Mode im 18. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Andanchamun, 17. Januar 2005.

  1. murty

    murty Neues Mitglied

    Wow, danke dir für deine ausführliche Antwort. nun habe ich wenigstens ein paar gute Stichpunkte anhand derer ich mich auf die Suche begeben kann. Besonders was Alltagsmode anging tat ich mich sehr schwer mir etwas genaueres darunter vorzustellen, hab also vielen lieben Dank!

    sorry, das mit der mailadresse wusste ich nicht >__<
     
  2. murty

    murty Neues Mitglied

    Ach ja, noch eine kurze Frage vielleicht... wie sah es mit Perrücken aus? Wann war es für einen Mann üblich eine gepuderte Perrücke zu tragen oder schmeiße ich da grade alles mit frankreich zusammen? Insbesondere bin ich an genf interessiert. Würde einfach nur gerne wissen ob Perrücken nur beim Militär oder am Königshof üblich waren oder ob sich das auch auf Alltagskleidung auswirkt.
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Perücken waren damals allgemein üblich. Leider haben sich allerdings nicht sehr viele Originale erhalten. Ich würde es so einschätzen, dass aber auch von wohlhabenden Städtern, nicht nur vom Adel, Perücken getragen wurden. Zum Ende des 18.Jh. kamen Perücken zusehends aus der Mode, auch wenn sich noch Originale aus der Zeit bis ca. 1820 erhalten haben, welche dafür sprechen, dass dies nicht bedeutete, dass sie von allen aufgegeben wurden.

    Wie gesagt zu Genf insbesondere kann ich nichts spezielles sagen. Gibt es keine Beschreibungen der Genfer Leute von Votaire zum Bsp.? Ansonsten würde ich an Deiner Stelle in städtischen Museen anfragen bzw. dortige Gemälde konkret nach dem Aspekt der gepuderten Haartracht und Perücken untersuchen. Bis um die Mitte der 1790er waren gepuderte Haare, so meine Erfahrung von Bürgerporträts, obligatorisch.
     
  4. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    An jedem Fürstenhof wurden Perücken getragen. An vorderster Stelle die Aristokratie. Aber auch fast die gesamte männliche Dienerschaft trug Perücken. Zwar viel schlichtere, aber sie trugen welche.

    Wie wurden Perücken "gestaltet" wenn zum Beispiel der Karneval vor der Tür stand oder wenn eine Trauerzeit "ausgerufen" war? Hat sich das auch an der Haarpracht bemerkbar gemacht?
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1. Ich glaube mal gelesen zu haben, dass am preußischen Hof zur Zeit Friedrich Wilhelm I. v.a. die eigenen Haare frisiert wurden. Aber Perücken waren damals sehr üblich. Diese waren an wohlhabenden Höfen eigentlich bei Dienstboten und Herrschaften von der Frisur her gleich. Ich denke mal, v.a. die Materialien werden sich unterschieden haben. Billige Perücken aus Hanf haben sich z.B. auch erhalten. Einige erhaltene Perücken kann man heute noch bestimmten Personen zuordnen, wie Karl XII. von Schweden. Aber ich denke, dass insgesamt eine ganz präzise Analyse der Abstufung der Perücken nach Ständen wegen dem Mangel an erhaltenen Exemplaren schwierig ist. Aber ich schau nochmals nach.

    2.
    Zur Hoftrauer mit entsprechenden Frisuren findet man Abbildungen in der "Gallerie des Modes et Costumes Francais", welche immerhin Aufschluss über die Gestaltung in den 1770er und 1780er Jahren liefern.

    MFA Boston: Collections Search Results
     
  6. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Da gebe ich dir allenfalls Recht.

    Welche Perücke findet ihr denn am nunja "geschmackvollsten"? Ich finde die Allongeperücke gar nicht so übel. Hat was!
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich finde die Perruque à la bourse am schönsten. Oberste Reihe rechts. Image:Encyclopedie volume 7-121.png - Wikimedia Commons In der Reihe darunter erkennt man die Bourse (Haarbeutel) im Detail noch besser. Ich selbst bevorzuge diese Frisur, weil sie sich mit eigenen langen Haaren auch recht gut machen lässt.
    Einen Originalhaarbeutel mit angenähtem Solitaire kann man in Nürnberg im Germanischen Nationalmuseum bestaunen.
     
  8. Eugénie

    Eugénie Neues Mitglied

    Auf Bitte von Brissotin soll ich unser "Streitthema" hier aufführen...
    Es geht um den Taillenumfang der Frauen im 18. Jahrhundert. Er glaubt mir nicht, dass sie sich bis zu 30 cm zuschnürten. Hierzu habe ich folgendes Zitat:
    "Eleganz war zu Zeiten des Ancien régime eine Frage eiserner Konstitution. Man muss bedenken, dass eine Dame, die abends bei Hofe geladen war, bereits morgens den Schnürleib anlegte, um die gewünschte Taille zu erhalten. Alle fünfzehn Minuten etwa wurde das Marterinstrument stärker angezogen, denn abends musste die Taille einen Umfang von etwa 30 cm haben; die zeitgenössischen Berichte, von Frauen verfasst, lassen an so extremen Maßen keinen Zweifel."
    Jetzt würde mich interessieren, ob dieses Zitat auch wirklich stimmt? Kann mir jemand Helfen?
     
  9. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Das entspräche einem Durchmesser von 9,6 cm; medizinisch mMn unmöglich. Es müssen schließlich die Wirbelsäule, der Darm und die Stützmuskeln da durch. Die Schnürung muss ja wohl unterhalb des Zwerchfells erfolgen, weil man sonst nicht atmen könnte...
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wollte mich zwar raushalten, aber dennoch.
    Stern

    Das ist mein übliches Argument bei Führungen, wo diese Maße auftauchen.

    Aber ich warte lieber auf fachkundigere Aussagen, bevor ich mich aus dem Fenster lehne.
     
  11. Mercy

    Mercy unvergessen

    Die schmalste dokumentierte Taillenweite wird Ethel Granger zugeschrieben, die ihre Taille auf 13 Zoll (33 cm) schnürte. Das Guinness-Buch der Rekorde gibt an, dass die schmalste Taille an einer lebenden Frau Cathie Jung gehört, die mit ihrem Mann Bob, einem ehemaligen orthopädischen Chirurgen, im US-Bundesstaat North Carolina lebt. Cathie Jung schnürt ihre Taille zu besonderen Anlässen auf 38 cm, im Alltag auf 43 cm ein.

    Korsett ? Wikipedia
     
  12. Eugénie

    Eugénie Neues Mitglied

    und warum zum Teufel hat mich meine Lehrerin in meinen Referat, in dem ich das mit dem Taillenumfang geschrieben hatte, nicht verbessert?
     
  13. Tekker

    Tekker Gast

    Lehrer sind keine allwissenden Götter. ;)
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Gerade was Detailfragen wie sowas anbelangt...

    Ich glaube Modegeschichte nimmt im Geschichtsstudium nicht so den riesigen Raum ein. Zumindest soweit ich weiß.
     
  15. Eugénie

    Eugénie Neues Mitglied

    War keine Geschichtslehrerin..sondern Hauswirtschaft...
     
  16. Queenie

    Queenie Neues Mitglied

    Hätte bei einer so engen Schnürung nicht der Körper automatisch eine Kurvenform angenommen, wie sie erst im 19. Jahrhundert in Mode kam? Ich kann mir eine solch enge Schnürung bei den Korsetten und Schnürleibern des 18. Jahrhunderts gar nicht vorstellen. :grübel:
     
  17. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Exakt! Solche extremen Schnürungen sind nur mit den Korsetts des 19. und frühen 20Jh. (wobei die Korsetts der Belleepoque die "schlimmsten" waren die je erfunden wurden, weil sie die Frau zusätzlich in ein Hohlkreuz zwang)

    Die erhaltenen Stücke lassen erkennen, dass es zwar Frauen gab, die eine recht schmale Taille geschnürt hatten, aber alles im Rahmen des anatomisch Möglichen.
    http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Land...oesser/ludwigsburg/mode/rundgang/mieder01.jpg
    Das Stück ganz rechts hat eine der dünnsten Taillen die mir bekannt sind für diese Zeit.
    Viele erhaltene Kleider zeigen auch, dass das Gros der Frauen ganz normale Proportionen hatte.
    Die schmale Taille war vor allem eine optische Täuschung, hervorgerufen durch die dreieckige Form des Steckers. Beispiele:
    Bissonnette on Costume: Time search: the Eighteenth Century: 1700-1799

    Ich sag immer, es gibt auch heutzutage Mädels die bei Minusgraden noch bauchfrei rumlaufen, aber das heißt noch lange nicht, dass alle so einen Sch*** machen und sich ne chronische Nierenbeckenentzündung zuziehen.
     
  18. Eugénie

    Eugénie Neues Mitglied

    Neulich habe ich in einem Roman gelesen, dass, während einer Modephase des 18. Jahrhunderts, der Mann auch Fächer trug. Mich würde interessieren ob das tatsächlich der Fall war?
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe bis jetzt erst einen Kupferstich aus dem letzten Viertel des 18.Jh. mit einem Herren mit einem blauen, einfarbigen Fächer gesehen. Dieser war obendrein Italiener. Es kann also sein, dass das Fächertragen bei Herren von den dortigen klimatischen Verhältnissen verschuldet war. Ansonsten habe ich aber in Primärquellen noch nichts von Herren, die Fächer trugen gelesen.
     
  20. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Gepuderte Justaucorps

    Ein früherer und älterer Beitrag hat es ja schon mal angeschnitten und erwähnt, daß scheinbar auch Justaucorps hin und wieder gepudert wurden. Ich bin gerade bei Maureen Waller (2000) in 'Huren, Henker, Hugenotten' darüber gestolpert, auf Seite 155 (im englischen Original, da mir das Buch zu Deutsch nicht vorliegt) und wundere mich gerade etwas darüber, da sich mir Sinn und Zweck des Ganzen nicht so recht erschließen, und mir die Vorstellung eines gepuderten Justaucorps eher unfreiwillig komisch vorkommt, ganz zu Schweigen von der- bitte um Entschuldigung- Sauerei die das doch im feuchten britischen Klima geworden sein muss, wenn man unversehens im Regen stand. Und wie sah es eigentlich nach wiederholten Pudern um den Stoff aus? So weit ich weiß, wurde Oberbekleidung ja nicht gewaschen, sondern primitiv 'chemisch gereinigt'. Wie hat das alles funktioniert, gab es da einen praktischen Hintergrund oder war es eine Modeerscheinung?

    Weiß jemand was? :winke:
     

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