Jean-Baptiste Thiers schrieb 1690 eine "Histoire des perruques".
Seine Fähigkeiten als Historiker konnte ich nicht überprüfen, aber es ist klar, dass er einen Feldzug gegen das Tragen von Perücken führte, besonders bei den Geistlichen.
Es gibt davon eine deutsche Übersetzung aus dem Jahr 1712 mit einem Kapitel über "gepuderte Paruquen", die für ihn den Gipfel der Eitelkeit darstellten und bei denen er sogar ein bestehendes kirchliches Verbot sehen wollte (Seite 463):
im französischen Original hier:
Von Bach kenne ich nur ein Porträt mit Perücke und es mir nicht bekannt, ob er kahl war. Von Händel gibt es jedoch mindestens zwei Porträts, die ihn ohne Perücke und ohne Haare, allerdings mit Mütze zeigen. Ob er kahl war und darum manchmal eine Perücke trug oder ob er sich wegen der Perücke den Kopf kahl rasierte, weiß ich nicht. Jedenfalls ließ er sich auch ohne Perücke porträtieren.
The Chandos Portrait of George Frideric Handel (1685-1759). Painted c. 1720. Once attributed to James Thornhill. (Fitzwilliam Museum, Cambridge)
www.worldhistory.org
Porträt Georg Friedrich Händel von Hans List nach Miss Benson und Philip Mercier. Nach 1945. Angefertigt für das Händel-Haus nach Fotos und Farban
st.museum-digital.de
Danke fuer den Link. Fuer mich persoenlich sehr, sehr interessant....weil....weil....es noch andere Zusammenhaenge gibt.
Wollte auch darauf antworten, doch fiel mir dabei noch rechtzeitig auf, dass ich, wie ueblich, dazu neige in's Uferlose zu entgleiten und somit den geneigten Leser zu Tode langweile. Aber ist es nicht so, dass Geschichte ein vielfarbiges Gewebe von vielen, vielen verschiedenen und vor allen Dingen zusammengewobenen Faeden darstellt? Daher, thematisches
'pidgeonholing', also enges konzentrieren auf nur einen kleinen Aspekt einer groesseren Sache, ist der Sache
per se eigentlich nicht gerecht.
Genug geschwafelt, zur Sache:
Sehen wir uns Seite 466 an, dort steht:
"Daraus ist zu sehen/
dass der Puder eine weltliche Zierart sey/
welcher sich besser vor unzuechtiges Frauenzimmer
als vor Geistliche schicket. Daher fin-/
det man in der Antiquitaet selten an-/
dere / als Welt=Frauen/ Hoffleute
und dergleichen/ so der Wollust er-
geben/ die sich solchen Schmuck's be-
dienen. Josephus Lib. 8. Antiq. Ju.
Oblique wird dort zwischen den Zeilen auf die damalige Geißel Syphillis und deren optische Folgen
* hingewiesen.
In der Tat, Gesicht verpudern -- daher der gezierte Begriff
'powder room' - i.e. Toilette fuer Damen -- hatte in England viel mit der damals, unheilbaren Seuche zu tun: verpudern = verstecken, kaschieren.
Diese Pandora's box lasse ich erstmal ungeoeffnet.
ps: allerdings, verstehe ich nicht den Zusammenhang zwischen Josephus Flavious:
'Josephus Lib. 8. Antiq. Ju.' ?
*