Getränke im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Aswin, 19. August 2006.

  1. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Bären-Brauerei Schwenningen, auch nicht mehr existent:
    "Im Bären-Bier liegt Bärenstärke"
    Ergänzung auf einem Bierdeckel:
    "Zehn gesoffen, 12 geseicht, Bärenstärke nicht erreicht"

    OK OK total OT

    5 Liter Wein pur in heutigen Oechslegraden, vollkommen unmöglich.
    Hinweis: Bei den Römern galt einer der Wein "unvermischt" also pur trank, als Barbar. Wenn in den 5 Litern 4 Liter Wasser waren sieht es anders aus.

    Seit wann wird denn Sprudel, Selters, Fachinger getrunken?

    Grüße Repo
     
  2. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ja, die Gläser sind bei Euch sehr klein............
    Aber der Inhalt dafür hochprozentig:scheinheilig:


    Grüße Repo
     
  3. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Das ist die Konzentration auf's Wesentliche :winke:
     
  4. Aswin

    Aswin Neues Mitglied

    DAS haben die Römer so gesehen? Welche Barbaren, die spinnen!
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich glaube, das würdest Du auch so sehen, wenn Du den Wein der Römer kennen würdest... Es soll sich um eine sehr dickflüssige Substanz gehalten haben. Vor diesem Hintergrund könnte man auch noch mal die Hochzeit von Kafernaum lesen.
     
  6. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Der Wein zur Römerzeit soll in weiten Teilen des Imperiums eher sauer gewesen sein. Deswegen wurden häufig Gewürze begegeben. Zinnbecher mit hohem Bleianteil haben im Laufe der Zeit am Boden eine Schicht mit Bleiacetat gebildet, welches nicht gerade gesundheitsförderlich ist, aber süß schmeckt. Ob die Römer die Giftigkeit dieser Becher erkannte haben oder ob sie es nur ignorierten, kann ich nicht sagen. Aber ich vermute, dass eine schleichende Vergiftung eher auf menschliche Aktionen und nicht auf das Blei geschoben wurde.

    Solwac
     
  7. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich habe gelesen, das man im Mittelalter sauren Wein mit Bleiweiss versüsste.
    Was ist Bleiweiss und welche Auswirkungen hatte das auf den menschlichen Körper?
    Nachtrag. Ich meinte natürlich Bleiazetat.( Kann ja mal passieren.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. August 2006
  8. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Bleiweiss ist ein Farbstoffpigment und wird in der Malerei verwendet. Du verwechselst dass wohl mit Bleizucker, dem von mir angesprochenen Bleiacetat. Neben der zufälligen Bildung wurde es auch bis ins 19. Jahrhundert absichtlich als Süßstoff verwendet.

    Solwac
     
  9. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Natürlich. Ich meinte auch Bleiazetat. Beschrieben wird, das der Wein in Bleigefässen köchelte und so das Azetat sich mit dem Wein verband und somit eine süssende Wirkung endstand.
     
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Bleiweiss???
    Ich dachte ich weiß es, eine hervorragend haltende Farbe für Holzfenster, aufgrund des Bleianteil seit Jahrzehnten schon verboten.

    Wenn die Frage aber von Dir kommt, liege ich wohl falsch.

    Grüße Repo
     
  11. Aswin

    Aswin Neues Mitglied

    Also, was ist gesagt worden?

    Obwohl der Zeitraum von ungefähr 1000 Jahren nicht berücksichtigt ist (um sagen wir 700 gab es möglicherweise andere Trinkgewohnheiten als um 1300), kann man vielleicht sagen, dass Wasser aus gesundheitlichen Gründen als Getränk nicht die Rolle spielte (Keime, Verunreinigungen usw.). Alltagsgetränk war vor allem Dünnbier, eine gewisse Rolle spielte Met. Wein war von anderer, wahrscheinlich schlechterer Qualität als heute und aus Kostengründen (und Prestigegründen?) eher den wohlhabenderen Adligen vorbehalten oder wurde bestenfalls verdünnt genossen. Milch verarbeitete man wegen der Verderblicheit eher zu Käse.
    Nach ein bisschen Wühlen im Netz (Google) findet man übrigens das vielleicht älteste Metrezept (1350) aus einer Rezeptsammlung, dem "Buoch von guter Spise".
    Es lohnt sich, da mal reinzugucken!
    Thema Tee: soviel ich weiß, erfüllte Tee in Form von Aufgüssen vor allem aus medizinischen Gründen seinen Zweck (Kräuter). In der Rinde der Silberweide zum Beispiel befindet sich der gleiche Wirkstoff wie in einer Aspirin. Als Rindenaufguss wurde er im Mittelalter gegen Schmerzen und Fieber eingesetzt. Ein versierter Mensch hat mir mal erklärt, dass im Fall der Silberweide der Wirkstoff erst im Magen durch irgendwelche Prozesse zum eigentlichen Wirkstoff wird und daher nicht so magenunfreundlich ist wie eine Aspirin.
    Und trotzdem lass ich bei Kopfschmerz das mit dem Rindenaufguss...
     
  12. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Nein, nein Repo. Das war einfach ein Verschreiber. Vieleicht, weil ich mit dem Begriff Bleiweiss öfter konfrontiert werde.
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Jawoll,

    wie machten wir es beim wilden Zelten?
    Zuerst wird das Wasser abgekocht.
    Dann kommen Entkeimungstabletten hinein.
    Dann wird vorsichtshalber Bier getrunken!

    Grüße Repo
     
  14. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Hallo miteinander,

    ich habe mich durch die verschiedenen Beiträge in diesem Thread gelesen, und viele Punkte wurden bereits angesprochen, so daß ich nur noch einige kleine Ergänzungen habe...

    Aus diesem Grund erlaube ich mir, eine Zusammenfassung der Punkte zu geben, die wir und/oder andere befreundete Gruppen aus dem Bereich "Living History" in unseren Recherchen herausgefunden haben.
    Anm.: Hauptbezugspunkt meiner Ausführungen ist das hochmittelalterliche westliche Europa - also nach 1000 und vor 1300, zudem ohne Byzanz, Rußland und den islamischen Machtbereich!

    Zum Wasser: dieses wurde zwar getrunken, setzte aber voraus, daß eine Quelle bzw. über ein Brunnensystem Grundwasser verfügbar war. Anderes Wasser - insbesondere in der Nähe von Städten - war oftmals verunreinigt und deshalb ungenießbar.

    Zum Bier: der Genuß von Bier war relativ stark verbreitet, und es galt - diametral zu heute - nicht als Genußmittel, sondern als wichtiger Bestandteil der Nahrung. Dies hatte vor allem damit zu tun, daß es einen vergleichsweise geringen Alkoholgehalt (deswegen auch "Dünnbier") und insbesondere aber - was noch wichtiger war - einen hohen Kaloriengehalt hatte.
    Wichtig ist dabei außerdem, daß es noch kein Reinheitsgebot gab - dieses datiert bekanntlich von 1516, ergo Frühe Neuzeit -, so daß außerhalb der Klosterbrauereien oftmals auch minderwertiges Getreide dabei nutzbar war, und das Bier mit Aromastoffen wie Enzian, Lavendel, Salbei und Koriander versetzt wurde.
    Manches Bier der damaligen Zeit entspräche heute zudem höchstwahrscheinlich einem Kräuterbier...

    Zum Wein: Wein war als Weißwein weit verbreitet - und bei ärmeren Leuten mit Wasser und Essig gestreckter "Nachwein" aus der zweiten Traubenpressung. Außerdem ist hier noch der sog. Hippokras zu nennen, der besonders gewürzt und gezuckert war, und der Kranken verabreicht wurde.
    Rotwein wurde seltener getrunken und gewann dann v.a. im Spätmittelalter mehr Bedeutung...
    Wichtig ist beim Wein noch, daß man damals die Anbaugrenzen für Weintrauben nicht kannte und quasi überall Wein anbaute, wo gerade Platz dafür war; dementsprechend waren viele Weine entsprechend bitter, sauer und alles andere als wohlschmeckend.
    Viele Weine wurden aus diesem Grund auch gewürzt und nicht pur getrunken...

    Zum Met: dieser aus Honig vergorene Wein wurde bis ins 12. und 13. Jh. getrunken und verschwand erst danach von der "täglichen Getränkekarte".

    Neben dem aus Trauben vergorenen Wein und dem Met wurden auch Obstweine getrunken.

    Zur Milch: Milch wurde zwar auch getrunken, aber eher selten, denn meist wurde sie weiterverarbeitet - entweder zu Milchprodukten (Käse, Quark etc.) oder aber als Zutat an Gerichten, insbes. Suppen.

    Sonstiges: Obst wurde natürlich nicht zwangsläufig vergoren, sondern oftmals auch in Form von Säften konsumiert.

    Ausblick bzgl. Schnaps etc.:
    Brennen bzw. Destillieren von Alkohol kam erst gegen Ende des Mittelalters durch die Erkenntnisse der Alchimie auf, und die ersten Branntweine wurden zunächst in der Medizin eingesetzt. Erst im 16. Jh. - also wieder in der Frühen Neuzeit - verbreiteten sich Branntwein u.ä. Spirituosen als Getränk, als man kommerziell brennen konnte.



    Desweiteren wären noch folgende beiden Punkte bezüglich Getränke und Trinkgewohnheiten hervorzuheben:
    1. Es gab diesbezüglich eine deutliche Veränderung zwischen Früh- und Hochmittelalter.
    2. Es gab ab dem Hochmittelalter zudem Unterschiede zwischen den Ständen, was den Konsum bestimmter Getränke u. dgl. anging.

    Gut recherchiert nachzulesen ist all dies viel detaillierter unter http://www.geschichte-mittelalter.de/tischsegen.htm

    In diesem Sinne

    Timo
     
  15. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Die Giftigkeit von Metallgefäßen wird wohl oft unterschätzt. Auch heutzutage haben gelegentlich Pfarrer Metallvergiftungen, wenn sie die güldenen Kelche mit dem übriggebliebenen Meßwein im Tabernakel verwahren, weil sie bei der dritten Sonntagsmesse einfach schon dicht sind und die Reste nicht mehr austrinken können / wollen.
    Da sag noch einer: Media hora de trabajo y con vino! :scheinheilig:
     
  16. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Stimmt; auch dieser Punkt ist zu beachten, trifft allerdings - abgesehen von besonders wertvollen und zudem auch sehr seltenen Trinkgefäßen - v.a. erst auf die Gefäße aus Zinn zu, welche ab dem 14. Jh. (ergo im Spätmittelalter) verwendet werden.
     
  17. Livia

    Livia Neues Mitglied

    Ungeachtet der miserablen Qualität wurde Wasser im Mittelalter (und auch später) von allen Bevölkerungsschichten getrunken. Die Wasserversorgung hatte daher für die Stadt höchste Priorität.

    Mit Rücksicht auf lang andauernde Belagerungen und die Unmöglichkeit, eine Stadt ohne Wasser überhaupt verteidigen zu können, bevorzugte man Grundwasserbrunnen vor den (hygienisch besseren) Quellwasseranlagen. Während man im Römischen Imperium die Städte des unbedrohten Hinterlandes mit weithergeleitetem Quellwasser versorgen konnte, war in den unruhigen Zeiten des MA (und in späteren Jahren) alles, was vor den Stadtmauern lag, der Willkür des Feindes preisgegeben - also auch die Aquädukte oder Brunnenstuben der Quellwasserleitungen.
    Wegen der grassierende Angst vor "Brunnenvergiftungen", legte man eine Vielzahl von Einzelbrunnen in den Städten an. Infolge der Grundwasserverseuchung erreichte man damit genau das Gegenteil. Das Wasser wurde durch die benachbarten undichten Jauchegruben immer wieder infiziert, was von Zeit zu Zeit schwere Massenerkrankungen zur Folge hatte. Diese wurden dann gerne mit dem Begriff "Pest" bezeichnet ("Wenn eine Krankheit viele Menschen befällt, so ist sie epidemisch. Wenn sie auch viele von ihnen tötet, so ist sie die Pest.").

    An "Brunnenvergiftungen" starben im MA Tausende Menschen, ohne das man in der Brunnenanlage die Ursache der Krankheit erkannt hätte. Man schob die Schuld dafür häufig den Juden zu, die auf Rat ihrer Ärzte abgekochtes Flusswasser zum Trinken verwendeten und daher von den Epidemien verschont blieben.

    (Verschmutztes Wasser zu trinken war keine Besonderheit des barbarischen Mittelalters. Noch im 19. Jahrhundert schöpfte man in Hamburg Brauch- und Trinkwasser aus den Fleeten. Man benutzte das Wasser besonders gern zum Bierbrauen, weil es sich aufgrund der geringen Härte hervorragend zur Herstellung obergäriger Biere eignete. Dem Geschmack scheint das nicht geschadet zu haben -das Hamburger Bier gehörte zu den beliebtesten Ausfuhrartikeln der Hanse.)
     
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  18. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    In der Vita des Sturmi bin ich heute auf eine Textstelle gestossen, in dem dieser um 750 regierende Abt des Klosters Fulda seinen Mönchen den Genuss von Wein und anderen starken Alkoholika untersagte, weil dies der heiligen Schrift widerspreche (nähere Gründe sind nicht benannt). Stattdessen durften diese Dünnbier trinken. Diese Getränkt scheint wohl eindeutig eine Art Grenze zu markieren.. so das Clausthaler-Äquivalent.
     
  19. St.Georg

    St.Georg Neues Mitglied

    Nach meinem Wissenststand, haben die Bauern vorallem Bier getrunken weil es vor allem in Städten wesentlich keimfreier war als das Wasser. Adelige tranken zu meist Wein, aber natürlich auch gelegentlich Bier. Milch wurde kaum getrunken, höchstens solange sie noch ganz frisch war.
     
  20. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Als in Norwegen im 15. Jh. die große Pest ausbrach, schrieb der Propst der Maraienkirche in Oslo (das war die Königskirche) an den König Magnus Eriksson über die großen Probleme, die er hatte, Malz zu beschaffen für das lebenswichtige Bier für Oslo und Umgebung. Er schildert weiter, was er unter den widrigen Umständen unternommen hat, um Königin Margrete (seine Frau) und die vom König angeforderten Soldaten mit Bier zu versorgen. Margrete war damals 17 Jahre alt und hochschwanger. Man kam überhaupt nicht auf den Gedanken, das durchaus reine Quellwasser zu trinken. Undenkbar, dass Margrete etwas anderes trinken sollte, als Bier. In Dänemark sagte man statt "Essen und Trinken" "Mat og øl" (Essen und Bier).
     

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