Mobilmachung und Aufmarsch: ÖUs Eintritt in den WW1

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Turgot, 21. März 2021.

  1. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Selbstverständlich gab es viele gute Gründe, warum man Rumänien an seiner Seite haben wollte, nur hätte eigentlich die Armee dabei für die Militärs eine untergeordnete Rolle spielen müssen.
    Doch ich habe mich getäuscht. Tatsächlich arbeitete der k.u.k. Generalstab anfangs 1914 den Kriegsfall "R - Ru - B" detailliert aus und kam zum Ergebnis, dass gegen das Königreich Rumänien „nur jenes Minimum an Kräften verwendet werden solle, welches noch imstande ist, folgende Aufgaben zu lösen:
    1) Verlässliche Behauptung der Aufmarschbahnen des 12. Korps zwecks dessen Abtransportes auf den Hauptkriegsschauplatz.
    2) Gesicherte Mobilisierung des 12. Korps, ....
    3) Verhinderung der direkten Einwirkung rumänischer Kräfte gegen Flanke und Rücken der
    a) gegen „R“ aufmarschierenden Kräfte und
    b) Minimalgruppe „B“.
    4) Möglichste Verzögerung des Vormarsches der rumänischen Streitkräfte gegen den Raum Budapest-Miskolez-Munkaes mindestens bis zur gefallenen Entscheidung am Hauptkriegsschauplatz.


    Wie stark diese Minimalverbände sein sollten, konnte ich nicht herausfinden. Vermutlich hätte sie das 12. Korps in Hermannstadt selbst zur Verfügung stellen müssen.

    Anton Goldbach, Oberst im k.u.k. Generalstab schrieb dazu:
    „Rumänien kann mobilisieren, die Ereignisse abwarten und dann seine Forderungen stellen oder sogleich auf die Seite der Gegner der Monarchie treten und gleichzeitig mit diesen den Krieg beginnen. Die Gegenmaßregeln müssen dem 2ten unangenehmeren Fall Rechnung tragen. Es ist anzunehmen, dass Rumänien – Bulgarien nicht ganz sicher – bei Kriegsbeginn auf die sofortige Verwendung des I. Korps und der Reservedivisionen des I. u. II. Korps in Summe 8 Divisionen (Neue Organisation) vorerst verzichten und die Operationen gegen ÖU mit 12 Divisionen aufnehmen dürfte. Das politische Ziel – Besetzung Siebenbürgens –, die Dislokation, die Einfachheit, Raschheit und relative Leichtigkeit des Erfolges weisen darauf hin, dass der Einmarsch in Siebenbürgen konzentrisch erfolgen dürfte und zwar vom rechten Flügel.“

    Man war doch etwas beunruhigter, als ich dachte.
     
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  2. hatl

    hatl Premiummitglied

    Was ist eigentlich "Hass"?
    Eine psychische Affektstörung?
    Etwa in dem Sinn, dass man negative Gefühle gegen Andere nicht ausreichend kontrollieren kann um zu angemessen rationalen Entscheidungen gelangen zu können?
    Oder ist "hassen" im Sinne der Verhaltensforschung von Konrad Lorenz das Verhalten einen überlegenen Gegner anzugreifen?
    Oder findet sich noch eine andere Definition, die geeignet sein könnte einen Militärchef für seine Rolle nicht zu disqualifizieren?
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2021
  3. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Du und Conrad...................

    Ich habe bisher noch kein Urteil gelesen, das Conrad die Qualifikation als Chef des Generalstabes abgesprochen hat. Verhaltensforscher und Psychologe bin ich nicht, um deine Frage zu beantworten.

    Es ist ja nun auch nicht so, das Conrad grundsätzlich falsch lag und vollkommen unfähig war.

    Conrad hat beispielsweise frühzeitig das Irredenta-Problem aus eigener Anschauung und seiner Gefahren als Brigadier in Triest erlebt. In Albanien sah Conrad Probleme aufkommen, wo sich der italienische Imperialismus mit den Kräften des Irredentismus vereinigen könnte. (Pantenius, Band 1, S.290)

    Und der italienische König Viktor Emanuel III. bestätigte Conrad 1903 gegenüber Kaiser Wilhelm II. "Er interessiere sich in erster Linie für Albanien, wo er keiner anderen Macht, namentlich nicht Österreich-Ungarn, erlauben könne, sich festzusetzten. Dabei handele es sich um Sein oder Nichtsein der italienischen Dynastie." So weit Viktor Emanuel III.

    Conrad sein Urteil stand über Italien schon, bevor er Chef des Generalstabes wurde. Conrad dürfte sich mit seinem Urteil vor dem Hintergrund der Ereignisse des Jahres 1915 bestätigt gesehen haben.
     

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