Frage zum österreichischen Bürgerkrieg

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von KnightMove, 5. Dezember 2006.

  1. KnightMove

    KnightMove Neues Mitglied

    Ein amerikanischer Militärhistoriker hat mir einmal erzählt, dass der österreichische Bürgerkrieg aus einem bestimmten Grund seinen Platz in der Militärgeschichte hat: Er sei der erste Krieg gewesen, in dem gezielt Wohnhäuser mit Artillerie beschossen worden seien.

    Ich konnte dazu im Netz nichts finden. Weiß jemand etwas darüber?
     
  2. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Hmmm. Ich glaube nicht, dass man das so ausschließlich sagen kann.

    :grübel:
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Dezember 2006
  3. KnightMove

    KnightMove Neues Mitglied

    Immerhin konnte ich auch kein Gegenbeispiel finden eines früheren gezielten Artilleriebeschusses auf ein Wohnhaus.
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Wann war der "Österreichische Bürgerkrieg"?
    Dieser Begriff sagt mir gar nichts.

    Grüße Repo
     
  5. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Zuletzt bearbeitet: 6. Dezember 2006
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ach so, die Februarkämpfe.
    Als der Schuschnigg noch schnell den Wallisch an den Galgen brachte.

    Grüße Repo
     
  7. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    In der Haager Landkriegsordnung (1899) wurde untersagt, unverteidigte Städte, Dörfer, Wohnstätten oder Gebäude ... anzugreifen oder zu beschießen" (Art. 25 der Anlage I). Ich nehme mal an, dass diese Bestimmung deshalb in die HLKO aufgenommen wurde, weil der Beschuss von Wohnhäusern bis dahin (1899) schon vorgekommen war und man eine Wiederholung dieser Fälle - jedenfalls bei unverteidigten Wohnhäusern - ausschliessen wollte.
     
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die haben im Februar 1934 tatsächlich auf Wohnblocks massiv mit Artillerie geschossen. Unbestritten.
    aber ich denke die Türken 1529 auch schon, und vermutlich sind auch Fälle in der Altsteinzeit nachzuweisen. (was war dort die Artillerie? Felsbrocken?)

    Grüße Repo
     
  9. KnightMove

    KnightMove Neues Mitglied

    In der Altsteinzeit gab es mit Sicherheit nichts, was man auch nur im entferntesten als "Artillerie" bezeichnen könnte.

    Zu den Türken: Ich weiß nicht recht. Immerhin will eine erobernde Seite die Häuser ja meist möglichst unbeschädigt erobern.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gut. Definiere: was ist Artillerie, nur Rohrgeschütze, oder auch Wurfmaschinen?
    Definiere: was ist gezielt? Über den Daumen gepeilt, oder präzise?
     
  11. KnightMove

    KnightMove Neues Mitglied

    Gezielt bedeutet, dass man ein bestimmtes Zivilgebäude treffen wollte. Der Beschuss von Paris durch die Deutschen 1918 war etwa nicht gezielt. In "Asterix und Kleopatra" zerstören die Römer den halbfertigen Palast gezielt.

    Artillerie kann man so und so verstehen. Überlegen wir uns einfach die Antworten für alle Definitionen.
     
  12. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Damit haben wir doch schon ein antikes Beispiel.:winke:
    Da aber bis in die frühe Neuzeit hinein fast alle Siedlungen durch Mauern oder Wälle umgeben waren, halte ich einen gezielten Beschuss für eher unwahrscheinlich. Man zielte auf Befestigungsanlagen und mit Brandgeschossen auch auf Wohnviertel. Aber einzelne Häuser auszumachen und zu beschießen, empfinde ich als zu aufwendig für Katapulte und Kanonen oder Haubitzen.
     
  13. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich bin Platt! Von einem Bürgerkrieg in Österreich habe ich ja noch etwas gehört!
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Kein Mensch wird mit teuren Kanonen teure Granaten auf ein Wohngebäude schießen, wenn er das Häuschen einfacher kriegen kann. Ich kenne die Vorgänge in Wien 1934 so genau nicht. Könnte mir aber vorstellen, dass aus den Häusern zuvor mit Gewehren herausgeschossen wurde.

    Vorgänge die "Waffentechnisch übersetzt" bestimmt schon in Konflikten der Altsteinzeit zu finden sind.

    Grüße Repo

    NS.: Gesegnet ein Staat der solche doch relativ geringfügigen Ereignisse wie den Februar 1934 nachträglich zum "Bürgerkrieg" erklären kann.
     
  15. alfred

    alfred Neues Mitglied

    In der Tat wurden während der Konflikte im Jahr 1934 die sogenannten "Gemeindebauten", als Wohn- und Wirkungsstätten der sozialistischen Gesinnungsgenossen, in die Kampfhandlungen einbezogen und auch direkt unter Beschuß genommen.
    Dies hat aber auch damit zu tun, daß eben diese Gebäude, welche bereits seit 1919 in immer größerer Zahl als Wohnanlagen für die ärmeren Bevölkerungsschichten, welche dem damals vorherrschenden Wucher bei Mieten zum Opfer gefallen sind, von Anfang an in einer fast bastionenartigen Bauweise errichtet worden waren. Sie vermitteln noch heute einen trutzigen, wehrhaften Charakter; quasi als Rückzugs- und Befestigungsanlagen für ihre Bewohner wirkend.
    Dadurch wirkten sie für ihre Angreifer eher wie eine Festung; weniger als Wohnanlage.
    Ich kann jedem Wienbesucher nur empfehlen, sich eine der alten Gemeinbebauanlagen einmal anzusehen; sie demonstrieren Stärke und Widerstandswillen.
     
  16. KnightMove

    KnightMove Neues Mitglied

    Macht nichts. Ich habe z. B. vom Schweizer Bürgerkrieg auch erst vor kurzem erfahren.
     
  17. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Kannst du mir bitte sagen von welchem Schweizer Bürgerkrieg du sprichst? Von dem kurzen Bürgerkrieg von 1846/47, der genau 26 Kampftage dauerte?
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Dezember 2006
  18. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Immerhin war der Sonderbundskrieg 10mal so lange wie der in Österreich.
    Aber Angesichts der Bürgerkriege in den USA, in Russland oder jüngst in Ex-Jugoslawien diesen Vorgängen denselben "Titel" zu verleihen, .............

    Grüße Repo

    Grüße Repo
     
  19. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Ja deshalb wird in der offiziellen Geschichtsschreibung auch sehr selten von einem Bürgerkrieg gesprochen, sondern eben wir du schon sagtest vom Sonderbundkrieg.
     
  20. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Sag das nicht zu laut, die Nachfahren der damaligen Gegner werfen sich das heute noch vor... das nennt man hierzulande "Koalitionsverhandlungen"...

    Ein anderer Fachbegriff für die damaligen Ereignisse ist "Februarkämpfe". Im Kontext anderer Bürgerkriege, der wohl neutralere.
     

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