Geschichte des Punk

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von iamNex, 7. Dezember 2009.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auch dafür gibt's ein Label: Funpunk. Toy Dolls, Die Ärzte...
     
  2. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Das mit der linkspolitischen Orientierung kam aber erst später (v.a. durch den D.C. Hardcore Punk / siehe erster Post).
    Anfangs hat man jegliche politische Einstellung abgelehnt - wozu auch politisch denken wenns doch eh NO FUTURE gibt?

    Zur Definition von Punk gibt es interessanterweise ein Zitat von Billy Joe Armstrong (Green Day / und wer würde die schon als richtigen Punk bezeichnen? / trotzdem gutes Zitat):

    "Ein Typ kommt zu mir und fragt: »Was ist Punk?« Also trete ich eine Mülltonne um und sage: »Das ist Punk!« Er tritt also gegen eine Mülltonne und fragt: »Und das ist jetzt Punk?«, und ich sage »Nein, das ist Trendgehabe!«"
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Februar 2010
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Klar.

    Fragt sich nur, ob die von "echten" Punks als Punk akzeptiert werden.


    Wobei ich manchmal auch erstaunlich finde, wenn Gruppen, die politische Ansichten mit Punk unlösbar verbinden, sich dann in die Tradition von "The Pogues" (auch immerhin schon seit 1981) stellen, die Folk aufpeppten (oder nur "The Dub's" vergötterten:pfeif:). Aber ich muss mal wieder mehr von "The Pogues" hören.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Sehr gut! :yes:

    Was sieht man? Die Meinungen was Punk ist, gehen meilenweit auseinander und das auch noch von denen, welche die Musik selber machten und machen.
    Muss ja nichtmal jeder Frontmann nur im Vollsuff (wie man das schon von Shane MacGowan gesehen hat) Interviews geben.:rofl:
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das erinnert mich an Punk ist von den Ärzten.

    Du sagst: "Punk ist - jeden Tag ultrabesoffen zu sein.".
    Du sagst: "Punk ist - dreckig, feige und gemein".
    Du sagst: "Punk ist - Selbstverstümmelung, Gewalt und Hass",
    [...]
    Du sagst: "Punk ist - politisch unbequem".
    Du sagst: "Punk ist - mit deinem Geist gegen das System".
    Du sagst: "Punk ist - Existenzialismus pur,
    Verneinung von Werten und Struktur".
    [...]
    Du sagst: "Punk ist - coole Klamotten, alles im Lack".
    Du sagst: "Punk ist - ein guter Musikgeschmack".
    Du sagst: "Punk ist - besoffen Lieder grölen am Tresen,
    und nur siebenundsiebzig ist echt gewesen".
    Du sagst: "Punk ist - um 7 Uhr morgens aufzustehen".
    Du sagst: "Punk ist - jeden Tag zur Arbeit zu gehen".
    [...]

    Das sind ne ganze Menge sich z.T. widersprechender Antworten.
     
  6. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Also El Quijote, du siehst die Problematik etwas zu eng.<o:p></o:p>
    <o:p> </o:p>
    Es geht noch nicht darum, ob die Bezeichnung Punk nun toll oder weniger toll war oder ist. Das habe ich doch damit nicht zum Ausdruck bringen wollen und m.E., also ich betone, nach meiner Auffassung nach, ist die Punk Bewegung von der Musik beeinflusst, die entweder durch einen Gesellschaftswandel oder einer Stagnation in der Gesellschaft resultiert. Das es sich auf der „Außenseiterwelle“ natürlich optimal gegen die Strömung schwimmen lässt, machte das ganze auch auf der politischen Ebene interessant.<o:p></o:p>
    <o:p> </o:p>
    Das nun auch noch dieser Punk von der sozial schwächeren Jugendbevölkerung angenommen wurde, resultiert daraus, dass hier auch ein gesellschaftliches Außenseiterproblem bestand.<o:p></o:p>
    <o:p> </o:p>
    Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Subkultur der Jugend, die in aller Regel weniger Politisch ist und spätestens nach dem Studium oder der Ausbildung wieder grob aus den Köpfen verschwindet.<o:p></o:p>
    <o:p> </o:p>
    Dabei kann man das Allgemeinproblem nicht in Schubladendenken verpacken und alles und jede Musikrichtung katalogisieren.<o:p></o:p>
    <o:p> </o:p>
    Es gibt heute Obdachlose und "versoffenen Penner", die äußere Merkmale eines Punk tragen, aber in meinen Augen nichts damit zu tun haben. Nur weil alles irgendwie Bestimmt werden muß, fallen halt auch Menschen darunter, die nur so aussehen, verstehst du was ich meine?

    Das was Du oben von den Ärzten zitierst finde ich sehr gut, man könnte fast denken, die Antworten lauten nicht Punk ist..., sondern unsere heutige Gesellschaft ist...<o:p></o:p>
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Februar 2010
  7. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Ja genau das ist ja Punk @ El Quijote
    Widerspruch, und eine Wehrhaftigkeit dagegen das eigene Lebensgefühl in Schubladen zu stecken oder eben an festen Richtlinien zu definieren.

    Manchmal frage ich mich aber wieviele Punks es heute noch gibt, die dir als Antwort auf die Frage Was ist Punk? eine Definition zum freien Lebensgefühl geben würden.

    Naja der Geist von Bewegungen geht wohl oft verloren.
     
  8. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

  9. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Als völlig unpolitisch würde ich Die Ärzte nicht bezeichnen. Allerdings sind die Lieder, wo sie es mal ernst meinen, meist nicht sehr tiefgehend, komischerweise sogar weniger tiefgehend als die lustigen Lieder.

    Bestes Beispiel:
    Deine Schuld

    Auch den Text zum nach wie vor beliebten "Schrei nach Liebe", der ja im ganz gezielten historischen Kontext aus der Zeit der Morde in Solingen und Mölln entstanden ist, fand ich, ehrlich gesagt, immer etwas peinlich:

    Schrei nach Liebe – Wikipedia
     
  10. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Ganz interessant in diesem Zusammenhang ist dieser noch relativ neue Film:

    Chaostage: Amazon.de: Claude-Oliver Rudolph, Martin Semmelrogge, Christoph Letkowski, Moses Arndt, Alec Empire, Tarek Ehlail: DVD & Blu-ray

    Es ist eine etwas verquere Mischung aus Spielfilmhandlung und Doku-Interviews mit bekannten Leuten aus der (Deutsch-)punkszene, etwa dem Slime-Sänger oder dem Ex-Punkt Ben Becker, zum Thema Chaostage und Punk in Deutschland.

    Aus vielen Gründen finde ich den Film eher mäßig, aber aus dem Blickwinkel des Geschichtsinteressierten zeigt er, wie sich die Deutschpunkszene selbst sieht und inszeniert (er wurde nämlich auch hauptsächlich von Szeneleuten gemacht).
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Lied von den Ärzten, welches ich am Ärgerlichsten finde ist "...und wie du wieder aussiehst (Junge)". Wenn gestandene Mittvierziger so ein Lied schreiben, dann fehlt dem die Street Credibility. ;)
    Was Schrei nach Liebe angeht, so teile ich deine Einschätzung - damals hattend ie Ärzte aber auch verlauten lassen, dass in diesen Zeiten (Rostock, Mölln, Solingen, Hoyerswerda) uneingeschränkt Funpunk nicht mehr möglich sei. Deine Schuld ist mir unbekannt.
     
  12. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    DÄ - Deine Schuld

    Hm aber seit wann wird von Punkmusik denn hohe Textkunst erwartet? Das würde dem Punk ja schon wieder komplett widersprechen.
    Natürlich hat sich das auch geändert, da wo die Ramones eine Minute lang nur singen, dass Judy anscheinend ein Punk ist, philosophieren "Punk"-Bands heutzutrage schon recht viel und probieren auch die ein oder andere Tiefe aus, was ich nicht schlecht finde.
    Solch eine Wandlung findet sich übrigens nicht nur im kompletten Genre, sondern lässt sich auch an einzelnen Bands gut darstellen.

    Beispiel: Meine Lieblingsband Blink-182. (Wohl eher Pop-Punk bzw. Fun/Skate-Punk als richtiger Punk, aber trotzdem)
    1)Auf ihrem ersten Album findeen sich songs wie Strings => Sinn? Nicht viel...spass eben.
    2) Auf dem Album von 1999 "Enema Of the State" (Enema = Einlauf, Wortspiel, ja!) finden sich immer noch viele Spass-Lieder, aber auch zum Beispiel der "Adams Song" welcher das Thema Suizid behandelt.
    3) Ihr bis dato letzes Album (2003), das Self-Titled album finden sich eigentlich nur nachdenkliche Lieder, und man gibt sich vor allem von den depri-größen The Cure beeinflusst (Robert Smith ist sogar bei einem Song mit am Start!) ein song beispiel wäre: Stockholme Syndrome (Der song fängt erst etwas später an, davor werden Brief-Auszüge vorgelesen, die der Großvater von Mark Hoppus [Bassist, Vocals] von der Front des 2. Weltkrieges an seine Frau in die Heimat geschrieben hat; sehr deep).

    :] Hoffe das Beispiel verdeutlicht diese Wandlung des Punk von Sinnlos zu stellenweise Tiefe.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mein Alltime Favourite von den Ramones ist Sheena is a Punk Rocker, allerdings liebe ich auch die Lokalmatadore, die Village People unter den Punx :yes: ... U.a. mit diesem Titel: Wir hassen die Ramones*

    "[...] Tod und Hass ihren langen Haaren und ihren Teenagergebaren - Wir hassen die Ramoooones.
    40 Alben rausgeleiert,
    wir ha'm sie alle abgefeiert!
    Zum Abschied ließen sie sich klonen:
    Jetzt haben wir den Dreck,
    an jedem Straßeneck
    und Mädchen ihrer Epigonen!
    Wir hassen die Ramones! [...]
    S-C-H-E-I-S-Z-R-A-M-O-N-E-S...
    Krumme Beine, Stock im Po,
    Joey Ramone hat Polio!
    Noch nicht mal Geld für das "Sonic Dolls"
    denk ich bei mir "watt solls?"
    Watt für nen lausiges Geschrall!
    Klamydia ist eine Krankheit
    und wenn ihr nur ein bisschen Punk seid,
    dann hört ihr lieber Jethro Tull...

    [...]
    Sonne seichte Teenie-Pampe,
    Riff Randall is' ne Schlampe
    Wir hassen die Ramones...

    *Das erinnert so ein bisschen an das "dissen" in der Hip Hop-Szene.
     
  14. Haetius

    Haetius Neues Mitglied

    Als eine der ersten Bands des Punk könnte man auch noch Velvet Underground sehen. Die Ramones und auch Blondie waren sicherlich dann die Flaggschiffe.
    Die Sex Pistols waren übrigens nur eine Casting Band))
     
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  15. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt


    Interessant die Ramones und Blondie in einem Atemzug zu nennen. Das ist ein sehr schönes Beispiel dafür, daß die musikalische Richtung, in die wir heute Punk katalogisiert haben, in den 70igern noch keine Rolle spielte.

    Der einzige Zusammenhang zwischen zwischen den beiden Bands z.B. ist ein Club in New York. Hier traten die Bands auf, die von diesem Glamrock und stundenlanger melankolische Rocksongs die Nase voll hatten.

    Musikalisch unterschieden sich aber die Ramones stark von Blondie, aber diese Jugendlichen gehörten damals zu den Minderwertigen, denn diese Club, befindet sich nicht gerade in der besten Gegend New Yorks.

    Der amerikanische Punkrock wurde z.B. durch Bands wie den Stooges beeinfluß, die Garagen- und Psychedelic-Rock in aggresiver Art spielten.
    Ebenefalls ganz wichtig für die Entwicklung des Punk war die schon mitte der 60iger gegründete Band MC5.
    Den wichtigsten Einfluß auf die meisten Bands dieser Zeit hatte aber immernoch der 50iger Jahre Rock´n´Roll und Rockabilly, sowie der Rhythmen and Blues und Soul.

    Der Scharm des Minderwertigen Punks wurde mit Beginn der Vermarktung durch gerade solche Bands wie z.B. den Sexpistols oder später auch den Ramones gesellschaftsfähig.

    Den Punk zu politisieren ist nur soweit möglich, wie er sich in einer anarchistischen Lebensweise persönlich von der Gesellschaft angegriffen fühlt und die Freiheit über sich zu verlieren droht. Ein richtiger Punk ist die Intoleranz in Person!
    Getreu dem Motto: Alle sind Scheiße, ausser ich...:rofl:

    Was ich dabei nicht verstehe kann ist, wie so eine Ichbezogene Subkultur der Jugend auf das Linke Spektrum der Gesellschaft bezogen wird, wo doch gerade im Kommunismus das Individuum nichts zählt, nur die Gemeinschaft im Fordergrund steht.:grübel:
     
  16. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Eine der schönsten Ramones-Hommagen, die es gibt!
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich hätte jetzt sowieso an Ska(-Punk) gedacht.:superfuehl:
     
  18. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Um Himmels willen, "gedisse" ist doch keine neue Erfindung. Konkurrenzdenken gibt es doch schon immer, auch wenn es meist nur Armseeligkeit beweist.
    Schon wieder Schubladendenken:weinen:

    Wobei gerade die Ruhrpottpunks zeigen, wie inovativ so ein Arbeiterkind sein kann. Ich sage doch, dass der Punk politisiert wurde, weil die Jugend zumeist aus sozial schwachen Gegenden kamen.
    Dabei wollten die Kids eigendlich nur Spaß ohne gemaßregelt zu werden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Februar 2010
  19. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Das ist ja genau die interessante Frage, wie passt sowas zusammen?
    In dem Buch (1. Post bei Quellen) über DC Hardcore das ich gelesen habe, wird unter anderem auch näher auf die Beziehungen von HC Punk zur "Positive Force" und der "Revolutionary Communist Party" eingegangen.
    Bedenken muss man aber, dass das eigentlich nur ein kleiner Teil ist - der Großteil der Punks ist anarchistisch, und trotzdem irgendwie links...aber wenige sind kommunistisch; allerhöchstens angehaucht.
    So ganz zusammenpassen tut das trotzdem nicht - aber das passt ja mal wieder perfekt zum Begriff Punk und den damit verbundenen Widersprüchen.
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das "Gedisse" eine neuere Erfindung sei, hat auch niemand behauptet. Auch die Armseligkeit würde ich nicht unbedingt unterstreichen. Ich besitze da ein wunderschönes Buch mit dem netten Titel Die kategorische Impertinenz. Philosophen beschimpfen Philosophen. Beim Hip Hop allerdings ist das "Gedisse" zur "Kunstform" erhoben worden. Ursprünglich in den Battles.
    Um ehrlich zu sein: Ich mag es nicht (Aber ich bin ja auch kein Hip Hop-fan*). Ausnahme: Fanta 4 mit Was geht? Aber meist ist das "Niffo" doch sehr unterirdisch. V.a. macht es imho nur live - eben im Battle, wo man (Reaktions)Schnelligkeit beweisen muss - einen Sinn.

    *Wobei es - Punk sei Dank! - wirklich gute HipHop-Bands/Künstler gibt, man möge mir verzeihen, dass ich nur bekanntere n/kenne: Gentleman, Freundeskreis, Afrob, Fanta 4, Fettes Brot, Blumentopf, Fischmob. Aber beim Hip Hop hängt's echt am Tiefgang der Texte, ob die Bands gut sind, oder nicht.
     
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