Gaugamela

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Quintus Fabius, 17. Juli 2004.

  1. Das setzt aber voraus, und das ist der entscheidende Punkt, daß die Armee Disziplin besitzt, koordiniert vorgehen kann, das Offiziere und Mannschaften ihre Aktionen steuern können und zusammen wirken können.

    Das erfordert erhebliches Können und viel Training und Praxis.

    Eine Armee in einer Schlacht zu lenken und die Aktionen der verschiedenen Truppen zu koordinieren erfordert ein hervorragendes Offizierkorps und Übung der Truppe als Ganzes, die gesamte Truppe muß schon vorher durch umfangreiche Übungen, Manöver oder praktische Kriegseinsätze diese Koodination der Truppenteile ausgeführt haben.

    Und genau das ist der entscheidende Punkt:

    Alexanders Heer war Heterogen, das der Perser war ebenfalls Heterogen. Heterogenität ist aber eine Schwäche wenn die Armee nicht über ausreichend Disziplin und Koordinationsfähgikeit verfügt.

    Der Persische Schlachtplan in dieser Schlacht ist eigentlich für die Größe der Armee und die damalige Zeit zu kompliziert, er setzt eine Armee mit Übung voraus.

    Die persischen Truppen in Gaugamela hatten aber keine solche Übung als Armee zusammen zu funktionieren.

    Im Gegensatz dazu waren die Makedonen viel disziplinierte und viel geübter darin als Verband zu agieren und ihre Aktionen zu koordinieren.

    Und gerade in dieser Schlacht sieht man diesen Unterschied besonders deutlich, während die Perser lieber den Troß plündern als der Phlalanx in den rücken zu fallen bricht Alexander die Verfolgung auf der Stelle ab als ihn die Informationen erreichen und eilt zur Hilfe.

    Allein diese beiden Beispiele zeigen klar, daß die Makedonen im Gegensatz zu den Persern ihre Aktionen koordinieren konnten und das sie in der Schlacht Informationen und Befehle zwischen den verschiedenen Truppenkörpern austauschen konnten.
    Während zugleich die Perser Disziplinlosigkeit zeigen und einen Mangel an Koordination ihrer Handlungen.

    Kurzum: bei aller numerischen Überlegenheit war diese persische Armee einfach zu ungeübt und weniger erfahren als die makedonischen Veteranen. Die persischen Truppen die hier zum Einsatz kamen hatten mehrheitlich wohl keine Erfahrung in größeren Feldschlachten.

    Und insbesondere die Kavallerie setzte sich aus Adeligen und deren Gefolgen zusammen die zu individualistisch und zu wenig im Verbund mit den anderen Truppen agierten.

    Heterogenität ist also nur dann eine Stärke, wenn man die Befähigung besitzt, sie auch zu nützen. Hat man diese Befähigung nicht, so ist eine Heterogene Armee eher ein Problem.
    Daher war der persische Schlachtplan eventuell zu ehrgeizig und zu anspruchsvoll was die Bewegung und die notwendige Koordination der Handlungen der persischen Truppen angeht.

    Hätte Dareios die Schlacht verweigert und seine Kavallerie zur Abnutzung des Gegners in der Tiefe des Raumes verwendet, hätte er Alexander vermutlich besiegt. Die Makedonischen Eroberungen wären dann auf die Mittelmeergebiete beschränkt geblieben und es wäre zu einer vermutlich der späteren Situation Rom – Perser sehr ähnlichen Zweiteilung gekommen.
     
  2. Henricus Grotus

    Henricus Grotus Gesperrt

    Lieber Quintus

    Dein Fachwissen in allen Ehren.
    Aber gerade hierbei kann ich dir nicht zustimmen.
    Wie hätten die Perser, ohne militärisches Genie, ein so großes Reich erobern können??

    Meines erachtens liegt die Niederlage ganz woanders.

    Die persische Armee war eine Vielvölkerarmee :
    Entweder klappte es nicht mit der Befehlsweitergabe durch die Offiziere (Sprachschwierigkeiten)

    2. Viele der zwangsrekrutierten Soldaten hielten Alexander für einen Befreier

    oder, wie ich schon erwähnte, die griechischen Söldner schlugen sich auf Alexanders Seite und brachten damit die persische Schlachtordnung in Verwirrung so das Alexander bis zum Großkönig vordringen konnte.

    MfG Henricus
     
  3. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Sag mal, liest du eigentlich wirklich, was hier geschrieben wird. Ansonsten würdest du diese völlig aus der Luft gegriffene Behauptung nicht wiederholen. Beitrag 98.
     
  4. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Die wirklich rational denkenden Menschen sind im hinterwäldlerischen Makedonien geblieben (und haben sich dann wahrscheinlich sehr geärgert, als das rational gesehen eher grenzwertige Eroberungsvorhaben Alexanders klappte und die irrationalen Kollegen mit ihrer Beute nach Hause kamen ;-)

    Es war aber m. E. durchaus verständlich, daß Alexander das Angebot abgelehnt hat.
    Dareios zeigte damit recht deutlich, daß er aktuell angeschlagen war und die Makedonen fürchtete.
    Das hätte aber nicht bedeutet, daß es eine langfristig stabile Situation gewesen wäre, sich mit einer Reichshälfte zu begnügen - es hätte wohl nicht viel Zeit gebraucht, bis die Perser sich wieder berappelt hätten (im Zweifelsfall nach der nächsten Thronfolge) und dann wäre es doch nötig geworden, den Konflikt zum Ende zu bringen.

    Da war es recht rational von Alexander, dies lieber gleich zu tun, solange er im Vorteil war.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nur mal zu dem in der Türkei gefundenen Sarg: Die Bilder stellen Jagdszenen dar, sie sind daher für unseren Kontext, wie ein persischer Reiter aussah, unbrauchbar.
     
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Zu 50%. Das zweite Bild zeigt wie eine Person zu Fuß die Lanze des Reiters ins Gesicht bekommt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Mai 2008
  7. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Das Perserreich erreichte diese Größe einige Generationen vor Gaugamela. Damals mag es Heerführer und eine Armee gegeben haben, die effektiv und koordiniert Schlachten schlugen und in mehrern Feldzügen zu einer funktionierenden Waffe wurden.
    Bloß wenn alle diese Soldaten und Offiziere irgendwann an Altersschwäche starben, half ihre Erfahrung und Übung nicht mehr weiter.
     
  8. Henricus Grotus

    Henricus Grotus Gesperrt

    Sorry Baltic

    Es war keine Behauptung . Sondern nur ein Gedanke .

    Aber du hast recht . Ich sollte eure Einwände besser lesen und mich auch fachlicher informieren .

    Danke dafür
     
  9. Henricus Grotus

    Henricus Grotus Gesperrt

    Lieber Themistokles

    Jedes Volk gibt aber seine Erfahrungen weiter. Und vor allen Dingen die positiven.

    Sonst denke ich, würde unsere Bundeswehr immer noch mit Schild und Speer hinterm Baum hocken.

    Gruß Henricus
     
  10. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Erfahrungsweitergabe kann aber nicht alles erhalten und auch in unserer Bundeswehr muss jeder Neuling das marschieren und schießen erst neu lernen.
     
  11. Die Persische Armee in der Spätzeit war vermutlich nicht schlechter als zur Zeit der Eroberung, vor allem aber war sie anders. Man muß ja auch bedenken, daß sich die Kriegsführung ebenfalls weiter entwickelt hat.

    Das Persische Heer in der Zeit der Kämpfe gegen die Makedonen hatte sich ja auch deutlich verändert, es bestand aus viel mehr Söldnern, war Kavallerie Lastiger, hatte mehr Erfahrung in Aufstandsunterdrückung und im Kampf gegen Irreguläre Gegner als gegen feindliche Armeen usw

    Die Erfahrungen der Perser waren aber eben durchgehend eher nicht geeignet große Feldschlachten zu schlagen. Solche Feldschlachten entschied man vor den Makedonen primär durch numerische Überlegenheit. Selbst bei der Reichsgründung waren solche nicht häufig und die meisten der Gegner des Reiches vor Alexander waren Irreguläre Gegner.

    In der Spätzeit des Reiches gab es viele Aufstandsbewegungen im Reich. Zum Beispiel ging sogar ganz Ägypten vollständig verloren und wurde dann von den Persern erst kurz vor dem Untergang des Reiches mit Griechischen Söldnern erneut erobert.

    Die Persische Armee der Spätzeit unterscheidet sich deutlich von der Armee der Reichsgründung. Bei der Reichsgründung gab es eine Art Wehrpflicht, die Persische Armee war das Aufgebot des Persischen Volkes, sie war deutlich Infanterie Lastiger usw

    Und alle Armeen die nicht regelmäßig in konventionelle Kriege verwickelt sind verlieren mit der Zeit an Befähigung solche tatsächlich zu führen. Echte Kriegserfahrung ist im konventionellen Krieg nicht durch Erfahrung früherer Generationen zu ersetzen. Genau das sieht man gerade bei der Bundeswehr sehr schön. Dort wurden und werden militärisch veraltete Methoden verwendet.

    Gerade die Bundeswehr zeigt sehr gut die militärische Degenerierung durch eine zu lange Friedenszeit was natürlich menschlich gesehen absolut positiv ist.

    Wenn du dich mit der Eroberung des Perserreiches beschäftigst, dann wirst du schnell fest stellen, daß die Perser dieses Reich mit Glück und Politischem Geschick erlangt haben. Darüber hinaus war ihre Armee ein Nationales Aufgebot des Persischen Volkes und keine Armee aus Söldnern, Adeligen und Verbündeten.

    Die Eroberungsmethoden reichten von der Manipulation und Nutzung von Priesterschaften hin zu Heirats und Familienpolitik hin dazu das die Reiche die die Perser eroberten im Niedergang begriffen waren oder militärisch deutlich schwächer waren. Die Eroberung von Babylon oder Ägypten war eher unproblematisch. Die Lyder bereits deutlich numerisch unterlegen, die Gegner im Osten primär Irreguläre Gegner.

    Die Flächengröße darf nicht darüber hinweg täuschen, das die Feinde in dieser Fläche eine eher Irreguläre Kampfweise hatten. Die Folge der Anpassung der Persischen Armee an diese Lage lässt sich von der Ausrüstung bis hin zur Truppenzusammensetzung überall belegen.

    Zu der Zeit als die Perser ihr Reich schuffen war die Politische Lage aber insgesamt sehr günstig, was aber nicht bedeuten soll, daß die ursprüngliche persische Armee nicht gut war. Aber sie war militärisch nicht dermaßen überlegen. Unter anderen politischen Umständen hätten die Perser ihr Reich nicht erobern können, dieses Reich wurde eben nicht primär mit militärischer Überlegenheit geschaffen, auch wenn es militärisch geschaffen wurde.

    Das wirkliche Genie der frühen Perser war Politisches Genie.
     
  12. Man dürfte sich da weitgehend einig sein. leider habe ich meinem letzen Beitrag mal wieder übersehen, den Ironietag zu setzen. In zwei Punkten würde ich widersprechen, nämlich der

    a.) Güte der persischen Bogenschützen. Diese haben schon die Spartaner so beeindruckt, dass daraus ein sprichwörtliches Zitat entstanden ist. Klar wirken Bogenschützen auf einen bereits eingekreisten Gegner entnervend, sie sind nicht kampfentscheidend und auch nicht primär ausblutend.


    b.) zur Kavallerie gegen Infanteristen. Doch, das kann kampfentscheinend sein, man sehe mal 1683 sein, wie die gepanzerte polnische Hussaria gegen die Türken vorgegangen ist. Die Bewaffnung dürfte sich von den Kataphrakten der Parther und Sassaniden nicht so unterschieden haben (sicherlich schon), aber für fast 2.000 Jahre ist das eben wenig.

    Übereinstimmung besteht aber, dass Information, Übung und Befehlstrukturen den Kampfablauf bestimmen, weniger :ironie:Bewaffnung, Mannesmut und Feldherrentalent.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. Mai 2008
  13. Zu a möchte ich den archäologischen Befund entgegen stellen, man hat ja an den Thermopylen Ausgrabungen gemacht. Man hat provisorische Feldbefestigungen der Griechen gefunden und eine Vielzahl persischer Pfeilspitzen.

    So wie sich das Bild aus den Funden darstellt sind die Spartiaten und Thespier am Ende durchaus den Bogenschützen erlegen.

    Von Kampfentscheidend habe ich aber nicht geschrieben, aber ein durchgehender und konsequenter Einsatz des Bogens kann durchaus Kampfentscheidend sein, es kommt immer auch auf die Situation an.

    Bei Gaugamela haben die persischen Bogenschützen laut der Überlieferung weniger Wirkung gezeigt. Das stellt die Frage nach dem Warum ?

    Mich hat auch immer die Geschichte fasziniert, daß die Sarissen zur Pfeilabwehr eingesetzt wurden was ja auch schon ein anderer Nutzer hier geschrieben hatte. Ob und wie das Praktisch funktioniert hat oder nur Legende ist müsste man mal praktisch ausprobieren.

    Ich glaube aber eher daran, daß bei den Persern der Spätzeit der Bogen nicht mehr die Rolle spielte die er früher gespielt hat.

    Angeblich (laut Osprey Heft) wurden in der Spätzeit des Reiches mehr Wurfspeere und Lanzen eingesetzt. Das Fehlen der Wirkung von Bogenschützen bei Gaugamela wäre dann daher zu erklären, daß es gar nicht mehr so viele davon gab.

    Das Filmbild von Alexander stört hier natürlich das Bild das man vor Augen hat.

    Wie es sich wirklich verhält vermag ich allerdings aus Mangel an weitergehender Information nicht zu sagen.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. Mai 2008
  14. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Zu Pfingsten wurde die Schlacht bei Gaugamela mal wieder in allen Einzelheiten im Fernsehen gebracht.

    Kavallerie gehörte zur Minderheit auf beiden Seiten. In der damaligen Zeit sollen die Streitwagen mit ihren Sicheln an ihren Seiten noch eine gewichtige Rolle gespielt haben. Und die fußvölkischen Einheiten wie Phalanx, Peltasten, Hopliten, Bogenschützen, usw.

    Die Phalanx war mit über 3 m langen Lanzen ausgestattet. Die griechischen Reiter mit ca. 1,20 m-Lanzen.

    Dareios winkte zu seinen Entscheidungen zwar sehr telegen irgendjemanden zu. Aber einer der Historiker meinte, damals war es auf dem Schlachtfeld derart laut, dass damalige akustische Signale meistens untergingen.
    So konnte Alexanders Kavallerie nur durch einen Boten davon abgehalten werden, den persischen König weiter zu verfolgen, um die linke griechische Flanke (Parmenion) nicht dem Untergang zu weihen und somit den Ausgang der Schlacht nachteilig für die Griechen zu entscheiden.

    Persische Fehler sollen insbesondere in der Aufstellung eines Riesenheeres gewesen sein, dessen sprachliche Zusammensetzung bunt durcheinandergewürfelt gewesen sein soll. Ein derartiges Riesenheer sollte sehr schlecht zu führen gewesen sein.

    Übrigens meinte die Doku, dass der Schlachtort extra von den Persern hergerichtet wurde.
     
  15. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Hat doch gar keiner behauptet, daß die Perser kein "militärisches Genie" gehabt hätten.
    Quintus Fabius hat nur (m. E. zu Recht) angemerkt, daß ihre Führungsstruktur mit einer Schlacht der Größe und Komplexität wie Gaugamela überfordert war.
    Und solche Schlachten hat es eben noch nicht gegeben, als die Perser ihr Reich errichteten.

    Ansonsten gilt auch im militärischen Bereich: Das Bessere ist der Feind des Guten.
    Die Perser hatten gegen die übrigen altorientalischen Reiche gewonnen, aber eben nicht gegen die Griechen und waren dann den Makedonen unterlegen.

    Wie dann auch später die Makedonen der weiterentwickelten römischen Taktik nicht mehr gewachsen waren.
     
  16. Artabanos

    Artabanos Neues Mitglied

    @Quintus Fabius

    Es muss betont werden das die Perser und Meder in der Frühzeit einfach auch waffentechnisch ihren feinden überlegen waren. Rüstungen wie sie die Perser und Meder hatten, waren bei den anderen Völkern selten und eine wirklich schwere Kavallerie wie die Medische war auch einzigartig in der Welt. Xenophon ist hier die quelle.

    @balticbirdy

    Leider gibt’s im Internet wenig darüber, da müsste man sich schon Archäologische Publikationen besorgen. Ich habe es detailliert gesehen und hier im Forum sogar eine gezeichnete Interpretation gepostet.
     
  17. Earl Grey

    Earl Grey Gesperrt

    Zur Diskussion:

    1. Zur generellen quantitativen Überlegenheit der Perser und dem zwangsläufig damit zu erwartenden Sieg: Durch die hohe Beweglichkeit und Flexibilität der Makedonen sowie ihrer hervorragenden Kommunikation untereinander (auch bei Staub! ;-)) gelang es ihnen meist, an den neuralgischen Stellen eine punktuelle Gleichwertigkeit oder sogar Überlegenheit gegen die Perser zu schaffen.
    Man darf aber anderseits nicht generalisieren dass eine zahlenmäßig überlegene „Volksarmee“ einem „Berufsheer“ grundsätzlich unterlegen sein soll. Zudem trifft eine solche Einschätzung meiner Meinung nach nicht auf die persische Armee bei Gaugamela per se zu (Streit-Elefanten, Sichelwägen, Söldner, Die Unsterblichen, … - Persische Rüstungen hatten den Ruf, die Besten Ihrer Zeit zu sein, …).

    2. Ich gehe nicht davon aus, dass die Dareios dienenden griechischen Söldner (in Massen) überliefen: Wenn Alexander eines war dann konsequent in seinen Taten.

    3. Die Schlacht wurde von persischer Seite ausgiebig vorbereitet, das vorgesehene Gefechtsfeld z.B. für den Einsatz von Sichelwägen eingeebnet. Frage: Gegen WAS erwartete Darios eigentlich WIE anzutreten? :grübel:
    Konkret: Wie kann man auch nur auf die Idee kommen mit Sichelwägen eine intakte makedonische Phalanx frontal angreifen zu wollen?
    a) Sichelwägen können nur bei "mehr oder weniger aufgelockerter Aufstellung" des Gegners Wirkung entfalten bei welchem die Pferde ausreichend Raum haben (bzw. für sich verspüren).
    b) Legt man Wert auf die Vermeidung eigener Verluste verbietet sich ihr Einsatz im fortgeschrittenen Kampfgetümmel. Es stellt sich also die berechtigte die Frage ob bzw. was Darios plante bzw. tat um die Phalangen vor dem Einsatz der Sichelwägen geeignet zu schwächen – Ich erkenne hier nichts.
    c) Die makedonische Phalanx war für die Abwehr von Reiterangriffen ausgerüstet (Eine Sarisse hatte zwei Spitzen) und die Phalangisten entsprechend ausgebildet / gedrillt.
    d) Die Sichelwägen konnten alternativ nur in den Freiräumen zwischen den Phalangen hindurchfahren. Seitlich gehaltende Sarissen sorgten für die Wahrung eines ausreichenden Abstands um keine/kaum Wirkung auf die Phalangen zu erzielen. (Anmerkung: Ich bezweifle, dass die Phalangen den Sichelwägen wie oft beschrieben auswichen – Dazu waren sie meines Erachtens auf Grund der dichten Zusammendrängung und der langen Sarissen in sich zu unbeweglich/unflexibel).
    e) Letztendlich konnte das „Gefecht der verbundenen Waffen" auf Seiten der Makedonier die Sichelwägen recht schnell und effektiv (= vollständig) ausschalten.
    f) Die vermutlich von Darios erhoffte psychologische Wirkung des Einsatzes verkehrte sich damit ins absolute Gegenteil: Die eine Seite hatte die "Superwaffen" mühelos vernichtet, die andere Seite sah, dass "mit das Beste, was man hatte" (Umfangreiche Vorbereitungen für ihren Einsatz!) recht schnell niedergerungen wurde und dazu auch noch kaum Wirkung beim Gegner zeigte.
    g) Nach dem Ausfall der Sichelwägen kam das von Darios präparierte Terrain den makedonischen Phalangen zu Gute (Umkehrschluß zur Schlacht von Pydna: keine Büsche, Bäume, Sträucher, Löcher, Kuppen, …) - Ein weiterer ungewollter taktischer UND psychologischer Effekt.


    4. Alexander war einzig und allein auf den "Köpfungsschlag" aus :devil: - schon in Issos versucht er, diese Strategie umzusetzen, ebenso hier. Dahinter stand ein wohlüberlegter Grundgedanke, der auf einer genauen Kenntnis der Gesellschafts- und Machtstrukturen des achämenidischen Reiches fusst (Er hatte jahrelang sehr genau seinen Erzfeind studiert): Er musste nicht das ganze gegnerische Heer (100.000 Mann oder mehr) besiegen sondern nur "der Schlange den Kopf abschlagen" (1 Mann) - Und alleine darauf war er in der Schlacht aus. Die diesbezüglich von ihm angewendete Taktik (Vorrangig defensive Infanterie + Kavallerie in schneller Bewegung um eine Lücke in die persische Fomation zu reißen -> Gezielter schneller und massiver Vorstoß auf Dareios) zeigte sich zielführend und hat in meinen Augen (zumindest konkret an dieser Stelle) überhaupt nichts mit Größenwahn zu tun: Er hatte gar nicht die Absicht mit seinem zahlenmäßig unterlegenem Heer 100.000 oder mehr Gegner töten zu wollen.
    Ich gehe davon aus, dass sich zumindest einige (viele?) höherrangige Perser bei der Schlacht auch eher als Zuschauer denn als Mitwirkende des lange schwelenden und vorbereiteten Duells zwischen Alexander (= Bereits Herscher über die westlichen Gebiete!) und Dareios (= „Noch-Herrscher“ über die östlichen Gebiete) um das Amt des „Königs der Könige“ betrachteten: Warum sammelte sich anschließend die Mehrheit des persische Heers / der persischen Adeligen sonst nicht nochmals unter Dareios sondern taten vielmehr das Gegenteil?
    Während Alexander bereit war, um das Amt des „Königs der Könige“ persönlich zu kämpfen und sein Leben dafür auf’s Spiel zu setzen, war dies Dareios augenscheinlich nicht – Eventuell erkannte er einfach auch nur nicht die an ihn gestellten „Duell-Erwartungen“.

    Fazit:
    Meiner Einschätzung nach ging Alexander in im Wettstreit um das Amt des „Königs der Könige“ in den Augen Aller (insbesondere eben der persischen Adeligen, Stammes- und Heerführern) bei Gaugamela als „würdiger“ im Vergleich zu Dareios hervor - Andernfalls hätte Gaugamela nur eine Episode in einer Reihe von (weiteren) Schlachten sein müssen: Schließlich wurde analog Issos das persische Heer bei Gaugamela nicht vernichtet sondern eigentlich nur vertrieben: Als Darios floh war das Ziel beider Seiten erreicht und die Schlacht damit (eigentlich) beendet.


    P.S.:
    - Gibt es eigentlich in den Quellen irgendwelche Zahlen zu Verlusten auf beiden Seiten? Möglichst in Relation zu der in der Quelle ebenfalls angegebenen Gesamttruppenstärke (Ich las einmal etwas von 40.000 Gefallenen auf persischer Seite – leider ohne Bezug zu einer Gesamtzahl)
    - @Quintus Fabius: Falls diese Schlachtaufstellung The Battle of Gaugamela (Arbela) - All Empires einigermaßen stimmt waren es a) ohnehin nur vergleichsweise wenige Bogenschützen (zumindest zu Fuß / im Zentrum) und b) diese zudem durch das verhaltene Vorgehen sowie den Rechtsruck der Makedonier anschließend ungünstig positioniert / blieben außer Reichweite (= Gute Taktik von Alexander).

    P.P.S.: Sorry: Vielleicht etwas zu lang für einen ersten Beitrag :scheinheilig:
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Mai 2008
  18. Henricus Grotus

    Henricus Grotus Gesperrt


    :ironie:Ok. Ich schieße . Du wehrst ab.

    :fechtduell:
     
  19. Earl Grey

    Earl Grey Gesperrt

    Stichwort Kommunikation auf dem Schlachtfeld

    Ich erlaube mir noch eine kleine Anmerkung:
    Ich glaube nicht, dass man davon ausgehen sollte, dass auf den antiken Schlachtfeldern überwiegend verbal "von Mann zu Mann" kommuniziert wurde: Der Lärm, die Entfernung voneinander, Feindeinwirkung, "Wo ist er jetzt eigentlich gerade genau?", "Lebt er überhaupt noch / An wen wende ich mich ersatzweise?", Gefahr der Verlust des Boten - Und was dann? ... - selbst wenn dauert es einfach zu lange bis "die zwei" sich gefunden und ausgetauscht haben.

    Ich gehe vielmehr davon aus, dass es ein sehr differenziert ausgeprägtes optisches (Schwenken verschiedenfarbiger Fahnen, Abschuss farbiger / brennender Signalpfeile etc.) bzw. akustisches (Hörner, Trompeten etc.) Signalsystem gab: Ich vermute
    1. Standardsignale zur Koordination der Bewegungen der einzelnen Einheiten "auf der unteren Ebene" ("Vorwärts", "Marsch Marsch", "Linksschwenk", ...)
    2. Alarmsignale ("Unvorhergesehene Aktion des Gegners", "Durchbruch des Gegners", "Ich brauche Hilfe" oder ähnliches)
    3. Im Vorfeld der Schlacht bei der Abstimmung der Heeresführer vereinbarte Signale zur Koordination der in der Schlacht geplanten taktischen Operationen (= schlachtenindividuelle Signale)

    Ich kann zwar nicht ausschließen, dass bei Gaugamela ein Bote Alexander davon abhielt, Dareios weiter zu verfolgen, aber ... :scheinheilig:

    P.S.: Vor diesem Hintergrund wird meiner Meinung nach auch dem Argument "Sprachschwierigkeiten in einer Vielvölkerarmee" immer viel zu viel Bedeutung beigemessen - Außer man hat sich natürlich im Vorfeld gar nicht zusammengesetzt ;-)
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Mai 2008
  20. Henricus Grotus

    Henricus Grotus Gesperrt

    Hallo Earl Grey

    Da stimme ich dir voll zu. Sicher gab es eine Kommunikation zwischen den einzelnen Truppenteilen, so wie du sie beschrieben hast. Und sicher wurden die Signale vor einer Kampfhandlung zwischen den einzelnen Truppführern abgesprochen.
    Und deshalb gerade verwundert mich die Niederlage des persischen Heeres.

    lg Henricus
     

Diese Seite empfehlen