Es findet jetzt im September nach einer Grabungspause wieder eine Grabung in Kalkriese statt. Es dauert i.d.R. eine Weile, bis Grabungsergebnisse wissenschaftlich aufbereitet sind. Es wurde zuletzt in Venne im Gewerbegebiet gegraben, das war so 2022, 2023. Da ist meines Wissens kaum etwas frühkaiserzeitliches gefunden worden, das dem Kalkrieser Schlachtgeschehen zugeordnet werden konnte (war eine Notgrabung). In Kalkriese sind die meisten Grabungen wissenschaftliche Grabungen. 2024, 2025 hat es meines Wissens keine Grabungen gegeben.
Eine Notgrabung ist finanziert, aber ihre wissenschaftliche Auswertung nicht, denn dem Urheber der Grabungsnotwendigkeit kann zwar zugemutet werden, die Sicherung des Befundes und der Funde zu finanzieren, schließlich werden sie durch sein Bauvorhaben zerstört, aber nicht deren wissenschaftliche Auswertung. Die harrt dann einer Auswertung, meinetwegen durch eine Masterarbeit.
Eine wissenschaftliche Grabung (drittmittelfinanziert) hingegen, da ist auch die wissenschaftliche Auswertung gesichert. Die Auswertung erfolgt halt relativ zeitnah. Aber "relativ zeitnah" kann halt auch mehrere Jahre bedeuten. Z.B. in der Arbeit von Uta Schröder sind Funde untersucht worden, die nie zuvor untersucht worden sind und tw. schon Jahre in den Magazinen lagen. Zu erwarten, dass da jedes Jahr eine frische Publikation erfolgt, ist ein wenig weltfremd, zumal das Museum andauernd Sonderauststellungen organisiert, die wiederum Arbeitsaufwand erfordern. Manchmal sind diese Sonderausstellungen Ausstellungen zu herausragenden Neufunden (etwa die Goldmünzen 2016 oder die Lorica 2018, Ausstellung 2023) aber oft eben zu anderen Themen: Germanicus, Piraterie in der Antike, Migration, Pompei... Die Hauptausstellung muss immer wieder umgearbeitet werden: Neufunde müssen eingearbeitet werden, Kontroversen dargestellt werden, neue Interpretationen alte ersetzen....
Einen großen Teil wissenschaftlicher Arbeit macht die Stellung von Dritt- und Fördermittelanträgen aus. Denn Drittmittel bekommt man nicht, weil man sagt "Ich möchte da wissenschaftlich graben", sondern man muss das begründen. Also ein ausformuliertes Erkenntnisziel, eine Konkretisierung Maßnahmen, um dieses Erkenntnisziel zu erlangen, Kosten, welche diese Maßnahmen verursachen werden, ggf. gesellschaftlicher Mehrwert....
Geld ist endlich und es konkurrieren viele Projekte um das Geld aus denselben Fördertöpfen. Und Zeit ist endlich. Wenn du einen Fördermittelantrag stellst, kannst du nicht gleichzeitig eine Altgrabung auswerten.