Nikulasverweis - Gnitaheide

Warum dann überhaupt über Kilianstädten? Das liegt doch in der nordhessischen Pampa, die Strecke von Paderborn nach Mainz ist deutlich länger (249 km) und vom Gelände ungünstiger, und die Straße weniger begangen.
In der südhessischen, würde ich sagen. Und von "Pampa" (heiðr) schreibt ja Nikulas just in diesem Zusammenhang...
@Sepiola hat damals so freundlich und schlagfertig gekontert, dass mich sein Humor auch noch nach 3 Jahren lächeln lässt.

In den ersten Jahren der Christianisierung gehörte die Gegend um Korbach zum Bistum Würzburg. Dadurch entstand der Kilianiskult in Korbach und nicht, wie in der Region üblich, der Bonifatiuskult.
Ich halte es für absurd, den nicht belegten Kilianiskult auf die Zugehörigkeit des Ittergaus zum Bistum Würzburg von 777 bis 800 zurückzuführen.

Die Kilians-Patrozinien sind keineswegs alt.
  • Für Korbach, wie gesagt, ist eine Erwähnung von St. Kilian erst nach 1335 möglich.
  • Die Kilianskirche in Marburg ist wesentlich älter, 1180 bis 1200 erbaut, und war doch nur Marktkapelle der Kirche St. Martin im nahen Oberweimar.
  • Kilianstädten hatte kein Kilians-Patrozinium, und seine Ersterwähnung war 839 als Stetin, 1290 als Kilionsteiden, 1302 als Kyliansteden. Ein Pfarrer wird erstmals für 1302 genannt.
  • In Mainz-Kostheim gab es eine Kilianskirche, die das erste Mal 1239 erwähnt wurde (@El Quijote wies 2023 darauf hin).
  • Und zu Lebzeiten des Nikulas von Munkathvera gab es bis auf Mainz (und das auch fraglich) kein Kilians-Patrozinium auf seiner Wegstrecke.
 
Zuletzt bearbeitet:
Dafür gibt es keinen Beleg. Wann und wo soll die Ausgrabung erfolgt sein, und warum findet sich keine Dokumentation?
Ich kann mich gerade sehr irren, aber ich meine davon im Korbach Museum gelesen zu haben und auch Bilder der Ausgrabungen gesehen zu haben. Allerdings finde ich gerade auch nur einen HNA Artikel hier dazu.

Vielleicht hat ja jemand Zugriff auf diese Quelle: Jürgen Kneipp, „Archäologische Untersuchungen an der gotischen Stadtkirche St. Kilian zu Korbach“, hessenARCHÄOLOGIE 2011, S. 133–139)

LAGIS gibt hier folgende Korbacher Kirche als Erwähung für das Jahr 1147 an "ecclesie in Curbeke; Curbecensia ecclesia"
  • Die Reise des Nikulas von Munkathvera fand 1152 bis 1153 statt, die Ersterwähnung des Namens des Heiligen St. Kilian im Zusammenhang mit Korbach dann erst deutlich nach 1335, also 180 Jahre später.
Ich weiß nicht was deine Quelle dazu ist aber: "sigillum sct. kiliani et civium de Curbac" (1243) kann man schon so interpretieren, dass der Kilianspatronizium in Korbach zu diesem Zeitpunkt schon etabliert war.

Das erste Wappen Korbachs (mit dem Bischoff) ist für 1227 belegt. Wie gesagt hier kann man sich streiten um wen es sich handelt. Ganz interessant das Wappen der Korbacher Neustadt zeigt einen anderen Bischoff, den heiligen Nikolai, Namensgeber für die Neustädter Nikolaikirche.
  • und der urkundlich erste Beleg des Namens von Caldern im Codex Eberhardi ist Calantra.
Im Jahr 1200 ist es laut LAGIS hier Calderen gewesen. Calantra in Kilandr würde ich vielleicht mitgehen, bei Calderen aber eher nicht.

Quellenangaben gibt es, zu Artikeln von Heimatforschern aus den 1950er Jahren.

Das ist und bleibt dennoch sehr sehr phantasievoll. Der sächsische Königshof ist denkbar, aber in keinerlei Hinsicht belegt. Lokalhistorische Fama.
Ich meinte mit der Romanischen Kriche allerdings nicht den Mönchshof oder den vermeintlichen "Königshof" (was als villa gilt, hat wahrscheinlich jeder eine andere Auffassung).

Zu Kilianstädten:
Wenn ich gerade schon bei Namen bin, mein anderer persönmlicher Favorit "Kilianstädten" hieß zu seiner Gründung 839 Stetin und um 1290 Kilionsteiden. Bis 1326 war es nicht mehr als ein Dorf. Kein Kloster, keine Ortskirche (um 1302 nur einen Pleban). Damit steigen bei mir Caldern und Korbach ganz klar zu den beiden Favoriten auf.
 
Ich halte es für absurd, den nicht belegten Kilianiskult auf die Zugehörigkeit des Ittergaus zum Bistum Würzburg von 777 bis 800 zurückzuführen.

Die Kilians-Patrozinien sind keineswegs alt.
  • Für Korbach, wie gesagt, ist eine Erwähnung von St. Kilian erst nach 1335 möglich.
  • Kilianstädten hatte kein Kilians-Patrozinium, und seine Ersterwähnung war 839 als Stetin, 1290 als Kilionsteiden, 1302 als Kyliansteden. Ein Pfarrer wird erstmals für 1302 genannt.
Da waren wir beide wohl gleichzeitig am schreiben. :D


  • Und zu Lebzeiten des Nikulas von Munkathvera gab es bis auf Mainz (und das auch fraglich) kein Kilians-Patrozinium auf seiner Wegstrecke.
und dazu noch ein Einwurf von mir. Ich habe jetzt schon mehrmals gelesen, dass diskutiert wird, ob es sich bei dem Reisebericht nicht um einen Text handelt der Nikulas Bergsson nachahmen soll, quasi ein Reise Guide aus seiner Sicht geschrieben zu einem späteren Zeitpunkt. Das würde nochmal ein ganz anderes Sichtfeld auf die Sache öffnen. Heute bin ich aber zu Müde. Suche das Morgen nochmal genauer raus und gebe auch die Quellen mal weiter.
 
Schneewittchen in der heute bekannten Fassung ist zwar von den Gebrüdern Grimm in Hessen gesammelt worden, aber das Märchen hat eine viel größere Verbreitung, auch in Frankreich kursierten Fassungen davon, die teilweise viel expliziter waren. Dorothe Viehmann, eine ihrer Hauptinformantinnen, war Hugenottin, sprich frz. Herkunft. Es mag also sein, dass in ihrer Familie auch frz. Märchen erzählt wurden, nicht alles "urdeutsches" Volksgut war.
Ich danke für die Info, dem war ich mir noch überhaupt nicht bewusst. :) Die Herkunftsgeschichte Schneewittchens scheint deutlich tiefer zu gehen als ich gedacht hätte.
 
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