Russland

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von Stas, 23. April 2004.

  1. askan

    askan Neues Mitglied

    Na, wer weiß denn was mit Wihelm passiert wäre wenn er nicht geflohen wäre.

    Der Zar blieb im Land, weil geplant war in Russland eine Monarchie wie in England einzuführen. Aber es kam zum Bürgerkrieg und die Opposition wollte halt knallharte Fakten schaffen.
     
  2. Philipp August

    Philipp August Gesperrt

    Na ja, alle Könige des deutschen Reiches kamen doch mit dem Leben davon, oder? Auch Karl I. von Österreich, aber eben die Zarenfamilie nicht. Nicht mal die Kinder wurden verschont. Hätte man Wilhelms ganze Familie umgebracht? Und war Nikolaus II. nicht ein bisschen naiv, nicht früher zu flüchten? Also ich hab mich noch nie genau damit beschäftigt, aber ist es nicht so? Seine Mutter entkam ja z.B.
     
  3. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    Aha....Extreme Völker also...Mag das Ende der Monarchien unterschiedlich verlaufen sein und wegen mir ahne ich gar deine Intention....möge sie hinsichtlich Revolutionen und Umstürzen gemeint sein und kein pauschales Urteil abgeben. Dann gibts noch ganz "extremere Völker".
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Nikolai hatte keinen Grund zu flüchten, denn er wurde von der bürgerlichen Revolution im Feb.1917 abgesetzt, er wurde aber immernoch als potenzielles zukünftiges Staatsoberhaupt gehandelt. Denn es war für Russland eine parlarmentarische Monarchie geplant.
    Aber es kam zu Unruhen in deren Verlauf die Kommunisten (mit grosser fianzieller und logischer Unterstüzung des dt.Reiches) im Okt. 1917 eine zweite Revolution anzettelten. Daraus entstand ein blutiger Bürgerkrieg und in dessen Verlauf wurde die Zarenfamilie hingerichtet.
     
  5. Philipp August

    Philipp August Gesperrt

    Ich denke doch, dass der Zar die äusserst gefährliche Lage erkannt haben könnte. Wie kann es bloss sein, dass seine ganze Familie am Ende den Tod fand? Kann jemand darauf eine verständliche Antwort finden?
     
  6. askan

    askan Neues Mitglied

    Als es gefährlich wurde, war es zu spät zum flüchten. Außerdem ist es heute noch gefährlich, in die Gefangenschaft von Soldateska zu geraten die auf ein Exempel aus sind.
     
  7. Philipp August

    Philipp August Gesperrt

    Der Zar machte wohl den Fehler, bis am Ende an seine Unantastbarkeit und wohl vor allem an Gottes Unterstüzung zu glauben, oder seht ihr das anders?
     
  8. askan

    askan Neues Mitglied

    Wenn dir die provisorische Regierung deines Landes anbietet Staatsoberhaupt zu werden!
    Würdest du dann das Exil suchen????

    Das sich im Laufe eines Bürgerkriegs die Verhältnisse ändern und die Lage gefährlich wird, das kann auch ein Zar nicht hervorsehen.
     
  9. Philipp August

    Philipp August Gesperrt

    Der Zar war doch schon paar Tage nach seiner Abdankung ein Gefangener...
    http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/NikolausII/
    "1917
    Aufgrund der militärischen Niederlagen, der Versorgungsnot im Reich und der Unzufriedenheit der Bevölkerung kommt es landesweit zu Arbeiteraufständen und Meutereien der Soldaten.

    28. Februar: Die bürgerlichen Parteien der Duma bilden ein Komitee, aus dem eine provisorische Regierung unter dem liberalen Georgi Fürst Lwow hervorgeht.

    11. März: Der Zar verfügt die Auflösung der Duma und einen Schießbefehl gegen die Aufständischen. Die Soldaten verweigern sich der Anordnung.


    1917
    15. März: Auf Druck der Generalität dankt Nikolaus II. zugunsten seines Bruders, des Großfürsten Michail (1878-1918), ab. Dieser weist jedoch die Krone zurück.

    21. März: Nikolaus II. wird in Haft genommen und nach Internierung in Zarskoje Selo mit seiner Familie nach Sibirien verbannt."
    Wenn dann hätte er vor der Errichtung der provisorischen Regierung fliehen müssen, oder etwa nicht?
     
  10. askan

    askan Neues Mitglied

    Aber wie am Thronangebot an seinem Bruder sieht, hatten die Russen überhaupt nicht vor die Monachie abzuschaffen. Erst als die Kommunisten überhand gewannen, wurde es gefährlich.
    Als der König von Sachsen abdanken musste ist er auch mit Polizeibegleitung in sein Exil nach Schlesien gefahren. Also bis dahin iste es nicht ungewöhnlich.
     
  11. Philipp August

    Philipp August Gesperrt

    Mich würde hier interessieren, warum der Zar nicht de facto entmachte wurde sondern gleich de iure? Man hätte ihn doch Zar bleiben lassen, nur ihn die Befehlsgewalt einem anderen/anderen übertragen lassen können?
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juli 2004
  12. askan

    askan Neues Mitglied

    Also, ich könnte mir gut vorstellen, das wenn man einen Weltkrieg, eine Revolution, haufenweise bürgerkriegsähnliche Unruhen, Versorgungsnotstand und das alles gleichzeitig am Hals hat, das man erstmal praxisnahe Lösungen ergreiffen wird, bevor man sich hinsetzt und die feinen Details ausarbeitet.
     
  13. Philipp August

    Philipp August Gesperrt

    Ja, eine praxisnahe Lösung wäre, einfach die Befehlsgewalt in andere Hände zu legen. Warum auf den Titel verzichten? :king:
     
  14. askan

    askan Neues Mitglied

    vielleicht um erstmal den Mob zu beruhigen?
    Es soll ja auch Völker geben, die selbst nach einem verlorenem Ballspiel Köpfe rollen sehen wollen.
     
  15. Philipp August

    Philipp August Gesperrt

    Tja, offensichtlich beruhigte sich der Mob ganz und gar nicht, aber stimmt. ;)
     
  16. Saint-Just

    Saint-Just Neues Mitglied

    Soweit ich weiss, war geplant, dass der Ex-Zar ins Exil nach Großbritannien gehen sollte. Das scheiterte dann aber an der Opposition des britischen Premierministers (Lloyd-George)
    Was heisst "es" war geplant? Die Frage ist doch von wem. Pläne zur Beibehaltung der Monarchie gab es eigentlich nur bei der Liberalen Partei (Konstitutionelle Demokraten)- während der Revolution die äußerste Rechte (zumindest soweit legal). Keine andere Partei dachte auch nur daran, den Zaren zurückzuholen. Und auch die Frage der parlamentarischen Monarchie dürften die Sowjets etwas anders geplant haben. Aber es war ja nicht nur eine Frage der Parteien. In der russischen Gesellschaft gab sehr verschiedene Kräfte- ehemalige Adlige, Arbeiter, Bauern, Intellektuelle- mit zum Teil gegensätzlichen Zielen (irgendwie nicht überraschend in einer Revolution). Als Person war der sowohl der Zar wie auch der Ex-Zar ziemlich irrelevant- bedeutend nur als als Symbol, als "Charaktermaske".
    (Interessant zur Russischen Revolution, wenn auch etwas tendenziös: "Tragödie eines Volkes" von Orlando Figes)
     
  17. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied



    Die Fronten zwischen Exekutive und Legislative, also zwischen linksliberal dominierter Duma und der ihr mit Misstrauen begegnenden Regierung waren von Anfang an verhärtet.
    Das zaristische System hatte in den Jahren vor 1905 durch seine Reformunwilligkeit große Teile der russ. Gesellschaft in die Opposition getrieben.
    Das parlamentarische Experiment mit Duma –Wahlen hat die Kluft zwischen den gesellschaftlichen Schichten nicht überbrücken können.
    In verfassungswidriger Weise (ohne Zustimmung der Duma ) wurde 1907 von der Regierung ein Wahlgesetz erlassen , welches den repräsentativen Charakter einer Volksvertretung völlig verlor.
    Die Jahre nach 1905 nutzte das zaristische System dafür, die Opposition zu zerschlagen.
    Schon seit 1881 gab es ein Ausnahmerecht , welches jederzeit über eine Unruheregion verhängt werden konnte.
    Ministerpräsident Stolypin richtete 1906 sog. Feldkriegsgerichte ein, die die Todesstrafe ermöglichten , im Unterschied zu den zivilen Gerichten.
    Das Hängen wurde in Russland ein alltäglicher Vorgang, der Volksmund sprach von der „Stolypinschen Krawatte „
    Übrigens gab es auch damals schon das bewährte Mittel einer Sündenbocksuche für schlechte Lebensverhältnisse. Im Zuge der Repressionswellen bediente sich die zaristische Politik auch
    der Judenprogrome.
    Rechte Gruppierungen , die eine völlige Wiederherstellung autokratischer Verhältnisse
    wünschten bedienten sich rassistischer Hetzschriften und ihr Kampfverband der
    „Schwarzen Hundertschaften“ sind zum Großteil für die politischen Morde und Judenprogrome in diesen Jahren verantwortlich.
    Zwei Beispiele von vielen : In Odessa forderten die Progrome 700 Opfer ,
    in Bialystok veranlasste die Regierung 1906 ein Judenprogrom.
    Die Ablenkung der Unzufriedenheit der Bevölkerung auf Juden und nationale Minderheiten
    blieb eine Konstante der zaristischen Politik .
    Es gab also wenig Vertrauen in das System und die Person des Zaren seitens der Revolutionäre 1917/18 nach anfänglichen parlamentarischen Frühlingswind der Duma Eröffnung von 1906 .
     
  18. Linker

    Linker Neues Mitglied

    1. Wenn die Russen und die Franzosen extreme Völker sind, was sind dann Deutsche und ÖsterreicherInnen. Die haben zwar ihre Herrscher am Leben gelassen, aber dafür ein paar Millionen Juden und Jüdinne umgebracht.

    2. Also ich wüsst nicht aus was sich Könige&CO rechtfertigen sollten, wenn nicht aus Gott oder sonst irgend etwas höherem.

    3. Selsbt wenn die wahre Macht in der Hand eines PArlaments liegt, sollte es keinen Platz mehr für Könige und Adel geben.
    Erstens bleib die Frage, ob die Könige und ihre Adeligen weiter in Reichtum gelebt hätten und zweitens selbst wenn ein König nur representative Aufgaben hat, so bleibt er doch Projektiosnpunkt für feudale Vorstellungen und die haben meiner Meinung nach in einer modernen, augeklärten bürgerlichen Gesellschaft keinen Platz mehr.
     
  19. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat:" die haben meiner Meinung nach in einer modernen, augeklärten bürgerlichen Gesellschaft keinen Platz mehr."

    Dann schau nach Schweden und entdecke die Möglichkeiten!
     
  20. Linker

    Linker Neues Mitglied

    ICh sag ja nicht, dass es gleich der Untergang der Demokratie ist, wenn es einen König gibt, aber dennoch repräsentiert ein König ein imperiales verständniss und befriedigt feudale Bedürfnisse der Menschen, anstatt zu versuchen diese zu überwinden. Allerdings gibt es sicherlich dringlichere Probleme.
     

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