Rüstung und Bewaffnung des (west-)europäischen Ritters

Denk auch der in der Mitte wird nen hohlen Stab haben. Da ich in der Metallbranche gelernt habe weiß ich, dass das selbst auf dem kurzen Stück schnel sehr schwer wird, nimmt man Vollmaterial. Betreibe grad nur ein paar Recherchen, da ich mir selber so ein Prunkstück anfertigen möchte.
 
Denk auch der in der Mitte wird nen hohlen Stab haben. Da ich in der Metallbranche gelernt habe weiß ich, dass das selbst auf dem kurzen Stück schnel sehr schwer wird, nimmt man Vollmaterial. Betreibe grad nur ein paar Recherchen, da ich mir selber so ein Prunkstück anfertigen möchte.

Ich denke immer noch, du meintest der Stiel sei hohl gewesen. Das geht nicht, das konnten die nicht.
Ein Schaft ist der Übergang vom Stiel zur Keule.
Guck dir einen Gartenspaten an, da ist über dem Blatt noch ein zusammengenieteter Schaft in dem der Stiel drinsteckt.
Ein Stiel (Stab) hohl zu machen,, selbst wenn sie es gekonnt hätten, ergibt keinen Sinn.
Ahhh, und erst spätere Modelle waren dann aus Metall nehm ich mal an. Aber mal vom zeitalter abgesehn. Waren die Metallversionen dann hohl im Stab oder massiv?
 
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Hmm, ok dann hatten wir hier wohl ein Verständigungsproblem. Ich meinte schon den Stiel. Kenne mich natürlich nicht soo gut aus in den Produktionsmöglichkeiten der Zeit. Aber wenn wir mal den kolben aus der Mitte als Bsp. nehmen würde der extrem schwer sein, wäre sein Stiel aus Vollmaterial (Metall). Da ich aber nicht in der Zeit lebte werd ich mich mal nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. :fs:
 
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Leider hatte ich noch kein Original in der Hand, werde dies aber hoffentlich Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres nachholen. Ansonsten kann ich nur aus dem Buch "Kleidung und Waffen der Spätgotik III" von Lehnart S. 142 zitieren:
Der Streitkolben der Spätgotik ist ganz aus Stahl gefertigt. Am hohlen, sechs- oder achtkantigen Schaft bilden sechs oder acht angeschweißte Schlagblätter mit kantigen Spitzen den Schlagkopf. Die Schlagblätter weisen zur Verzierung oft dreipaßförmige Durchbrüche auf.
Hier ein Bild von einem Original:
Streitkolben
Im Buch "Europäische Hieb- und Stichwaffen" von Müller/Kölling/Platow sind drei Streitkolben des Spätmittelalters abgebildet mit einem Gewicht von 1020 g bis 1330 g und einer Gesamtlänge von 535 mm bis 585 mm.
Im gleichen Buch ist ein Streitkolbenkopf 1. Hälfte des 15 Jh. aus Bronze abgebildet, der auf einen Vollholzschaft gesteckt wird. Gewicht 320 gr, Tülle mit zwei Nagellöchern.
Ich kann hier ebenfalls leider noch nicht genau die Bezeichnungen Schaft und Stiel zuordnen. Es liest sich, als wäre beim "Lehnart" der Schaft=Stiel und beim o.g. Link steht, dass der Schaft, also Stiel, hohl sei.
Aber wie gesagt, ich werde hoffentlich einmal in absehbarer Zeit ein paar Originale untersuchen und dann eine genauere Aussagen treffen können.
 
Hallo miteinander,

natürlich ist mir vollkommen klar, daß wir ein Geschichtsforum und kein Forum für Reenactment, Living History und experimentelle Archäologie sind :winke:
............................
............................

In diesem Sinne

Timo


Hallo Timo,

nach diesem Thema und einer so detaillierten Aufbereitung habe ich schon lange gesucht. Jetzt in meiner "sog. Auszeit" habe ich Deine äußerst interesannten Beiträge entdeckt und gelesen. Ich sage nur sehr informativ, sachkundig und schlüssig aufbereitet.
Danke - jetzt bedauere ich nicht meine "Auszeit" genommen zuhaben, sondern setze diese jetzt als "Entdeckerzeit" fort.

- leider kann ich erst nach weiteren 20 Punktbewertungen erneut bewerten; okay ist gespeichert!


Mit allerbesten Grüßen :winke:

Simplex Simplicissimus
 
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Hallo Timo

Ich weiß nicht ob das hier der richtige Ort für meine Frage ist, aber ich habe vor kurzer Zeit die Geschichte Parzifal (bekannterweise von Wolfram von Eschenbach) gelesen. Dabei muss Parzifal sich ständig den Rost von Gesicht und Händen abwaschen, nachdem er sich seiner Rüstung entledigt hatte. Teilweise soll man sogar noch nicht einmal seine Schönheit erkannt haben, so verdreckt war sein Gesicht :S. Waren die Rüstungen von innen wirklich so verrosstet? Oder ist das nur eine Herbeidichtung Wolframs? Vielleicht nochnichtmal Das, sondern der Übersetzer ( Ich habs natürlich nicht im Original gelesen =)) hat das mit in die Geschichte eingebaut? Übrigens falls diese Frage irgendwo schonmal gestellt wurde tuts mir Leid:winke: Danke schonmal im Vorraus...

Gruß Tobias
 
Waren die Rüstungen von innen wirklich so verrosstet? Oder ist das nur eine Herbeidichtung Wolframs? Vielleicht nochnichtmal Das, sondern der Übersetzer ( Ich habs natürlich nicht im Original gelesen =)) hat das mit in die Geschichte eingebaut?

Die Rüstungen zur Zeit Wolframs waren "lediglich" Kettenhemden, also ineinander verflochtene Kettenringe (s. Anhang).
Durch die Bewegungen des Trägers kommt es zum Abrieb des Materials, der allein durch Hautkontakt/ Schweiß rostet. Der unter dem Kettenhemd getragene Wambeis strotzte immer vor Rost (s. anderer Anhang).
Wolfram kannte diesen Umstand, möglicherweise sogar aus eigener Erfahrung. Ergo handelt es sich tatsächlich um die Wahrheit, die nicht hinzugedichtet wurde. Und, ja, nach dem Tragen ist das Waschen bitter nötig.

Damit kein Mißverständnis aufkommt: beide, Rüstung und Wambeis, sind Rekonstruktionen. :O
 

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Danke für die schnellen Antworten,

hätte ich ehrlichgesagt nicht gedacht, dass es in Wirklichkeit auch so war.
Naja man lernt nie aus ;)

Gruß Tobias
 
Wie sieht's eigentlich mit der Quellenlage zu Schwertscheiden das 10. Jhdt. aus? Kann mir da jemand Tipps geben?

Insbesondere würde mich interessieren, mit was die Dinger bezogen sein konnten. Nix? Leder? Textil? irgendetwas dergleichen?
 
Also ich kenne besonders viele Schwertscheiden die einen Bezug aus Leder besitzen. Darunter befand sich meines Erachtens eine Holzform, da Holz ja zu den gängigsten Materialen des Mittelalters zählte und sich die Klinge ja einer festen Form aufhalten sollte. ;)
 
Erst mal vielen Dank für die Info.:friends:
Ich sollte meine Frage vielleicht präzisieren und den Hintergrund beleuchten:

Der grundlegende ("klassische") Aufbau einer frühmittelalterlichen Schwertscheide ist mir als wie folgt bekannt:
Innen Textil (vornehmlich Wolle) oder Fell (auf die Strichrichtung achten, um ein Herausrutschen des Schwertes zu verhindern), dann eine feste Form aus Holz, für gewöhnlich aus zwei Halbschalen, dann entweder bemalt (dazu müssen die Holzhalbschalen fest verleimt sein) oder ein Bezug/Wickelung (der die Halbschalen theoretisch auch ohne Verleimung fixieren würde). Eventuelle Beschläge (Ortband, Scheidenrandbeschläge, Scheidenmundbleche...) je nach Region und Epoche hier große Unterschiede, ebenso wie bei der Aufhängung. (Siehe z.B. Menghin).

Ich habe nach diesem Grundaufbau auch schon für den Eigenbedarf Scheiden gemacht, z.B. für meine Kleinlangheim-Replik (siehe meine Galerie).
Nun hat allerdings ein Freund von mir auch einen scheidigen Wunsch und bei ihm müsste es zu einem Schwert um etwa das Jahr 950-1000 passen.
Da bin ich selber als alter Karolinger allerdings blank und auch meine eigene detaillierte Eisenwarenliteratur hört leider um etwa 800 AD auf.
Er hat nun den Wunsch nach einer Textilummantelung/Wickelung eingebracht und speziell dazu bräuchte ich den ein oder anderen Beleg (was natürlich nicht heißt, dass nicht auch andere Informationen willkommen wären)
 
Erst mal vielen Dank für die Info.:friends:
Ich sollte meine Frage vielleicht präzisieren und den Hintergrund beleuchten:

Der grundlegende ("klassische") Aufbau einer frühmittelalterlichen Schwertscheide ist mir als wie folgt bekannt:
Innen Textil (vornehmlich Wolle) oder Fell (auf die Strichrichtung achten, um ein Herausrutschen des Schwertes zu verhindern), dann eine feste Form aus Holz, für gewöhnlich aus zwei Halbschalen, dann entweder bemalt (dazu müssen die Holzhalbschalen fest verleimt sein) oder ein Bezug/Wickelung (der die Halbschalen theoretisch auch ohne Verleimung fixieren würde). Eventuelle Beschläge (Ortband, Scheidenrandbeschläge, Scheidenmundbleche...) je nach Region und Epoche hier große Unterschiede, ebenso wie bei der Aufhängung. (Siehe z.B. Menghin).

Ich habe nach diesem Grundaufbau auch schon für den Eigenbedarf Scheiden gemacht, z.B. für meine Kleinlangheim-Replik (siehe meine Galerie).
Nun hat allerdings ein Freund von mir auch einen scheidigen Wunsch und bei ihm müsste es zu einem Schwert um etwa das Jahr 950-1000 passen.
Da bin ich selber als alter Karolinger allerdings blank und auch meine eigene detaillierte Eisenwarenliteratur hört leider um etwa 800 AD auf.
Er hat nun den Wunsch nach einer Textilummantelung/Wickelung eingebracht und speziell dazu bräuchte ich den ein oder anderen Beleg (was natürlich nicht heißt, dass nicht auch andere Informationen willkommen wären)


interessant:)
Es sollte also zu einer Scheide aus dem benannten Zeitraum passen. Okay...puh... :fs:
Etwas Anderes als gegerbte Tierhaut fehlt mir wirklich nicht ein.

Grüße
Syene
 
Hallo ich bin neu hier und durch Zufall auf die Seite gestoßen. Seit meiner Kindheit interessierte ich mich schon für die Ritter. Was mich schon seit langem interessiert wie würde wohl ein Kampf ausgehen einen Römischen Legion 70 v. Chr. gegen ein Ritterheer so 13. Jahrhundert? ich denke mal das die Römer gewinnen würden ich denke mal sie waren viel disziplinierter als die Ritter. Wenn man aber die Waffen vergleicht vor allen Dingen die Schwerter würde wohl eine römische Klinge den Kontakt mit einem Ritterschwert nicht überstehen? wie ist eure Meinung dazu? vor Jahren habe ich mir mal zwei Ritter Bausätze gekauft weiß aber leider nicht mehr aus welchem Jahrhundert die beiden Ritter sind könnt ihr mir dabei helfen, mich würde auch interessieren ob sich die beiden vielleicht begegnet sind oder ob sie aus ganz verschiedenen Jahrhunderten stammen. die beiden habe ich im übrigen selbst zusammengesetzt und bemalt.
 

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Ich habe noch schöne Bilder gefunden: Und das letzte Bild hat mir schon immer gut gefallen
 

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