Rohstoffversorgung im 1. Weltkrieg

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von jschmidt, 17. Januar 2009.

  1. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Kielmannsegg (Deutschland und der Erste Weltkrieg, S. 130 f.) beschreibt die Entwicklung wie folgt:

    • Die USA, von allen Neutralen am Seehandel am stärksten interessiert, fragten bei den Kriegsführenden sogleich an, ob man sich an die - nicht ratifizierte - Londoner Deklaration halten wolle. Das wurde beiderseits bestätigt.
    • In der Durchführung der Blockade hielt England zwar noch an den Begriffen des Prisenrechts fest, höhlte sie aber Schritt für Schritt bis zur Bedeutungslosigkeit aus. Die Freiliste der L. D. wurde aufgehoben - sie umfasste z. B. Kautschuk, Baumwolle und Häute - und die Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Konterbande aufgehoben (a.K. = Waffen, Munition, Uniformen usw., r.K. = Lebensmittel, Kleidung, Brennstoffe). Von 1916 an [Oktober 1915 passt sicher auch] waren fast alle wirtschaftlich nutzbaren Güter absolute Konterbande.
    • Die Voraussetzungen, unter denen die Feindeigenschaft oder die Feindbestimmung einer Ware vermutet werden konnte, wurden so erweitert, dass die Engländer praktisch willkürlich schalten und walten konnten. So war es nur folgerichtig, dass die Alliierten 1916 die L. D. mit dem Argument der clausula rebus sic stantibus überhaupt für hinfällig erklärten.
    • Alliierte Kontrollgesellschaften wurden in den neutralen Ländern gegründet, gegen neutrale Firmen, die ihren Handel mit den Mittelmächten nicht abbrachen, wurden Sanktionen verhängt. [...] Wirtschaftliche Abhängigkeit, etwa von englischer Kohle, wurde zu siesem Zweck entschlossen ausgenutzt. In der Tat gelang es von 1916 an den Alliierten, auch den Handel der neutralen Nachbarstaaten mit Deutschland, vor allem die Lebensmittelexporte, weitgehend zu drosseln.
     
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  2. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Das habe ich auch nicht behauptet. Genauso wenig, dass Deutschland mesopotamisches Öl förderte.
    Das Baku-Öl gehörte ausschliesslich der Royal Dutch Shell und nicht Russland. Erst unter den Bolschewisten wurde die Erdölförderung verstaatlicht.
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Darauf hatte ich mich bezogen:
    http://www.geschichtsforum.de/387265-post61.html
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ich schrieb "Baku gehörte zum Zarenreich" Was ich nach wie vor für richtig halte. Womit das Öl als Bodenschatz auch diesem Staate gehörte. Der die Rechte zur Ausbeutung wiederum den Rothschilds verkümmelte. Die wiederum ihre diesbezüglichen Firmen in die Royal Dutch/Shell einbrachten.
    Wobei, wenn ich mich richtig erinnere hatte auch zumindest zeitweilig Nobel (der vom Dynamit und dem Preis) die Finger drin.

    aus dem Link (ich weiß, man klickt nicht gern)
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Januar 2009
  5. admiral

    admiral Neues Mitglied

    Einige Ausführungen - z.B. #41 - zeigen, wie schwierig und insb. wie langwierig die Blockade eingerichtet werden musste (und dass dabei wohl auch das Völkerrecht gebrochen werden musste, hne dass dies in der Geschichtsschreibung bislang groß problematisiert wurde). Man kann durchaus die Auffassung vertreten,dass ein Erfolg der Blockade eigentlich unwahrscheinlich war.

    Aus Sicht der Entente musste Frankreich den Deutschen widerstehen, musste Rußland halten, musste Italien zur Entente treten, musste die Navy ihre Überlegenheit unbedingt bewahren. Das sind eine Menge von Voraussetzungen

    Wie man die Entente bekämpfen muss, war in Deutschlan sehr umstritten. Die getroffenen Entscheidungen sind nicht immer gut nachzuvollziehen.

    Das begann schon vor dem Krieg. Während die Triple Entente als Gefahr erkannt wurde und diese durchaus aufrüstete, kam es in Deutschland 1912 nicht zur Wehrvorlage. Es kam auch nicht zu einem Abommen mit Japan, obwohl China (man schaue sich die deutschen Bankniederlassungen in Asien) zu einem der wichtigsten deutschen Märkte werden konnte (die Navy wäre bei einem Ostasiengeschwader in Tsingtau viel länger außerhalb ihrer Heimatgewässer gebunden gewesen).

    Dan wurde der Schlieffenplan nicht durchgeführt, die Ypernschlacht wurde gewählt statt die zum Greifen nahe Entscheidung im Osten zu suchen. Es gab keine frühe Seeschlacht. Scarborough konnte wegen Einschränkungen (des Radius der Hochseeflotte) des Kaisers nicht zu einem Erfolg werden. Ein Erfolg der Deutschen zur See hätte die Neutralen im Sinne Deutschlands beeinflusst.

    Das alles waren Strategien, die im Jahre 1914 noch hätten durchgeführt werden können. Und sie wurden von durchaus einflussreichen Männern gefordert, aber ohne Erfolg. Der Kriegsverlauf wäre ein anderer geworden. Das ist mE ein wesentlicher Grund dafür, dass die Eliten in Deutschland die Niederlage nicht hinnehmen wollten. Die Versorgung mit Rohstoffen wollte man im nächsten Krieg besser organisieren.
     
  6. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    handels_u_boot.jpg
    Ich lese gerade das Buch "Geschichte der Deutschen U-Boot-Waffe seit 1906" von Jak Mallmann Showell (ist letztes Jahr in der ersten Auflage rausgekommen) und habe daraus folgendes: Wegen der Seeblockade gab es anfänglich Vorschläge, in den Mittelatlantik U-Boote zu schicken, die sich dort mit Handelsschiffen trafen und die Ladung übernahmen. Das ließ sich aber wegen des Seegangs nicht durchführen. Dann wollte man U-Boote entwaffnen und diese auf Handelsreise schicken, doch waren die vorhandenen Boote zu klein und auch nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Deshalb kam man auf den Gedanken, Handels-U-Boote zu bauen. Dafür wurde die „Deutsche Ozean Reederei GmbH“ geschaffen. Das erste Boot war die „Deutschland“ mit einer Verdrängung von 1512 Tonnen über Wasser und einer Fahrstrecke von 12000 Seemeilen bei 10 Knoten Fahrt. Sie konnte 750 Tonnen Fracht transportieren. Das größte Problem bei diesem Boot stellte die Beschaffung einer passenden Antriebsanlage dar. Man hat dann die Dieselgeneratoren genommen, die für das Schlachtschiff „Sachsen“ bestimmt waren. Die „Deutschland“ hat zwei Reisen in die USA unternommen. Ihr Schwesterboot, die „Bremen“, ist auf ihrer ersten Reise verschollen. Ein drittes, die „Oldenburg“, wurde erst nach Kriegseintritt der USA fertig, weshalb dieses Boot gleich als U-Kreuzer umgebaut wurde.
    Wenn die Boote auch keine großen Mengen transportieren konnten, so war sie doch für die Beschaffung von Materialien, wie Nickel und Kautschuk sinnvoll. Den Gummi z.B. transportierte man in den wassergefluteten Räumen zwischen Druckkörper und Außenhaut. Einen der Frachträume, die während der Hinfahrt leer waren, füllte man bis zu einer gewissen Höhe mit Wasser und nutzte ihn als Swimmingpool für die Besatzung.
    Später wurde die „Deutschland“ zu einem U-Kreuzer umgebaut mit 50 Mann Besatzung, einem Prisenkommando und 19 Mann, die ein aufgebrachtes Schiff nach Deutschland bringen sollte. Ob das jetzt Erfolg hatte, weiß ich nicht. Habe jedenfalls nichts darüber lesen können.
     
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  7. Repo

    Repo Neues Mitglied


    au, au, au

    Da gibt es hier aber etliches an Threads zum 1.WK wo genau diese Themen ausführlich behandelt werden.
    Zieh sie Dir mal rein.
    Wirst ein paar Tage brauchen.
    Dann sprechen wir weiter.
     
  8. admiral

    admiral Neues Mitglied

    Mit #47 (es gibt eine Menge Gegenargumente, suche sie mal zusammen) kann ich leider nichts anfangen.
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Du solltest Dich zunächst mal von der Phantasie einer frühen Seeschlacht mit Aussicht auf Erfolg lösen. Mag dieser Tirpitz auch in seiner Apologie hinterherträumen, die Bankrotterklärung hat er selbst bereits brieflich am 16.9.1914 gegenüber Pohl abgegeben: Die Flotte habe eine reale Chance, in einer Seeschlacht England entscheidende Verluste beizubringen, ja vielleicht die englische Flotte zu schlagen. Die Begründung muss man sich im Wortlaut auf der Zunge zergehen lassen: "Fast immer in der Weltgeschichte haben kleinere Flotten größere geschlagen." Das Argument ist geradezu absurd und überspringt nebenbei, wieso sich die britische Flotte bei Helgoland - nur das stand bei Tirpitz zur Debatte - überhaupt schlagen soll.

    Diese "maritime Denkverwirrung" (Salewski) liefert dann auch gleich ihren eigentlichen Hintergrund nach: "Wenn wir nach einem so furchtbaren Kriege, wie der von 1914, zum Friedensschluß kommen, ohne dass die Flotte geblutet und geleistet hat, so werden wir nichts mehr für die Flotte bekommen. Alles überhaupt recht spärliche Geld wird in die Armee gehen, und der große Versuch SM des Kaisers, Deutschland zur Seemacht zu erheben, wird vergebens gemacht sein."

    Am 1.3.1915 klang das schon anders: eine Änderung der Operationsplanung komme nicht in Betracht, da man das Risiko, dass die Flotte in ihrem wesentlichen Bestand vernichtet werden könnte ... nicht eingehen könne." ... Aha, so ist das also.

    Der Rest ist dann die nachträgliche Korrektur der Szenarien am Kartentisch, womit sich vermutlich jeder Krieg bei genügender Dummheit der Gegenseite gewinnen läßt, ausgewertet dann in der Nachkriegsliteratur, um das eigene Scheitern zu vernebeln.

    Die Option einer aussichtsreichen Seeschlacht gab es zu keinem Zeitpunkt, wegen der britischen Strategie und der deutschen Unterlegenheit. Der Rest ist völlig unkalkulierbar nach Ort, Zeit und Kraft, somit niemals Basis einer militärischen Planung.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Könntest Du eine Quantifizierung und Bewertung der Wirtschaftsbeziehungen zu China und des dortigen Geschäftsvolumens der Banken so um 1914 vornehmen?

    Steht die deutsche wirtschaftliche Expansion dort konträr zu japanischen Interessen?

    Bei einer dt.-jap. Konfrontation ergibt sich keine beachtliche Bindung der Royal Navy; die brit.-jap. Verständigung führte vielmehr zu einer Kräfteverschiebung der RN. Vgl. Hinweise zB bei Marder: Old Friends, New Enemies : The Royal Navy and the Imperial Japanese Navy - Strategic Illusions 1936-1941.
     
  11. admiral

    admiral Neues Mitglied

    #49 Mit Tirpitz allein hat das nichts zu tun. Schließlich hatten auch Baudissin, Ingenohl und Pohl die frühe Seeschlacht propagiert. Die ganze Rüstung (zugunsten der Schlachtflotte sind alle anderen Investitionen zurückgestellt worden) war auf die frühe Seeschlacht ausgerichtet. Die Zurückhaltung der Hochseeflotte war eine politische Entscheidung. Churchill in World Crisis hat mit bemerkenswerter Offenheit von dem enormen Risiko für die Navy bei einem frühen Zuammentreffen gesprochen. Im Nachhinein ebenso Massie In Castles of Steel.

    Köbis17 hat sich die Mühe gemacht (auf die Schnelle finde ich eseinen Beitrag jetzt nicht) die Kräfteverhältnisse in der Nordsee in den ersten Kriegswochen zusammenzustellen. An eine große Überlegenheit kann ich mich nicht erinnern (vielleicht liest Köbis17 diese Diskussion). Auch am Ende des Jahrs 1914 war es nochmals äusserst günstig für die Hochseeflotte (genauere Nachweise bei Massie, Castles). Die Flotten hatten unterschiedliche Zwecke, es ist falsch einfach Schiffe zu zählen.

    Ab 1915 gab es keine so guten Gelegenheiten mehr (die Navy war dann zusammengezogen). Dass allerdings unter den ungünstigen Umständen der Skagerakschlacht 1916 (letztlich war Skagerak so etwas wie der Plan der Deutschen vor Scarborough, nur diesmal umgekehrt, eine unterlegene Einheit wurde von der überlegenen Einheit in eine Falle gelockt) die Deutschen den Engländern derartige Verluste beibringen konnten, spricht für die Kampfkraft der Hochseefloote. Warum soll die Hochseeflotte sich bei deutlich besseren Bedingungen schlechter schlagen?

    Niemand kann sagen wie eine Schlacht ausging, die nie geschlagen. Aber von Phantasie zu sprechen, ist sachlich falsch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Januar 2009
  12. admiral

    admiral Neues Mitglied

    #50 Ich habe diese Infos von einem Vortrag (ich glaube, es war der Frankfurter Wirtschaftgeschichtler Prof Plumpe) vor der Historischen Gesellschaft der Deutschen Bank. Ein Indiz mögen die Bankfilialen sein, die auf der homepage 'bankgeschichte' gezeigt werden (deutlicher Schwerpunkt in Südostasien). Ich bitte zu beachten, dass die zukünftigen Geschäfte (die wegen des Weltkriegs nicht mehr möglich waren) das Entscheidende sind. Ich glaube, es gibt auch Zahlen bei Barth, Deutsche Hochfinanz.
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wo hast Du das denn nun her? Aus der gesamten Rüstungsdebatte ergibt sich keine operative Fixierung, sondern nur das dumpfe strategische Hintergrundrauschen einer Abschreckung durch die Risikoflotte, die letzlich sogar zum dt.-brit. Bündnis treibt.
    (Außerdem ist die qualitative Aussage zur Rüstungsrelation unhaltbar)

    Mit so einer Aussage läßt sich nichts anfangen.
    Churchills Spekulationen sind Nachkriegsliteratur, wobei dort die eigene Bedeutung verständlicherweise aufgeplustert wird. Massies Äußerungen dazu sind diffus, basieren auf Memoiren, statt auf einer Kräfteanalyse August/Dezember1914 (die jedenfalls in meiner englischen Ausgabe völlig fehlt, ich wäre überrascht, hätte er sie der deutschen Ausgabe beigefügt :grübel:). Im übrigen wird auch dort darauf hingewiesen, dass britischerseits keine Gelegenheit zur Risikoschlacht 1914 eingeräumt wurde. Damit erübrigt sich jedes ex-post betriebene Lagespielchen.


    Es gab auch 1914 keine Gelegenheiten; sie waren britischerseits gar nicht vorgesehen. Insofern wurde geschickt dilatiert. Der Konzentrationseffekt 1915 war minimal (und bezog sich iw auf die für die "Entscheidungsschlacht" unwesentlichen Schlachtkreuzer, wovon 1916 dann wie gesehen ohne Bedeutung einige verlorengingen). "Das" war 1914 abgeschlossen.

    Lagekarten-Phantasien mit Zigarre und Cognac im Jahr 1925 für den August 1914: bei 13/20 oder 21. Natürlich, ich vergaß: die deutsche Schlachtflotte versenkt 12 (tatsächlich durch Artillerie am Skagerrak nicht eines!) und verliert 5, anschließend tuckern die 8 übrigen nach Wilhelmshaven und werden 2 Jahre in der Werft repariert. Geändert hätte selbst das an der Sachlage übrigens nichts.


    Spaß beiseite, das hier
    strapaziert sehr die sich an schöne Arbeit von Plumpe und bürstet sie gegen den Strich. Hörensagen ist meistens nur Grundlage von Gerüchten. Besser also Plumpe: Deutsche Bank in China
    Zur Bedeutung des unwesentlichen China-Geschäftes für den deutschen Export, der nachrangigen Bedeutung der deutschen "Filialen" siehe Statistische Jahrbücher, und zu den Erwartungen und Enttäuschungen auch in Zusammenhang mit Tsingtao siehe folgendes Zitat:

    "Die deutschen Bergbauunternehmen in Shantung sind aus deutscher Sicht als ein völliger Fehlschlag zu betrchten. Sie haben eine gewisse Bedeutung dadurch bekommen, dass sie in Shantung eine reaktion Chinas auf die Ausbeutung der Bodenschätze durch Ausländer provozierten ...

    Aus dem hier Gesagten ergibt sich in Bezug auf die Eingangsfrage nach den politischen Implikationen der deutschen Unternehmungen in Shantung, dass eindeutig faßbar nur von einer politischen Bedeutung gesprochen werden kann: von einem chinesischen Souveränitätsverlust (im deutschen Schutzgebiet) und einer Souveränitätseinbuße (durch die Shantung-Bahn).

    Deutlich nachweisbar ist hingegen ein Wirkungszusammenhang in umgekehrter Richtung: das zunehmende Selbstwertgefühl Chinas nach 1902 hinderte Deutschland bzw. deutsche Kapitalisten daran, ihre vor 1900 erzwungenen Rechte und Optionen unverändert zu übernehmen und zu verwirklichen. Sie mußten im Gegenteil umfangreiche Einbußen hinnehmen, eine Entwicklung, die besonders deutlich wird an der Geschichte der Tientsin-Yangtzu-Konzession. Und dieser Zwang zum Zurückstecken der eigenen Ziele war nur in zweiter Linie eine Folge der politischen Isolation Deutschlands in Europa, denn auch die anderen europäischen Mächte waren zu Zugeständnissen in China gezwungen."

    Quelle: :D


    Der letzte Satz pulverisiert jede These über eine deutscherseits betriebene "autarke" Asien-Politik mit dem Nebenzweck einer europäischen Schattenwirkung:
    - in notwendiger Bedingung, weil das aufgrund der europäischen Verwebungen schon im Ansatz der Realität widerspricht
    - in hinreichender Bedingung, weil es aufgrund der chinesischen Verhältnisse der Realität widerspricht.

    P.S. Warum gehst Du nicht auf mögliche dt.-jap. Interessenkollisionen ein? Japan hat dann übrigens nach 1918 dort militärische Lösungen versucht.
     
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  14. admiral

    admiral Neues Mitglied

    Ich verstehe Deine Argumente und Gedankengänge nicht immer (Spaß geht manchmal auf Kosten der Verständlichkeit).

    In Kürze, so wie ich Deine Anmerkungen verstanden habe:
    Dutschland konzentrierte sich auf die Schlachflotte, selbst Tirpitz sah dies als Notwendigkeit - aus finanziellen Gründen (wer bestreitet dies denn?)

    Die Navy hatte das Empire zu schützen, die Hochsee operierte nur in der Nordsee. Das ist etwas anderes. Durch die Konzentration der Navy in der Nordsee war ihre Funktion aufgehoben (es sei denn, sie vernichtet den Gegner, was sie denn auch getan hat).

    Die Aufstellung der Navy August/September 1914 bei Köbis17 - Fernblockade - # 51. Die Idee von Scarborough nutzte spezielle Gegebenheiten im Dezember 1914. Die Deutschen wären in der gegebenen Situation überlegen gewesen. Bei Erfolg wäre die Überlegenheit der Engländer deutlich geschrumpft.

    Die Ausführungen zu Skagerrak verstehe ich nicht. Die jeweiligen Verluste sind bekannt. Die engl. sind höher in jeder Beziehung. Von deutscher Seite war das Unternehmen nicht als Vernichtung der Navy geplant. Es sollte - wie bei Scarborough - ein isolierter Teil der Navy angegriffen werden. Das ging gründlich daneben. Die Tirpitzanhänger sahen allerdings in der Praxis, was man zwei Jahre früher mit der Flotte hätte machen können.

    Plumpe hat die Einwohnerzahl Chinas, ihre Kaufkraft, deutsche Industrieprodukte und das Interesse hierfür in China, etc. genommen und die wirtschaftlichen Möglichkeiten dargestellt. Die waren enorm. Ernsthafte Industriekonkurrenz gab es nicht (die USA waren mit dem eigenen Kontinent beschäftigt). Chemie war faktisch deutsches Monopol, beispielsweise in Elektrotechnik oder Maschinenbau war man Weltmarktführer. Deutsche Bankfilialien - die zumeist über London abrechneten - gab es genug (auf der homepage von 'bankgeschichte' nachlesbar).

    Es werden wirkliche oder vermeintliche Mißerfolge erwähnt; die gab es und wird es in Zukunft geben. Das ist aber nicht der Punkt. Tsingtau hätte zur Plattform der deutschen Industrie werden sollen. Solange die deutsche Industrie Spitzenprodukte geliefert hätte, wäre das ein Erfolg gewesen (die Größe des Erfolgs hing von den Abnehmern, d.h. der Zahl der Chinesen und deren Kaufkraft - die gut war - ab). Bitte auch nicht vergessen, dass der immense Wirtschaftsboom erst in Deutschland etwa 1895 begann. Der Exprtboom hat erst angefangen.

    Zu Japan hab mich mich mehrmals geäussert. Ich müsste die einzelnen Beiträge heraussuchen. Japan suchte jemand der seine Industrie mitaufbaute. Da war Deutschland besser geeignet als England. Kapital - da war England besser - gab England nur sehr zurückhaltend, da man keinen Konkurrenten aufbauen wollte. Engl. Banken misstrauten Japan offen. Politische Differenzen waren vorhersehbar und kamen auch (bzgl. Indien schon vor dem 1. Weltkrieg. Bei dem Vertrag gab es ständig Reibereien, er wurde mehrfach nachverhandelt.
     
  15. Köbis17

    Köbis17 Gast

    @silesia und @admiral, um was geht es Euch genau?

    Zu dem Thema Rohstoffversorgung ist zu sagen, daß in der britischen Marine nur die großen Schiffe der Queen-Elisabeth-Klasse für reine Ölfeuerung vorgesehen waren. Doch auch die Briten erkannten schnell, daß die Versorgung nur mit Öl, für die Flotte nicht auf Dauer in so großen Mengen durchführbar war, was bei der folgenden Revenge-Klasse dazuführte, das wieder auf Kohlefeuerung umgestellt wurde, auch wenn man dabei den Geschwindigkeitsüberschuß verlor.

    Somit sollte man diese Technik der Ölfeuerung bei der britischen Marine nicht überbewerten. Diese war noch nicht so ausgereift, wie das es einen Vorteil geschaffen hätte.
     
  16. admiral

    admiral Neues Mitglied

    Macht es unter diesem Gesichtspunkt Sinn, die persischen Ölfelder mit Truppen anzugreifen (#28)? Oder reichten Kommandounternehmen aus? Kennt man den Zahlen über die Öleinfuhren Englands im Kreig aus Persien, USA und anderen Ländern?
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Hinweis auf Japan wurde oben gebracht, als Option zur Berechung der europäischen Blockade, und somit in Rückwirkung auf die deutsche Versorgungslage im Ersten Weltkrieg.

    Da das hier vom Thema eher abführt, habe ich dort ergänzt:
    http://www.geschichtsforum.de/395484-post6.html
     
  19. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich vermute nun, dass die USA und Mexiko den gesamten Bedarf der Entente abdecken konnten.

    1915 förderten die texanischen Ölfelder rd. 25 Mio. US-barrel, also ca. 3 Mio. Tonnen. Texas lag damit an dritter Stelle hinter Kalifornien und Oklahoma, mit einem Anteil von rund einem Viertel der US-Ölförderung insgesamt. Dieses Niveau war bereits 1905 erreicht worden, dann stark abgefallen wegen Erschöpfung der ersten Förderfelder, dann ab 1912-20 wieder stark angesteigen. Der rasante Anstieg kann kaum dem alleinigen Nachfrageanstieg in den USA entsprechen. An anderer Literaturstelle war imho von einem Monatsverbrauch der Entente von zusammen 100.000 to. die Rede.

    Max Hannemann: Die Seehäfen von Texas, ihre geographischen Grundlagen, ihre Entwicklung und ihre Bedeutung, 1928
     
  20. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zufällig habe ich noch einen Eintrag im Staatslexikon 1931 gesehen:

    Welt-Rohölproduktion 55 Mio. Tonnen in 1914 (93,5 Mio. to. in 1920).
    Davon 90% in USA/Rußland/Mexiko. Aufteilung nach Quoten: USA 66%, Rußland 17%, Mexiko 7%.
    Der 90%-Anteil ist im Prinzip unverändert bei den Daten zu 1920.

    Die Tonnen-Angabe ist allerdings fraglich. Oder die Angabe für Texas bei Hannemann ist für 1915 falsch bzw. der US-Anteil zu hoch ("ein Viertel").
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. März 2009

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