Napoleon Bonaparte und seine Familie

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von MMMMM, 25. März 2011.

  1. excideuil

    excideuil unvergessen

    Du sprichst es an, wobei sich die Frage stellt, welchen realen Hintergrund hatte denn die Hoffnung der Polen?
    Wenn man die Masse der Nichtfranzosen gegen Rußland betrachtet, ist es kaum glaubhaft, dass N. mit den Polen anders verfahren wäre z.B. bei seinen Gedankenspielen Richtung Indien ...

    Aber zurück zum Thema:

    Eine Erklärung gibt es bei Willms:

    "Die schwindelerregende Standeserhöhung des Zweitältesten zum Kaiser der Franzosen drohte dem Clan den letzten Rest von Verstand und Selbstbescheidung zu rauben. Die Mitglieder hatten sich immer an Napoleons Rockschöße geklammert und obwohl sie mit Ausnahme Luciens nichts zum jähen Aufstieg zu Macht und Reichtum beitrugen, dennoch stets davon profitiert. Den mit Abstand größten Gewinn strich Joseph ein, der deshalb glaubte, besonders großspurig auftreten zu können; auch die Schwestern oder der abwechselnd von Melancholie und Eifersucht geplagte Louis standen mit Prätentionen keineswegs zurück. Abgesehen von Jérôme, dem Jüngsten, der noch nicht wie seine Geschwister der Geldgier und dem Wohlleben verfallen war, lebten sie alle in dem falschen bewußtsein, durch eigene Anstrengung und Leistung verdient zu haben, was sie dem kaiserlichen Bruder gegenüber mit würdeloser Zudringlichkeit beanspruchten. Dass Napoleon diese lästige Begehrlichkeiten nicht energischer abwehrte, sondern stets entnervt nachgab und sie mit immer neuen und größeren Ehren und Aufgaben überhäufte, hat viel mit seinem Untergang zu tun. Für diesen Mosochismus gibt es eine naheliegende Erklärung: es war der korsische Familiensinn, jenes Pflichtgefühl, als Älterer, Stärkerer, in jedem Fall aber von früh an Erfolgreicher sich für das Fortkommen seiner Angehörigen geradezu aufopfern zu müssen. Gleichzeitig verschaffte ihm diese Fürsorge auch eine verquere Befriedigung, sein Machterlebnis besonders dem älteren Joseph gegenüber auszukosten, während er die Schwestern, die ihn regelmäßig mit ihren Tränen oder Ohnmachten erweichen konnten, bisweilen seine ganze Verachtung für das schwache Geschlecht fühlen ließ." [1]

    Die Erklärung scheint mir schlüssig, denn machtpolitisch hat seine Familie ihm kaum Vorteile gebracht: Joseph in Madrid, Jérôme in Kassel ... Murat und Caroline... na, ja, mehr Sorge als Hilfe.


    Na, ja, das war auch teilweise nicht nötig. Z.B. Joseph hat Madrid (fluchtartig?) verlassen und 1814 auch Paris unter völliger Verkennung der Bedeutung der Stadt für den Erhalt der Macht.
    Ganz anders hingegen z. B. Davout; er hat erst auf Weisung Ludwig XVIII. Hamburg geräumt.

    Grüße
    excideuil

    [1] Willms, Johannes: „Napoleon“, Pantheon, München 2009, (2005), Seiten 385-386
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 1. April 2011
  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Eines kam mir in der bisherigen Diskussion zu kurz bzw. wurde zu sehr direkt auf Korsika reduziert, die damalige Geisteshaltung. Das Europa des 18. Jahrhunderts wurde in Summe von Dynastien beherrscht, das ist kein korsisches Phänomen und man muss dafür erst recht nicht Freud mit seinen überholten Theorien und einem konstruierten Mutterkomplex Napoleons bemühen. Das besetzten von Regentenposten durch Familienmitglieder zeigt auch nicht, dass Napoleon nicht politisch dachte, sondern dass er sehr wohl politisch dachte, er knüpfte nämlich in Frankreich an das an, was in anderen Ländern genauso gelebt wurde (einschließlich wieder aus dem Amt entfernen).

    Das erklärt allerdings nicht wirklich die Besetzung der Regentenposten mit den Familienmitgliedern, sondern vielmehr, wie seine Geschwister Napoleon auszunutzen wussten. Mir wäre jetzt aber keine Episode bekannt, bei der mit "Tränen oder Ohnmachtsanfällen" Napoleon überzeugt wurde, einen Thron an ein Familienmitglied zu vergeben. Ich glaube in Willms Ausführungen geht es eher um finanzielle Aspekte, was die dynastischen Pläne Napoleons betraf, war er wohl weniger zu Verhandlungen und "Erweichen" bereit, was bspw. auch die innerfamiliär betriebene Heiratspolitik zeigt (Napoleon wollte, einem dynastischen Oberhaupt entsprechend, seine Einwilligung erteilen, deshalb viel bspw. auch Lucien in Ungnade, nachdem er nicht um Napoleons Einwilligung ersucht hatte, als er eine Vermälung mit der Jouberthon beabsichtigte).




    Ich schlage vor, dass wir einfach mal die einzelnen Familienmitglieder und die ihnen zugedachten Regentschaften durchgehen. Ich zähle mal eben auf:
    • Elisa zunächst als Fürstin von Piombino, später auch von Lucca und Großherzogin der Toskana (sie bat Napoleon um eine Regentschaft, allerdings ohne Tränen und Ohnmacht, vielmehr kam es N. ganz gelegen Elisa und ihren unbedeutenden Mann Felix Baciocchi, einen korsischen Landadeligen, eine Ehe die nie die Zustimmung N.s fand, los zu werden)
    • Eugène de Beauharnais (Napoleons Stiefsohn) als Vizekönig von Italien, nachdem nach bitten und betteln seitens Napoleons (sic!) keiner seiner Brüder wollte
    • Joseph als König von Neapel, dann König von Spanien
    • Louis als König von Holland
    • Großherzogin von Berg wurde Caroline
    • Jérôme erhielt das neu geschaffene Königreich Westfalen
    • Pauline wurde Fürstin von Gustalla
    An der Stelle wäre die Besetzung der vakanten (bourbonischen) und neuen Throne mit Familienmitgliedern theoretisch abgeschlossen, wenn man einer Argumentation der korsischen Familientradition im Sinne einer Versorgung der Angehörigen folgt. Betrachtet man jetzt aber zusätzlich die Heiratspolitik, werden mE die eindeutig dynastischen Absichten Napoleons deutlich:
    • Louis wurde mit Hortense de Beauharnais verheiratet (Napoleons Stieftochter - was insbesondere im Falle einer Erbfolgeregelung bedeutend war)
    • Eugène de Beauharnais wird mit Auguste Amalie von Bayern verheiratet, im Gegenzug wird ihr Vater Max zum König erhoben (nach Eugènes Absetzung als Vizekönig von Italien lebt er mit seiner Familie als Herzog von Leuchtenberg, zu dem ihn sein Schwiegervater erhebt, in München)
    • Jérôme heiratet Katharina von Württemberg, ihr Vater Friedrich erhält im Gegenzug ebenfalls die Königswürde
    • Schlussendlich muss man an der stelle natürlich noch Napoleons eigene Ehe mit Erzherzogin Marie Louise nennen.
    Bleibt ergänzend dazu noch das durch Napoleon neu geschaffene Hausrecht der Bonapartes, der "Sénatus consulte", der sehr eindeutig die Rechte und Pflichten der einzelnen Familienmitglieder regelt.
     
  3. excideuil

    excideuil unvergessen

    Dynastische Beweggründe sind nicht zu übersehen aber ich habe so meine Probleme damit, gerade wenn ich Napoelon als (macht-)politischen Menschen betrachte:

    Willms zitiert Staatsrat Roederer kurz vor der Kaiserkrönung nach einem Krach mit dem Clan:
    "" ... meine Brüder sind nichts ohne mich; sie sind lediglich deshalb groß, weil ich sie groß gemacht habe, das französische Volk weiß von ihnen nur das, was ich ihm über sie gesagt. In Frankreich gibt es tausende von Personen, die sich weit mehr um den Staat verdient gemacht haben als sie , auch sie selber gehören dazu; Sie haben mehr gemacht als jene ... Joseph ist nicht zum Herrscher bestimmt; er ist wesentlich älter als ich; ich dürfte länger leben als er, ich befinde mich wohl, und außerdem ist er keineswegs von so hoher Geburt, um sich irgendwelche Hoffnungen machen zu können. Ich bin in Armut geboren, und auch er ist, wie ich, in größter Bescheidenheit Bescheidenheit aufgewachsen; ich habe mich durch meine Taten nach oben gebracht, während er dort verharrt, wo er geboren wurde. Wenn man über Frankreich herrschen will, dann muss man in der Grandeur geboren, von Kindesbeinen an in einem Palast mit Dienern aufgewachsen sein oder man muss sich als Mensch wenigstens vor allen anderen auszeichnen. Ich habe niemals zugestanden, dass meine Brüder die natürlichen Erben der Macht sind: Ich halte sie allenfalls für geeignet, die Macht vor dem Absturz zu bewahren, sollte wegen Minderjährigkeit eine Lücke entstehen. ... Man darf sich also ihn (Joseph) also allenfalls nur vorstellen als eine Art von Aushilfe, die unter ganz bestimmten Voraussetzungen notwendig sein könnte, wenn man die Erbfolge in der Nachkommenschaft meiner Familie sichern will. Das französische Volk hat ihm nichts votiert. ...
    Sie sind alle eifersüchtig auf meine Frau, auf Eugène, auf Hortense, auf alles, was in meiner Nähe ist. Nun gut, meine Frau hat Diamanten und Schulden, das ist alles. ... Sie behaupten, meine Frau sei die Falschheit in Person, und dass die Aufmerksamkeit ihrer Kinder nur gespielt sei. Wie auch immer, ich mag sie eben, sie behandel mich wie einen alten Onkel. Das macht das Leben angenehm. Ich werde langsam alt, ich bin jetzt sechsunddreißig, ich brauche meine Ruhe."" [1]

    Nach Napoleons Worten und nach den Intrigen des Clans ist es also nicht verwunderlich, dass der Sénatus-consulte in Abänderung geheiligter Erbrechte, die Erbberechtigung der Brüder zwar anerkannt aber der Adoption den unbedingten Vorrang einräumt. Daran wird deutlich, dass der Machtpolitiker Napoleon der Nachfolge seiner Herrschaft große Bedeutung beimaß.

    Warum tat er es aber bei den Teilen des Ganzen nicht? Gerade er, der den nach salisischem Erbrecht regierenden Ludwig XVI. für einen Schwächling hielt, installiert dennoch seine gegen ihn intrigierenden Brüder auf Europas Thronen, und das, obwohl er sie für mittelmäßig hielt! Dies nur mit dynastischen Gründen erklären zu wollen, halte ich für nicht schlüssig, da der politische Napoleon wohl kaum erwarten konnte, dass ein unfähiger Bruder seiner Aufgabe gewachsen war, nur weil er sein Bruder war! Da stellt sich mir die Frage: Welche Rolle spielte seine Familie für ihn wirklich und wie stark war die Macht des Clans?

    Die Verbindung mit europäischen Fürstenhäusern ist klar der Versuch, die Herrschaft Napoleons in Europa zu legitimieren.
    Betrachtet man z.B. die Politik der süddeutschen Staaten, dann kann man politische Cleverness nicht verhehlen. Was liegt näher als sich der Gewalt durch dynastische Verbindung anzubiedern, was nicht nur durch Rangerhöhung sondern auch durch Landgewinne honoriert wurde, und auf bessere Zeiten zu warten? (1813)
    Ebenso Österreich: schon 1810 galt Marie Luise nach de Ligné als die den Interessen des Landes zu opfernde "schöne Ferse".
    Aber dies näher zu untersuchen, sprengte wohl diesen Thread.

    Grüße
    excideuil

    [1] Willms, Johannes: „Napoleon“, Pantheon, München 2009, (2005), Seiten 393-394, (Original: Roederer, Tagebuch 208-209)
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Der Satz kann allerdines nur retrospektiv sein, d.h. er bertachtet den Zeitraum vor der Kaiserkrönung Napoleons, also eine Zeit, als er seine Brüder und Schwager mit entsprechenden Positionen versorgt hatte, diese aber wiederum ihr übriges taten um Napoleon zu unterstützen. Meiner Ansicht nach muss man diese beiden Zeitschnitte trennen. Während Napoleon ab der Kaiserkrönung darauf ausgerichtet war, eine neue Dynastie zu erschaffen, kann man davor von "Brüderwirtschaft" sprechen, wobei ich die Zeit des Konsulats auf Lebenszeit als Übergangszeit zwischen Sippenwirtschaft und Dynasienbildung bezeichnen würde, weil hier die ein oder andere dynastische Erscheinung bereits zum Tragen kommt, Napoleons familiäres Handeln, also eine sehr starke Zukunftsausrichtung erfährt. Das wäre auch mein Hauptunterscheidungspunkt zwischen Sippenwirtschaft und Dynastienbildung: eine Sippenwirtschaft ist gegenwartsbezogener, Hauptmotiv ist der Erhalt oder besser noch die Steigerung von gesellschaftlicher Stellung, Ansehen, Einkommen, etc. wohigege die Dynastienbildung neben dem Gegenwartsbezug eine starke Ausrichtung in die Zukunft hat, hier geht es eben auch um Erhalt der Macht für die Familie auch in der Zukunft, bilden von langfristigen Koalitionen über die aktuell lebende Generation hinaus usw. usf.

    Genau das wollte ich damit sagen. Die Sicherung der Herrschaft der Familie Bonaparte auch über den Tod der aktuell lebenden Generation hinaus. Bei sippenwirtschaftlichen Strukturen wäre das nicht der Fall.

    Und genau das spricht für die Dynastienbildung. Er lebt mit seiner Familie, die er als unzulänglich empfindet nach, was ihm die etablierten Königshäuser Europas vorleben. Man kann hier fragen, inwieweit dieses Vorgehen auch eine Rolle im Zusammenhang mit der Akzeptanz des neuen Kaisertums in Frankreich spielt. Ginge es "nur" um Sippenwirtschaft hätte Napoleon, wenn er seine Bürder als unfähig erachtet, sie zu diesem Zeitpunkt nicht auf einen europäischen Thron gesetzt, sondern sie vielmehr mit kleinem Titel und ordentlicher Rente auf einem kleinen Gut platziert und sie ihr Leben leben lassen, ohne noch groß weitere Notiz davon zu nehmen (Gegenwartsbezug der Sippenwirtschaft). Das Ansehen, Fortkommen, den gesellschaftlichen Status, das Einkommen, ... der Sippe hatte Napoleon spätestens als Konsul auf Lebenszeit sehr gut in der Hand und hätte so als gönnerhaftes Familienoberhaupt agieren können. Hat er aber nicht.
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe vor allem aus dem letzten Zitat von Roederer den Eindruck, dass Napoléon der Auslegbarkeit seiner Großzügigkeit bewusst war. Er versuchte ja die Leistungsträger in Militär, Staatswesen und Verwaltung durch Gunstbeweise und konkrete Belohnungen an sich zu binden. Im Vergleich dazu war die Ausstaffierung seiner Familienangehörigen eine Ungerechtigkeit, welche ein wenig zu stark den Prinzipien des Kaisertums widersprach, welches aus der Revolution hervor gegangen war.

    Eine Frage hätte ich, gibt es denn im "Absolutismus" bzw. Ancien Régime auch Beispiele dafür, dass ganze Königreiche vom großen Vetter wie im Falle der Niederlande und des Königs Louis wieder eingezogen wurden?
    Oftmals war es ja im Ancien Régime so, dass sich die neu besetzten Staaten sogar gänzlich vom großen Vetter abwendeten. Man denke an Spanien nach dem Spanischen Erbfolgekrieg und der Haltung der spanischen Bourbonen in den 1710ern und 1720ern gegenüber Frankreich (Krieg der Quadrupelallianz).
     
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  6. excideuil

    excideuil unvergessen

    @Lili

    Ich fang noch einmal mit Ludwig XVI. an. Er war wohl für Napoleon das beste Beispiel, dass die salische Erbfolge auch einen Thronfolger bringen konnte, der seinem "Job" nicht gerecht werden würde/konnte.
    Mit dem Sénatus-consulte wird dies deutlich. Im Grunde schließt er die aus seiner Sicht unfähigen Brüder von der Thronfolge aus.

    Richtig deine Trennung von Sippenwirtschaft vor und nach der Kaiserkrönung. Brissotin sagt völlig richtig, dass die Ausstaffierung der Familie ungerecht war. Aus Willms Sicht teilweise sogar ein Verfassungsverstoß. Klar auch, dass es vor der Kaiserkrönung keine Throne zu vergeben gab.

    Betrachtet man die dann tatsächlich vergebenen Throne an die Familie, dann wird deutlich, dass dies entweder an ehemalige Throne der Bourbonen geschah (Neapel, Spanien) oder an völlig neu geschaffene Monarchien wie Holland oder Westphalen.

    Die Throne der Bourbonendynastien kann ich nachvollziehen: Er wollte an den auf "Wanderschaft" in Europa befindlichen Ludwig XVIII. das Zeichen setzen: "Jetzt regiert die Dynastie Bonaparte!"
    Nicht mehr nachvollziehen kann ich (aus dynastischer Sicht) das Bäumchen-Wechsel-Spiel Neapel und Spanien, sprich der Wechsel Joseph von Neapel nach Madrid und das Nachrücken von (Caroline) Murat nach Italien, weil wenn ich ernsthaft dynastisch denke, dann sollte dies doch von Dauer sein. So kommt der Verdacht auf, dass diese Entscheidung einer politischen Tatsachen-Situation entspringt, die jederzeit wiederholbar ist und damit die "Dynasten" zu Statisten degradiert, die jederzeit auf dem Schachbrett Napoleons eine andere Rolle spielen müssen/dürfen.

    Nehmen wir die Staaten des Hauses Bourbon: Frankreich, Spanien, Neapel. Dynastisch verbunden nach den Spielregeln des ancien régime hatte doch jedes Königreich seine eigene Hauspolitik, es gab keine zentrale Befehlsstelle. Stellen wir die Bonaparte-Dynastien dagegen:

    Louis als König von Holland hat durchaus, vertraut man Wiki einiges für Holland getan, war damit dem traditionellen Gedanken der dynastischen Verbundenheit zweier Staaten vllt. näher als Napoleon, aber er sprang auch wegen der Kontinentalsperre über die Klinge und musste ins Exil. Holland wird Frankreich einverleibt.

    Auch Joseph musste sich in Spanien ein "Hineinregieren" gefallen lassen, teilweise sogar an ihm vorbei. Also war er auch eher "Präfekt" als König.

    Damit sind Holland und Spanien wohl gute Beispiele, dass dynastische Bestrebungen Napoleons zwar ein sichtbarer Aspekt sind, wie ich weiter oben sagte, bei näherer Betrachtung aber nur das Kaiserreich, nur die Hegemonie über Europa übrig bleibt.

    Bleibt die Frage: warum die Brüder? Wie stark waren die familiären Bindungen und Überzeugungen Napoleons?

    Grüße
    excideuil
     
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  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ excideuil

    Sehr schön zusammengefasst.

    Bei Murat hättest Du noch seine kurzlebige Rolle als Großherzog von Berg hinzufügen können. Berg war genauso wie das Königreich Westfalen dann später wieder verkleinert worden, als es Napoléon in den Sinn fiel. Ähnlich erging es dem Königreich Italien.

    Mir scheint bei der dynastischen Politik ein Schaukelkurs zwischen dem Ancien Régime und dem müden Abglanz der Revolution am augenscheinlichsten.
    Was Napoléon als quasi ein Relikt der Errungenschaften der Revolutionszeit zumindest schemenhaft gerettet zu haben schien, war die Belohnung nach Verdiensten, welche wohl auch Napoleons militärischer Karriere zuzuschreiben sein könnte. Mit dem Spruch über den Marschallsstab im Tornister sollte dies umrissen sein.
    Mit seiner dynastischen Politik musste er zwangsläufig dem Anspruch nur für Verdienste zu belohnen widersprechen. Ein ganz schönes Beispiel wie er andererseits mit den Auswüchsen dieser Politik haderte, ist auch sein Kommentar bzw. sein Aufbrausen über die Belohnung, welche sein Bruder Jérôme seinem Günstling dem Grafen von Fürstenstein zuteil werden ließ:
    Aus: Pierre Alexandre le Camus ? Wikipedia

    Mir scheint es am auffälligsten bei der dynastischen Politik, dass damit Napoléon am stärksten in Argumentationsnöte kam, weshalb denn nun sein Régime besser sei als das von Louis XVI, wenn er sich dem des Ancien Régime doch so sehr annäherte. Ich glaube weiter, dass eben dieser Widerspruch zu den manchmal unverständlichen Äußerungen führte, welche Napoléon von sich gab. Mal stellte er die Leistungen seiner geringsten Soldaten über alles andere, mal spielten familiäre oder freundschaftliche Bindungen die maßgebliche Rolle in der Karrierelaufbahn im Empire.
    Ich denke schon, dass dieser Widerspruch, wie es ganz gut auch excideuil herausstellte, mit ein Grund für das Scheitern des maßlosen Empire war.
     
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 15. April 2011

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