der Neutralen wurden auch nicht genommen Staaten genommen, es sei denn sie befuhren ganz bestimmte, von den Briten vorgeschriebene, Routen. War doch wirklich reizend.

    So hat sich Großbritannien das Instrument verschafft, welches es ermöglichte, nicht nur die deutschen Häfen zu blockieren, sondern gleichzeitig, so ganz nebenbei, den Handelsverkehr zu den Niederlanden, Dänemark und Norwegen zu kontrollieren.

    Lebensmittel gehörten beispielsweise auch zu der Freiliste der Londoner Deklarationen, aber die wurde von den Briten nicht beachtet. Der Fairness halber muss aber angemerkt werden, das diese von Großbritannien, wohl mit gutem Grunde, nie unterzeichnet wurde, obwohl diese ganz allgemein anerkannt waren.

    Es gab ja auch noch die nicht ganz unbedeutende französische Flotte.:)

    In den Seegefechten vor Helgoland und auf der Doggerbank hat die deutsche Flotte größere Verluste hinnehmen müssen als die britsche.

    Die Flotte hat ohne Frage einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, das Russland sich genötigt sah, mit Deutschland Frieden zu schließen. Auf der einen Seite stand die Seeherrschaft in der Ostsee und auf der anderen die Verwehrung des Zutritts zum Mittelmeer, nicht zuletzt durch die Goeben und Breslau.

    Nur, und das ist doch eigentlich entscheidend, die in ihr gesetzten Hoffnungen und Erwartungen, ist die deutsche Flotte nicht gerecht geworden, da sie schon von ihrer Reichweite nicht in der Lage war, die britische Fernblockade zu knacken.
     
  11. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Ich will ja nicht abstreiten, dass die deutsche Hochseeflotte zu irgendetwas nütze war - aber dass sich ihrer Existenz die Neutralität der erwähnten Staaten verdankt, lese ich hier zum ersten Male. Wenn ich dazu Literaturhinweise bekommen könnte, wäre ich aber gern bereit, dazu zu lernen.:winke:

    Ja, das war die "Nordarmee" - die war mir, ehrlich gesagt, ganz entfallen. Ihr Kern, das IX. Reservekorps (09. Reservekorps - Der erste Weltkrieg Korps Nordarmee Stab Garde Armee), ging aber nicht gen Osten, sondern wurde am 22.8. gen Belgien entsandt, wo es bereits vier Tage später große Teile der Innenstadt von Löwen in Brand steckte. (Zur Verlegungs-Entscheidung der OHL siehe Reichsarchivswerk, Bd. 1, S. 432).

    Hypothetische Antwort: 200 U-Boote bauen und die Sicherungsstreitkräfte angreifen.:pfeif: (Klingt blöd, aber was Besseres fällt mir an meinem Sandkasten auch nicht ein.)
     
  12. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Seht ihr, schon allein der Grundgedanke des Seemachtsdenkens in der deutschen Marine war falsch. So hatte man im Falle eines Landkrieges festgestellt, das sog. Kabinettkriege in der Zukunft kaum noch möglich seinen, dass letztlich alles auf einen Volkskrieg zielt, indem nicht die Entscheidende Schlacht das Ergebnis über Sieg oder Niederlage einer Nation bringt, sonder dass gesamte Land mit Maus und Mann musste Überwältigt werden, der Kampf der Völker ebend.

    Nichts anderes war es auch auf dem Wasser, die Theorie von der Entscheidungsschlacht war schon von Gestern, als sie als Grundlage für die Flottenrüstung diente. Die Möglichkeit, die die Briten hatten durch ihre geographische Lage, dass deutsche Reich in einer Wirtschaftsblockade zu See zu bekämpfen, kommt auch hier einem Kampf Volk gegen Volk gleich, nicht aber Schlachtsschiff gegen Schlachtschiff.

    Die Fernblockade war Volkerrechtlich gesehen nicht unbedingt die feine englische Art. Aber sie war wirksam und zeigte, dass die Flottenaufbaubemühungen des deutschen Reiches letztlich für die Katz waren, ebend eine stumpfe Waffe.
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Du musst Deine Literatur lesen JSchmid, nicht nur abstauben:D Im genannten MGFA Band!

    Ein namhafter Teil landete jedoch bei Hindenburg.


    Haben sie doch sofort.
    Zwar nicht mit 200 aber mit 5. Und der Weddigen hat gleich drei Panzerkreuzer versenkt. Deutlich mehr als Doggerbank und Helgoland an Verlusten brachten.

    Ich habe diese Ansicht auch erstmals im MGFA-Band gelesen, aber mittlerweile überzeugt sie mich. Was möglich war, hat die Flotte geleistet.
    Das Kriegsende verstellt einem da doch die Sicht. Denke ich mal.

    Die Franzosen und Italiener hatten im mittelmeer genug zu tun, die Össis zu zernieren, und dann natürlich der U-Bootkrieg, ja deutlich erfolgreicher als im Atlantik. Und die Türken mit Goeben und Breslau haben ja auch gelauert.
     
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Aus dem Sandkasten:
    Das ist bei der der Northern Patrol mit damaligen U-Booten für mich nicht so recht vorstellbar und eine anderer Konstellation als beim Angriff auf Blockadestreitkräfte im Kanal.

    Naheliegend wären Kampfgruppen aus Überwasserstreitkräften (Problem: Reichweite, Stützpunkte und Kohleversorgung).


    Das ermöglicht aber wieder einen interessanten Bogenschlag: genau diese Konstellation des ERsten Weltkrieges und die blockadeerfahrungen brachten die Reichsmarine und Raeder dazu, sich mit der Besetzung Norwegens bereits Ende der 20er für den Atlantischen Seekrieg zu beschäftigen. Zwei Effekte: zum einen würde die Blockade durch die Ausdehnung erschwert, zum anderen würden Stützpunkte in Norwegen für solche Kampfgruppen gegen die weit aufgefächerte Blockade gewonnen.
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Sooo modern war die Nothern Patrol 1914 auch noch nicht.


    Wozu man 14-18 auch schon Stützpunkte in Norwegen gebraucht hätte. Was diskutiert wurde, aber aus politischen Gründen unterblieb.

    Und, lass doch die Blockade brechen, hätte den Krieg auch nicht entschieden. Siehe 40-45. Hätten die tommies Handeslkrieg in der Nordsee gemacht.
     
  16. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Dies wäre die logische Konsequents, sich ebenfalls in der Nähe der Blockade einen Stützpunkt einzurichten, um dauerhaft einer Blockade entgegenzutreten. Nach deutschen Vorstellungen sollte so ja die Konstellation aussehen, wenn eine enge Blockade gezogen worden wäre (eigener Stützpunkt in der Nähe der Blockade).

    Wie Turgot schon weiter oben erwähnte, wie Blind musste man in der deutschen Marineleitung gewesen sein, daß Szenario einer Fernblockade in die Strategie der Verteidigung mit einfliesen zulassen. Das grenzt schon an Arroganz.
     
  17. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Habe tatsächlich noch zwei Dänen-Stellen gefunden:

    • Tirpitz bestand 1907 darauf, "ein möglicherweise notwendig werdendes Ausgreifen [des Operationsgebiets] auf die Niederlande und Dänemark auf keinen Fall zu erschweren" (S. 181).
    • "Die dänische Marine war übrigens einer Anlehnung an Deutschland keineswegs kategorisch abgeneigt,wie Besprechungen im Jahr 1907 ergaben" (S. 225).
    Daraus kann man alles Mögliche entnehmen, das von Dir erwähnte aber nicht so recht.

    Ach! Und welcher? Sei doch nicht so zäh, sondern lass uns an Deinem Wissen teilhaben!:winke:

    Weddigens Erfolg hätte sich freilich in dieser Form nicht wiederholen können. Die Royal Navy war im September 1914 noch so "naiv", dass sie das U-9-Periskop für ein Stück Treibholz hielt und, nachdem "Aboukir" getroffen war, zur Bergung der Besatzung "Hogue" und "Cressy" anhielt - die nun ihrerseits torpediert wurden.

    Immerhin ein Beispiel, das zeigt, welches Potential in der U-Boot-Waffe steckte! Das wurde aber offenbar nicht von allen so gesehen: Aus 32 vorhandenen Boote in 9/1914 waren bis 12/1915 (!) gerade mal 64 geworden... (Höchstzahl überhaupt: 177 in 9/1918).
     
  18. Cisco

    Cisco Neues Mitglied

    Von der Nordarmee gingen die Landwehr-Brigaden 33,34,37 und 38 nach Osten.
    Die beiden Divisionen, 17. und 18.Reserve-Division, nach Belgien.

    Ein kleiner Teil der Truppen verblieb als Festungsbesatzung der Inseln und an der Grenze im Norden.

    Gruß

    Cisco
     
  19. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Vielen Dank! Ich will mal annehmen, dass die Brigaden 33 und 34 noch bei Tannenberg zum Einsatz kamen (obwohl sie im Truppenverzeichnis zu Bd. 2, S. 384 ff. nicht enthalten sind).

    Was die Brigaden 37 und 38 betrifft, so steht im Weltkriegswerk (Bd. 1, S. 434), sie seien bereits am 18.8. nach Lüttich in Fahrt gesetzt worden. Wurden die denn unterwegs umgeleitet?
     
  20. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ich war jetzt der Meinung, die 37.+38. Landwehrbrigade wäre ebenfalls in den Westen gegangen
     

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